Die Phänomenologie der Leiblichkeit kann auf eine umfangreiche
Tradition zurückblicken, die von Husserls phänomenologischer
(Wieder-)Entdeckung und Aufwertung des Leibes, über Merleau- Ponty,
Sartre, Lévinas, Pato?ka und Ricoeur bis hin zu neueren
Diskussionen bei Henry, Derrida, Waldenfels, Marion und Richir
reicht. Die gemeinsame Ausrichtung dieser mitunter stark
divergierenden Positionen ist darin zu sehen, dass sie die
leibhaftige Verfassung wie Fundierung aller Existenzvollzüge mithin
allen Erfahrens, Denkens und Handelns ins Zentrum der Analyse
rücken, um von daher diese Konzepte kritisch zu überdenken und
andere Themenbereiche in ihrem Licht aufzugreifen.
Entscheidend für die Leibphänomenologie sind dabei Husserls
Einsichten, dass der Leib einerseits das ursprünglichst Meine ,
andererseits aber auch ein unvollständig konstituiertes Ding ist.
Husserl zeigte damit an, dass unsere Leiberfahrung nicht nur von
einer unaufhebbaren Zweideutigkeit gezeichnet ist, sondern
letztlichvon einer ontologischen Spaltung bzw. einem originären
Entzug kündet, die sich auch mit den methodischen Mitteln von
Reflexion und Reduktion nicht aufheben lässt.
Michael Staudigl war zuletzt Habilitationsstipendiat an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und ist gegenwärtig Research Associate am Institut für die Wissenschaften vom Menschen.
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