Kollektive Erinnerung und nationale Identität im Film
Der Mauerfall im Jahre 1989 markiert die letzte globale Zäsur in
der Geschichte des 20. Jahrhunderts und hat zu zahlreichen
Diskussionen über das Selbstverständnis der wiedervereinigten
Nation geführt. Wie soll an die nationalsozialistische und die
DDR-Vergangenheit erinnert werden? Ist die Wiedervereinigung
Schlussstrich oder Neubeginn? Wie können die Mentalitäten zwischen
Ost und West zusammengeführt werden? Fragen, die auch im Spiel film
behandelt werden.
Gerhard Lüdeker zeigt, auf welche Weise kollektive Erinnerungen
nationale Identitätskonstruktionen bedingen und liefert so das
theoretische Fundament, um Identitätskonstruktionen in Erinnerungs
filmen an den Nationalsozialismus und die DDR verständlich und
analysierbar zu machen. Durch die Zusammenführung der verschiedenen
Erinnerungsmodi, die sich im Spiel film bis heute entwickelt haben,
mit soziokulturellen Diskursen, wird die Entwicklung nationaler
Identität von 1989 bis heute sichtbar und die Besonderheiten der
filmischen Bearbeitung treten hervor. Die einst belastende und
mitnichten vollständig aufgearbeitete Historie steht gegenwärtig
der medialen Nutzbarmachung frei zur Verfügung. Dabei stellt sich
allerdings die Frage, ob dies wünschenswert ist und welche Probleme
daraus erwachsen können.
Gerhard Jens Lüdeker, geb. 1975, Studium der Germanistik, Philosophie, Medienwissenschaft, Ethnologie und Geschichte an den Universitäten Bayreuth, Hannover, Oldenburg und Bremen. Mitarbeiter im Institut für kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien der Universität Bremen (ifkud). Mitherausgeber und Redakteur der Online- Zeitschrift für Filmforschung Rabbit-Eye (www.rabbiteye.de).
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