Wie Menschen mit geistiger Behinderung in Wohneinrichtungen ihre Lebenssituation beurteilen. Gesundheitsförderung - Rehabilitation - Teilhabe. Dissertation Univ. Dortmund, 2007
Das Konzept Lebensqualität bietet einen Betrachtungsrahmen zur
Analyse der Lebenslagen von Menschen mit Behinderung und zur
Weiterentwicklung des Rehabilitationssystems. Ausgehend von
sozialwissenschaftlichen Ansätzen der Lebensqualitätsforschung
erarbeitet Markus Schäfers die Grundlagen für eine
Lebensqualitätserhebung bei Menschen mit Behinderung zur
nutzerorientierten Evaluation von Wohn- und
Unterstützungsangeboten. Dabei werden insbesondere methodische
Herausforderungen der Befragung von Menschen mit geistiger
Behinderung fokussiert, das vorfindbare Instrumentenrepertoire
analysiert und Ergebnisse der Methodenforschung dargestellt. Die
Analyse der Lebensqualitätsdimensionen macht die Bedeutung sowohl
von personenbezogenen Variablen als auch strukturellen Merkmalen
der Wohneinrichtungen für die individuelle Lebensqualität
ersichtlich.
VS Research, Gesundheitsförderung, Rehabilitation, Teilhabe
Best.Nr. des Verlages: 85033077
Deutsch
Abmessung: 212mm x 148mm x 28mm
Gewicht: 538g
ISBN-13: 9783531160139
ISBN-10: 3531160133
Best.Nr.: 23544653
"[...] ein sehr lesenswertes Buch, das die Türe für weitergehende und notwendige Studien weit aufstößt." -- www.socialnet.de, 25.06.2010
"[...] ein sehr lesenswertes Buch, das die Türe für weitergehende und notwendige Studien weit aufstößt." www.socialnet.de, 25.06.2010
"[...] ein sehr lesenswertes Buch, das die Türe für weitergehende und notwendige Studien weit aufstößt." www.socialnet.de, 25.06.2010
Dr. Markus Schäfers promovierte bei Prof. Dr. Elisabeth Wacker am Lehrstuhl für Rehabilitationssoziologie der Technischen Universität Dortmund. Er ist dort als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.
Leseprobe zu "Lebensqualität aus Nutzersicht"
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Leseprobe zu "Lebensqualität aus Nutzersicht" von Markus Schäfers
3 Methodologische und methodische Aspekte der Erhebung von Lebensqualität (S. 81.82)
Ist Lebensqualität als offenes und sensibilisierendes Konzept zu verstehen (vgl. Kap. 1.2), stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Messbarkeit von Lebensqualität. Angesichts der vielfältigen Lebensentwürfe von Menschen, unterschiedlichen Lebensbedingungen und persönlichen Vorstellungen davon, was ein „qualitätsvolles Leben" ausmacht, können durchaus Zweifel an der Messbarkeit von Lebensqualität aufkommen (vgl. Matikka 2001, 37 f., Rapley 2003, 84 ff.). Wie in Kap. 1 dargestellt, ist Lebensqualität kein Merkmal, das direkt beobachtbar oder erfahrbar ist. Vielmehr ist Lebensqualität als Konstrukt aufzufassen und als forschungsrelevantes Konzept, um unsere psychische, physische, soziale und materielle Realität verstehbar zu machen: „Quality is not a thing but a concept, a particular construction, or abstraction, of reality. It has no independent existence in the world" (Osborne 1992, 438).
Das mit dem Begriff „Lebensqualität" Bezeichnete kann nur aus Indikatoren erschlossen werden, die wiederum das Ergebnis einer theoretisch mehr oder weniger sinnvollen Operationalisierung des Lebensqualitätskonzepts darstellen. Dabei ist kein einheitliches Betrachtungsmodell zu identifizieren: „We do not have an agreed-upon standard for determining anyone’s quality of life" (Taylor & Bogdan 1996, 11). Allerdings sind trotz aller individuellen Unterschiede und Gewichtungen erstaunliche Übereinstimmungen hinsichtlich derjenigen Aspekte der Lebensführung identifizierbar, die von nahezu allen Menschen als für ihre Lebensqualität essenziell genannt und anerkannt werden, analog besteht in der internationalen Lebensqualitätsforschung weitgehend Konsens über grundlegende Dimensionen und Prinzipien der Konzeptualisierung von Lebensqualität (vgl. Kap. 1.2). Diese sind in jeweiligen Untersuchungszusammenhängen immer wieder neu zu beleuchten, um relevante Indikatoren fokussieren zu können.
Insofern ist die Frage der Messbarkeit in erster Linie eine Frage der theoretischen Konzeptualisierung und Operationalisierung von Lebensqualität (vgl. Heal & Sigelman 1996, 91). Die Ebene der Methodologie ist nachrangig: Welche methodologischen Implikationen birgt das Konstrukt Lebensqualität? Lassen sich abgeleitete Indikatoren überhaupt empirisch überprüfen – und wenn ja: Wie lassen sie sich erfassen? „Selbstwertgefühl", „Zufriedenheit mit sozialen Beziehungen" oder „Lern- und Bildungsmöglichkeiten" können allesamt relevante Indikatoren für Lebensqualität sein, werfen aber in jeweiligen Forschungskontexten unterschiedliche methodische Probleme auf. Besonders beim Personenkreis der Menschen mit geistiger Behinderung stellt sich die Frage nach einem angemessenen methodischen Inventar zur Ermittlung subjektiver Lebensqualität.
Bei der Ableitung methodischer Zugangsmöglichkeiten können sowohl Hinweise der empirischen Sozialforschung, der allgemeinen Lebensqualitätsforschung und Erfahrungen mit speziellen Methoden in der Anwendung beim Personenkreis der Menschen mit geistiger Behinderung dienlich sein. Die empirischen Erfahrungen wiederum beeinflussen in einer Rückkopplung weitergehende konzeptuelle Auseinandersetzungen und können damit zu theoretischen Präzisierungen führen. Die Frage nach der Messbarkeit von Lebensqualität lässt sich also nicht generell, sondern nur in Abhängigkeit von den zugrunde liegenden theoretischen Vorstellungen und zu ermittelnden Indikatoren beantworten. Analog können bei der Planung einer Lebensqualitätsstudie konkrete methodologische Entscheidungen nicht vorab getroffen werden, sie müssen sich nach den jeweiligen Untersuchungszielen, dem Forschungsstand und dem spezifischen Erkenntnisinteresse richten (vgl. Bortz & Döring 2002, 53 ff.).
Inhaltsangabe
- Ansätze der Lebensqualitätsforschung
- Lebensqualität als Leitbegriff sozialer Dienstleistungen
- Befragungsinstrumente zur Erhebung von Lebensqualität bei Menschen mit geistiger Behinderung
- Methodenforschung zur Befragung von Menschen mit geistiger Behinderung
- Studie zur Entwicklung und Erprobung eines Instruments zur Erhebung von Lebensqualität bei Menschen mit geistiger Behinderung
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