Porno ist überall. Seit der Allgegenwart pornografischer Filme im
Internet, auf Multimedia-Playern und Schülerhandys haben
Kulturpessimisten und besorgte Pädagogen eine
"Pornografisierung der Gesellschaft" ausgemacht, gar von
einer "Generation Porno" ist die Rede. Dabei wird
stillschweigend vorausgesetzt, dass Pornografie stets billig,
vulgär, frauenverachtend und ästhetisch minderwertig sei: Der
Pornofilm ist nicht nur die kommerziell bedeutendste Filmgattung,
sondern zugleich die am meisten verachtete. Allerdings bietet das
Genre bei genauerem Hinsehen weit mehr, als das Gros seiner
Produktionen vermuten lässt: Seit Beginn der Pornografie gibt es
ihn, den anderen, den guten, den interessanten, den unterhaltsamen,
den ästhetisch ansprechenden, gar den kritischen und subversiven
Porno, der auf mehr als den Unterleib der ZuschauerInnen zielt und
der die Grenzen zu Kunst und Spielfilm auf fantasievolle, ernste,
humorvolle oder auch trashige Art überschreitet.
Die Autorinnen und Autoren dieses Sammelbandes beschreiben,
huldigen, analysieren, bestaunen und sezieren Exemplare und
Facetten dieser Spezies. Sie fahnden nach avantgardistischen
Strömungen im Mainstream und neuen Moden des Genres. Sie nehmen
dabei Diskussionen der Gender- und Porn-Studies auf und erörtern
gesellschaftliche und kulturelle Verankerungen des pornografischen
Films jenseits der Standardware.
Oliver Demny, promovierter Soziologe mit den Arbeitsschwerpunkten (Anti)Rassismus, Sozialgeschichte und Sozialstrukturanalyse der USA, Visualität, Cultural Studies, Porn Studies, Auflösung von Zwangsbinaritäten. Desweiteren Filmfestorganisator von OpenEyes und Kampfsportler.
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