Die Attentäterin - Khadra, Yasmina

Yasmina Khadra 

Die Attentäterin

Roman

Aus d. Französ. v. Regina Keil-Sagawe
Broschiertes Buch
 
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Die Attentäterin

"Yasmina Khadra demontiert in dieser kriminalistischen Tragödie die teuflischen Rädchen des radikalsten Hasses, der ans Geheimnis der Liebe und an absolute Perversion grenzt." André Glucksmann

»Yasmina Khadra demontiert in dieser kriminalistischen Tragödie die teuflischen Rädchen des radikalsten Hasses, der ans Geheimnis der Liebe und an absolute Perversion grenzt.« André GlucksmannAmin Jaafari ist ein hoch angesehener Arzt in Tel Aviv - und ein arabischer Israeli. Umso rascher gerät er unter Verdacht, als die Polizei herausfindet, dass seine Frau in Tel Aviv als Selbstmordattentäterin ein Restaurant sprengte. Jaafari kann es nicht fassen, dass er von dem Plan seiner Frau nichts wusste. Er reist nach Bethlehem und Dschenin, in die Zentren des palästinensischen Widerstandes. Unbeirrt versucht Jaafari, die Verantwortlichen zu finden, die seine Frau zu einer "Schwarzen Witwe" gemacht und sein Leben zerstört haben.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 269 S.
  • Seitenzahl: 269
  • dtv Taschenbücher Bd.13645
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 120mm x 17mm
  • Gewicht: 228g
  • ISBN-13: 9783423136457
  • ISBN-10: 3423136456
  • Best.Nr.: 22816663
"Eindringliche kriminalistische Tragödie, die von Terrorismus und dem Nahostkonflikt handelt."<br />Frizz 12/2008 <br />

»Ein äußerst packender Bericht über den israelischen Palästinenser Amin, der erfahren muss, dass seine Frau einen Selbstmordanschlag verübt hat.« Oberösterreichische Nachrichten 11./12.06.2011

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.09.2006

Vom Himmel in die Hölle
Yasmina Khadras fesselnder Roman über Gewalt im Nahen Osten

Es beginnt mit dem Lärm der Detonation, trocken, ganz nah, wie das Zerreißen von Stoff, dann Stille. Erstes Stöhnen, Schreie, Durcheinander von Körper- und Objektteilen. Mehr Verwunderung als Panik. Schließlich das seltsam schmerzlose Abdriften des Bewußtseins in eine schwebende Zeitlosigkeit. Auf den letzten Seiten explodiert dann dieselbe Bombe noch einmal. Und daß es nicht die war, die wir erwarteten, daß die andere, vom Titel her erwartete Bombe erst innerhalb dieser erinnerten Rahmenerzählung hochgeht, verschafft diesem Roman seinen grandiosen Aufbau. Er funktioniert wie das Doppelgetriebe einer Spirale des Terrors im Nahen Osten, das beim Vor- und Zurückdrehen immer neue Lesemöglichkeiten ergibt und die Spannung so steigert, daß man das Buch nicht mehr weglegen kann.

Der Algerier Mohammed Moulessehoul alias Yasmina Khadra hat schon als Armeeoffizier, der seine Bücher unter Pseudonym verfaßte, bewiesen, wie souverän er die Romanform beherrschte, bis hin zum Thriller. Nachdem er vor sechs Jahren die Uniform auszog, die Armee verließ und sich …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Vor lauter Spannung gar nicht mehr aus der Hand legen konnte Rezensent Joseph Hanimann Yasmina Khadras neuen Roman, zu dessen literarischer Bedeutung als Vergleichswert ihm niemand Geringeres als Albert Camus einfällt. Es geht Hanimanns Informationen zufolge um einen israelischen Palästinenser, der als Chirurg in einer Tel Aviver Klinik arbeitet, wo er auch Opfer von Anschlägen das Leben zu retten versucht. Eines Tages ist seine eigene Frau darunter, allerdings als Selbstmordattentäterin. Fesselnd bis zur letzten Seite nun findet der Rezensent den Versuch von Khadras ahnungslosem Protagonisten, den Motiven seiner Frau für diese Tat nachzugehen. Die fast existentialistische Radikalität, mit der dieser Autor sich dabei ins "Zwielicht menschlicher Entscheidungsfreiheit" begibt, in die Abgründe des Nahostkonflikts, machen für Hanimann den besonderen literarischen Wert dieses Romans aus. Vorwürfe, hier werde der Terror verharmlost, mag er nicht gelten lassen. Zu tief blickt Khadra aus seiner Sicht in die Abgründe des Hasses und der Hoffnungslosigkeit, um aus einer "politischen und existenziellen Extremsituation" auch ein menschliches Drama abzuleiten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Yasmina Khadra ist der Künstlername des 1955 geborenen Autors Mohammed Moulessehoul. Als hoher Offizier der algerischen Armee veröffentlichte er seine ersten Bücher wegen der strengen Zensurbestimmungen unter den beiden Namen seiner Frau. Erst nachdem er im Dezember 2000 mit seiner Familie nach Frankreich ins Exil gegangen war, konnte er dieses Pseudonym lüften. Yasmina Khadra lebt heute in Paris.

Leseprobe zu "Die Attentäterin" von Yasmina Khadra

Plötzlich bringt eine gewaltige Explosion die Wände zum Erbeben und lässt die Fensterscheiben in der Kantine vibrieren. Alle sehen sich ratlos an, dann stehen die, die in der Nähe der Panoramafenster sitzen, auf und recken die Hälse. Kim und ich stürzen auf das nächstgelegene Fenster zu. Die Leute, die im Hof des Krankenhauses unterwegs waren, stehen wie angewurzelt, die Köpfe nach Norden gedreht. Die Fassade des Baus gegenüber verstellt uns den Blick.
"Bestimmt ein Attentat", bemerkt jemand.
Kim und ich rennen hinaus auf den Korridor. Schon taucht ein Trupp Krankenschwestern aus dem Kellergeschoss auf und läuft in Richtung Eingangshalle. Dem Ausmaß der Schockwelle nach zu urteilen, muss die Explosion ganz in der Nähe stattgefunden haben. Einer vom Wachdienst dreht an seinem Funkgerät, um Erkundigungen einzuholen. Sein Gesprächspartner teilt ihm mit, dass er auch nichts weiß. Wir stürzen uns in den Aufzug. Oben angelangt, rennen wir auf die Dachterrasse des Südflügels. Einige Neugierige sind schon da und starren, die Augen mit den Händen abgeschirmt, zu einer Rauchwolke hinüber, die etwa zehn Häuserblocks weiter in den Himmel steigt.
"Das kommt aus Richtung Haqirya", berichtet ein Wachposten in sein Funkgerät. "Bombe oder Selbstmordattentat. Vielleicht eine Autobombe. Ich hab keinerlei Informationen. Alles, was ich sehe, ist der Rauch, der von dort aufsteigt "
"Wir müssen wieder runter", mahnt mich Kim.
"Du hast recht. Wir müssen uns darauf vorbereiten, die ersten Opfer in Empfang zu nehmen."
Zehn Minuten später dringen vereinzelt Informationen durch, die von einem regelrechten Blutbad reden. Manche berichten von einem Angriff auf einen Bus, andere von einem Restaurant, das in die Luft gesprengt worden sei. Die Telefonzentrale steht kurz vor dem Kollaps. Es herrscht Alarmstufe Rot.
Ezra Benhaim trommelt den Krisenstab zusammen. Krankenschwestern und Chirurgen laufen zur Notaufnahme, wo in hektischem, aber geordnetem Gewimmel Tragen und Transportliegen aufgestellt werden. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Attentat Tel Aviv erschüttert, und die Rettungsdienste gehen von Mal zu Mal mit größerer Effizienz vor. Aber Attentat bleibt Attentat. Auf die Dauer bekommt man es zwar technisch in den Griff, aber nicht menschlich. Emotion und Entsetzen passen nicht recht zu einem kühlen Kopf. Wenn das Grauen zuschlägt, zielt es immer als Erstes auf das Herz.
Ich mache mich ebenfalls auf zur Notaufnahme. Ezra ist schon da, mit blassem Gesicht und dem Handy am Ohr. Mit der anderen Hand versucht er, die Vorbereitungen für die Operationen zu dirigieren.
"Ein Selbstmordattentäter hat sich in einem Restaurant in die Luft gesprengt. Es gibt mehrere Tote und eine Menge Verletzte", verkündet er. "Lasst Raum 3 und Raum 4 räumen. Und haltet euch bereit, die ersten Opfer in Empfang zu nehmen. Die Krankenwagen sind schon unterwegs."

Kundenbewertungen zu "Die Attentäterin" von "Yasmina Khadra"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen **** ausgezeichnet)
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Bewertung von Xirxe aus Hannover am 24.12.2010 ***** sehr gut
Kann man sich etwas Entsetzlicheres vorstellen? Der geliebte Mensch, den man sicher zu Hause wähnte, wird bei einem Bombenatttentat in Stück gerissen. Und als ob dies nicht schlimm genug wäre, erfährt Amin Jaafari, ein hoch angesehener Arzt und arabischer Israeli, dass seine Frau die Attentäterin dieses Anschlags war. Der Mensch, den man liebt und von dem man annimmt, ihn in- und auswendig zu kennen, verrichtet ein Massaker inmitten eines Kindergeburtstags. Für und um Jaafari herum bricht alles zusammen: Seine Liebe zu seiner Frau und ihre Liebe zu ihm scheinen plötzlich nur noch Illusionen und Täuschungen gewesen zu sein. Man verdächtigt ihn der Mitwisserschaft, schlägt ihn zusammen, will ihn von seiner Arbeit verjagen - doch zumindest seine Freunde stehen zu ihm.
Khadra schildert dieses Grauenvolle und kaum zu Ertragende so überzeugend, dass ich immer wieder innehalten musste, weil mir im wahrsten Sinne des Wortes der Atem stockte. Dazu die Verdächtigungen der Israelis ihm gegenüber, die sich nicht vorstellen können, dass er nicht eingeweiht war - ich fühlte mit ihm, wie sich seine sicher geglaubte Welt plötzlich in Nichts auflöst.
Und weshalb nun gemischte Gefühle? Als er sich auf die Suche nach den Hintergründen zu dieser Tat macht, die auch eine Reise in seine Vergangenheit wird, geht dieses Überzeugende verloren. Seine ungezügelten Aussetzer mögen zwar erklärbar sein, doch nachvollziehbar waren sie nicht für mich. Auch dass es ihn mehr schmerzt, dass seine Frau ihn betrogen haben könnte als dass sie als Selbstmordattentäterin handelte, wirkte nicht wirklich glaubwürdig. Hinzu kommen Ungereimtheiten im Text: In Bethlehem besucht er seine Verwandten und übernachtet dort, doch als er zu seiner alten Freundin Kim zurückkehrt, war er offenbar nur einen Tag weg.
Dennoch: Ein lesenswertes Buch, das überzeugend die Entstehung der Spirale von Gewalt und Gegengewalt schildert aus einer Welt, die wir ansonsten nur aus den Nachrichten kennen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Bewertung von sabatayn76 am 23.04.2010 ***** ausgezeichnet
Der Endpunkt einer langen Gehirnwäsche oder Ein Ende in Würde nach einem Leben im Elend

Inhalt:
Der Araber Amin ist erfolgreicher Chirurg, ist glücklich verheiratet mit Sihem und lebt sein Leben scheinbar fernab des Nahostkonflikts, fernab der Ungerechtigkeit, die seinem Volk widerfährt, fernab der Intifada. Eines Tages wird seine heile Welt zerstört, denn alles deutet darauf hin, dass Sihem für ein Selbstmordattentat und den Tod unschuldiger Menschen verantwortlich ist. Amin versucht schließlich, den Geheimnissen seiner Frau auf den Grund zu gehen und begibt sich in die Zentren des palästinensischen Widerstandes.

Mein Eindruck:
Yasmina Khadra bewegt sich sprachlich auf dem gewohnt hohen Niveau, beschönigt nichts und beschreibt das Misstrauen und die Diskriminierung im eigenen Land, gibt dem Leser Gründe für und gegen Fundamentalismus/Selbstmordattentate, klärt über die Missstände in Palästina/Israel auf, berichtet vom Leiden der Menschen, von der Allgegenwärtigkeit des Kampfes, vom Fehlen eines sorglosen und freudvollen Lebens, von Hass, Ohnmacht und dem Verlust der Selbstachtung. Auf der Suche nach den Geheimnissen seiner Ehefrau wird Amin endlich wieder bewusst, woher er kommt; er erkennt, dass er Scheuklappen getragen hat, die Augen vor der politischen Misere und dem Leid der Palästinenser verschlossen hat.

Mein Resümee:
Das bisher beste Buch, das ich zum Thema gelesen habe. Unbedingt lesen!
---
'Aber sie werden das Haus niederreißen!', rufe ich. 'Was ist schon ein Haus, wenn man ein ganzes Land verloren hat', seufzt sie.

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