Der falsche Krieg - Roy, Olivier

Olivier Roy 

Der falsche Krieg

Islamisten, Terroristen und die Irrtümer des Westens

Übersetzung: Schäfer, Ursel
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Der falsche Krieg

In der Zerrissenheit des Islamismus liegt seine größte Gefahr

Al Qaida und die Taliban, Hisbollah und Hamas, Syrien und Iran - sie alle bedrohen den Westen. Es wäre allerdings ein fataler Irrtum, diese Kräfte für einen geschlossen agierenden, starken Feind zu halten. Denn durch die islamische Welt geht ein tiefer Riss. Doch das ist kein Grund zur Entwarnung, sagt Olivier Roy: Er macht deutlich, dass die eigentliche Gefahr von den Spannungen innerhalb der islamistischen Gruppen ausgeht, und zeigt, welche Politik wir ihr entgegensetzen müssen.



"Selbst wer nicht jeder These beizupflichten vermag, muss konzedieren: Das ist keine Analyse, die in Schwarz und Weiß gehalten ist. Vielmehr hat der Autor, der an der renommierten Sciences Po in Paris lehrt, die Grautöne ausgeleuchtet. So besticht diese Abhandlung durch sachliche und kluge, von keiner Seite zu vereinnahmende Argumentation. Das macht Roys fulminantes Büchlein so lesenswert." -- Süddeutsche Zeitung

"Die berühmteste Terrororganisation der Welt erscheint bei Roy wie ein ziemlich verwehter Haufen, der darum aber nicht weniger gefährlich ist. Weit davon entfernt, irgendwo territoriale Forschritte erreichen zu können, ist es eine Dachmarke für solche geworden, die früher zu den linksextremen Terrorgruppen gestoßen wären - insbesondere die Konvertiten sind unberechenbar. Mit dem Afghanistan-Krieg oder dem Palästina-Konflikt hat die neue, mehr und mehr virtuell organisierte Al Qaida kaum etwas zu tun. Hier versammeln sich neuerdings belgische Hausfrauen und britische Zahnärzte. Zum Glück gelingt ihnen kaum etwas. Eines Tages wird sich das aber ändern. Was dann? Es beschleicht einen das mulmige Gefühl, als habe Roy schon heute das wichtigste Buch für die Zeit nach dem nächsten Anschlag geschrieben." -- Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Dieses kleine, aber kraftvolle Buch zeigt die innere Logik der Konflikte im Nahen Osten und deckt ihre Widersprüchlichkeiten auf." -- Le Figaro


Produktinformation

  • Verlag: Pantheon
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 191 S.
  • Seitenzahl: 192
  • Deutsch
  • Abmessung: 202mm x 131mm x 20mm
  • Gewicht: 238g
  • ISBN-13: 9783570551158
  • ISBN-10: 3570551156
  • Best.Nr.: 27949819
"Selbst wer nicht jeder These beizupflichten vermag, muss konzedieren: Das ist keine Analyse, die in Schwarz und Weiß gehalten ist. Vielmehr hat der Autor, der an der renommierten Sciences Po in Paris lehrt, die Grautöne ausgeleuchtet. So besticht diese Abhandlung durch sachliche und kluge, von keiner Seite zu vereinnahmende Argumentation. Das macht Roys fulminantes Büchlein so lesenswert. " Süddeutsche Zeitung

»Dieses kleine, aber kraftvolle Buch zeigt die innere Logik der Konflikte im Nahen Osten und deckt ihre Widersprüchlichkeiten auf.«

»Dieses kleine, aber kraftvolle Buch zeigt die innere Logik der Konflikte im Nahen Osten und deckt ihre Widersprüchlichkeiten auf.«
Olivier Roy ist Forschungsdirektor am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) und unterrichtet an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales und an der Sciences Po in Paris. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze über den politischen Islam, den islamistischen Terrorismus sowie den Mittleren und Nahen Osten veröffentlicht. Sein Buch "Der islamische Weg nach Westen" (2006) wurde zu einem häufig zitierten Standardwerk. Olivier Roy ist ein weltweit gefragter Islamismus-Experte.

Leseprobe zu "Der falsche Krieg" von Olivier Roy

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Leseprobe zu "Der falsche Krieg" von Olivier Roy

"DRITTES KAPITEL (S. 76-77)

Der Iran zwischen Bombe und Bombardierung

Die Frage nach dem iranischen Atomprogramm ist komplex. Einerseits weiß man nicht, wann die Iraner so weit sein werden, dass sie die Bombe bauen können. Andererseits profitieren sie bereits dann von einem Abschreckungseffekt, wenn andere ihnen auch ohne einen erfolgreichen Nukleartest zutrauen, dass sie im Besitz der Bombe sind. Ein dritter und wesentlicher Punkt betrifft die Haltung der westlichen Staaten angesichts der Frage, wie die Gefahr überhaupt zu definieren ist. Fast alle sind sich darin einig, dass es nicht hinnehmbar wäre, wenn der Iran die Atomkraft militärisch nutzen könnte. Aber worin besteht genau die Bedrohung, die von einem iranischen Nuklearprogramm ausgeht? Darauf gibt es zwei Antworten, die unterschiedliche politische Konsequenzen haben.

Die erste Antwort besagt, das Regime sei das Problem: Eine islamische Republik werde versucht sein, die Bombe gegen Israel einzusetzen, oder sie im Sinne einer Schutzwallfunktion nutzen, um terroristischen Gruppen im Land Unterschlupf zu gewähren. Die zweite Antwort hält dafür, dass die Abschreckung unabhängig vom jeweiligen Regime funktioniert. Das Problem liegt somit eher in der Proliferation, die durch den Abschluss des iranischen Atomprogramms möglich wird, denn Ägypten, Saudi-Arabien und die Türkei dürften dann ebenfalls atomar aufrüsten. Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet (im Gegensatz zu Indien, Pakistan und Israel), der Austritt des Iran würde das Ende des Vertrags bedeuten.

Welcher Strategie man folgt, hängt von der Hypothese ab, die man für richtig befindet: Im ersten Fall muss man auf einen Regimewechsel drängen, im zweiten Fall ist der Iran als regionale Atommacht das Problem. Man muss sich also entscheiden: Soll es in erster Linie um das Regime gehen oder um das Atomprogramm? Ein Pokerspiel hat begonnen. Die Hardliner in Teheran glauben nicht an einen Militärschlag der Amerikaner. Sie denken, dass das Schadenspotenzial des Iran an allen Fronten so groß ist, dass die Vereinigten Staaten sich eine Eskalation nicht erlauben dürfen. In erster Linie haben sie dabei die Lage im Irak im Sinn, aber das Gleiche gilt für den Libanon, Afghanistan, den Golf, und sogar mögliche terroristische Aktionen gegen amerikanische wirtschaftliche und militärische Ziele.

Umgekehrt wäre es auf amerikanischer Seite schwierig für Präsident Bush - der 2004 wiedergewählt wurde, weil er die Parole vom bedingungslosen Kampf gegen den »weltweiten Terrorismus« ausgegeben hatte -, seine Amtszeit mit dem Eingeständnis des Scheiterns (im Irak) und der Schwäche (im Iran) zu beenden. Daher erhöhten die Amerikaner Anfang 2007 den Druck, als wollten sie die Weltöffentlichkeit auf die Bombardierung der iranischen Nukleareinrichtungen vorbereiten."

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