Quelle/Copyright: Game-Captain-Besprechung
Als die Abenteurerin Lara Croft Hinweisen ihres tragisch verunglückten Vaters nachgeht, stellt sich heraus, dass sich ihre verschwundene Mutter womöglich im sagenumwobenen Reich Avalon aufhält. Ihre Nachforschungen in einer antiken Ruine auf dem Grund des Mittelmeeres legen nahe, dass es sich dabei keineswegs nur um ein Phantasieprodukt handelt, sondern einen tatsächlich existierenden Ort. Einer über tausend Jahre alten Legende nach gewährt jedoch nur der sagenhafte Hammer des Donnergottes Thor Zugang zu der nordischen Unterwelt.<br/><br/>Um die Waffe des Donnergottes ausfindig zu machen, begibt sich Lara auf eine Reise rund um die Welt. Neben der üblichen Geschichte mit dem Artefakt treten auch noch zwei alte Bekannte aus dem chronologischen Vorgänger <strong>Tomb Raider: Legend</strong> in Erscheinung: die Verräterin Amanda und die totgeglaubte Atlantis-Königin Natla. Wer von denen noch nie was gehört hat, kann zu Spielbeginn sein fehlendes Wissen mit einer Videorückblende auffrischen.<br/><br/><strong>Das Klettern ist der Lara Lust ...</strong><br/><br/>In seinem dritten Anlauf setzt Entwickler Crystal Dynamics vor allem auf Altbewährtes, statt mal was Neues auszuprobieren. Den Schwerpunkt des Geschehens bilden wieder ausgiebige Kletterpartien an Tempelfassaden und Steilhängen von Gebirgen. Dabei kann Lara neuerdings nicht nur an Vorsprüngen und Felskanten, sondern auch ähnlich wie Kollege Kratos an Kletterwänden herumkraxeln. Ebenfalls neu sind der Wand-zu-Wand-Sprung, die rennende Fortbewegung sowie das Tauchen ohne Luftnot (dank Taucheranzug). Vor dem Hintergrund, dass auch bekannte Techniken wie das Balancieren, das rotierende Schwingen an Turnstangen und das Pfahlhüpfen wieder integriert wurden, ist das Repertoire an verfügbaren Fähigkeiten noch umfangreicher als in irgendeinem Lara-Abenteuer zuvor. Auch der flexibel einsetzbare Kabelhaken ist wieder mit dabei. Er gewährt beim Abseilen in Brunnenschächte und bei Wandläufen sicheren Halt und reißt sogar Stahlringe aus ihrer Verankerung.<br/><br/>Viele der traditionell etwas hektischen Kämpfe bestreitet man wieder in einer wilden Mischung aus Umzingelung, Geballer und Sprungrollen. Aber auch hierbei hat sich einiges getan: Während man sich mit der einen Hand irgendwo festhält, kann die andere Hand nun gleichzeitig eine Waffe abfeuern. Das automatische Doppel-Zielsystem erlaubt das gleichzeitige Anvisieren von zwei Gegnern. Im Nahkampf dürfen Gegner nun auch mit eleganten Fussfegern und Karatekicks von den Beinen geholt werden. Mit aufgeladenem Adrenalinpegel ist es auch wieder möglich, in Zeitlupe tödliche Kopfschüsse abzufeuern. Dabei muss allerdings - anders als bisher - von Hand gezielt werden. Neben den Pistolen führt Lara wie gehabt eine Sekundärwaffe im Gepäck, zum Beispiel eine MP, Schrotflinte, Harpune, Betäubungspistole oder ein Sturmgewehr. Auch in Sachen Outfit gibt es manchmal Auswahlmöglichkeiten. Zur Abwechslung gibt es zwischendurch auch ein paar Motorradsequenzen, Rennspielqualitäten erreichen diese allerdings nicht.<br/><br/><strong>Buhmann Kamera</strong><br/><br/>Neben den Klettereinlagen spielen natürlich auch knackige Rätsel wieder eine gewichtige Rolle. Häufig ist eine ganze Tempelanlage als einzige, zusammenhängende Kopfnuss konzipiert, so dass man manchmal über eine halbe Stunde beschäftigt ist, ehe es weitergeht. Beim erneuten Spielen geht es dann natürlich schneller. Auffallend ist, dass man häufig erstmal in ein Gebiet eindringt, um dann auf einem ähnlichen Weg wieder zum Ausgangspunkt (zum Beispiel Laras Boot) zurückzukehren.<br/><br/>Die neue Sonarkarte ist beim Auffinden versteckter Medipacks, Vasen und darin enthaltenen Relikten zumeist nicht besonders nützlich, da sie die Umgebung nur als hässliches und unübersichtliches Gitternetzmodell darstellt. Auch die im Spielmenü angebotenen Lösungen von Rätseln sind nicht immer hilfreich, zumindest gelegentlich reichen die Hinweise aber aus, um denkfaulen Naturen die Such- und Knobelarbeit zu erleichtern. Obwohl die Levelstruktur überwiegend linear ist, hat man gelegentlich mehrere Pfade zur Wahl und somit gewisse Freiräume im Hinblick auf die Reihenfolge, in der die einzelnen Aufgaben angegangen werden können.<br/><br/>Leider sorgen auch viele tödliche Stürze für so manche Frustmomente. Schuld daran ist vor allem die nervöse Kamera, die gerne mal das Geschehen aus einem ungünstigen Blickwinkel zeigt. Da passiert es immer wieder, dass eine Felswand die Sicht versperrt, wo Übersicht dringend nötig wäre oder ein plötzlicher Perspektivenwechsel die Orientierung zunichte macht. So sind die teils enorm langen Klettersequenzen wieder eine zeitaufwändige und herausfordernde Angelegenheit.<br/><br/>Auch die KI verhält sich nicht immer vorbildlich. So wird der dicke Tintenfisch zu Beginn wohl als einer der untätigsten Bosse aller Zeiten in die Videospielgeschichte eingehen.<br/><br/><strong>Bei aller Kritik ...</strong><br />...muss man den Entwicklern aber auch ein bisschen Respekt zollen, denn zumindest für die wunderschönen Kulissen ist solcher durchaus angebracht. Was da an prächtigen Tempelanlagen und paradiesischen Naturschauplätzen auf den Schirm gezaubert wurde, ist wahrlich atemberaubend, zumal auch im Hinblick auf den Abwechslungsreichtum einiges geboten wird. Die thailändische Küste, die eisige Arktis und der mexikanische Urwald sind drei der insgesamt acht Schauplätze, die es zu erforschen gilt.<br/><br/>Auch Lara sieht natürlich besser aus denn je. So geschmeidig schwingt sie diesmal ihre Hüften, dass nicht nur die Haie gerne mal anbeißen würden. In ihrem Taucheranzug könnte sie fast schon als Baywatch-Star durchgehen. Gut 1700 Bewegungen soll sie neuerdings beherrschen. Das klingt zwar ein wenig übertrieben, beim genauen Hinsehen kann man aber durchaus neue und verfeinerte Moves entdecken. Gewisse Clippingfehler (etwa beim Klettern) sind zwar auch nicht zu übersehen, angesichts der grafischen Stärken kann man über diese aber getrost hinwegsehen.<br/><br/>Beim Sound hat sich indes nicht viel getan: Es dominiert wieder eine ruhige Geräuschkulisse aus Laras Schritt- und Atemgeräuschen in Kombination mit raunenden Tempelanlagen, diversen Tierlauten und exotischen Baumflötenklängen. Und wenn dann ein Knurren erklingt, kann man sich sicher sein, dass im nächsten Moment ein Rudel Tiger oder Lurche hinter der nächsten Ecke hervorstürmt ...<br/><br/><span class="center"><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.buecher.de/go/redirect_extern/do/q/aHR0cDovL3d3dy55b3V0dWJlLmNvbS92L0NJSERYbVZQZ2xjJmhsPWRlJmZzPTE=/hash/c741879bb72fd4a24979da5619c8c707"><param name="allowFullScreen" value="true"><param name="allowscriptaccess" value="always"><embed src="http://www.buecher.de/go/redirect_extern/do/q/aHR0cDovL3d3dy55b3V0dWJlLmNvbS92L0NJSERYbVZQZ2xjJmhsPWRlJmZzPTE=/hash/c741879bb72fd4a24979da5619c8c707" width="425" height="344"></embed></object></span><br/><br/><strong>Fazit</strong>: Lara Crofts dritter Auftritt unter Crystal Dynamics steht erneut ganz im Zeichen herausfordernder Kletterpartien und knackiger Rätsel. Zwar ist das Gameplay im Kern unverändert geblieben, dank prächtiger Kulissen und neuer, interessanter Fähigkeiten wie dem Doppel-Zielsystem und dem gleichzeitigen Schießen beim Klettern ist dieses Abenteuer aber dennoch einen Blick wert.<br/><br/>Schade nur, dass die hakelige Kamera gelegentlich herumzickt und der Mut zu ganz großen Innovationen offensichtlich fehlte.<br/><br/><strong>Wertung</strong>: 83 von 100 Punkten<br/><br/>(Marvin Engbers/GameCaptain.de)
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