Die Liebe zur Kunst - Bourdieu, Pierre; Darbel, Alain

Pierre Bourdieu Alain Darbel 

Die Liebe zur Kunst

Europäische Kunstmuseen und ihre Besucher

Unter Mitarb. v. Dominique Schnapper
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Die Liebe zur Kunst

Der Zugang zu den Schätzen der Kunst steht allen offen und bleibt doch tatsächlich den meisten verwehrt.
Nach wie vor gilt der Befund, den Pierre Bourdieu und Alain Darbel vor 40 Jahren als Ergebnis der vorliegenden Studie formulierten: »Der Anteil der verschiedenen sozio-professionellen Kategorien im Publikum der Museen [...] steht nahezu in umgekehrtem Verhältnis zu ihrem Anteil in der Gesamtbevölkerung.«
Wenn der Kunstliebhaber einer Neigung folgt, die frei von allen Voraussetzungen und Zwängen scheint, dann bleibt das Museum einer der Orte, an denen die Schwerkraft gesellschaftlicher Erwartungen besonders deutlich spürbar wird. Verdankt sich die Liebe zur Kunst nicht mindestens ebenso einem Gebot »gehobener Sitten« wie der Eingebung des Herzens?
Längst ein heimlicher Klassiker der Kultursoziologie, versucht dieses Buch, das damals schon »Die feinen Unterschiede« ankündigt, auf solche Fragen empirische Antworten zu geben, den »guten Geschmack« einer wissenschaftlichen Überprüfung zu unterziehen. Indem es die gesellschaftlichen Bedingungen der Möglichkeit kultureller Praxis offen legt, beweist es, dass Kultur kein natürliches Privileg ist, sondern eine besondere Erziehung und Bildung als Mittel ihrer Besitzergreifung voraussetzt, die die Klassengesellschaft höchst ungleich verteilt.
»Anstatt sich mit Primitivbefragungen zu begnügen, die nichts anderes als Besucherzahlen anhäufen, wurde hier die Enquête so ausgerichtet, dass sie diejenigen sozialen Bedingungen hervorbringt, die Zugang verleihen zur Kulturausübung, d.h. zum Museumsbesuch. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, verdeutlicht uns die Untersuchung, daß die Kunst bzw. in diesem Fall die Kunstbetrachtung als Kunsterlebnis von Natur aus kein Privileg darstellt – eine Ansicht, die leider noch allzu oft von seiten selbsternannter Kunstpropheten nicht geteilt wird.« Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie


Produktinformation

  • Verlag: Uvk
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 239 S.
  • Edition discours Bd.40
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 170mm x 15mm
  • Gewicht: 305g
  • ISBN-13: 9783896696670
  • ISBN-10: 389669667X
  • Best.Nr.: 20843538
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.09.2006

Pssst! Museum
Ein verspäteter Klassiker: Pierre Bourdieus Liebe zur Kunst
„Die am vollständigsten der Mittel zur Aneignung von Kunst Enteigneten sind auch die am vollständigsten des Bewußtseins dieser Enteignung Enteigneten.” Solche Sätze sind keine Zungenbrecher. Auch werden Bücher mit solchen Sätzen heute kaum noch geschrieben. Dabei ist ihr Engagement, ist ihre Emphase weiterhin vonnöten. Immerhin werden sie übersetzt: Vier Jahrzehnte nach der französischen Erstveröffentlichung von 1966 erscheint jetzt auf Deutsch „Die Liebe zur Kunst”.
„L’amour de l’art" war seinerzeit in Frankreich das Pionierstück einer zugleich kritischen sowie empirisch untermauerten Kultursoziologie. Verfasst hatten es Pierre Bourdieu, der kurz darauf, 1968, ein ganzes Buch dem „Beruf des Soziologen”, einem damals weiten Bevölkerungskreisen noch unbekannten Beruf widmen wird, und Alain Darbel, leitender Mitarbeiter am Insee, dem nationalen Amt für Statistik in Paris.
Angesichts des internationalen Renommees von Bourdieu ist es jedoch verwunderlich, dass seine und Darbels Studie über die „europäischen Kunstmuseen und ihr Publikum” …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Das Engagement, das in diesem 40 Jahre nach seiner Originalveröffentlichung bei uns erscheinenden Pionierstück einer kritisch-empirischen Kunstsoziologie zu spüren ist, ist auch heute noch sehr willkommen, findet Hendrik Feindt. Obgleich die Ansätze und Lösungsvorschläge zur Demokratisierung institutionalisierter Kunst, die Bourdieu hier anbietet, dem Rezensenten nicht mehr so sensationell oder notwendig erscheinen, hält er die Lektüre für angebracht. Erscheinen die territorialen Schutzmaßnahmen der kulturellen Eliten, die Feindt für die relative Erfolglosigkeit des Buches mitverantwortlich macht, inzwischen auch obsolet - ­ ob die Mittel der Kunstrezeption heute gesellschaftlich so gleichmäßig verteilt sind, wie Bourdieu es sich hier wünscht, dies bezweifelt der Rezensent nach wie vor stark.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Was die beiden französischen Soziologen Pierre Bourdieu und Alain Darbel vor vierzig Jahren in einer breit angelegten Untersuchung quer durch europäische Kunstmuseen als soziale Voraussetzungen von kultureller Praxis und >gutem Geschmack< empirisch offengelegt haben, gilt bis heute." Weltkunst "Eine deutsche Übersetzung war überfällig." Stattzeitung Der nach wie vor lesenswerte Klassiker der Kultursoziologie >L'amour de l'art< (Die Liebe zur Kunst) liegt nun vier Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung und fünfzehn Jahre nach dem Erscheinen in englischer Fassung endlich in deutscher Übersetzung vor. (General-Anzeiger, 28./29.10.2006)

"Was die beiden französischen Soziologen Pierre Bourdieu und Alain Darbel vor vierzig Jahren in einer breit angelegten Untersuchung quer durch europäische Kunstmuseen als soziale Voraussetzungen von kultureller Praxis und gutem Geschmack empirisch offengelegt haben, gilt bis heute." Weltkunst "Eine deutsche Übersetzung war überfällig." Stattzeitung Der nach wie vor lesenswerte Klassiker der Kultursoziologie L amour de l art (Die Liebe zur Kunst) liegt nun vier Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung und fünfzehn Jahre nach dem Erscheinen in englischer Fassung endlich in deutscher Übersetzung vor. (General-Anzeiger, 28./29.10.2006)
Pierre Bourdieu (eigentlich Pierre-Félix Bourdieu; 1. August 1930 in Denguin, Pyrénées-Atlantiques; 23. Januar 2002 in Paris) war einer der bekanntesten Soziologen des 20. Jahrhunderts. Er studierte Philosophie in Paris an der École Normale Supérieure und arbeitete als Lehrer. Seit 1981 hatte Bourdieu einen Lehrstuhl am Collège de France. Im Jahre 1993 wurde er mit der "Médaille d'or du Centre National de la Recherche Scientifique" (CNRS) ausgezeichnet. Pierre Bourdieus soziologische Forschungen, zumeist im Alltagsleben verwurzelt, waren vorwiegend empirisch orientiert. Er war bekannt als politisch interessierter und aktiver Intellektueller, der sich gegen die herrschende Elite und den Neoliberalismus wandte.

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