Was ist das Schöne, wer sind die Schönen zumal im Kino? Fragen,
deren Antworten nicht auf der Hand liegen. Immerhin ist die Zeit
allmählich reif für einen Paradigmenwechsel in der ästhetischen
Betrachtung des Films: weg von einer klassisch geprägten
Auffassung, dass das Schöne mit interesselosem Wohlgefallen zu tun
habe. Vielmehr müssen wir uns eingestehen, dass wir die Schönen
weibliche wie männliche Projektionen mit Interesse besetzen und mit
Begehren verfolgen. So ergibt sich ein Paradox von Nähe und Ferne:
Oft ziehen die Schönen ihre Betrachter gleichsam magisch an, bis
diese ihnen förmlich mit allen Sinnen ergeben sind, bisweilen
fordert die als schön "ausgezeichnete" Person aber auch
eine Art Ehrfurchtsabstand ein. Das gilt auch für das Verhältnis zu
den Schönen im Kino.
Es ist verlockend, sich bei dieser kniffligen Angelegenheit auf
eine Vielzahl einzelner Fälle einzulassen. So ist mit diesem Buch
eine Geschichte der Schönen, der zu "Ikonen" erhobenen
oder stilisierten Schauspielerinnen und Schauspieler im Film,
zustande gekommen; diese orientiert sich an ausgewählten Exempeln
und Modellen von Asta Nielsen bis zu Juliette Binoche, von Max
Linder bis zu Johnny Depp. Manches Leinwandgesicht aus den 1920er
Jahren, das damals für schön und anziehend erklärt wurde, wirkt
heute merkwürdig altmodisch, wenn nicht sogar sonderbar skurril.
Was als schön gilt, ist relativ. Es gibt viele Variablen bei der
Anschauung von menschlicher Schönheit Rückblicke auf die
Kunstgeschichte und die Geschichte der Fotografie sollen bei der
Überlegung "Was ist das Schöne, wer sind die Schönen?"
helfen. Dabei stellt man auch fest, dass es Merkmale des Schönen zu
geben scheint, die überzeitliche Geltung beanspruchen. Ewige
Schönheit eine Illusion? Unterscheidet sich der Körper einer
antiken Aphrodite- Skulptur, vom Publikum seinerzeit bewundert, von
dem einer jungen Schauspielerin aus einem Film der 1990er Jahren?
Bei genauerer Betrachtung ergibt sich eine "Typologie des
Schönen", die sich nicht nur kurz- und langfristig verändert,
von Epoche zu Epoche, sondern auch unterschiedlichen Kulturmustern
unterworfen ist. Schließlich: Wer über das Schöne spricht, darf das
Hässliche nicht meiden. Also wird auch der
"Entwicklungsgeschichte des Hässlichen" im Kino oder
dessen, was dafür gilt, besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
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