Tekken Tag Tournament wird unter vielen Fans noch immer als bester Teil der Serie angesehen, dabei ist er schon über zehn Jahre alt und galt damals als überraschender Launchtitel für die PS2. Eine Konsolengeneration und etliche dazwischen liegende 'normale' und teils durchwachsene Teile weiter kommt nun endlich der langersehnte Nachfolger. Kann dieser an die Qualität des Originals heranreichen?
Ein Käfig voller Helden
Jeder, der Prügelspiele mag, kennt auch die Tekken-Reihe. Doch was unterscheidet Tag Tournament 2 von den üblichen Teilen? Offensichtlich ist natürlich, dass man zu Beginn jedes Kampfes nicht wie gewohnt nur einen Recken auswählt, sondern gleich zwei. Hierdurch ergibt sich jedoch auch ein abgewandeltes Spielprinzip, denn die beiden Charaktere können im Kampf jederzeit getauscht werden und auch diverse Teamattacken auslösen. Stirbt jedoch nur einer der beiden, ist die Runde sofort verloren, ein kluges Wechselspiel ist daher Pflicht um Land zu sehen. Der Kämpfer, der gerade im Hintergrund Pause macht, regeneriert zudem langsam seine Lebensanzeige. Dazu spendierte man den Teams individuelle Tag-Moves. Der Tag-Throw wechselt via Wurf einen Charakter aus, die Tag-Combo schlägt den Gegner in die Luft, wodurch der fix ausgewechselte Kämpfer direkt ansetzen kann und Tag-Assault erlaubt es sogar, dass für kurze Zeit beide Teamkameraden gleichzeitig kämpfen.
Tekken war schon immer ein Schwergewicht, wenn es um die Anzahl der auswählbaren Charaktere ging, aber diesmal übernahm es sich etwas. Fast 50 Recken und Reckinnen stehen direkt von Beginn an zur Auswahl. Eine beachtliche Summe, die allerdings etwas schrumpft, wenn man die sich sehr stark ähnelnden Charaktere wie Eddy, Christie und Tiger zusammenfasst. Dennoch trumpft Tag Tournament 2 mit dem bisher größten Roster der Seriengeschichte auf, nahezu jeder irgendwann mal aufgetretene Champion ist auswählbar und wurde zumeist sinnvoll erweitert.
Kämpferzucht
Tag Tournament 2 bietet Solospielern so ziemlich alles im Genre Gängige. Jeder Kämpfer hat eine mehr oder weniger ausgearbeitete Story, die in der Hoffnung auf den einen oder anderen Cinematic-Schnipsel absolviert werden kann. Daneben gibt's Arcade, Versus, Survival und Time Attack. Von der Standardkost abweichende Abwechslung bietet nur das Kampflabor, das den Trainingmodus ersetzt. In in diesem Modus schlüpfen wir in die Rolle des Roboters Combot und lernen von der Pike auf alles, was das Tekken Universum an Gameplayfacetten zu bieten hat: Combos, Juggles, Breaks, Konter und Bounds. Die einzelnen Möglichkeiten werden uns dabei auf sehr spielerische Weise nähergebracht und versüßt. In diversen in der Tekken Serie geliebten Minispielen, werfen wir Mokujins oder bekämpfen Riesenpilze. Dabei steigt unser Combot stets im Level auf, lernt neue Moves und erlangt neue Ausrüstung. Wir können unseren Recken hier komplett individuell gestalten. Ein wenig vermissen wir aber dennoch zusätzliche Modi, wie den legendären Tekken-Force-Modus oder Tekken-Bowling. Immerhin: Zumindest die optische Anpassung ist auch bei jedem anderen Kämpfer möglich.
Die Steuerung ist wie schon in Tekken 6 tadellos genau und intuitiv und wurde nochmals verfeinert. Schnell freuen sich auch Serienlaien über erste schön anzusehende Combos, und wenn auch die Teammoves klappen, fühlt man sich fast unbesiegbar. Zumindest solange bis man es online versucht und dort von den Veteranen vorgeführt wird. Auch dieser Teil folgt dem altbekannten Genre-Gesetz: Einfach zu lernen, schwer zu meistern. Doch der Multiplayermodus birgt noch mehr abseits der Standardmatches. In bester Tag-Manier können wir auch zusammen mit einem Freund gegen die Welt oder lokal antreten. Demnach können hier bis zu vier Spieler gleichzeitig antreten.
Schönster Prügler
Tekken-Fans mussten sich seit jeher mit teils fürchterlichen Netzwerk-Codes auseinandersetzen, Ruckelpartien und Spielabbrüche waren die Folge. Diesmal klappt das meist jedoch erstaunlich gut. Nur selten gibt es Grund zur Beschwerde, Gebrauchtkäufer ärgern sich allerdings vielleicht über den nötigen Onlinepass.
Tekken 6 konnte die Serie technisch bereits auf die aktuelle Konsolengeneration anpassen, Tag Tournament 2 legt nochmal einen drauf: Butterweiche Animationen, gelungene Gestik und Mimik und teils spektakuläre Arenen warten auf den Spieler. Darüber hinaus bietet der interne Shop teils herrlich schräge Kostümierungen, die einen ohnehin schon lachhaften Yoshimitsu bei Bedarf noch dämlicher aussehen lassen. Der Sound ist gewohnt auf höchstem Niveau im Genre. Typische Seriengeräusche werden garniert durch meist frische, elektronische Musik, die die Kämpfe ordentlich anheizt. Das passende Equipment vorausgesetzt kann man den Titel sogar in 3D genießen.
Fazit: Tekken Tag Tournament 2 besinnt sich auf seine Wurzeln und bietet klassisches, perfektioniertes Gekloppe ohne große Hampeleien drum herum. Das Original konnte mit seinem Team-Prinzip auftrumpfen, der zweite Teil baut dieses mit verschiedenen Partneraktionen sinnvoll aus. Zugegeben, unter den fast 50 Kämpfern befinden sich auch einige Klone, dennoch ist die Auswahl beeindruckend.
Was ich in diesem Teil jedoch etwas vermisst habe, ist die Individualität. Klar, das Kampflabor macht eine Weile Spaß, davon ab sucht man aber vergeblich richtige Aha-Momente. Die Entwickler gingen lieber auf Nummer Sicher und lieferten ein fast perfektes Tekken ohne große Schnörkel. Genre-Fans muss aber klar sein: Das ist der aktuell beste 3D-Prügler auf dem Markt.
Wertung: 85 von 100 Punkten (Rene Kursawe/GameCaptain.de)
Quelle/Copyright: Captain-Fantastic-Besprechung