Die Unermesslichkeit - Vann, David

David Vann 

Die Unermesslichkeit

Roman

Aus d. amerikan. Engl. v. Mandelkow, Miriam
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Die Unermesslichkeit

Gary und Irene wollen sich ein letztes Mal zusammenraufen, ihre verkorkste Ehe retten, nicht jeder für sich zugrunde gehen. Gary hatte einst einen Traum: Sie lebten in einer einfachen Holzhütte auf Caribou Island, einer kleinen Insel vor Alaska, sie waren glücklich, die Schrecken der Vergangenheit hatten sie hinter sich gelassen. Während eines Unwetters machen sie sich auf den Weg. Schon kurz nach ihrer Ankunft packt Irene die Angst. Sie sind schlecht vorbereitet, um sie herum ragt die Wildnis, gewaltig, unbarmherzig und von undurchdringlicher Schönheit. Als der Winter kommt, treibt die Einsamkeit der Insel das Paar immer weiter auseinander, Beklemmung stürzt um in Wut. Auch ihre Tochter Rhoda, die mit ihrem eigenen Leben, ihrer eigenen Beziehung alle Hände voll zu tun hat, vermag die beiden nicht zu beruhigen. Hingebungsvoll, aber hilflos muss sie vom Festland aus zusehen, wie ihre Eltern sich langsam, aber sicher zerfleischen. »Die Unermesslichkeit« erzählt eine dunkle, wahrhaftige Geschichte von den Kämpfen zwischen Mann und Frau - ein packendes Meisterwerk über die letzte Gewissheit, dass wir uns selbst nicht entrinnen können.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 350 S.
  • Seitenzahl: 351
  • Best.Nr. des Verlages: 42296
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 131mm x 32mm
  • Gewicht: 472g
  • ISBN-13: 9783518422960
  • ISBN-10: 3518422960
  • Best.Nr.: 34537481
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.04.2012

Der abwesende Fundbüro-Gott
Der amerikanische Autor David Vann inszeniert die Schrecken der Kleinfamilie als unbarmherziges Schicksal
Als wären sie einem müden Gott aus der Hand gefallen, so wirken die Menschen, die David Vann an der Küste Alaskas versammelt, um sie unter dem weiten Himmel der Seen- und Gletscherlandschaft in eine Tragödie zu verwickeln, die den Leser in Atem hält. Wie in seiner Novelle „Im Schatten des Vaters“ laufen auch in diesem Roman die Ereignisse mit einer Folgerichtigkeit ab, die etwas Schicksalhaftes hat, obwohl der 1966 in Alaska geborene und in Kalifornien lebende Autor nichts anderes inszeniert als die Schrecken der Kleinfamilie. Mit einer Wucht, die gute Nerven erfordert, und einem Stil, der nur das Nötigste ausspricht, bearbeitet er das Schlachtfeld einer in die Jahre gekommenen Ehe.
Gary und Irene, beide fünfundfünfzig, wohnen seit dreißig Jahren am Skilak Lake, wohin sie aus Berkeley gezogen sind. Es sollte nur ein kleines Abenteuer in der Wildnis werden, dann blieben sie dort hängen. Zwei Kinder kamen zur Welt, sie arbeitete als Volksschullehrerin, er schlug sich mit allerlei Projekten durch, nachdem er seine …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nach der Lektüre von "Die Unermesslichkeit" weiß Rezensentin Felicitas von Lovenberg einmal mehr: David Vann ist einer der großen Tragödiendichter unserer Zeit. Gleich vier existentielle Beziehungskämpfe von griechischem Ausmaß liest die Kritikerin in diesem Roman, in dessen Mittelpunkt das Ende der dreißigjährigen Ehe von Irene und Gary steht. In der Einsamkeit Alaskas geht Gary beim Bau einer Seehütte rücksichtslos seinen Selbstverwirklichungsträumen nach, während seine an Kopfschmerzen und Verlustängsten leidende Frau sich immer panischer der Vorstellung von dem nahenden Verlassenwerden hingibt. Bis zum erschütternden und gewaltigen Finale folgt Lovenberg ganz mitgerissen Vanns prägnanten Sätzen, die ihr wie "geschliffene Kiesel" erscheinen und bewundert insbesondere die zeitlosen und herausragenden Naturschilderungen, die stets das Unbewusste und die Konflikte von Vanns Protagonisten widerspiegeln. Gewohnt vorbildlich ist auch Miriam Mandelkows Übersetzung, so die eingenommene Rezensentin.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.04.2012

Eine Leinwand für das Unbewusste

Von der Wildnis der menschlichen Psyche: David Vann zeigt sich im neuen Roman "Die Unermesslichkeit" als ein großer Tragödiendichter unserer Zeit.

Vielleicht kann man David Vann am besten als Tragödiendichter in Naturburschengestalt vorstellen. Vor fünfundvierzig Jahren auf den Aleuten geboren und in Ketchikan, Alaska, sowie in Kalifornien aufgewachsen, entstammt er mütterlicher- wie väterlicherseits Familien mit Hang zur Gewalt, vor allem sich selbst gegenüber. Auf fünf Selbstmorde und einen Mord brächte es die zusammengenommene Genealogie, erzählte der Schriftsteller freimütig, als er in diesen Tagen in Deutschland war, um sein soeben - in der gewohnt glänzenden Übersetzung von Miriam Mandelkow - erschienenes neues Werk vorzustellen: "Die Unermesslichkeit".

Vielleicht wäre "Die Unausweichlichkeit" ein treffenderer Titel für diesen Roman gewesen, in dem es um die Zwangsläufigkeit von Schicksal, um das Ausgeliefertsein der Menschen in ihren Beziehungen und in der Natur geht und nicht zuletzt um die Kluft zwischen anzunehmender Fügung und sich selbst tragisch erfüllender Prophezeiung. Im Original …

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»Vanns Erzählen steht in der Tradition von Hemingways Kurzgeschichten, (...)«

»Dieser Roman ist mehr als nur eine Saga von Schuld und fehlender Vergebung. Es ist ein Roman, der uns an unsere verdrängten Instinkte erinnert und damit zutiefst erschreckt. David Vann hat für dieses Erschrecken faszinierend schöne, drastische Bilder gefunden.«
David Vann, 1966 auf Adak Island, Alaska, geboren, ist in Ketchikan, Alaska, aufgewachsen. Zur Zeit lebt er in Kalifornien und ist Professor an der University of San Francisco. Er schreibt u.a. für Esquire, The Sunday Times und Outside.

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