Befreiung aus der Mündigkeit

Befreiung aus der Mündigkeit

Paradoxien des gegenwärtigen Kapitalismus

Im Auftr. d. Insituts für Sozialforschung Frankfurt am Main hrsg. v. Axel Honneth
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Befreiung aus der Mündigkeit

Weder liberale Fortschrittsdiagnosen noch verfallstheoretische Zukunftsprognosen können die Entwicklung des modernen Kapitalismus adäquat erfassen. Die kapitalistische Modernisierung und Rationalisierung droht in Entmündigung und Ausschließung umzuschlagen. An Beispielen wie der Vermarktlichung sozialer Beziehungen und industrieller Arbeit, der individualisierten Verantwortungszuschreibung in Strafrecht und Sozialpolitik, des Strukturwandels familialer Sozialisation und der Zunahme transnationaler Steuerungspolitiken untersuchen die Beiträge des Bandes die paradoxalen Verläufe kapitalistischer Entwicklung zwischen Freiheitsgewinn und Autonomieverlust.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 254 S.
  • Seitenzahl: 254
  • Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie Bd.1
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 149mm x 18mm
  • Gewicht: 355g
  • ISBN-13: 9783593370804
  • ISBN-10: 3593370808
  • Best.Nr.: 10745544
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.07.2003

Wir Durchgeknallten warten auf September
Haben sich die Mühen der Individualisierung gelohnt? Axel Honneth zieht eine paradoxe Bilanz

Was macht eigentlich - der Individualismus? Sein Begriff, "der zu den großen geistesgeschichtlichen Kategorien gehört" (Georg Simmel, 1913), hatte noch vor kurzem, in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, eine Art Goldgräberstimmung unter Soziologen ausgelöst. Man meinte, gleichsam ans Edelmetall des Menschen zu rühren, wenn man ihn als individualisierten, und das hieß: auf Authentizität, Selbstverwirklichung, Wahlfreiheit et cetera bedachten Zeitgenossen beschrieb. Man übersah, daß derartige Emanzipationsschübe den Menschen bereits seit der Renaissance begleiten, besonders virulent etwa in der Romantik wurden und jedenfalls mitnichten ein Merkmal erst unserer Zeit sind, der als "Erlebnisgesellschaft" aufgefaßten "Zweiten Moderne", eines vermeintlichen Epocheneinschnitts, vor welchem die Leute im Grunde nur dumpf und fremdbestimmt auf den Kufen ihrer Traditionen dahingeglitten wären. Aber das greift natürlich zu kurz. Denn daß in einer enttraditionalisierten Gesellschaft wie der unseren …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Christian Geyer nutzt seine Besprechung dieses Bandes, um einige böse Worte über die Individualismustheorie im allgemeinen und ihren prominentesten Vertreter Axel Honneth im besonderen zu verlieren. Wie "unhistorisch" und "einfältig" die Individualisierungsforschung ist, die oft genug auch als Erforschung des Glücks auftrete, will Geyer etwa daran erkennen, dass sie nicht zu unterscheiden vermag, ob ein August Strindberg ein "begnadeter Individualist" war oder einfach "nicht alle Tassen im Schrank" hatte. In Honneths neuem Band "Befreiung aus der Mündigkeit" werden nun die "Paradoxien der Individualisierung" in den Blick genommen, wonach aus der "Option" zur Individualisierung ein "Zwang" zur Individualisierung entstanden sei, ein Zwang zum möglichst originellen, kreativen Lebensentwurf". Doch dass dies als Erkenntnisgewinn gefeiert wird, ringt Geyer ein müdes Lächeln ab, gehört es für ihn doch zum Handwerk jedes Sozialwissenschaftlers, soziale Vorgänge auf unerwartete Nebenfolgen hin zu untersuchen. "Schlimm genug" findet es Geyer, dass "die individualisierungstheoretischen Utopisten aus jüngster Zeit" dies vergessen haben könnten. Doch dass Honneth künftig sogar die gesamte Arbeit des Frankfurter Instituts für Sozialforschung am Begriff der Paradoxie ausrichten will, ist ihm schlicht zu trivial.

© Perlentaucher Medien GmbH

01.02.2003, neue caritas Marktwirtschaft "Die Lektüre dieses wirklich grandiosen Buches sollte nicht nur allen am Herzen liegen, die sich theoretisch mit den Fragen einer Zukunft unseres Wirtschaftens befassen; es muss auch von jedem gelesen werden, der sich mit seiner gesellschaftlichen Rolle auseinander setzt."
Axel Honneth ist Professor für Sozialphilosophie an der Universität Frankfurt und der Columbia University sowie Direktor des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt (IfS).

Leseprobe zu "Befreiung aus der Mündigkeit"

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