Quelle/Copyright: Game-Captain-Besprechung
Zwei Jahre hat sich Lucas Arts mit der Fortsetzung zu <strong>The Force Unleashed</strong><br/><br/>Zeit gelassen. Zeit genug, um die Macken des Vorgängers auszubügeln und ein rundum gelungenes Spiel zu präsentieren, sollte man meinen. Dass ein Großteil des Teams noch vor Release entlassen wurde, stimmt indes wenig optimistisch. Und das zurecht.<br/><br/><strong>Hach, diese Musik</strong><br/><br/>Wohl jedem Star Wars-Fan geht es so: Wenn das Main-Theme erklingt und der typische Lauftext erscheint, lächelt man und freut sich auf das, was wohl kommt. Zwar ist man hin und wieder schon enttäuscht worden, sei es von Spielen oder auch Filmen, aber so lange die Musik und der Text laufen, hofft man einfach das Beste.<br/><br/>Und wo wir schon davon reden. Der Soundtrack ist mit Abstand das Gelungenste am ganzen Spiel, da gibt es nichts zu meckern. Originale und eigene Stücke ergänzen sich prächtig und sorgen für die richtige Atmosphäre.<br/><br/><strong>Klon oder nicht Klon, das ist hier die Frage</strong><br/><br/>Schon das Intro, das uns auf den Kloner-Planeten Kamino versetzt, trübt die Freude allerdings. Vader steht wieder seinem Schüler Starkiller gegenüber (was das gute Ende des Vorgängers voraussetzt), einem Klon - behauptet Vader zumindest. Dieser Klon verfügt über die Erinnerung von Starkiller und auch dessen Gefühle - ah ja. Und dann erinnert er sich auch noch daran, was Vader mit den anderen Klonen gemacht hat, die sich als fehlerhaft erwiesen - wahrscheinlich! Und wieso ist Vader eigentlich so dumm, seinem überaus mächtigen Schüler zwei Laserschwerter in die Hand zu drücken, wenn er sich nicht sicher ist, ob er ihm trauen kann?<br/><br/>Sei's drum, Starkiller (oder der Klon) flieht von Kamino und macht sich auf die Suche nach General Kota (bekannt aus Teil 1), der dann auch prompt in Zweifel zieht, dass Starkiller ein Klon ist, einen Jedi könne man schließlich nicht klonen. Kurz: Logik oder Kontinuität zu den Episoden 4-6 sollte man lieber nicht erwarten. Der traurige Höhepunkt sind die beiden Enden, zwischen denen man erst wieder ganz am Schluss wählen kann. Vor allem wenn man beide Enden gesehen hat, muss man sich schon erheblich wundern.<br/><br/><strong>Mach's nochmal Baby - und nochmal, und nochmal ...</strong><br/><br/>Schon auf Kamino verfügt Starkiller über einen Großteil seiner neuen Fähigkeiten. Nicht nur schlägt er jetzt mit zwei Lichtschwertern um sich, er kann z.B. auch Gegner mental beeinflussen, so dass sie sich ohne weiteres Zutun in einen Abgrund stürzen oder sogar für ihn kämpfen. Machtblitz, Machtgriff, Machststoß und Laserschwertwurf fehlen ebenfalls nicht, einige weitere kommen noch hinzu. Alle Fähigkeiten können über Machtpunkte verbessert werden, die man durch Kämpfe und versteckte Holocrons bekommt.<br/><br/>In Sachen Gegner warten auch alte Bekannte. Normale Sturmtruppen sind dabei das Kroppzeugs, das man im Vorbeigehen wegkloppt. Etwas nerviger sind da schon die Scharfschützen, Sturmtruppen mit Lichtschwertern und im weiteren Verlauf Sith-Akolyten und weiteres Fußvolk. Sie verlangen zum Teil unterschiedliche Taktiken. Den Akolyten kann man nur mit dem Laserschwert zu Leibe rücken, während Sturmtruppler mit Jet-Packs nur mit dem Blitz zu packen sind. Gegner mit Laserschwertern nimmt man ebenso am besten mit Machtkräften aufs Korn.<br/><br/>Daneben warten natürlich noch diverse Droiden und Walker. Die erledigt man oft wieder mit Hilfe von Quick-Time-Events (QTE), wenn man sie ein wenig beschädigt hat. Und diese laufen genau wie beim Vorgänger wieder immer gleich ab, allenfalls die Tastenbelegung ändert sich mal. Jede Vernichtung eines AT-ST sieht also identisch aus. Besonders nervig sind die Bots mit einem Schild, die entweder einen Eis- und später einen Feuerstrahler haben. Davon killt man im Verlauf des Spiels mindestens 30 Stück, was aufgrund des immer gleichen Ablaufs nicht wirklich erbaulich ist.<br/><br/>Dazu kommt mal wieder die Inkonsequenz der Entwickler: Einen TIE-Fighter knüllt Starkiller auf Tastendruck zu einem Metallball zusammen, aber ein popeliger Walker beschäftigt ihn eine ganze Weile - wie passt das zusammen?<br/><br/><strong>Neun Level - oder drei, wie man's nimmt</strong><br/><br/>Das Spiel ist noch kürzer geraten als der Vorgänger, wir haben nicht mal 7 Stunden gebraucht, obwohl wir einige Sequenzen mehrfach probieren mussten - und man sich an ungünstigen Stellen kurze Zwischensequenzen immer wieder ansehen muss. Ansonsten sind die Rücksprungpunkte recht fair verteilt und zur Not lässt sich der Schwierigkeitsgrad jederzeit ändern.<br/><br/>Insgesamt warten neun Abschnitte, allerdings nur drei Umgebungen. Kamino, eine Wolkenstadt namens Cato Neimoidia, Dagobah und das Innere eines Raumschiffs. Aber das sind doch vier?, höre ich euch sagen. Schon, aber Dagobah kann man nicht zählen. Was sich die Entwickler hier geleistet haben, ist ein absolutes Armutszeugnis. Man trifft nur kurz Yoda und betritt dann die Höhle, in der Luke in <em>Das Imperium schlägt zurück</em> einer Vision von Vader begegnete. Hier läuft nur eine Sequenz ab und das war es. Das ganze macht den Eindruck, als habe man nur unbedingt Yoda ins Spiel einbauen wollen, ansonsten ist der ganze 'Level' vollkommen überflüssig. Dabei hätte eine gruselige, spielbare Vision dem Spiel sehr gut getan. Man denke an die genialen Scarecrow-Level in <strong>Arkham Asylum</strong>.<br/><br/>Die übrigen Level sind Abschnitte in den drei anderen Umgebungen. Leider wird auch hier unheimlich viel recycelt. Hin und wieder haben die Entwickler mal eine neue Idee, aber dann kann man auch gleich seinen Allerwertesten darauf verwetten, dass diese Idee so oft nochmal verbaut wurde, bis sie einem zum Halse raushängt. Außerdem trifft man auf weitere Beispiele von Entwickler-Willkür. Die eine Tür macht man mit dem Machtschub auf, bei der anderen geht das nicht und man muss erst den Mechanismus reparieren, bei einer dritten gar erst eine Kanone zusammenbauen, um die Tür anschließend damit zu zerstören. Das sind dann auch die einzigen kleinen 'Rätsel', ansonsten wird nur gehüpft und gemetzelt, wobei einem wieder eine Vielzahl von Combos zur Verfügung stehen.<br/><br/>Hat man das Spiel geschafft, kann man nur noch zehn Herausforderungen spielen, die noch mehr Metzelei oder Hüpferei bieten. Den erreichten Score darf man in einer Rangliste vergleichen, Duelle mit anderen Spielern oder gar CoOp-Lvel (zum Beispiel mit General Kota an Starkillers Seite) fehlen unverständlicherweise auch diesmal.<br/><br/><strong>Die kleinen Momente</strong><br/><br/>Zugegeben, bislang habe ich fast nur gemeckert. Und auch während des Spiels entfuhr mir mehrfach ein 'Boah, wie oft denn noch'. Gerade der eigentlich epische Endkampf nervt da gewaltig mit Sequenzen, die sich mehrfach wiederholen (vor allem, wenn man zwischenzeitlich stirbt und einen Teil nochmal spielen muss).<br/><br/>Aber trotzdem kann man an dem Titel eine Weile Freude haben, denn er hat seine Momente. Es gibt ordentliche CGI-Schnipsel zu sehen und der Arena-Level ist wirklich gelungen. Gegner per Macht umzudrehen und für sich kämpfen zu lassen, ist auch mal ganz witzig. Ein klein wenig Abwechslung gibt es auch, wenn man mit Starkiller mal im freien Fall ist, ansonsten verspielten die Entwickler auch hier viel Potenzial. Warum nicht mal ein Raumschiff steuern? Es hätte gut getan. So lebt das Spiel letztlich vor allem von seinem Star Wars-Flair, auch wenn es davon diesmal weniger zu bieten hat, als der Vorgänger.<br/><br/>Technisch gibt es wenig zu bestaunen aber auch wenig zu meckern. Die elenden Ladezeiten von Teil 1 sind zum Glück Geschichte, Ruckler haben wir nur selten gesehen. Dafür haut einen die Optik nicht eben vom Hocker und die Explosiönchen im Weltraum sind ziemlich peinlich. Die deutsche Vertonung ist in Ordnung, Vader hatte aber schon bessere Stimmen.<br/><br/><strong>Fazit</strong>: The Force Unleashed 2 ist ein Spiel der verschenkten Möglichkeiten und ich kann gut verstehen, wieso ein Teil des Teams seinen Hut nehmen musste. Der Titel ist wirklich ein Musterbeispiel für sich zu oft wiederholende Gameplay-Elemente, was von Einfallslosigkeit zeugt. Dazu ist es recht kurz, die Story reichlich mau und es fehlen wieder ein Duell- oder ein CoOp-Modus. Die Herausforderungen werden allenfalls passionierte Highscore-Jäger länger bei der Stange halten.<br/><br/>Unter dem Strich hievt der Star Wars-Bonus das Spiel so gerade eben noch auf die 70. Wer von Star Wars nichts hält, kann aber locker 5-10% abziehen.<br/><br/><strong>Wertung</strong>: 70 von 100 Punkten (Jörg Benne/GameCaptain.de)
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