Die Wanderjahre - Zadek, Peter

Peter Zadek 

Die Wanderjahre

1980-2009

Hrsg. u. m. e. Vorw. v. Elisabeth Plessen
Gebundenes Buch
 
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Die Wanderjahre

Peter Zadeks Erinnerungen an die letzten 30 Jahre. Sein Vermächtnis an alle, die das Theater lieben.Der dritte Band der Memoiren von Deutschlands größtem Theaterregisseur Arbeitsbericht, Selbstbeobachtung, Zeitdiagnose und Theatergeschichte.Als der große Peter Zadek im Juli dieses Jahres in Hamburg im Alter von 83 Jahren starb, ging ein unvergleichliches Theaterleben zu Ende. Kein Regisseur hat das deutsche Theater fünf Jahrzehnte lang so aufgewühlt, revolutioniert und dominiert wie Peter Zadek. Kein Regisseur hat eine solche Vielzahl von unvergesslichen Inszenierungen geschaffen. Aber Peter Zadek war nicht nur Theaterregisseur er hat auch großartige Filme wie Ich bin ein Elefant, Madame gedreht, er war Theaterintendant in Bochum, Hamburg und Berlin, er hat Regie unterrichtet und er hat zwei Bände hinreißender Memoiren veröffentlicht: My Way und Die heißen Jahre.Es ist ein großes Glück, dass Peter Zadek noch bis kurz vor seinem Tod an dem dritten und abschließenden Teil seiner Memoiren gearbeitet hat, so dass dieser Band nun posthum erscheinen kann ein Geschenk an alle, die die Arbeit dieses Theatergenies erlebt und verfolgt haben.In Die Wanderjahre 1980 2009 schildert Peter Zadek sein Leben an der Seite der Schriftstellerin Elisabeth Plessen und seine Arbeit seit den frühen 80ern. Mit lakonischem Witz, voller scharfer Beobachtungen und überraschender Analysen lässt er Erfolge und Misserfolge, persönliche Erlebnisse und Ereignisse der Zeitgeschichte Revue passieren. Und immer wieder geht es um "seine" Schauspieler, die unvergessliche Gruppe, die immer wieder zusammenfand: Ulrich Wildgruber, Hermann Lause, Angela Winkler, Eva Mattes, Uwe Bohm, Gert Voss, Ilse Ritter, Susanne Lothar und viele andere. Nie hat Peter Zadek aufgehört, über Theater als öffentliche Kunstform nachzudenken: Was ist ein Schauspieler? Was bedeutet Regie? Was der Umgang mit der Sprache? Was kann Theater bewirken?Seine Antworten sind sein Vermächtnis an uns.Wie die beiden ersten Bände entstand auch Die Wanderjahre 1980 2009 auf der Grundlage von Gesprächen mit Helge Malchow. Herausgeberin des Bandes ist Elisabeth Plessen.


Produktinformation

  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 519 S. m. Fotos.
  • Seitenzahl: 519
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 125mm x 45mm
  • Gewicht: 705g
  • ISBN-13: 9783462042016
  • ISBN-10: 3462042017
  • Best.Nr.: 27885281

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Fasziniert hat Peter Kümmel diese posthum herausgegebenen Erinnerungen Peter Zadeks gelesen, die zwar mit "Wanderjahre" betitelt sind, aber doch eher vom Ende der Wanderung erzählen, wie der Rezensent zumindest mit Blick auf Zadeks Alter klarstellt. Wobei in Kümmels Besprechung auch deutlich wird, wie ruhelos und unheimisch Zadek bis zuletzt blieb, dessen jüdische Familie 1933 von den Nazis aus Deutschland vertrieben wurde. Wie Zadek auch immer wieder mal aus Berlin und Hamburg floh, liest Kümmel hier durchaus belustigt, aber immer auch beklommen nach. Zadeks Spott über das einst berühmte, aber nach der Ermordung seiner Juden "unbrauchbare" Berliner Publikum, dem jeder "Hauch von Poesie" abging. Noch schrecklicher fand er wohl nur das "hochnäsige beschissene Benehmen" der Hamburger, wie Kümmel tapfer einsteckt. Und auch dass Zadek ohne jede Konzilianz über Weggefährten und andere Künstler schreibt, registriert Kümmel.

© Perlentaucher Medien GmbH

Rezensentin Christine Dössel begrüßt den dritten Teil von Peter Zadeks Memoiren, der nun posthum erschienen ist. Das Werk scheint ihr als wunderbares Theaterbuch, als "Anklage-, Streit- und Verteidigungsschrift", als "Krankheits- und Werkstattbericht, Grundsatz- und Liebeserklärung" des großen 2009 verstorbenen Regisseurs. Mal klug, mal schwatzhaft, aber immer unterhaltsam erzähle Zadek von seinen Wanderjahren von 1980 bis 2009 und denke nach über das Theater, die Welt, das Alter und den Tod. Dössel findet in dem Buch jede Menge Klatsch und Tratsch, Bekenntnisse und Beschimpfungen. Deutlich wird in ihren Augen die Offenheit, Freiheit und Phantasie von Zadeks Arbeit, die im Gegensatz zum unterkühlten, analytischen Kopf- und Konzepttheater ostdeutscher Prägung steht. Besonders hebt sie das Kapitel über Zadeks Zeit am Berliner Ensemble von 1992 bis 1995 hervor. Dabei kommt Heiner Müller zu ihrem Erstaunen wesentlich besser weg, als sie vermutet hätte, während Zadek an Einar Schleef kein gutes Haar lässt. Auch die Lieblinge des Regisseurs wie Angela Winkler, Susanne Lothar, Eva Mattes und Hans-Michael Rehberg kriegen laut Dössel ihr Fett weg, werden aber auch gewürdigt. "Die Liebe von Peter Zadek zu seinen Schauspielern ist die Liebe eines Gottes zu seinen Kreaturen", schließt die Rezensentin, "und dass es nicht leicht ist, ein Gott zu sein - auch das wird klar."

© Perlentaucher Medien GmbH
Peter Zadek (1926 bis 2009), geboren in Berlin. Studium in Oxford, seit 1946 Theaterarbeit in England, ab 1958 meist in Deutschland. Intendant in Bochum (1972 bis 1975) und Hamburg (1985 bis 1989), seitdem Arbeit als freier Regisseur u.a. in Wien, München und Berlin. Insbesondere seine Shakespeare-Inszenierungen haben Theatergeschichte geschrieben.

Blick ins Buch "Die Wanderjahre"

Kundenbewertungen zu "Die Wanderjahre" von "Peter Zadek"

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 15.07.2010 ***** ausgezeichnet
Nicht nur Theaterfreunde wissen mit dem Namen Peter Zadeck etwas anzufangen. Er war unter anderem auch ein Meister des sich Einmischens in andere Gefilde. Vor mir liegt der dritte Band seiner Memoiren. Zadek hat Theatergeschichte im deutschsprachigen Raum geschrieben, die die Zeit überdauern wird.

Er selbst hat an diesem Buch noch mitgearbeitet bis sein Tod ihn davon abhielt.

In "Die Wanderjahre - 1980-2009" wird noch einmal sein Humor und sein glasklarer Blick für das wirklich Wichtige der Zeit deutlich. Er schreibt über seine Arbeit und seine Schauspieler, die manchmal Jahrzehnte lang seine Begleiter waren.

Interessant und auch dieses beinhaltet das Buch, die Anmerkungen die Weggefährten über Zadek machen. Sie lassen dieses Buch eine wirkliche Biografie und keine huldvolle Ikone sein.

Christian Döring, www.buecherveraendernleben.npage.eu

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Bewertung von Karl-Heinz List aus Prezelle am 17.05.2010 ***** ausgezeichnet
Das liest man selten in einer Autobiografie, dass jemand von sich sagt, er sei ein Außenseiter, ein Neurotiker und offen über seine seine Fehler, seine Misserfolge, seine Krankheit und Depressionen spricht. Aber er redet auch über seine gelungenen Inszenierungen und seine Schauspieler ("meine Familie"). Die Zeit als Indendant am Schauspielhaus in Hamburg von 1985 bis 1988 fand er frustrierend. Die endlosen Sitzungungen haben ihn gelangweilt, weil es immer nur um Geld und Sparen ging. Presse und Politik haben ihm arg zugesetzt. Ich habe es selbst erlebt, wie SPD-Politiker über ihn herfielen und forderten, für die vielen Subventionen müsse er Vorstellungen anbieten, die allen gefielen. Eine kleinkarierte Auffassung, die seinerzeit in der SPD verbreitet war. Im Nachhinein gesteht Zadek ein, dass es eine falsche Entscheidung war, als Intendant nach Hamburg zu gehen: "Ich war kein guter Intendant."

Auf Kritikiker hat Peter Zadek dünnhäutig reagiert und den meisten vorgeworfen, dass sie von Theater nichts verstünden. Er hat dabei übersehen, dass ein Kritiker zwar ein Urteil über ein Stück abgibt, das aber nicht für den Theatermacher bestimmt ist, sondern für Theatergänger. Welcher Kritiker ist schon in der Lage, die Arbeit eines Regisseurs so zu würdigen, dass sie dem Stück gerecht wird?

Für einen Theatergänger ist Zadeks Autobiografie wie eine Offenbarung. Man erfährt sehr viel über das Innenleben beim Theater. Zadek beschreibt, wie eine Inszenierung entsteht. Und das ist spannend zu lesen. Er schreibt, dass er etwa 250 Stücke inszeniert habe und nicht alle gleich gut gewesen sind. Vielleicht fünf seien spannend gewesen: Kirschgarten in Wien, Lulu in Hamburg, Hamlet mit Angela Winkler, Die Geisel von Brenda Behan und Maß für Maß mit Bruno Ganz.

Peter Zadek schreibt wie er spricht: Direkt, offen, spontan. Das ist erfrischend. Doch nach zweihundert Seiten habe ich mich nach einem lakonischen Schreibstil gesehnt. Es sind die Füllwörter, die Wiederholungen, wie sie beim Sprechen eben gebräuchlich sind, aber geschrieben irgendwann ermüden: "Kein großer Schauspieler, aber ein guter Schauspieler, so ein mittlerer, sehr guter Schauspieler sozusagen." Oder:
"Die Arbeit war heavy, heavy, heavy."

Ein spannendes Buch, sehr zu empfehlen!

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