Schwarzes Feuer - Franck, Katharina

Katharina Franck 

Schwarzes Feuer

Roman

Dtsch. v. Sabine Schwenk
Broschiertes Buch
 
1 Kundenbewertung
***** ausgezeichnet
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
9 ebmiles sammeln
EUR 8,95
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Schwarzes Feuer

Ein Anruf verändert Josephine Carters Leben für immer: Sie erfährt, dass ihre Schwester Angelina, die in Ruanda für eine Hilfsorganisation arbeitet, spurlos verschollen ist. Unverzüglich fliegt Josephine in das vom Krieg zerrissene Land - und muss schnell erkennen, dass sie nur eine Chance hat, wenn sie Angelina retten will: Sie muss sich alleine auf die gefahrvolle Suche nach ihr machen. Als Josephine aufbricht, kann sie jedoch nicht ahnen, dass ihr eine Odyssee durch die grüne Hölle des afrikanischen Dschungels bevorsteht, die ihr beinahe zum Verhängnis wird ...

Eine junge Frau riskiert in Afrika ihr Leben - und nur die Liebe kann sie retten

Ein Anruf verändert Josephine Carters Leben für immer: Sie erfährt, dass ihre Schwester Angelina, die in Ruanda für eine Hilfsorganisation arbeitet, spurlos verschollen ist. Unverzüglich fliegt Josephine in das vom Krieg zerrissene Land - und muss schnell erkennen, dass sie nur eine Chance hat, wenn sie Angelina retten will: Sie muss sich alleine auf die gefahrvolle Suche nach ihr machen. Als Josephine aufbricht, kann sie jedoch nicht ahnen, dass ihr eine Odyssee durch die grüne Hölle des afrikanischen Dschungels bevorsteht, die ihr beinahe zum Verhängnis wird ...

'Wundervolles Afrika-Epos.' Joy

'Nichts für schwache Nerven!' InStyle


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 446 S.
  • Seitenzahl: 446
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46561
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 118mm x 31mm
  • Gewicht: 360g
  • ISBN-13: 9783442465613
  • ISBN-10: 3442465613
  • Best.Nr.: 22818286
"Nichts für schwache Nerven!"
Katharina Franck wurde 1971 in Mozambique geboren. Ihre Eltern stammen aus Deutschland. 1975 zog die Familie nach Südafrika und ließ sich auf einer Farm in der Nähe von Prätoria nieder. Nach dem Abitur reiste Katharina Franck zwei Jahre lang durch Europa. Sie studierte Psychologie an der California State University und arbeitete als Lehrerin. Katharina Franck lebt heute in Los Angeles und schreibt derzeit an ihrem zweiten Buch.

Leseprobe zu "Schwarzes Feuer" von Katharina Franck

PDF anzeigen

Leseprobe zu "Schwarzes Feuer" von Katharina Franck

Bitte, tu's nicht."

Angelina Carter sah nur kurz hoch und lächelte. Ungerührt fuhr sie fort, sich ihre Wanderstiefel zu schnüren. Karen Jacobs hatte die Hände in die Hüften gestemmt und sich ihr in den Weg gestellt. Im Land Rover hinter ihr lag noch der Rucksack. Angelina stand auf, ging um Karen herum und hievte ihn sich auf die Schultern.

"Sie brauchen Hilfe", sagte sie und sah zu den baumbestandenen Bergen hoch. "Deshalb sind wir hier, oder hast du das schon vergessen?"

"Wenn wir tot sind, können wir niemandem mehr helfen!", fuhr Karen sie an. "Warte wenigstens auf die Begleitmannschaft."

"Die holt mich schon noch ein, wenn sie überhaupt kommt. Ich hab's satt ewig zu warten."

Sie drückte Karen den Autoschlüssel in die Hand und lief los. "Bleib du hier", sagte sie über die Schulter hinweg. "Ich komme schon klar."

Karen blickte ihr nach, wie Angelina über das gelbliche Gras davonging. Sie überlegte, was sie jetzt noch tun konnte. Am liebsten würde ich sie umbringen, war ihr erster Gedanke, aber dann fiel ihr ein, dass sie ja gerade verhindern musste, dass diesem undankbaren Geschöpf etwas zustieß. Sie war hin und her gerissen. Warum machte sie sich eigentlich so viele Gedanken? Sie konnte Angelina doch ohnehin nicht leiden.

"Verdammt!"

Karen wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn, blinzelte in die gleißende Sonne und schloss die Augen. Ihr Hemd war völlig durchnässt, in einem dünnen Rinnsal lief der Schweiß über ihren Rücken. Sie hasste die Sonne. Allmählich hasste sie alles. Die Hitze, die unbefestigten Straßen, ihren Job und vor allem Angelina. Es war einfach nicht fair. Es war doch nicht ihre Aufgabe, Angelina am Selbstmord zu hindern.

Noch einmal sah sie in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Weit und breit keine Staubwolke, die einen Wagen angekündigt hätte. Sie verscheuchte die Fliegen, die ihren Kopf umschwirrten, drehte sich wieder zum Land Rover um und griff durchs Fenster nach dem Funkgerät, das auf dem Vordersitz lag. Wenigstens gab es jetzt wieder atmosphärische Störungen, vorher war die Leitung völlig tot gewesen. Wie alles andere funktionierte auch dieses blöde Ding nur sporadisch.

"Bravo Yankee Six ruft Tango Victor Two. Bitte kommen. Over."

Als einzige Antwort kam ein Rauschen, und sie warf das Gerät entnervt auf den Sitz zurück. Wieder sah sie in Angelinas Richtung und biss sich auf die Unterlippe.

"Mist!"

Sie hatte keine andere Wahl.

"Warte, Angelina!", schrie sie, packte ihre Wanderstiefel, nahm den Rucksack von der Ladefläche und schloss den Land Rover ab. Rasch kritzelte sie noch eine Nachricht, die sie unter einen der Scheibenwischer klemmte.

Angelina stand wartend im Schatten der riesigen Bäume und lächelte ihr entgegen. Karen zögerte und sah sich nervös ein letztes Mal zur Straße um.

Es hatte keinen Sinn.

Schaudernd ging sie durch die drückende Hitze auf das Dunkel unter den Bäumen zu, dorthin, wo der afrikanische Regenwald begann.

Sobald sie einmal vom Weg hoch sah, um einen Blick auf die Uhr zu werfen, glitt sie auch schon auf den rutschigen Blättern aus, die den matschigen Waldboden bedeckten. Keuchend und in Schweiß gebadet blieb sie stehen, um zu verschnaufen. Grünlich schimmerte das zwischen den Blättern einfallende Licht.

"Würdest du mal langsamer gehen?", brüllte Karen und starrte zornig auf Angelinas Rücken.

Angelina blieb stehen. Ihr Blick wanderte am Stamm eines riesenhaften Baumes hoch, der sich zwanzig Meter über ihren Köpfen im Blätterbaldachin verlor. Dicke Lianen schlängelten sich um die Zweige, die ihre roten und violetten Blüten dem Sonnenlicht entgegenstreckten. Durch eine Öffnung im Blätterdach fiel Licht auf den Boden, auf Gräser und dornige rote Blumen. Zwischen den Lichtpfützen wuchs Farn, die Baumstämme waren mit weißen und grauen Flechten bedeckt.

"Ich fasse es einfach nicht, dass wir auf eigene Faust unterwegs sind", murrte Karen. "Dir ist doch hoffentlich klar, dass man uns da oben ordentlich in die Mangel nehmen wird."

"Denk einfach nur, du wanderst gerade durch einen schönen Wald."

"Das klingt nach Sonntagsspaziergang und nicht nach einer Expedition in einen Dschungel, in dem es von schießwütigen Soldaten nur so wimmelt."

Mehrere Nashornvögel, die schrien, als seien sie von allen guten Geistern verlassen, flogen über ihre Köpfe hinweg.

"Mir ist das nicht geheuer hier", sprach Karen in leiserem Ton weiter. "Weißt du, im Urwald gibt es Leoparden und Warzenschweine mit spitzen, scharfen Zähnen und Pythonsschlangen, die einen ganzen Elefanten zur Strecke bringen können."

"Und Löwen und Tiger und Bären, ach, du meine Güte!", sagte Angelina mit gespieltem Entsetzen und schlug sich dabei die Hände vors Gesicht.

"Ja, ja, mach du dich nur ruhig lustig über mich, aber wir sind hier nicht mehr in Kansas."

Angelinas Lachen wurde von den großen, aufgedunsenen Blättern der Bäume verschluckt.

"Am besten finde ich allerdings immer noch den Waldbüffel", fuhr Karen fort.

"Warum?"

"Na ja, wenn schon sterben, dann wenigstens auf originelle Weise ..." Sie drehte sich um, weil sie in den Zweigen hinter sich ein Rascheln gehört hatte. Aber da waren nur dunkelgrüne Schatten, und sie sah wieder nach vorn, um Schritt zu halten. "Ich hab da mal was in einem Buch gelesen. Wenn du nicht auf einen Baum kletterst, der hoch genug ist, leckt er dir mit seiner Zunge einfach die Kleider vom Leib. Dann nimmt er sich deine Haut vor, dann kommen die Muskeln und schließlich die Knochen."

Links von ihnen hallte der entsetzte Schrei eines Affen durch den Wald.

"Jetzt jagst du schon den Tieren Angst ein.", seufzte Angelina.

"Na und? Sie jagen mir ja schließlich auch Angst ein." Als sie über einen umgefallenen Baumstamm stieg, verfing sich ihr Haar in den Dornen einer Liane. Ungeduldig riss sie es los, und schon sickerte Blut aus einem drei Zentimeter langen Kratzer auf ihrem Handteller. Sie hob die Hand an den Mund, um das Blut aufzusaugen. "Dieses Land macht mich fertig."

"Warum hast du dich eigentlich freiwillig gemeldet?"

"Damals hielt ich es für eine gute Idee."

"Findest du nicht, dass du ein bisschen übertreibst mit deiner ständigen Angst?"

"Wieso denn? Angst an sich ist doch nichts Schlimmes."

Vogelgezwitscher hallte unter dem Blätterdach wider. Karen musste einen Schritt zulegen um mitzuhalten. Das Ganze ist ein Fehler, dachte sie. Ihre Mutter hatte ihr beigebracht, auf ihren Bauch zu hören, und in ihrem Bauch schrillte eine unüberhörbare Nichts-wie-weg-hier-Alarmglocke. Allerdings hatte ihre Mutter ihr damals auch geraten, Dick, diesen Mistkerl, zu heiraten, und was war dabei herausgekommen? Sie war jetzt fast neununddreißig, geschieden und kinderlos. Das war nicht fair. Das alles war einfach nicht fair, und schon gar nicht, dass sie jetzt auch noch diese Angelina am Hals hatte. Eine Biene, durch ihren Schweiß angelockt, kitzelte sie im Genick, aber sie verscheuchte sie nicht. Bald würden es mehr sein. Sie hasste Bienen.

"Eigentlich möchte ich sterben wie alle anderen auch", sagte sie. Es beruhigte sie, ihre eigene Stimme zu hören. "Ich möchte bergeweise Junkfood essen und mit dem Sport aufhören. Irgendwann kommt dann diese leichte Kurzatmigkeit, es sticht ein bisschen in der Brust, und ich breche mit einem Doughnut in der Hand vor dem Fernseher zusammen." Etwas Rotes, Pelziges flog vor ihr über den Weg, und sie zuckte zusammen. "Hörst du mir eigentlich zu?", schnauzte sie in Angelinas Richtung und schlug sich mit der Hand auf den Arm, wo ein zerquetschter Moskito einen blutigen Fleck hinterließ.

"Du willst mit einem Doughnut in der Hand sterben."

Seufzend wischte sie sich das Blut an der Hose ab. "Was ich damit sagen will, ist, dass ich nicht hier sterben will."

Angelina blieb abrupt stehen und drehte sich um, worauf auch Karen überrascht stehen blieb. "Die meisten Tiere lassen dich in Ruhe, wenn du sie in Ruhe lässt", sagte sie und verscheuchte die Fliegen vor ihrem Gesicht. "Sie gehen nicht einfach hin und bringen Menschen um, genauso wenig wie du einfach so einen Frosch zertreten würdest. Tiere töten, wenn sie überrascht werden oder um sich zu verteidigen. Aus reiner Boshaftigkeit töten sie nur sehr selten."

"Du hast das mit dem Hunger vergessen."

Wortlos kehrte Angelina ihr wieder den Rücken zu und lief weiter. In der Ferne war das Rauschen eines Flusses zu hören.

Träge wälzte sich das Wasser zwischen schlammigen, unbewegten Stellen dahin. Über der Oberfläche schwirrten Insekten. Bunte Schmetterlinge belagerten den Morast, um daraus zu trinken. Mit ihren scharlachroten Flügeln erinnerten sie an kleine Segelboote. Angelina fing einen der Schmetterlinge, um ihn sich genauer anzusehen.

"Hast du jemals etwas so Schönes gesehen?"

"Ja, wirklich hinreißend", sagte Karen, die das Tier misstrauisch beäugte, als könnte sich jeden Moment ein riesiger Greifarm aus seinem winzigen Leib stülpen.

"Wusstest du, dass sie Blut trinken? Im Blut sind Proteine, die sie mögen."

Die Flügel des Schmetterlings bewegten sich, dann flatterte er über ihren Köpfen davon, um hinter den Ästen eines Baums zu verschwinden. Angelina wandte sich wieder dem braunen Flusswasser zu und versuchte einzuschätzen, wie tief es war. Sie nahm den Rucksack ab, stemmte ihn über dem Kopf in die Höhe und watete bis zu den Hüften in das schleimige Wasser. Sie rutschte aus und wäre beinahe hingefallen. Als sie das andere Ufer erreicht hatte, ließ sie ihren Rucksack auf den Boden plumpsen und drehte sich um.

Karen stand da und starrte nervös auf das Wasser.

"Wir müssen dem Flusslauf folgen, er führt uns zu einem Weg am Fuß des Berges, über den wir das Dorf erreichen. Es liegt auf dieser Seite des Wasserlaufs, du wirst also rüberkommen müssen."

Wenn ich hier lebend wieder rauskomme, dachte Karen und blickte flussaufwärts, dann fliege ich mit der nächsten Maschine nach Hause. Was sie hier taten, war verrückt, blanker Wahnsinn und absolut nicht im Programm vorgesehen. Sie nahm ihren Rucksack und watete in das dunkle, warme Wasser.

Es war eine unmerkliche Bewegung. Ein Blatt, das sich langsam hob, nicht mehr als ein kurzer Lufthauch. Auf dem Blatt saß eine Biene, die sich nicht stören ließ durch das Augenpaar, das in wenigen Zentimetern Abstand an ihr vorbei sah, dorthin, wo Karen durch das hüfthohe Wasser ging. Er war völlig regungslos. Er spürte die Dornen der Liane nicht, die sich in seinen Arm gruben, und wischte sich den Schweiß nicht ab, der ihm brennend in die Augen lief. Er wusste, dass seine Geduld bald belohnt werden würde, und spürte, wie sich sein Herz mit Hass füllte. Er konnte sich an keine Zeit erinnern, in der er frei von Hass gewesen war. Er trug ihn mit sich wie ein Gewehr, das man bei sich hat.

Die Lautere von den beiden watete jetzt durchs Wasser. Sie jammerte, wie Frauen es tun. Die andere war stärker und ruhig. Sie weckte die Waldgeister nicht mit ihrem Lärm. Aber sie war dumm, weil sie hier war, an diesem Ort, der Menschen bei lebendigem Leib verschlang.

Er hatte sich daran gewöhnt zu warten, genauso, wie er sich ans Töten gewöhnt hatte. Am Anfang war es nicht so leicht gewesen, aber seitdem hatte er Dinge gesehen, die ihn verändert hatten. Am Anfang hatte er das, was einen guten Soldaten aus ihm machte, noch nicht getan. Er war noch fähig gewesen, etwas zu empfinden.

Das war lange her. Damals lebte er im Hügelland, in seinem Heimatland Ruanda, zusammen mit seinen Brüdern und seiner Mutter, dieser Hure. Aber er hatte sie sich vorgeknöpft und auch diese Kakerlake von Tutsi, die sie geheiratet hatte. Sie hatte ihm vor seinen Freunden Schande gemacht. Sie hatte nicht auf seine Warnungen gehört und war weggelaufen und hatte nach dem Tod seines Vaters den Tutsi geheiratet. Er hatte keine andere Wahl, weil er ein guter Hutu war, und er hatte seine Pflicht erfüllt, und er hatte es gut gemacht. Sein Vater hätte ihm gesagt, dass er ein guter Sohn war.

Er hatte die Tutsi-Kakerlake getötet, er hatte ihm Hände und Füße abgehackt und zugesehen, wie er sich wand. Hatte ihn betteln sehen, ehe er ihm den Kopf abschlug. Das war, bevor er Soldat wurde. Bevor er ein Gewehr und eine Uniform hatte.

Er sah das Gesicht seiner Mutter noch vor sich an jenem Morgen, an dem er und seine Freunde draußen vor ihrem rugo in ihre Pfeifen geblasen hatten. Wie sie herausgestürzt war und sich flehend vor seine Füße geworfen hatte. Er war stark und aufrecht geblieben und hatte die panga auf ihren Hals niedergehen lassen, ihr den Kopf abgeschnitten, dann war das Baby an der Reihe gewesen. Er tat das nicht gern. Aber jede Kakerlake musste sterben, denn aus den Babys würden große Kakerlaken werden. So hatte er dem Ganzen ein Ende bereitet und sich mit dem Blut der Kakerlaken und ihrer Helfer befleckt.

Jetzt war er ein guter Soldat. Jetzt konnte er nur noch Hass fühlen. Hass auf die weißen Gesichter, der auch nicht anders war als der Hass auf die Kakerlaken. Die weißen Gesichter wollten sein Volk daran hindern, für Gerechtigkeit zu sorgen. Die weißen Gesichter verstanden nicht, wie wichtig diese Aufgabe war.

Und so wartete er und beobachtete. Er war jetzt Soldat, er würde seine Pflicht erfüllen.

Und er würde es gut machen.

Mit jedem Schritt wurde der Weg beschwerlicher. Jeder Atemzug war schon vorher schwer gefallen, jetzt war es, als müsse man durch einen nassen Schwamm hindurch Luft holen. Sie kamen immer langsamer voran. Affen schrien über ihren Köpfen, und Angelina blickte nach oben, wo sie nur noch schwankende Äste sah. Sie stolperte über eine Wurzel und ging fluchend weiter, den Blick auf den Boden vor ihren Füßen geheftet.

Die Stämme der Bäume waren moosbedeckt und von dunkelgrünen Kriechpflanzen überwuchert. Eine kleine, braune Schildkröte, die an einem Pilz knabberte, zog den Kopf ein und legte sich flach auf den Boden, als sie vorbeigingen. Angelina blieb stehen und hängte sich an eine Liane, um ihre Beine für einen kurzen Moment vom Gesetz der Schwerkraft zu befreien. Hinter ihnen ertönte der Ruf eines im Unterholz scharrenden Perlhuhns, das sie aufgeschreckt hatten. Sie drehte sich um und spähte zwischen den Bäumen hindurch und in das dichte Gebüsch.

"Was ist?", fragte Karen, die neben ihr stehen geblieben war.

"Irgendetwas folgt uns."

"Natürlich folgt uns etwas. Wir sind ein wandelndes Büffet für alles, was Zähne hat." Sie schlug sich mit der Hand ins Genick, wo eine weitere Fliege zugestochen hatte. Inzwischen breitete sich ein Geflecht aus geschwollenen, roten Quaddeln auf ihrem Körper aus. "Kommst du bitte, ehe uns alle blutsaugenden Wesen eingeholt haben?"

Angelina ließ den Blick nochmals über die Bäume und Büsche schweifen, legte dann einen Schritt zu und folgte weiter dem schmalen Pfad. Eine Stunde später drangen aus der Ferne Kinderstimmen zu ihnen.

"Hörst du das?", fragte Karen, die sich umgedreht hatte.

Sie nickte, ohne stehen zu bleiben. Der Pfad schlängelte sich weiter, fort von den Kinderstimmen, die schließlich doch wieder lauter wurden, bis sich plötzlich eine strahlend helle Lichtung vor ihnen auftat. Vom Licht der Sonne geblendet, hielt sich Angelina die Hand über die Augen. Ein breiter Pfad führte zwischen Hütten aus Lehm und geflochtenem Stroh hindurch. Auf der linken Seite der Lichtung spielten drei Kinder im Schatten eines riesigen Mangobaums. Vor einer der Hütten kniete eine Frau, die sich ihr Baby mit einem Tuch auf den Rücken gebunden hatte, und raspelte Jamswurzeln. Sie stand auf, als die beiden näher kamen, und verschwand in ihrer Hütte.

Auch die Kinder hatten die Fremden erblickt und ihr Spiel unterbrochen. Sie schwiegen. Angelina ging mit freundlichem Lächeln auf sie zu, doch sie wichen zurück, drehten sich plötzlich um und rannten weg.

"Läuft ja alles prima ..."

Sechs braune Ziegen mit Schlappohren lagen unter dem Baum, kauend, die Augen leer auf Angelina geheftet, die nun zur Schulbaracke ging. Sie ließ ihren Rucksack auf die schmale Veranda plumpsen, streckte sich und sah zu dem rostigen Blechdach hoch, an dem Hornissennester klebten. Dann warf sie einen Blick durch die Tür. Der Lehmboden war mit Fledermauskot bedeckt, dessen beißender Geruch trotz der scheibenlosen Fenster in der Luft hing. Braune Termitengänge schlängelten sich die Wände hoch bis zum Dach, Pulte gab es nicht. Die Schule war schon seit langem nicht mehr benutzt worden.

Karen stand lächelnd auf, als ein alter Mann in einer braunen Hose und einem fleckigen Minnie-Mouse-T-Shirt auf sie zu humpelte.

"Ihr habt hier nichts zu suchen", sagte er und fuchtelte mit den Armen herum, was wohl bedeutete, dass sie gehen sollten.

Karen ließ sich durch die feindselige Haltung des Mannes nicht einschüchtern und erwiderte, immer noch lächelnd: "Wir sind von den Vereinten Nationen, wir suchen nach Flüchtlingen. Ein Mann im Lager hat uns gesagt ..."

"Geht", unterbrach sie der Alte und versetzte ihr einen Stoß gegen die Schulter.

Karen stolperte rückwärts gegen einen Baum.

"He, du fieser Typ, hör auf zu schubsen, sonst verpass ich dir eine", sagte sie drohend und ging auf ihn zu. Aber dann wich sie, abgeschreckt durch den Eiter, der aus dem geschwollenen linken Auge des Mannes quoll, angewidert zurück.

"Flüchtlinge im Lager", bellte er, wandte ihr den Rücken zu und ging davon.

Mit gerunzelter Stirn sah ihn Karen in einer Hütte verschwinden.

"Was hat er gesagt?", fragte Angelina, die hinter ihr aufgetaucht war.

"Nur die üblichen Nettigkeiten. Hallo. Wie geht's. Verpiss dich."

"Das hat er gesagt?"

"Ein bisschen kürzer hat er sich gefasst."

"Hast du ihn nach den Flüchtlingen gefragt?"

"Die sollen in den Lagern sein."

Ein Hund kam über den staubigen Boden getrottet, der vor den Hütten festgestampft worden war, und starrte sie an. Er blieb stehen, hob ein Bein an sein Ohr, kratzte sich und legte sich in die Sonne, um ein Schläfchen zu halten.

"Irgendwie ist es hier unheimlich", murmelte Karen.

Auf der Lichtung standen zwölf Hütten, die in gutem Zustand waren. Eine davon hatte man erst kürzlich erneuert, die Lehmwände waren noch feucht. Wo waren also die ganzen Bewohner? Sie setzte sich wieder auf den Boden, stützte das Kinn auf die Arme und beobachtete die Hühner, die in der Erde scharrten. Angelina blickte sich um, dann steuerte sie auf die Hütte zu ...

Kundenbewertungen zu "Schwarzes Feuer" von "Katharina Franck"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(1)
***** sehr gut
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
Schreiben Sie eine Kundenbewertung zu "Schwarzes Feuer" und Gewinnen Sie mit etwas Glück einen 15 EUR buecher.de-Gutschein

Bewertung von Kirsamer Else aus 73650 Winterbach am 05.02.2006 ***** ausgezeichnet
Dies ist ein wunderbarer Roman.
Er hört nur nach meiner meinung unvollständig auf.
Frage: Gibt es einene Fortsetzungsroman?

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Sie kennen "Schwarzes Feuer" von Katharina Franck ?
Tipp: Stöbern Sie doch mal ein wenig durch ausgewählte aktuelle Bewertungen in unserem Shop

5 Marktplatz-Angebote für "Schwarzes Feuer" ab EUR 2,95

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
leichte Gebrauchsspuren 2,95 1,10 Banküberweisung hexe leseratte 98,8% ansehen
wie neu 3,50 1,10 Selbstabholung und Barzahlung, Banküberweisung sgundi 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 5,00 1,10 Banküberweisung Lommer 100,0% ansehen
wie neu 8,40 1,50 sofortueberweisung.de, Selbstabholung und Barzahlung, PayPal, Lastschrift, Banküberweisung Hausmanns Büchershop 98,4% ansehen
wie neu 8,60 1,50 Selbstabholung und Barzahlung, Banküberweisung Buchversand Zorneding 97,3% ansehen
Mehr von