Links - Farah, Nuruddin

Nuruddin Farah 

Links

Roman. Ausgezeichnet mit dem Premio Napoli 2005

Aus d. Engl. v. A. Tanner
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Links

Staatszerfall, Bandenterror, die innere Zerrissenheit afrikanischer Nationen was uns nur schlagwortartig bekannt ist, fügt sich im neuen Roman von Nurrudin Farah zu einem meisterhaft gezeichneten, manchmal alptraumhaften Panorama seines Heimatlandes Somalia, zu einer exemplarischen Geschichte von verrohten Herzen und dem Wert der Menschlichkeit. Links erzählt von Jeebleh, der aus dem New Yorker Exil nach Mogadischu zurückkehrt und eine vom Bürgerkrieg korrumpierte Gesellschaft vorfindet, die er nicht mehr versteht, in der er niemandem trauen kann, schon gar nicht den eigenen Verwandten. Und dennoch, trotz der Gewalt, trotz der sozialen Apathie, trotz der widerwärtigen Herrschaft der Clans gibt es Hoffnung verkörpert von einem kleinen Mädchen.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 363 S.
  • Seitenzahl: 438
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.3939
  • Best.Nr. des Verlages: 45939
  • Deutsch
  • Abmessung: 175mm x 111mm x 28mm
  • Gewicht: 266g
  • ISBN-13: 9783518459393
  • ISBN-10: 3518459392
  • Best.Nr.: 22805224

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Ilja Braun stellt fest, dass der neue Roman Nuruddin Farahs bei allen beschriebenen Gräueln letztlich doch ein optimistischer ist. Ein Exil-Somalier kommt zurück in seine alte Heimat, um das Grab seiner Mutter zu besuchen, und das mit dem festen Vorsatz, sich aus allem anderen herauszuhalten. Doch als aus dem Kinderheim eines Freundes ein Mädchen mit der Gabe, jeden in ihrer Nähe vor den Bürgerkriegszuständen zu schützen, entführt wird, macht er sich auf die Suche und findet es schließlich. Das Kind, so der Rezensent, ist der "Prototyp des selbstverantwortlichen Subjekts", das sich in seinem Verhalten nicht hinter dem familiären Gruppenzwang versteckt. Aus diesem Verständnis heraus entstehe sei der Roman auch als optimistisch zu beurteilen, denn schließlich sei es ebenjenes Kind, das um sich herum den Frieden verbreite und das am Ende gerettet werde.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Einer der wichtigsten und innovativsten Schriftsteller Afrikas - wenn nicht der Welt." (The Independent)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.11.2005

Im Vorhof der Hölle
Ein neuer Roman des somalischen Schriftstellers Nuruddin Farah

Die abgemagerten Rinder in den Straßen von Mogadischu würgen an Plastiktüten, die in Krisenregionen vor allem als Behälter für Trinkwasser dienen. Nicht selten drohen die Tiere daran zu ersticken. Die Tüten, die halb zerfetzt vom heißen Wind durch die verwüsteten Straßen der einst kosmopolitischen Metropole am Horn von Afrika gefegt werden, sind nur eine Plage von vielen. Sie stammen vermutlich aus Hilfslieferungen westlicher Organisationen. Was mit den leeren Tüten geschieht, wenn keine Müllabfuhr funktioniert, hat im fernen Europa und Amerika niemand bedacht. Mogadischu in den neunziger Jahren: ein Unort, ein Vorhof der Hölle, eine Wüstung, die verläßt, wer sie verlassen kann, die den Geflüchteten jedoch niemals verlassen wird, wo immer das Exil ihn hintreibt.

Blutsbande, Familienbande, Bande der Erinnerung - in seinem jüngsten Roman "Links" kehrt der heute vor sechzig Jahren im somalischen Baidao geborene Nuruddin Farah wie in all seinen Romanen in jenes Land zurück, das er 1974 mit einem Stipendium der Unesco verlassen hatte und in dem er …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.11.2005

Lieber töten, als dasitzen und abwarten
Wenn man nur noch den Blutsverwandten trauen kann: Nurrudin Farahs Somalia-Roman „Links”
Was für eine Literatur entsteht aus einer Wirklichkeit, in der im Innenhof eines heruntergekommenen Vier-Sterne-Hotels die Aasgeier lauern, einer von ihnen so groß wie ein Fiat 500? Wie ist das Verhältnis von Politik und Ästhetik in einem Land, in dem ein ehemaliger UNO-Beamter einen kostenlosen Leichenentsorgungsservice eingerichtet hat, weil er die Organe der toten Körper teuer verkaufen kann? Was für Moralvorstellungen vermittelt ein Roman, der von einer Gesellschaft erzählt, in der niemand einen Mörder verfolgt, weil der Umgebrachte selber ein Mörder war?
In dieser Welt sinniert Jeebleh, der Ich-Erzähler von Nuruddin Farahs neuem Roman „Links”, ein aus den USA nach Mogadischu heimgekehrter Universitätsprofessor: „Was also wollte er lieber sein, einer, der um der Gerechtigkeit willen tötet, oder jemand, der hilflos zusieht, unfähig etwas zu tun?” Und er gibt sich die Antwort gleich selbst: „Er wollte lieber töten, als dasitzen und abwarten, dass andere den Job erledigten.”
Diese Aussage eines …

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Nuruddin Farah, 1945 in Somalia geboren, hat sich immer wieder gegen politische Repression gewandt. In seinem Heimatland fand er deshalb wenig Achtung. Das Barre-Regime verhängte über ihn das Todesurteil, zwang ihn zu Flucht und Exil. Farah lebt seitdem vorwiegend in afrikanischen Ländern, war Hochschullehrer in Nigeria, Gambia, Sudan und Uganda. Er hat Kurzgeschichten, Drehbücher und sechs Romane geschrieben, die in 17 verschiedene Sprachen übersetzt worden sind.

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