Munzinger Pascha - Capus, Alex

Alex Capus 

Munzinger Pascha

Roman

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Munzinger Pascha

Ein Journalist auf den Spuren eines abenteuerlustigen Idealisten des letzten Jahrhunderts: zwei Entdeckungsreisen; die eine führt nach Kairo, die andere ins Innere eines scheiternden Menschen.

Das ist die wahre Geschichte von Werner Munzinger, der 1852 auszieht, um die Sklaverei in Afrika abzuschaffen. Werner Munzinger flieht, als sein Vater vom bürgerlichen Revolutionär zum Finanzminister avanciert, aus Europa. Als Händler und Forschungsreisender zieht er nach Kairo und ans Rote Meer, macht sich auf in die unwegsamen Gebirge Abessiniens, den sagenumwobenen Nilquellen entgegen. Er heiratet und wird Bauer, verwickelt sich in Kriege und Intrigen, und gegen seinen Willen steigt er auf zu Reichtum, Macht und Ehre.
Das ist aber auch die Geschichte des Reporters Max Mohn, der 150 Jahre später aufbricht, um Munzingers Spuren im Wüstensand aufzuspüren.


Produktinformation

  • Verlag: DTV
  • 2003
  • Überarb. Neuausg.
  • Ausstattung/Bilder: Überarb. Neuausg. 2003. 214 S., 1 Übers.-Kte.
  • Seitenzahl: 224
  • dtv Taschenbücher Nr.13076
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 121mm x 15mm
  • Gewicht: 186g
  • ISBN-13: 9783423130769
  • ISBN-10: 3423130768
  • Best.Nr.: 11197267
"Die spannende Biographie Munzingers und der Wechsel zwischen Nähe und Distanz machen den Roman zu einem Lesevergnügen. Erfrischend sind die bildlichen Beschreibungen, die alltäglichen Vorfällen eine neue Dimension verleihen."(Westdeutsche Allgemeine Zeitung)<br />

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.06.1997

Besuch im inneren Afrika
Ohne Ruh' und Rast: Alex Capus erinnert an Munzinger Pascha

Max Mohn, die erste Zentralfigur von Alex Capus' Roman "Munzinger Pascha", ist ein gebrochener Charakter: in keiner Weise auffällig oder herausragend, doch wendig und immer dicht am richtigen Leben. Dazu paßt seine Tätigkeit für die "Oltner Nachrichten", bei der er sich durch gelegentliche Schreibblockaden nur unwesentlich behindert fühlt. Max verkauft seine Hemmung als Vorzug, bestätigt sie doch aufs eindrucksvollste die Unwürdigkeit der Gegenstände. Und wie er nur halb ein Journalist ist, so betreibt Max auch sonst alles bloß halb. Seine kleinen, oft ein wenig zynischen Mogeleien und Ausflüchte schildert Alex Capus mit einer geradezu Rousseauschen Unverblümtheit. Der junge Schweizer Schriftsteller findet dafür eben jenen Ton treffsicherer und leichthändiger Ironie, der in der deutschsprachigen Literatur so selten ist.

Es ist die Sprache, die diesen Debütroman bemerkenswert macht, und man darf hier ruhig einmal von einer Entdeckung sprechen. Der Roman ist unterhaltsam, teilweise sogar amüsant, und selbstverständlich profitiert davon Max Mohn. Was …

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"Dieser Erstlingsroman ist ein Wurf." (Weltwoche)<br /> "Gekonnt mit Klischees spielend, verwebt Capus das Romangeschehen mit ironisch gebrochener Gesellschaftskritik, zeichnet Innen- und Außenwelten des Heutigen und des Verblichenen, bis sich Geschichte unversehens in Literatur veredelt hat." (Der Spiegel)<br /> "Max Mohn, die erste Zentralfigur von Alex Capus` Roman <em>Munzinger Pascha</em>, ist ein gebrochener Charakter: in keiner Weise herausragend, doch wendig und immer dicht am richtigen Leben … Seine kleinen, oft ein wenig zynischen Mogeleien und Ausflüchte schildert Alex Capus mit einer geradezu Rousseauschen Unverblümtheit. Der junge Schweizer Schriftsteller findet dafür eben jenen Ton treffsicherer und leichthändiger Ironie, der in der deutschsprachigen Literatur so selten ist. Es ist die Sprache, die diesen Debütroman so bemerkenswert macht, und man darf hier ruhig einmal von einer Entdeckung sprechen." Frankfurter Allgemeine Zeitung)<br /> "Die spannende Biographie Munzingers und der Wechsel zwischen Nähe und Distanz machen den Roman zu einem Lesevergnügen. Erfrischend sind die bildlichen Beschreibungen, die alltäglichen Vorfällen eine neue Dimension verleihen."(Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

"Dieser Erstlingsroman ist ein Wurf." Hansjörg Schertenleib in der 'Weltwoche'<br/><br/>"Gekonnt mit Klischees spielend, verwebt Capus das Romangeschehen mit ironisch gebrochener Gesellschaftskritik, zeichnet Innen- und Außenwelten des Heutigen und des Verblichenen, bis sich Geschichte unversehens in Literatur veredelt hat." Der Spiegel<br/><br/>"Max Mohn, die erste Zentralfigur von Alex Capus' Roman 'Munzinger Pascha', ist ein gebrochener Charakter: in keiner Weise herausragend, doch wendig und immer dicht am richtigen Leben ... Seine kleinen, oft ein wenig zynischen Mogeleien und Ausflüchte schildert Alex Capus mit einer geradezu Rousseauschen Unverblümtheit. Der junge Schweizer Schriftsteller findet dafür eben jenen Ton treffsicherer und leichthändiger Ironie, der in der deutschsprachigen Literatur so selten ist. Es ist die Sprache, die diesen Debütroman so bemerkenswert macht, und man darf hier ruhig einmal von einer Entdeckung sprechen." Frankfurter Allgemeine Zeitung

Dieser Erstlingsroman ist ein Wurf.

Dieser Erstlingsroman ist ein Wurf.
Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte und Philosophie in Basel. Zwischen 1986 und 1995 arbeitete er als Journalist bei verschiedenen Schweizer Tageszeitungen, davon vier Jahre als Inlandredakteur bei der Schweizerischen Depeschenagentur SDA in Bern. Alex Capus lebt heute als freier Schriftsteller in Olten, Schweiz.

Leseprobe zu "Munzinger Pascha" von Alex Capus

29 (S. 167-168)

Massaua, 3. Januar 1868. Wie so oft reitet Werner Munzinger auf seinem Maultier südlich von Massaua der Küste entlang. Aber diesmal hat er einen seltsamen Begleiter zur Seite. Weit über ihm sitzt hoch aufgereckt ein Mann auf einem Rappen. Die goldbetreßte Uniform glänzt in der Sonne, der Schnurrbart ist schwarz gewichst, die kniehohen Reitstiefel blitzen. Der Mann heißt Sir Robert Napier und ist Marschall der britischen Kolonialtruppen. Er hat Munzinger als Führer, Berater und Dolmetscher engagiert; denn in London hat man von der Expedition zur Auffindung Doktor Vogels gehört und weiß, daß kein Europäer sich am Horn von Afrika so gut auskennt wie der Sohn des ehemaligen Schweizer Finanzministers.

»Sie werden sehen, Mister Munzinger, die Expedition ist bestens vorbereitet. Es wird uns keinerlei Schwierigkeiten bereiten, die Gefangenen aus den Klauen von Theodoros zu befreien.« Werner nickt und schweigt. Ihm ist, als hörte er das Grollen eines fernen Gewitters am Horizont. Wäre er nicht gescheiter hübsch und leise in Massaua geblieben, statt sich an einen Mann mit goldbetreßter Uniform und gewichstem Schnurrbart zu verdingen? Andererseits hat ihm der Schnurrbart ein schönes Honorar versprochen; genug, um endlich wieder nach Olten zu Familie und Freunden zu fahren, die er vier Jahre nicht gesehen hat.

Werner und Marschall Napier sind unterwegs zur Zula-Bucht, die südlich von Massaua hinter dem nächsten Hügelzug liegt. In der Mittagshitze reiten sie eine Geröllhalde hoch, kommen auf der Krete an, schauen hinunter auf die Bucht. Im stillen Wasser liegen dick und träg an die fünfzig Dampfschiffe. Grellrote Bojen markieren die Fahrrinne. Am Strand, der bisher ganz den Muscheln und Krabben gehörte, stehen zwei transportable Leuchttürme und nagelneue Landedocks, an denen die Dampfer einer nach dem andern anlegen. Aus den Bäuchen der Schiffe quellen Soldaten, dann Pferde und Elefanten, Kamele und Kanonen, Branntweinfässer und Mehlsäcke. Werner ist fassungslos. »Was soll das! Wollen Sie ganz Abessinien erobern? «

Der Schnurrbart lächelt. »Nur keine Angst. Wenn der Feldzug vorbei ist, verladen wir das alles wieder auf unsere Schiffe und fahren zurück nach Indien.« In der einst stillen Bucht entsteht eine Garnisonsstadt; die Soldaten rammen Zeltstangen in den Wüstensand, fliegende Tabak- und Schnapshändler bauen behelfsmäßige Kioske, und niemand weiß, woher die bunt geschminkten Damen kommen, die in dem Zelt dort hinten wohnen und frech den vorbeischlendernden Offizieren zuzwinkern.

Nah am Strand bauen britische Techniker gewaltige Wasserentsalzungsanlagen, die täglich 190 000 Liter Trinkwasser liefern; weiter gegen die Berge zu verlegen Arbeiter dreißig Kilometer Schienen für die Dampflokomotive, die geduldig bei den Docks wartet, und parallel dazu wird ein Telegrafendraht landeinwärts gezogen. Werner bezieht gottergeben das Zelt, das neben dem Hauptquartier des Marschalls für ihn bereitsteht. Am Nachmittag schickt Marschall Napier Meldeläufer ins Landesinnere, um Flugblätter an die Bevölkerung zu verteilen. Munzinger läßt sich ein Blatt geben und liest:

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