Wanderer der Nacht - Jagielski, Wojciech

Wojciech Jagielski 

Wanderer der Nacht

Eine literarische Reportage

Übersetzung: Palmes, Lisa
Gebundenes Buch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
19 ebmiles sammeln
EUR 18,80
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Wanderer der Nacht

Ein leidenschaftlich und präzis erzähltes Buch über das Leben im afrikanischen Bürgerkrieg, geschrieben von einem der besten Reporter Europas.

Wojciech Jagielski, einer der mutigsten Schüler Kapuscinskis, hat sich in den letzten Jahren immer wieder in den gefährlichsten Krisengebieten dieser Welt aufgehalten: Kaukasus, Afghanistan, Tschetschenien - und immer wieder Afrika. Seine Methode beim Beobachten und Schreiben ist so einfach wie schwierig: er lässt sich auf das Land, die unterschiedlichen Sichtweisen, auf die Konflikte innerhalb der Gesellschaft ohne Vorurteile ein; er porträtiert Menschen, die in die Spirale des Hasses und der Rache geraten und kaum eine Chance haben, da wieder herauszukommen. In seinem neuesten Buch schreibt Jagielski über Uganda, über Truppenführer, die Dörfer überfallen und Kinder rauben, über Eltern, die mit aller Kraft und Phantasie versuchen, ihre Kinder vor diesem Schicksal zu bewahren. Er schreibt aber auch über die politischen Hintergründe, die gesellschaftliche »Normalität« und fragt, wieso aus ehemaligen »Befreiern« immer wieder habgierige und brutale Despoten werden, wie Menschen in einem dreißigjährigen Bürgerkrieg überleben, und trotz allem die Hoffnung auf eine Zukunft nicht aufgeben. Er erweitert seine Reportage durch fiktive, erzählerische Elemente und erreicht damit eine eigene schriftstellerische Qualität. Besonders eindrucksvoll sind seine genauen und stilistisch sensiblen Porträts von Menschen, die Soldaten oder Partisanen waren, fliehen konnten und jetzt mit diesem Trauma leben müssen; von Kindern, die sich vor dem Militär oder den Guerilleros verstecken, nachts aus den Dörfern in die Städte ziehen (wo sie sicherer sind) um dann, am Morgen, wieder zurückzuschleichen - eben die »Wanderer der Nacht«.


Produktinformation

  • Verlag: Transit Buchverlag
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 258 S.
  • Seitenzahl: 269
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 150mm x 28mm
  • Gewicht: 470g
  • ISBN-13: 9783887472443
  • ISBN-10: 3887472446
  • Best.Nr.: 27954998
»Sein Werk ist die konsequente Fortsetzung und exzellente Bereicherung all dessen, was in der polnischen und europäischen Reportage Rang und Namen hat.« Ryszard Kapuscinski

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Wojciech Jagielskis Reportage über das Schicksal von Kindersoldaten in Uganda hat Rezensentin Judith Leister nicht kalt gelassen. Der polnische Reporter zeigt für sie anschaulich die Machenschaften von Joseph Konys Lord‘s Resistance Army auf, die während des Bürgerkriegs rund 30.000 Kinder zu Kindersoldaten gemacht hat. Die Beschreibung der unvorstellbaren Grausamkeiten - Mord, Folter, Vergewaltigung, Kannibalismus -, die an und von diesen Kindersoldaten begangen wurden, wird dem Leser nach Angaben von Leister nicht erspart. Sie hebt insbesondere hervor, dass Jagielski in der Vorbemerkung zu seinem Buch, das er selber als "dokumentarische Erzählung" bezeichnet hat, sein Verfahren, die Vermischung von Dokumentation und Fiktion, die auch persönliche Ängste und Zweifel nicht ausspart, offen legt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.07.2010

Wo Erwachsene Angst vor Kindern haben
Wojciech Jagielski erzählt, wie der Psychopath Joseph Kony eine Horrorarmee in Uganda aufstellen konnte
Über viele Jahre hinweg gab es in der Stadt Gulu, im Norden Ugandas, ein weltweit einzigartiges Phänomen. Tagsüber sah der Ort so aus wie die meisten afrikanischen Provinznester, mit Busbahnhof, kleinen Supermärkten, Bars, Restaurants, ein paar Autos, vielen Fahrrädern und jeder Menge Menschen. Kaum aber ging die Sonne unter, wurde die Stadt von Kindern förmlich überschwemmt. Als ob unsichtbare Schleusen geöffnet würden, strömten zunächst nur wenige in die Stadt, doch schnell wurden es mehr. In gewaltigen Schüben kamen sie aus allen Richtungen, es waren Zehntausende. Die Jungen und Mädchen waren barfuß, verrotzt, in zerrissenen, verschmutzten Kleidern, die wenigsten hatten Decken dabei, die Jüngsten waren gerade mal drei Jahre alt.
Die Kinder legten sich in den Busbahnhof, in die Straßengräben, vor das Internetcafé, ins Krankenhaus, in die katholische Mission, vor die Kneipen, Supermärkte und Restaurants. Sie lagen Körper an Körper, Bündel an Bündel, starrten mit großen Augen in den Nachthimmel, …

Weiter lesen

»Sein Werk ist die konsequente Fortsetzung und exzellente Bereicherung all dessen, was in der polnischen und europäischen Reportage Rang und Namen hat.« Ryszard Kapuscinski
Wojciech Jagielski, 1960 geboren, arbeitet für die polnische Zeitung »Gazeta Wyborcza«. Seine Bücher über die Krisengebiete dieser Welt wurden mit vielen polnischen und europäischen Preisen ausgezeichnet und auch in den USA, England, Niederlanden, Italien und Spanien veröffentlicht.

Leseprobe zu "Wanderer der Nacht" von Wojciech Jagielski

Später kamen die Kinder.
Sie erschienen ohne Ankündigung, nahezu unbemerkt. Wie Geister nahmen sie plötzlich Gestalt an, tauchten unvermutet aus der Dunkelheit auf, als hätte der Erdboden sich aufgetan und sie freigegeben. Zügig, in Gruppen strömten sie von allen Seiten in die Stadt, die in Erwartung des Unwetters still, wie ausgestorben dalag, schritten sicher voran, ohne Eile, wie jemand, der etwas Wohlbekanntes zum tausendsten Mal wiederholt.
Einige waren in Schuluniform, mit Tornistern voller Bücher und Hefte auf dem Rücken. Andere wiederum liefen barfuß und in Lumpen, schleppten Decken, Stoffballen, undefinierbare Bündel mit sich, auch Zeitungspapier und Pappstücke aus Straßengräben oder Abflussrinnen. Die älteren Kinder führten die jüngeren, erst ein paar Jahre alten, an der Hand, und die Mädchen trugen, ganz wie Bäuerinnen bei der Feldarbeit, Säuglinge in Tüchern auf dem Rücken.
Der Kinderstrom glitt nahezu geräuschlos durch die Dämmerung, die alle Konturen verwischte. Auf dem Marktplatz teilte er sich schließlich in mehrere Arme auf. Der größte bog Richtung Busbahnhof ab, ein kleinerer endete seinen Lauf auf dem St. Marien-Kirchhof mit seinem gewaltigen, aus roten Ziegeln errichteten Gotteshaus. Wieder andere bewegten sich zielstrebig auf Krankenhäuser, Schulhöfe zu. Die Übrigen blieben auf der Hauptstraße, im Schatten der Häuser, wo sie ihr Nachtlager errichteten.
Die meisten waren nur auf der Suche nach einem Ruheplatz und legten sich sofort schlafen, noch vor Einbruch der Nacht, die die Stadt jedes Mal in völliges Dunkel hüllte. Vor der Eisenwarenhandlung gegenüber ertönte Weinen. An der menschenleeren Bar vom »At Franklin s« lief leise der Fernseher, und durch das geöffnete Küchenfenster war zu hören, wie der Wirt die Tellerwäscher antrieb, die zu Ende eines ganzen Arbeitstages nicht mehr zur Eile fähig waren.
Da tauchten direkt neben unserem Tisch einige Mädchen aus der pechschwarzen Nacht auf. Angelockt wie die Motten von den letzten Streifen gelblichen Lichts, die von der Bar auf die Straße fielen, machten sie sich schweigend daran, ihr nächtliches Lager auf dem Teil des Gehsteigs aufzuschlagen, der zum »At Franklin s« gehörte. Den letzten späten Gästen schenkten sie keine Beachtung, breiteten ihre Pappstücke und Decken auf der Erde aus und legten sich schlafen.
Bei ihrem Erscheinen schrak Jackson zusammen und blickte verwirrt um sich, wie jemand, der die Zeit völlig vergessen hat. Er stellte die noch volle Bierflasche auf dem Tisch ab und machte mit dem Kopf ein Zeichen Richtung Ausgang, wartete aber nicht einmal, bis ich die Rechnung beglichen hatte, sondern stand einfach auf und verschwand in der Dunkelheit. Als ich nach ihm aus dem Lichtschein in die Nacht hinaustrat, brauchte ich eine ganze Weile, um in der Dunkelheit seine Gestalt auszumachen. Er ging schnellen Schrittes in der Mitte der Straße, sehr aufrecht, schaute nicht rechts und links, wo die Kinder sich unter den Vordächern der Häuser für die Nacht einrichteten.

Ein Marktplatz-Angebot für "Wanderer der Nacht" für EUR 18,00

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
wie neu 18,00 0,00 sofortueberweisung.de, Selbstabholung und Barzahlung, PayPal, Lastschrift, Banküberweisung Hausmanns Büchershop 98,4% ansehen
Mehr von