Liebesbriefe und Einkaufszentren - Spitzer, Manfred

Manfred Spitzer 

Liebesbriefe und Einkaufszentren

Meditationen im und über den Kopf

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Liebesbriefe und Einkaufszentren

Die unterhaltsamen wissenschaftlichen Anthologien von Manfred Spitzer haben Kultstatus erlangt. Diesmal stellt er unter anderem neue faszinierende Experimente mit denkenden Fischen und lehrenden Erdmännchen vor, und er gibt frisch Verliebten neurowissenschaftliche Empfehlungen für die Haltbarkeit ihrer Beziehung.

Mit Witz und Elan behandelt er knifflige Fragen wie:
- Wo liegt das Einkaufs-Zentrum im Gehirn?
- Sind Menschen, die dauernd ans Geld denken, weniger hilfsbereit?
- Was ist wirklich am Handlesen dran?

Waren zu Beginn der funktionellen Bildgebung Anfang der 90er Jahre simple Phänomene wie Fingerklopfen und Flackerlicht Gegenstand der Untersuchungen, so sind es heute komplexe Handlungen wie Einkaufen und Meditieren. Die moderne Neurowissenschaft ist kreativ: Mit Beiträgen aus Molekularbiologie, Verhaltensneurobiologie, Neuroökonomie und -soziologie reicht sie in alle Lebensbereiche hinein und liefert interessante und erstaunliche Erkenntnisse.

Aus dem Inhalt:
- Die Qual der Wahl
- Geld macht einsam
- Vom Geld zur Aktion. Unbewusste Motivation im Scanner
- Moral und Mord im Namen Gottes?
- Beobachtet werden. 'Gott" bahnt Gutes - ein Beitrag zur Psychologie der Kaffeekasse
- Achtung: Baby TV
- Normierung im Gehirn
- Jahrzehnt des Geistes

Diese unterhaltsamen Geschichten aus der Welt des Gehirns machen nicht nur Ärzte und Wissenschaftler neu(ro)gierig, sondern alle, die sich gern fundierte Gedanken über Gott und die Welt machen!


Produktinformation

  • Verlag: Schattauer
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 213 S. m. 69 Abb. u. 6 Tab.
  • Seitenzahl: 223
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 121mm x 21mm
  • Gewicht: 244g
  • ISBN-13: 9783794526277
  • ISBN-10: 3794526279
  • Best.Nr.: 23397578
Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer studierte Medizin, Psychologie und Philosophie in Freiburg, war Oberarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg, Gastprofessor an der Harvard-Universität und am Institute for Cognitive and Decision Sciences in Oregon. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Grenzbereich der kognitiven Neurowissenschaft, der Lernforschung und Psychiatrie. Seit 1997 ist er Ordinarius für Psychiatrie in Ulm. Er ist Herausgeber des psychiatrischen Anteils der Zeitschrift 'Nervenheilkunde" und leitet das von ihm gegründete 'Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen" in Ulm. Er hat mehrere neurowissenschaftliche Bestseller veröffentlicht und moderiert eine wöchentliche Fernsehserie zum Thema Geist und Gehirn.

Leseprobe zu "Liebesbriefe und Einkaufszentren"

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Leseprobe zu "Liebesbriefe und Einkaufszentren" von Manfred Spitzer

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Leseprobe zu "Liebesbriefe und Einkaufszentren" von Manfred Spitzer

Wartezeiten (S. 148-149)

Neulich ging mein Freund Heinz mit seiner Mutter in die Augenklinik. Er hatte einen Termin um 11 Uhr und es ging um grauen Star, also um Linsentrübung und um die Frage, ob man operieren soll. Nach einer halben Stunde wurden sie in die Anmeldung gerufen, um zunächst einem Gespräch zweier Mitarbeiter über die unmöglichen Zustände in der Klinik, die hohe Arbeitsbelastung etc. zu lauschen.

Dass z. B. die gleiche Person, welche die Personalien entgegennimmt, auch noch einen Sehtest machen muss, sei unzumutbar. Nach Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnort und Krankenkasse, Stuhlgewohnheiten und Sehtest ging es dann wieder zurück in den Wartebereich. Bis ein Arzt kommt ... Eine junge Ärztin kam, bat die Mutter und meinen Freund in ein kleines verschlagartiges Zimmerchen – und verschwand dann gleich wieder, weil sie von einem Kollegen gebeten wurde, einen Befund zu kontrollieren, mit den Worten „einen Moment, ich bin gleich wieder da."

Nach 45 Minuten kam sie zurück und meinte, man müsse nun erst einmal die Pupillen zur Untersuchung weitstellen, tropfte eine Lösung in die Augen von Heinzens Mutter und meinte, man müsse jetzt 20 Minuten auf die Wirkung der Tropfen warten. Zwischenzeitlich war der Chef mit wehendem Kittel eingeschwebt, und eine Lautsprechermeldung kurz danach führte dazu, dass viele Ärzte aus den kleinen „Kaninchenställen" herauskamen und im Zimmer des Chefs verschwanden. So auch die junge Ärztin.

Die Stimmung im Wartebereich, der Patienten und des Personals, war mittlerweile genervt bis gereizt, was durch die aus dem Zimmer des Chefs irgendwann wieder herauskommenden Ärzte auch nicht gebessert wurde. Gegen halb 3 war dann alles erledigt, reine Untersuchungszeit vielleicht eine halbe Stunde, Warten 3 Stunden. Kommentar eines mit Heinz befreundeten niedergelassenen Augenarztes: „Wenn ich einen Patienten nicht mag, schicke ich ihn in die Klinik."

Wer zum Arzt geht, der muss erst einmal ins Wartezimmer. Das ist einfach so und man kennt es gar nicht anders. Besucht man seinen Freund oder seinen Steuerberater, so muss man nicht ins Wartezimmer. Das liegt in der Asymmetrie der Dinge: Ein Arzt hat wenig Zeit und viele Patienten. Also müssen die warten – je besser der Arzt, desto länger. So liegt denn auch der Umkehrschluss nahe: „Wenn Du gleich dran kommst, kann der Arzt nichts taugen."

Machen wir uns nichts vor: Lange Wartezeiten sind in der Medizin längst kein Mangel mehr, sondern ein Qualitätskriterium! Aber sind sie das wirklich? Der Fall meines Freundes Heinz oder ein ganz ähnliches Erlebnis des Autors mit seiner Tante vor Jahren in einer großen deutschen orthopädischen Universitätsklinik legen nahe, dass dem nicht so ist. Wartezeiten sind, was sie sind: Zuerst einmal unnötig und für alle Beteiligten unangenehm.

Gewiss sind sie auch Ausdruck eines Gefälles zwischen Arzt und Patient, das sich zwar nicht völlig abschaffen lässt, das man aber nicht zelebrieren sollte. Vielmehr sollte sich jeder Arzt nach Kräften bemühen, ihnen entgegenzuwirken. Wartezeiten als vermeintliches Qualitätskriterium kommen auch noch in einem anderen Zusammenhang und auf einer anderen Zeitskala in der Medizin häufig vor. Um das Problem zu sichten, stellen Sie sich bitte Folgendes vor: Eine Klinik hat sich auf akute Bäuche spezialisiert. Sie behandelt diese ganz schonend und konservativ, mit rein pflanzlichen Mitteln, Kristallhomöopathie und Pyramidenresonanzenergie.

Inhaltsangabe

- Die Qual der Wahl
- Geld macht einsam
- Vom Geld zur Aktion. Unbewusste Motivation im Scanner
- Moral und Mord im Namen Gottes?
- Beobachtet werden. 'Gott" bahnt Gutes - ein Beitrag zur Psychologie der Kaffeekasse
- Achtung: Baby TV
- Entscheidungsfindung beim Blutegel
- Normierung im Gehirn
- Jahrzehnt des Geistes

Diese unterhaltsamen Geschichten aus der Welt des Gehirns machen nicht nur Ärzte und Wissenschaftler neu(ro)gierig, sondern alle, die sich gern fundierte Gedanken über Gott und die Welt machen!

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