Der neue Band des Homo-Sacer-Projekts Was wird aus der Regel, wenn
sie im Leben restlos aufzugehen scheint? Und was aus einem
Menschenleben, wenn seine Gesten, seine Worte und sein Schweigen
von der Regel nicht mehr zu unterscheiden sind? In Fortschreibung
seines groß angelegten Homo-Sacer-Projekts unternimmt der
weltbekannte Philosoph Giorgio Agamben eine passionierte Relektüre
des abendländischen Mönchtums von Pachomius bis St. Franziskus.
Doch auch wenn er das von peinlich genauer Regelbeachtung bestimmte
Leben der Mönche bis ins kleinste Detail rekonstruiert, sieht
Agamben die eigentliche Innovation des Mönchtums nicht in der
Vermengung von Leben und Norm, sondern in der Entdeckung einer
Dimension des Menschen, in der das »Leben« als solches zum ersten
Mal seiner Autonomie Geltung verschaffte. Denn die Herausforderung,
vor die die Mönche das Recht stellten, indem sie auf »höchste
Armut« und den bloßen »Gebrauch« bestanden, hat auch heute von
ihrer Brisanz nichts verloren.
Was wird aus der Regel, wenn sie im Leben restlos aufzugehen
scheint? Und was aus einem Menschenleben, wenn seine Gesten, seine
Worte und sein Schweigen von der Regel nicht mehr zu unterscheiden
sind?
In Fortschreibung seines groß angelegten Homo-Sacer-Projekts
unternimmt der weltbekannte Philosoph Giorgio Agamben eine
passionierte Relektüre des abendländischen Mönchtums von Pachomius
bis St. Franziskus. Doch auch wenn er das von peinlich genauer
Regelbeachtung bestimmte Leben der Mönche bis ins kleinste Detail
rekonstruiert, sieht Agamben die eigentliche Innovation des
Mönchtums nicht in der Vermengung von Leben und Norm, sondern in
der Entdeckung einer Dimension des Menschen, in der das
"Leben" als solches zum ersten Mal seiner Autonomie
Geltung verschaffte. Denn die Herausforderung, vor die die Mönche
das Recht stellten, indem sie auf "höchste Armut" und den
bloßen "Gebrauch" bestanden, hat auch heute von ihrer
Brisanz nichts verloren.
Skeptisch blickt Uwe Justus Wenzel auf das Werk des italienischen Juristen und Philosophen Giorgio Agamben, der am 22. April siebzig wird. Anlässlich des neuesten Bandes des "Homo sacer"-Projekts wendet sich Wenzel noch einmal dem Denken des Autors zu und rekapituliert dessen zentralen Ideen. Allerdings bleibt ihm, wie er immer wieder unterstreicht, bei Agamben zu vieles im Dunklen. Agambens Texte erscheinen ihm als Mischung aus historisch-philologischer Analyse und geschichtsmetaphysischer Spekulation, als Versuch, das "Betriebsgeheimnis des Abendlandes" zu lüften, der sich mit methodischen Fragen nicht lange aufhält. Wenzel hält das zeitdiagnostische Potenzial bei Agamben für überschätzt, dessen Ausführungen über Guantánamo für vereinfacht. Der aktuelle Band liest sich für ihn wie eine "kühle Exegese" von zentralen mönchischen und theologischen Schriften, dessen Bezug zu Agambens ursprünglicher Fragestellung in seinen Augen unklar ist. "Neben den juristischen Denkfiguren sind es theologische, die Agamben als Hohlformen einer Theorieprosa benutzt", resümiert der Rezensent, "die noch immer nicht zu erkennen gibt, worauf sie eigentlich hinauswill."
Giorgio Agamben wurde 1942 in Rom geboren. Er studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluß des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken. Als Herausgeber der italienischen Ausgabe der Schriften Walter Benjamins fand Agamben eine Reihe von dessen verloren geglaubten Manuskripten wieder auf. Seit Ende der achtziger Jahre beschäftigt sich Agamben vor allem mit politischer Philosophie. Er lehrt zur Zeit Ästhetik und Philosophie an den Universitäten Venedig und Marcerata und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris, Berkeley, Los Angeles, Irvine.
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20