Liebestod und Femme fatale - Bronfen, Elisabeth

Elisabeth Bronfen 

Liebestod und Femme fatale

Der Austausch sozialer Energien zwischen Oper. Literatur und Film

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Liebestod und Femme fatale

Wie kommt es, daß ausgerechnet Shakespeare, der dem durchschnittlichen Kinogänger lediglich vom Namen her bekannt sein dürfte, zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten "Drehbuchautoren" der amerikanischen Filmindustrie werden konnte? Und daß - weitgehend unbemerkt - die Anlage von Wagners Tristan und Isolde in den Plots des film noir bis heute weiterwirkt?

Elisabeth Bronfen betreibt ein originelles und spannendes "cross-mapping" zwischen Theater, Oper und Film und leistet ganz nebenbei einen gewichtigen Beitrag zur Erforschung der durch diese Medien freigesetzten und als ästhetisches Lusterlebnis nutzbar gemachten psychischen Energien.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2004
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 197 S.
  • Seitenzahl: 198
  • Edition Suhrkamp Nr.2229
  • Best.Nr. des Verlages: 12229
  • Deutsch
  • Abmessung: 178mm x 108mm x 18mm
  • Gewicht: 126g
  • ISBN-13: 9783518122297
  • ISBN-10: 3518122290
  • Best.Nr.: 09452687
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.03.2005

Tristans Triebkräfte sind kälter als der Tod
Die Bühne und der Film sind ein Geschlechterlabor: Elisabeth Bronfens Studie über "Liebestod und Femme fatale"

Wagner und kein Ende, abermals. Denn mehr und mehr erscheint er als der Hyper-Vampir des neunzehnten Jahrhunderts, der, wahrhaft leitmotivisch, vorwegnehmend noch die aktuellen Diskurse aussaugt, unersättlich Deutungsfragen anstößt, die auf ihn zurückverweisen. Und ist schon im Plan des Gesamtkunstwerks das Genre Film als technisch-synthetische Überhöhung der Oper visionär konzipiert, so hat es nicht an Hinweisen gefehlt, die Wagners vor allem orchestrale Phantasmagorien als quasi-cinéastische Antizipationen interpretierten.

Nach wie vor sind Wagners Texte ein ergiebiges Ideen-Reservoir für gesellschaftskritische Impulsforschung, aber auch psychoanalytische Theoriebildungen, die sich generell um Liebe und Tod und in der Folge um das schier vexierbildhaft komplexe Verhältnis der Geschlechter zueinander kümmert. Zumal jede "Tristan"-Inszenierung wirft aufs neue Fragen nach dem labyrinthischen erotischen Netzwerk auf, dessen lakonisch euphemistischer Untertitel "Handlung" schon …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Gerhard R. Koch von Elisabeth Bronfens Studie über "Liebestod und Femme fatale", die das Weiterwirken von Wagners Liebestod-Motiv in den Mann-Frau-Konstellationen des "film noir" unter die Lupe nimmt. Koch charakterisiert die Literaturwissenschaftlerin als "eine Art Genre-Peripatetikerin", die nicht nur durch die Geistesgeschichte flaniert, sondern sich auch systematisch durch eine permanent die Perspektiven verwirrende Kulturlandschaft bewegt. Bronfen gelinge es, wo nicht kongruente, so doch analoge Muster in Wagners Oper und Filmen wie Billy Wilders "Double Indemnity" oder Fassbinders "Liebe ist kälter als der Tod" aufzudecken. Koch hebt hervor, dass die Autorin dabei "souverän" zwischen Oper, Drama, Literatur und Film, Gender-Theorie, Psychoanalyse und Textexegese hin und her jongliert. "Bestechend" findet er den Materialreichtum und die "dekonstruktivistische Schärfe" ihrer Erörterungen. Dass sie es dem Leser mit ihren verästelten Argumentationen nicht immer leicht macht, ist für Koch kein Einwand. Ein wenig zu kurz kommen seines Erachtens allerdings die Unterschiede zwischen Wagners Liebestod und dem Sterben im "film noir".

© Perlentaucher Medien GmbH
Elisabeth Bronfen, aufgewachsen in München als Tochter eines jüdisch-amerikanischen Anwalts und einer deutschen Mutter, Studium in Harvard und an der Münchner Schauspielschule, seit 1993 Lehrstuhlinhaberin am Englischen Seminar der Universität Zürich Spezialgebiet: Anglo-Amerikanische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts.

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