Professionelle Pädagogen und Pädagoginnen sollten die
Handlungsprobleme ihrer Berufspraxis aus unterschiedlichen
Perspektiven und Konzepten heraus betrachten können. Daher führt
dieses Buch systematisch in verschiedene Konzepte interkultureller
Pädagogik ein. Anhand praktischer wie empirischer Beispiele
diskutiert der Band Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser
Konzepte und zeigt die ihnen zugrunde liegenden
Gesellschaftsmodelle auf.
Im Zentrum dieses Einführungsbandes stehen vier Konzepte
interkultureller Pädagogik:
Die "Ausländerpädagogik" diagnostiziert bei Kindern aus
eingewanderten Familien Defizite und möchte diese kompensieren; in
der "klassischen interkulturellen Pädagogik" wird die
Kultur der Arbeitsmigrant(inn)en in ihrer Differenz zur Kultur der
Einheimischen betrachtet und das Zusammenleben der Ethnien
gefördert; die "Antidiskriminierungspädagogik" zeigt,
dass Kinder durch Bildungseinrichtungen als Angehörige ethnischer
Minderheiten diskriminiert werden können.
Die kritische Diskussion dieser Konzepte mündet in den Entwurf
einer "Pädagogik kollektiver Zugehörigkeiten". Dieses
neue Konzept greift neben der ethnisch-kulturellen auch andere
Unterscheidungsdimensionen in den vielfältigen Milieus der
Gesellschaft auf und macht sie für interkulturelle Sozialisations-,
Lern- und Bildungsprozesse nutzbar. Auch Fragen der
Diskriminierung, der pädagogischen Organisationen und der
Professionalisierung interkultureller Pädagogik werden behandelt.
Dr. Arnd-Michael Nohl ist Professor für Erziehungswissenschaft, insbesondere systematische Pädagogik, an der Helmut Schmidt Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.