Harveys neue Augen
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Harveys neue Augen

In "Harveys neue Augen", das erneut von "Edna"-Erfinder Jan Müller-Michaelis entworfen wurde, rätseln sich die Spieler in klassischer Point&Click-Manier durch handgezeichnete Comicschauplätze in Full-HD-Auflösung. Jede Menge durchgeknallte Charaktere, aberwitzige Dialoge und skurrile Situationen fesseln bis zum Abspann.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Mit Harveys Neue Augen kehren Spieler in die verrückte Welt des Adventure-Hits Edna Bricht Aus zurück!

Im neuen abgedrehten "Point & Click"-Abenteuer aus der Feder von Edna-Schöpfer Jan Müller-Michaelis treffen die Spieler auf viele alte Bekannte und neue handgemachte Comic-Zeichnungen in Full-HD-Pracht. Hauptfigur von Harveys Neue Augen, dem neuen Adventure von Daedalic und rondomedia, ist Klosterschülerin Lilli. Das auf den ersten Blick äußerst brave Mädchen erledigt gewissenhaft all ihre Aufgaben, egal wie ungerecht diese sind.

Die unschuldige gleichmütige Art mit der sie ohne zu reflektieren den Anweisungen der Mutter Oberin folgt, hat etwas gleichsam Tragisches wie auch Unheimliches.

Doch da sie all ihren Zorn und ihre Hilflosigkeit konsequent unterdrückt, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie irgendwann einmal vollkommen überschnappen wird! Ihre einzigen Freunde sind die fröhlichen Zensurgnome, die alles rosa anpinseln, was Lilli unangenehm sein könnte. Aber sind die kleinen kartoffelförmigen Wesen real oder nur ein Produkt ihres äußerst lebendigen Unterbewusstseins? Und welche Rolle spielt Plüschhase Harvey bei Lillis Reise in den ultimativen Wahnsinn?



Systemvoraussetzungen

PC, Single Core 2 GHz, 256 MB Grafikkarte, Win 2000/XP/Vista/7


Produktinformation

  • Hersteller: Daedalic
  • Artikeltyp: Software
  • Datenträger: DVD-ROM
  • USK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Erscheinungstermin: 26.08.2011
  • EAN: 4032222441008
  • Best.Nr.: 33579543
Quelle/Copyright: Game-Captain-Besprechung
<strong>Harveys neue Augen</strong> stellt eine Fortsetzung von Daedalics Überraschungshit <strong>Edna bricht aus</strong> dar. Bei Harvey handelt es sich natürlich um Ednas ehemaligen imaginären Sidekick, in Form eines blauen Stoffhasen. Diesmal schlüpfen wir jedoch in die Rolle der kleinen Klosterschülerin Lilli, einem süßen Mädchen mit blonden Zöpfen und rosa Schleife im Haar. Doch hinter der Fassade von Unschuld und Gehorsamkeit verbirgt sich ein ähnlich verstörendes Schicksal, wie bei ihrer Zimmergenossin Edna, in der sie ihre einzige Freundin sieht.<br/><br/><strong>Lilli bricht aus</strong><br/><br/>Im Kloster wird Lilli von der Kinder hassenden Oberin drangsaliert und von ihren Mitschülern gehänselt oder ignoriert. Dennoch erledigt sie folgsam ihre Aufgaben und hilft ihrer Freundin Edna. Dabei kommt es zu reichlich unappetitlichen Zwischenfällen, die Lilli jedoch mit Hilfe von kartoffelförmigen Kobolden ausblendet, welche all diese unschönen Dinge mit rosa Farbe übermalen.<br/><br/>Als jedoch auch noch Ednas ehemaliger Peiniger Dr. Marcel auftaucht, sucht diese das Weite und lässt unsere Protagonistin auf sich allein gestellt zurück. Dafür kommt ab diesem Zeitpunkt Harvey ins Spiel. Dieser wurde von Dr. Marcel zu einem Werkzeug seiner Hypnosetherapie umfunktioniert. Anstelle eines anarchistischen Plüschkameraden, agiert dieser nun als stupider Moralapostel und Manifestation diverser Psychoblockaden, die der verbitterte Doktor der kleinen Lilli verpasst hat.<br/><br/>Dennoch macht sie sich daran, aus der Klosterschule fliehen und nach Edna zu suchen. Dabei muss sie natürlich die Blockaden überwinden, um ihren freien Willen zurück zu gewinnen.<br/><br/><strong>Morbider Humor</strong><br/><br/>Die größten Übereinstimmungen zum Vorgänger findet man im bitterbösen schwarzen Humor des Spiels. Kaum einer der durchgeknallten Charaktere lässt sich als annähernd normal beschreiben. Leider wird vielen nur eine kurze Statistenrolle zugestanden. Lillis Pfad durch das Adventure gleicht nämlich einem blutigen Kreuzzug, der selbst den Terminator erblassen ließe.<br/><br/>Desweiteren werden auch mal wieder Adventures an sich und im speziellen auch solche aus dem Hause Daedalic auf die Schüppe genommen. Ebenfalls bekommen Fantasy-Rollenspieler, Mangafreaks und sonstige Nerds ihr Fett weg.<br/><br/>Während sich im Vorgänger Harvey und Edna gegenseitig mit abgedrehten Kommentaren die Bälle zuspielten, sieht es diesmal anders aus. Harvey ist wie gesagt nicht gerade in Topform und auch unsere Protagonistin zeigt sich eher wortkarg. Bis auf einsilbige Laute bekommt man von ihr nichts zu hören. Dafür gibt es einen Erzähler aus dem Off, der ausgiebig und sarkastisch Lillis Aktionen und Gemütszustände kommentiert. Dabei sind sich Erzähler und die kleine Blondine nicht immer ganz einig darüber, was sie sich nun wirklich dachte. Im Grunde genommen hat das durchaus einigen Charme, aber der Erzähler schwafelt zeitweilig so übermäßig vor sich hin, dass es mitunter auch ganz schön nervig werden kann.<br/><br/><strong>Moderne Bedienung</strong><br/><br/>Den größten Unterschied zu <strong>Edna bricht aus</strong> stellt die vergleichsweise einfache Steuerung dar, die wie viele moderne Adventures nur Kontext spezifische Interaktionen und Betrachten zulässt. Man kann zwar versuchen, alles Mögliche zu kombinieren und erntet dafür einen entsprechenden, meist spöttischen Kommentar aus dem Off, aber das ist auch schon alles, was noch eine gewisse Ähnlichkeit zum Vorgänger hat, der mit seinem Verb gesteuerten Retrointerface auch völlig schwachsinnige Kombinationsmöglichkeiten bot. Dadurch ist die Handhabung zwar einfacher und schlüssiger, macht meiner Meinung aber weniger Spaß, da man kaum noch bewusst unsinnige Dinge ausprobieren kann.<br/><br/>Dank übersichtlicher Szenarien, Schnellausgangsfunktion und Hotspotanzeige, gibt es kaum Lauf- und Suchorgien. Einzug gehalten haben auch Rätsel in Form von Minispielen, die ggf. übersprungen werden können. Dabei handelt es sich meist um Denkpuzzles, bei denen bestimmte Elemente über vorgegebene Hinweise in Bezug zu einander gesetzt werden müssen. Sie treten an die Stelle von typischen Maschinenrätseln, mit denen sie auch am ehesten vergleichbar sind. Zu jedem dieser Minnispiele kann man sich auch einen Tutorialtext anzeigen lassen, wenn man sie nicht komplett überspringen will und auf dem Schlauch steht.<br/><br/>Eine richtige Lösungshilfe gibt es jedoch weder für Minispiele, noch für die restlichen Rätsel im Spiel. Bis auf wenige Ausnahmen ist das aber auch kaum vonnöten, da die Lösungen zum Teil recht nahe liegend sind, durch das meist übersichtliche Inventar leicht mithilfe von Ausprobieren herausgefunden werden können, oder bereits vom Erzähler angedeutet werden. Eine niedrige Hemmschwelle, debile und widersinnige Dinge auszuprobieren, hilft jedoch erheblich beim Vorankommen.<br/><br/><strong>Häschen vs. Dämonen</strong><br/><br/>Das Spiel ist in drei Kapitel aufgeteilt. Den Anfang macht die Klosterschule, danach folgt eine Etappe im Dorf und dessen Umfeld, bis man dann zum großen Showdown in Dr. Marcels Irrenanstalt antritt, aus welcher dereinst die gute alte Edna ausbrach.<br/><br/>Ein spezielles Element im Spiel stellen die Psychoblockaden dar, mit denen sich Lilli - und folglich auch der Spieler - ab dem 2. Kapitel herumschlagen muss. So kann sie beispielsweise nicht mit Feuer spielen, mit spitzen Gegenständen hantieren, Alkohol trinken, sich an gefährliche Orte begeben, wütend werden und muss immer befolgen was Erwachsene ihr sagen. Im Laufe des Spiels kann man sich mit Hilfe von Harvey immer wieder in Selbsthypnose versetzen, um in einer alternativen Wahrnehmung gegen dämonische Formen des Plüschhasen anzutreten, welche die einzelnen der Blockaden darstellen.<br/><br/>Hat man den Dämon ausgetrickst, ist man anschließend in der Lage, die jeweilige Blockade zu unterdrücken. Man kann dies jedoch immer nur mit einer einzigen tun. Das ist zwar eine nette Idee, um die Psychotherapie-Thematik besser zu Geltung zu bringen, bietet aber spielerisch keine wirklichen Pluspunkte. Da man die Blockadeaufhebungen nach Bedarf einfach umschalten kann, wirkt das Ganze eher überflüssig und mit der Zeit lästig.<br/><br/>Insgesamt kann man mit ca. 14 Spielstunden rechnen. Das relativ unbefriedigende Ende ist exakt in der Tradition des Vorgängers gehalten, kommt gefühlsmäßig ein wenig abrupt und lässt den Spieler ganz schön mit seinen Fragen im Regen stehen. Besonders was die Logik angeht hätte man meines Erachtens einiges besser lösen können.<br/><br/><strong>Zu süß, um wahr zu sein</strong><br/><br/>Optisch ist das Spiel stark am Vorgänger angelehnt und wartet mit einer knallbunten 2D-Cartoongrafik auf, die deutlich auf niedliche, laienhafte Kinderzeichnung getrimmt ist. Die perfekte Aufbereitung für HD lässt jedoch keinen Zweifel an der Professionalität, mit der das Ganze umgesetzt wurde.<br/><br/>Auch ansonsten bietet sich ein rundes Bild. Die Sprecher sind gut aufgelegt und vermögen die Figuren klasse wiederzugeben. Einzig der omnipräsente Erzähler, gesprochen von Schauspieler Götz Otto, wirkt unterm Strich ein wenig gezwungen und überfordert. Musikalisch wie in Sachen Soundkulisse bekommt man einen bunten Mix geboten, der gut zur Stimmung der einzelnen Szenen passt.<br/><br/>Während auf technische Kopierschutz-Maßnahmen verzichtet wurden, hat Daedalic den interaktiven Kopierschutz im Spiel aus der Retrokiste ausgegraben. Mithilfe einer beigelegten Pappscheibe lassen sich verschiedene Kombinationen von Gesichtern erstellen, die zu Begin des Spiels abgefragt werden. Durch die Kombinationen erscheinen in kleinen Fenstern wiederum unterschiedliche Datumswerte, die dann eingegeben werden müssen. Das ist eine durchaus spaßige Idee, aber spätestens nach dem zweiten Mal ist irgendwie die Luft raus, und obwohl diese Abfrage nur alle 24 Stunden einmal erscheint, fängt der anachronistische Kopierschutz dann doch irgendwie an, lästig zu werden.<br/><br/><strong>Fazit</strong>: <strong>Harveys neue Augen</strong> ist ein nettes Adventuregame mit tonnenweise schwarzem Humor, einer ansprechenden Präsentation in 2D-Cartoon-Optik und zeitgemäßer Steuerung. Das Rätseldesign ist einigermaßen fair, erfordert aber hier und da ein Mindestmaß des Um-die-Ecke-Denkens und eine gewisse Skrupellosigkeit bezüglich Interaktionsmöglichkeiten mit letalem Ausgang. Die Story ist ziemlich durchgeknallt und anfangs spannend, jedoch mit vielen Logiklöchern versehen. Gerade das abrupte Ende vermittelt den Eindruck, die Zeit bis dahin nur mit zusammenhanglosem Klamauk verbracht zu haben.<br/><br/>Im Vergleich zu <strong>Edna bricht aus</strong> wurden einige Features über Bord geworfen, die meines Erachtens nicht unerheblich zum Überraschungserfolg des Vorgängers beitrugen. Das neue Spiel wirkt wie ein auf Hochglanz poliertes Abziehbild, dem jedoch ein spürbarer Teil des trashigen Charmes abhanden gekommen ist. Wem Edna jedoch zu sperrig war, könnte hier eventuell besser bedient sein.<br/><br/>Die abschließende Wertung fällt entsprechend schwer, da mir das Spiel schon gehörig Spaß gemacht hat und stimmig umgesetzt wurde, objektiv aber doch einige Schwächen offenbart und vor allem dem hauseigenen Vorbild nur teilweise gerecht wird.<br/><br/><strong>Wertung</strong>: 83 von 100 Punkten (André Pannenbecker/GameCaptain.de)