Schon auf der E3 2010 wurde Sorcery das erste Mal präsentiert und wirkte bereits damals vielversprechend. Fast zwei Jahre hat es noch gedauert, bis das Action-Adventure, in dem man den Move-Controller als Zauberstab schwingt, auf den Markt gekommen ist. Hat sich das Warten gelohnt?
Endlich Freiheit
Den Navigations-Controller musste ich erstmal entstauben, hab ich den überhaupt schon mal benutzen dürfen? Grübel... Beim letzten Move-Action-Adventure, Medieval Moves, durfte man zwar auch schon mit dem Move-Controller Monster kloppen, allerdings lief das Ganze auf Schienen ab. Diesmal dürfen wir uns frei bewegen. Wer keinen Navigations-Controller hat, nutzt einfach einen DualShock in der linken Hand. Mit dem Analogstick wird Held Finn gesteuert, ansonsten kommt nur noch die L1-Taste zum Einsatz, um die Kamera zu fokussieren, alles andere macht man mit dem Motion-Controller, der Pflicht ist. Eine alternative Steuerung nur mit normalem Controller gibt es nicht.
Aber, das sei gleich gesagt, die wird nicht wirklich vermisst. Gut, manchmal würde man im Eifer des Gefechts lieber auf Knopfdruck auswählen, welchen Zauber man benutzt, statt eine Geste auszuführen, aber ansonsten geht das Spiel meist gut von der Hand.
Worum geht es überhaupt?
Die Geschichte vom Zauberlehrling mal wieder. Finn, der erst seit Kurzem bei seinem Meister Dash in die Lehre geht, hält sich für neunmalklug, klaut einen Zauberstab und spielt damit herum, was natürlich in einer kleinen Katastrophe endet. Um das wieder gutzumachen, ehe sein Meister etwas merkt, stürzt sich Finn in ein Abenteuer, bei dem er zunächst noch viel mehr Schaden anrichtet und später die Welt retten muss. Zu Beginn ist Finn dabei in seinen Möglichkeiten sehr begrenzt, lernt aber nach und nach immer mehr Zauber kennen, die sich auch kombinieren lassen.
Begleitet wird er dabei von der Katze Erline, die einerseits als Wegweiser und Tippgeber dient, sich andererseits aber lustige Wortgefechte mit Finn liefert und ein Geheimnis birgt, das den eigentlichen Schlüssel zur Geschichte ausmacht.
Wenig Innovation und viel Altbekanntes
Was ist neu an Sorcery, abgesehen von der Steuerung? Nun, die Idee mit den Zaubern, die man noch dazu kombinieren kann, ist durchaus erfrischend. Den Gegner erst einfrieren und dann mit dem Blitz zerlegen, einen per Zauber erzeugten Wirbelsturm in einen Feuersturm verwandeln - es gibt einige Möglichkeiten, wie man vorgeht. Noch dazu kann man mit gefundenen oder gekauften Zutaten Tränke mixen, die Finns Fähigkeiten verbessern (mehr Schaden, mehr Gesundheit ...), eine Art Skilltree also. Das Zusammenmixen per Streu-, Schütt- und Rühr-Bewegung ist allerdings nur die ersten paar Male witzig.
Ansonsten aber ist Sorcery ein ganz klassisches - oder sollte man sagen einfallsloses? - Action-Adventure, noch dazu fast komplett linear. Nur selten gibt es mal Abzweigungen, die aber meist auch recht kurz sind und in der Regel mit dem Fund einer Truhe in einer Sackgasse enden. Davon ab läuft man mit Finn durch sehr enge Schläuche, wenn sich ein größerer Raum auftut, tauchen meist mehrere Gegner auf, die man niedermachen muss, ehe es dann weitergeht.
Die Gegner sind u.a. Zombies, Spinnen, Trolle, aber auch neue Kreationen wie die Schrecken und anderes Getier. Auch die Bossgegner sind zwar nett gestaltet, aber ähnliche Kämpfe, bei denen der Gegner ab einem bestimmten Schaden seine Taktik ändert bzw. anders angegriffen werden muss, hat man schon oft genug ausgefochten.
Überall stehen Gegenstände herum, die man per Zauber zerlegen kann (darunter die wohl unvermeidlichen Holzfässer und -kisten), um Gold oder Gegenstände zu ergattern.
Rätsel gibt es selten und sie erfordern nicht allzu viel Hirnschmalz. In der Regel wird man mit dem Zaunpfahl drauf gestoßen, was zu tun ist.
Technisch eher enttäuschend, null Wiederspielwert
Zu den größten Schwächen zählt einerseits die Grafik. Was uns hier präsentiert wird, ist allenfalls Mittelklasse. Hier und da sind die Szenerien ganz nett, die Charaktere aber sind eher schwach animiert, gerade Finns Mimik ist minimal und auch sonst wirken viele Texturen grob. Da kann man auf der PS3 heutzutage schon deutlich mehr erwarten. Außerdem nervt die Kamera (wie so oft in diesem Genre), da sie bei plötzlichen Richtungswechseln oft von Hand nachjustiert werden muss, was im Eifer des Gefechts für Ärger sorgt. Immerhin werden schöne Musikstücke und gute (deutsche) Sprecher geboten, die Akustik reißt die Präsentationsnote daher noch ein bisschen raus.
Die zweite große Schwäche ist der Wiederspielwert. Abgesehen von den Trophäen, die einem beim ersten, 8-10 Stunden dauernden Durchspielen, durch die Lappen gegangen sind, gibt es nämlich keinerlei Grund, das Spiel nochmal zu spielen. Multiplayer oder CoOp? Nicht vorhanden. New Game Plus? Nicht vorhanden. Man kann nicht einmal die Level einzeln anwählen, wenn man das Spiel durchgespielt hat, sondern nur die ganze Kampagne nochmal von vorn beginnen. Ein bisschen wenig.
Fazit: Sorcery ist nett und sicher das beste Action-Adventure mit Move-Steuerung - aber das war es dann auch. Eine dünne, kurze Geschichte, abgesehen von den Zaubern und der Steuerung ein stupides, sehr lineares 08/15-Gameplay, mäßige Optik und keinerlei Wiederspielwert. Das ist auch für die 40 Euro, die Sony zum Start verlangt, ein bisschen mau.
Ein wenig mehr Freiheit, mehr Rollenspiel-Anteile und ein paar interessante Rätsel sowie generell mehr Umfang und eine schickere Optik hätten aus Sorcery ein richtig gutes Spiel werden lassen. So bleibt es nur Durchschnitt und ist sicher kein Grund, sich Move anzuschaffen.
Wer aber Move schon hat und ein Action-Adventure sucht, bei dem er sich frei bewegen kann, der sollte ruhig einen Blick riskieren - nicht zuletzt mangels Move-Alternativen.
Wertung: 74 von 100 Punkten (Jörg Benne/GameCaptain.de)
Quelle/Copyright: Captain-Fantastic-Besprechung