Die Wunde - Mauvignier, Laurent

Laurent Mauvignier 

Die Wunde

Roman. Deutsche Erstausgabe

Übersetzung: Lallemand, Annette
Broschiertes Buch
 
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Die Wunde

Eindrucksvoll stellt sich Mauvignier einem existenziellen Thema: dem Leben mit Schweigen und Schuld.

Ein Wintertag in einer Kleinstadt in Frankreich. Solange feiert ihren 60. Geburtstag. Als ihr Bruder Bernard, der Trinker, ihr eine goldene Brosche überreicht, werden schnell Stimmen laut: Woher hat er das Geld. Bernard wurde sehr jung in den Algerienkrieg eingezogen, verlor danach bald jeden Halt. Die Missgunst der Feiernden bringt ihn auf und er beginnt, Chefraoui, einen Araber, zu beschimpfen und seine Familie zu bedrohen. Bezwingend erzählt Mauvignier von einem Leben, das der Krieg zerstört hat.
Der Roman wird von Patrice Chéreau ("Intimacy") verfilmt.
Nominiert für Prix Goncourt


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 296 S. 210 mm
  • Seitenzahl: 296
  • dtv Taschenbücher Bd.24868
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 35mm
  • Gewicht: 400g
  • ISBN-13: 9783423248686
  • ISBN-10: 3423248688
  • Best.Nr.: 32575490
»[Der Roman] ist eine der besten Neuerscheinungen dieses Jahres. (...) Mauvignier sucht nichts am landläufigen Rassismus zu beschönigen, sondern übersetzt nur dessen Hintergründe in Sprache. Er erzählt die letzten zwei Jahre des Algerienkriegs, nicht jedoch als Epochenroman, sondern im Dauerwirbel eines kollektiven Ichs, das in der Einsamkeit bis heute nicht zur Ruhe kam. Das Buch ist ein umgestülpter Heimkehrerroman: Statt im jähen Fremdsein bei der Rückkehr liegt das Drama in der Scheinnormalität eines Alltags, der die alten Wunden individuell immer neu aufreißt, weil ein Stück kollektiv erfahrener Identität in der Sonne, im Sand und im Blut jenseits des Mittelmeers geblieben ist.« -- <em>Joseph Hanimann, Frankfurter Allgemeine Zeitung über die französische Originalausgabe 07.04.2010</em><br/><br/>»Dieses Buch mit seinem schweren Thema gilt es zu lesen, weil es ohne Aufarbeitung von Geschichte kein gutes Weiterleben geben kann.« -- <em>Christian Döring, buecherverändernleben.npage.eu 22.08.2011</em><br/><br/>»In 'Die Wunde' stellt sich Laurent Mauvigner einem existenziellen Thema: dem Leben mit Schweigen und Schuld.« -- <em>Applaus, München September 2011</em><br/><br/>»Bezwingend erzählt Mauvignier von einem Leben, das der Krieg zerstört hat.« -- <em>Blitz-Magazin, Mülheim/Ruhr Oktober 2011</em><br/><br/>»Erzählt in minutiös fortschreitender Chronologie, deren äußere Fabel von einem Nachmittag bis zum nächsten Morgen reicht, deren innere Zärtlichkeit jedoch Jahrzehnte verdrängter Geschichtsmomente aufbewahrt, ist ›Die Wunde‹ eine Parabel über den Krieg, der in den Köpfen weitermacht.« -- <em>Jan Röhnert, Der Tagesspiegel 26.09.2011</em><br/><br/>»In, um sich selbst und um die Handlung rotierenden, Sätzen beschreibt er hypnotisch anmutende Szenarien: Sowohl vom Krieg selbst, der aus Menschen Nummern macht, die sie 'auf der Hundemarke um den Hals' tragen, als auch vom Leben danach.« -- <em>SZ-Extra, Süddeutsche Zeitung 29.09.2011</em><br/><br/>»Behutsam entblättert der Autor die Geschehnisse der Vergangenheit und zeigt die desaströsen Folgen für den Einzelnen auf. [...] Eine einfühlsame Schilderung von einer Wunde, die noch nicht verheilt ist.« -- <em>Ruhr Nachrichten 17.10.2011</em>

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Laurent Mauvigniers Roman über Bernard, einen französischen Veteran aus dem Algerienkrieg, befasst sich mit "Schweigen, Scham und Schuldgefühl" der Heimkehrer und der Distanz, die sich zwischen ihnen und den Leuten daheim aufgebaut habe, erklärt Rezensentin Jeannette Villachica, die den Autor auch getroffen und mit ihm über sein Buch gesprochen hat. Mauvignier verarbeitet in dem Roman auch das lebenslange Schweigen seines Vaters, selbst Algerienveteran, erfährt sie. Wie dieser schweige auch der im Alter verwahrlosende Bernard über die Kriegszeit, ohne sie vergessen zu können oder gar zu wollen: In zahlreichen inneren Monologen, deren Träger Villachica zufolge nicht immer eindeutig auszumachen seien, würden die Grausamkeiten des Krieges nach und nach in den Roman treten. Gerade anhand dieser stummen Monologe - Dialoge oder laute Äußerungen hat die Rezensentin in dieser Geschichte über das "Ungesagte" kaum entdeckt - gelingt es Mauvignier eine "spannungsgeladene Atmosphäre" zu erzeugen, während der Leser seine Position zu den Figuren immer wieder neu justieren müsse.

© Perlentaucher Medien GmbH

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»Insofern ist der Autor in die Rolle eines Zeitzeugen hineingewachsen - Geschichte vergeht eben nicht so schnell. In diesem Sinne ist dieser exzellent erzählte Roman auch ein sehr nachdenklich machendes Buch über die >condition humaine< .« Harald Loch, Pfälzischer Merkur 26.03.2012
Laurent Mauvignier wurde 1967 in Tours geboren und studierte bildende Kunst. Seit 1999 hat er mehrere Romane veröffentlicht.
Laurent Mauvignier zählt zu den wichtigsten französischen Autoren der Gegenwart.

Kundenbewertungen zu "Die Wunde" von "Laurent Mauvignier"

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 20.08.2011 ***** ausgezeichnet
Der französische Autor Laurent Mauvignier hat mit seinem vorliegenden Buch ein Meisterwerk geschaffen, in dem er eine Geschichte erzählt, um hinter sichtbare und vor allem unsichtbare Fassaden zu schauen.

Sein Roman geht sehr in die Tiefe, liest sich nicht einfach und schaut sehr genau auf menschliche Beziehungen. Mauvignier geht es um menschliches Zusammenleben und Aufarbeitung französischer Innenpoitik.

Held der Geschichte ist Bernard. Er kommt aus einer Familie mit vielen Geschwistern und wenn ich nun behaupte, er sei schon immer das schwarze Schaf der Familie gewesen, ist dies sicher eine sehr freundliche Beschreibung für Bernard.

Schon in seiner Kindheit hatten sich alle sofort auf ihn eingeschossen, wenn wieder mal ein Schuldiger gebraucht wurde. Klar, ein Unschuldslamm war er nicht, aber Schuld hatte er nie nur allein.

Solange, seiner Schwester, schenkte er viele Jahre später eine sehr teuere Brosche. Damit bekam die Geburtstagsparty einen seltsamen Höhepunkt. Alle Gäste, vor allem die Geschwister, schauten auf die Brosche und Bernard sah hinter jeder Stirn die Frage: Wo hat dieser Habenichts denn bloß das Geld her?

Schon allein diese verzwickte Familiengeschichte mit dem Trunkenbold Bernard, der mit niemandem so richtig konnte und immer schwarze Fingernägel hatte, wäre ein Roman wert gewesen, aber Mauvignier kombiniert die Handlung mit dem Einsatz französischer Truppen in Algerien. Bernard kämpft in den 6oer Jahren in Algerien mit und kann unmenschliche dort erlebte Szenen nie vergessen.

So packt Laurent Mauvignier die Aufarbeitung auf zwei Ebenen beim Schopfe. Dieses Buch mit seinem schweren Thema gilt es zu lesen, weil es ohne Aufarbeitung von Geschichte kein gutes Weiterleben geben kann.

Mauvignier tritt mit seinem Buch den Beweis dafür an, dass nur die Aufarbeitung der Geschichte, Zukunft ermöglicht!

Christian Döring

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