Modelle von Gesundheit und Krankheit - Franke, Alexa

Alexa Franke 

Modelle von Gesundheit und Krankheit

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Modelle von Gesundheit und Krankheit

Was bedeuten die Begriffe «Gesundheit» und «Krankheit» in Politik, Medizin, Pharmaindustrie, bei Versicherungen oder in der Rechtsprechung? Was bedeuten sie für die Bürgerinnen und Bürger, in deren Interesse die Reformen ja sein sollen? Wer versteht was unter Gesundheit und Krankheit? Mit der Publikation dieses Buches im Jahre 2006 war die Hoffnung verbunden, dass es Neugierige geben möge, die sich auf diese Fragen nicht mit den Antworten zufrieden geben wollen, die vom herrschenden biomedizinischen Krankheitsmodell und von konservativ-liberaler Versorgungsmentalität diktiert werden. Diese Hoffnung bestätigte sich sehr eindrücklich: Offenbar besteht Interesse daran zu verstehen, welche Zusammenhänge zwischen den theoretischen Modellen von Gesundheit und Krankheit und der Art der gesundheitlichen Versorgung bestehen, welche Menschenbilder und gesellschaftlichen Grundüberzeugungen sich in ihnen niederschlagen. Die erweiterte Neuauflage berücksichtigt den aktuellen Diskussionsstand und behandelt folgende Themen: - Definitionen und Dimensionen von Gesundheit, Krankheit und Behinderung - biomedizinische, psychosomatische, psychologische und soziokulturelle Modelle von Krankheit, Stress und Bewältigung und deren Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung und den Umgang mit Patientinnen und Patienten - Theorien von Gesundheit und Salutogenese, WHO-Gesundheitsbegriff und Ansätze der Gesundheitsförderung - geschlechtsspezifische und sozialepidemiologische Modelle von Gesundheit und Krankheit - subjektive Theorien von Gesundheit und Krankheit. Der Anspruch dieses Buchs bleibt erhalten: Es soll Professionellen in den verschiedensten Bereichen des Gesundheitswesens und vor allem Studierenden, die dort einen Beruf anstreben, dabei helfen, die eigene Position zu reflektieren und sich eine Meinung zu bilden. Wenn mehr Menschen verstehen, worum es geht bei der nächsten Gesundheitsreform, hat sich die Mühe gelohnt. "Wir haben eine reiche Tradition und Ideengeschichte, aus der wir positive Anregungen und Erfahrungen für die Gesundheitsförderung der Bevölkerung gewinnen können. Aber wir haben auch eine Historie voll abschreckender Beispiele für menschenverachtenden Umgang mit Kranken, Schwachen, Abweichenden. Aus beiden müssen wir lernen."

In Deutschland ist nach der Gesundheitsreform vor der Gesundheitsreform. Aber welche Gesundheit wird da eigentlich reformiert?

Was bedeuten die Begriffe "Gesundheit " und "Krankheit" in Politik, Medizin, Pharmaindustrie, bei Versicherungen oder in der Rechtsprechung? Was bedeuten sie für die Bürgerinnen und Bürger, in deren Interesse die Reformen ja sein sollen? Wer versteht was unter Gesundheit und Krankheit? Die erweiterte Neuauflage berücksichtigt den aktuellen Diskussionsstand. Völlig neu konzipiert wurden die Kapitel über Resilienz, den sozialepidemiologischen Zusammenhang von Armut und Gesundheit und Modelle des Gesundheits- und Krankheitsverhaltens.


Produktinformation

  • Verlag: Huber, Bern
  • 2010
  • 2., überarb. u. erw. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 272 S. m. 20 Abb. u. 9 Tab.
  • Seitenzahl: 272
  • Lehrbuch Gesundheitswissenschaften
  • Deutsch
  • Abmessung: 228mm x 159mm x 18mm
  • Gewicht: 450g
  • ISBN-13: 9783456848303
  • ISBN-10: 3456848307
  • Best.Nr.: 28050700
Alexa Franke ist Professorin für psychologische Therapie und Rehabilitation an der Universität Dortmund. Ihre Arbeitsschwerpunkte und Veröffentlichungen stammen aus den Bereichen psychosoziale Versorgung, Psychosomatik und Gesundheitsforschung. Daneben arbeitet sie als Therapeutin in freier Praxis.

Leseprobe zu "Modelle von Gesundheit und Krankheit"

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Leseprobe zu "Modelle von Gesundheit und Krankheit" von Alexa Franke

"Einleitung (S. 13-14)

Wenn man einen Zustand mit einem Namen versieht, kann man fälschlicherweise den Eindruck gewinnen, etwas verstanden zu haben, so dass man aufhört, nach- zudenken und Fragen zu stellen. (Robert E. Kendell 1978, S. 3) Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in der Tageszeitung etwas über Gesundheit und Krankheit steht. Neben der Au#lärung über häu%ge und seltene Erkran- kungen – erstere, damit eine breite Leserscha& sich angesprochen fühlt, letz- tere, damit Bedürfnisse nach Neugier und Sensation befriedigt werden – und Gesundheitstipps für das richtige Verhalten in Frühling, Sommer, Herbst und Winter spielen auch gesundheitspolitische Fragen eine große Rolle. So ist die «Gesundheitsreform» ein dominantes Politikthema der letzten Jahre geworden.

Aber welche Gesundheit soll eigentlich reformiert werden? Die Debatte kreist nahezu ausschließlich um ökonomische Fragen. Dabei wird nur den wenigsten deutlich, dass die Argumentationen für die eine oder andere Art der Krankenversicherung und Vergütung von Krankenleistungen nicht nur eine ökonomische Seite haben, sondern dass sie auch geprägt sind von sehr unter- schiedlichen Wertvorstellungen zur Verursachung von und Verantwortlichkeit für Krankheit.

Die so genannte Gesundheitsdiskussion in Deutschland ist zu einer Diskussion darüber geworden, wie Gesundheitsleistungen %nanziert werden können und dass die Gesundheitskosten dringend gesenkt werden müssen – aber wer versteht in dieser Diskussion was unter Gesundheit? Die ö(entliche Diskus- sion %ndet statt, ohne dass dies geklärt wäre, ohne dass ein Konsens über den Stellenwert und die Bedeutung von Gesundheit und Krankheit bestünde. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass nahezu unhinterfragt das bio- medizinische Krankheitsmodell theoretischer Ausgangspunkt der Diskussion ist.

In der Fachliteratur erobert es beinahe wie selbstverständlich immer weitere Bereiche der Medizin, Psychologie, Psychiatrie, P)ege, Sozialpädagogik, Rehabi- litation und Sonder- und Heilpädagogik. Die als Revolutionen gepriesenen medi- zinischen Errungenscha&en der letzten Jahrzehnte wie Neuroimmunologie und Neuropsychologie, Gentechnologie und Verhaltensgenetik unterstützen das bio- medizinische Modell, dem zufolge in der Person liegende Defekte und Dysfunk- tionen die Krankheit bedingen. Soziale und gesellscha&liche Faktoren werden konsequent ausgeblendet, obwohl sie zuverlässigen weltweiten epidemiologischen Untersuchungen zufolge in stärkerem Maße für Morbidität und Mortalität in einer Gesellscha< verantwortlich sind, und die Ergebnisse der Gesundheitsde- batten vergangener Jahrzehnte werden als soziale Spinnereien belächelt. In den 1970/80er-Jahren war die Gesundheitsbewegung in Deutschland eine breite poli- tische Bewegung, in der die gesundheitliche Versorgung und Gesundheitspolitik als gesellscha"
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