Quelle/Copyright: Game-Captain-Besprechung
Da stellen wir uns jetzt mal ganz dumm und fragen: 'Was ist eine Dampfmaschine?' Gut, genug der geliehenen Worte, aber für Xbox-Jünger ist das Kürzel MGS eine ähnliche Hieroglyphe wie für PS-Fans in etwa "Halo" sein dürfte. Aber jetzt ist Schluss damit, denn jetzt lebt und kämpft und handelt und zwischensequenzt es auch auf der Microsoft-Konsole. Und das gleich dreifach, denn in der <strong>Metal Gear Solid - HD Collection</strong> stehen gleich drei Titel zum Spielen bereit, die als Remake der Playstation- bzw PSP-Klassiker in High Definition zu neuem Glanz erstrahlen - für PS3-User gibt es die Collection natürlich auch. Dass dabei eben auch der Zahn der Zeit ein wenig Fäulnis mit sich bringt, ist wohl angesichts des Alters oder der Herkunft der Originale kaum zu vermeiden.<br/><br/>Für die ganz Unwissenden: Metal Gear Solid gilt als Begründer der Stealth-Spiele: Lange bevor Sam Fisher mit dem Nachtsichtgerät auf Tour ging, war Solid Snake in der 3rd-Person-Sicht schon lautlos und möglichst unentdeckt unterwegs, um seine Missionsziele zu erledigen.<br/><br/><strong>Moment, wo ist denn hier der Anfang?</strong><br/><br/>Tolle Sache, es gibt also endlich den Spion Solid Snake auf der Xbox. Äh, nein, nicht so ganz, denn in der HD-Collection sind drei Teile enthalten: <strong>Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty</strong> (2002), <strong>Metal Gear Solid 3: Snake Eater</strong> (2005) und <strong>Metal Gear Solid: Peace Walker</strong> (2010). Es fehlen also der erste Teil <strong>Metal Gear Solid</strong> (1998) und auch der vierte Teil <strong>Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots</strong> (2008). Den ersten Teil, der damals noch auf der PSone erschien und eben jenen Solid Snake als Protagonisten mitbrachte, hätte ich gern mal in HD gespielt, aber man kann eben nicht alles haben. Dafür gibt es allerdings die beiden Ur-Versionen der Spiele, die damals (1987) für MSX-Computer erschienen, mit auf den zwei DVDs - wenngleich das auch mehr nostalgischen Charakter hat, spielerische Perlen sind das heute keine mehr. Am Umfang gibt es aber dennoch nichts zu meckern, wenn wir uns für rund 40 Euro diese reichhaltige Sammlung zulegen. Dass die einzelnen Titel selbst auch jeder für sich viel Tiefgang und Spielzeit zu bieten haben, dürften die Kenner der Playstation 2-Originale bereits wissen.<br/><br/>Der bereits erwähnte Solid Snake stirbt dummerweise gleich zu Beginn von MGS2, danach übernimmt Raiden die Hauptrolle, ein junger Agent, der im Jahr 2009 (damals noch in der Zukunft), auf der Meeresreinigungsanlage Big Shell den amerikanischen Präsidenten Johnson befreien soll. Die Entführer nennen sich 'Sons of Liberty' und werden angeblich von Solid Snake geleitet. Das Ganze ist dann so verzwickt und verdreht, verwegene Machenschaften und Marionetten geben sich die Klinke in die Hand, dass wir aufpassen müssen, nicht den Faden zu verlieren - und am Ende ist dann wieder alles anders, als gedacht.<br/><br/>Okay, also ab zu MGS3, wo man wieder nicht Solid Snake, sondern diesmal seinen Vater 'Naked Snake' steuert - an Abwechslung mangelt es definitiv nicht. Die Handlung spielt in den 60er Jahre und der gute Papi wird in die UdSSR geschickt, um einem Wissenschaftler zum Überlaufen zu verhelfen. Aber der Plan geht schief und Naked Snake deckt eine Verschwörung auf, an deren Spitze seine Vorgesetzte zu stehen scheint. Wieder einmal wird es schräg und verworren, Naked Snake muss einige Personen töten, eher er hinter das Geheimnis des ganzen Plans kommt.<br/><br/>In Peace Walker sind wir wieder mit Papa Snake unterwegs, diesmal ist er 1974 in Costa Rica mit einer Söldnertruppe unterwegs, die er selbst aufgebaut hat. Gemeinsam mit der CIA wird im Dschungel Agenten der Garaus gemacht, die neue Waffen testen - dabei auch ein Kampfroboter Names 'Peace Walker'. Was die Geschichte anbelangt, so bleibt dieser Titel hinter den anderen beiden weit zurück, dafür legt er klar den Fokus auf Koop, weil jede Mission zu viert bestritten werden kann.<br/><br/><strong>In Ehren grau geblieben</strong><br/><br/>Okay, wie schaut's denn unter der Grafik-Haube aus? Schließlich haben die Versionen alle schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Insbesondere MGS2 zeigt deutlich, dass die Zeit Wunden hinterlassen hat - vieles ist texturarm und grau, zumal auch die Gesichtsdetails gemessen am heutigen Standard einiges zu wünschen übrig lassen. Ist das schlimm? Nö, im Grunde genommen nicht, denn ein Highlight der Serie war immer die krude, mitunter abgedrehte Geschichte dahinter, mit ihren verwegenen Wendungen. Am besten kommt noch MGS3 in Sachen Grafik weg, der Peace Walker hingegen zeigt ganz deutlich seine PSP-Wurzeln durch kantige Objekte und auch die Comic-Sequenzen wirken im Vergleich zu den anderen beiden Titeln etwas deplatziert, dafür gibt es hier aber immerhin 1080p, die anderen kommen mit 720p daher. Alle drei Titel warten mit flüssiger 16:9-Darstellung auf, wenngleich hier und da noch Clippingfehler den guten Gesamteindruck trüben. Ein optisches Meisterwerk liegt hier also nicht vor, aber darum geht es eben auch nicht.<br/><br/><strong>In der Hocke nicht laufen!</strong><br/><br/>Aber auch spielerisch zeigen die drei Titel, dass sie aus einer anderen Zeit und für einen anderen Konsolentypus entwickelt wurden. Im Fall von Peace Walker bedeutet das, dass die abgespeckte Steuerung, die ja zur PSP passen musste, jetzt immer noch als Grundlage dient und das Gameplay deutlich verschlankt hat. Neben dem stark auf Koop fokussierten Gameplay gibt es hier auch noch Aktionen, die den Titel spielerisch erweiteren, sodass es unter anderem möglich ist, sich seine eigene Armee aufzubauen.<br/><br/>Bei MGS2 sieht das anders aus, da braucht man drei Tasten, um sich durch den Titel zu ballern und in der Hocke kann man sich nicht bewegen. Gemessen an heutigen Titeln ist das Deckungssystem mehr als gewöhnungsbedürftig und es braucht schon ein wenig Zeit, um sich in das Spiel einzuarbeiten. Bis dahin gibt es einige Frustmomente, weil durch die mitunter vollgepackte Steuerung auch Dinge passieren, die man selbst gar nicht wollte. Dennoch bleibt der zweite Teil immer noch ein packendes Stealth-Game mit Funktionen, die auch heute noch begeistern können.<br/><br/>Unterm Strich der beste Titel ist MGS3, was aber auch an der abgefahrenen, verdrehten Geschichte liegt, die wirklich verblüffen kann. Das Gameplay ist immer noch hakelig und zeigt, dass hier ein Titel aus einem anderen Jahrzehnt vorliegt, an dem sieben Jahre nicht spurlos vorbeigegangen sind. Daran ist auch das lästige, komplizierte Verarzten der Spielfigur und das ständige Wechseln der Tarnung verantwortlich, wofür wir jedes Mal ins Pausemenü gehen müssen, was das Gameplay arg ausbremst.<br/><br/>Netterweise wurde die "Subsistance"-Version des Titels übernommen, die erst zwei Jahre nach dem Release erschien und unter anderem mit einer frei schwenkbaren Kamera das Schleichen im Dschungel deutlich übersichtlicher machte. So auch heute. MGS3, das im zeitlichen Ablauf der Geschichte (nicht nach Release-Zeitpunkt betrachtet) im Auswahlmenü auch als Erstes gespielt werden kann, ist der Titel der Collection, der definitiv am meisten beeindrucken kann. Allein dafür lohnt es sich, das Geld zu investieren, auch wenn der Vollständigkeit halber der erste und der vierte Teil der Serie nicht an Bord sind.<br/><br/><strong>Fazit</strong>: Die <strong>Metal Gear Solid - HD Collection</strong> ist eine gute Investition, wenn auch mit kleinen Tücken. Was den Umfang anbelangt, dürften keine Klagen aufkommen, allerdings müssen bei Grafik und Spielbarkeit Abstriche gemacht werden. Zwar sind diese Defizite entschuldbar, weil sie eine Altlast der betagten Originale sind, aber sie sind eben auch nicht zu übersehen.<br/><br/>Für Nostalgiker und Umsteiger ist der Kauf Pflicht, weil gerade in HD und 16:9-Optik die Titel an Spielspaß gewinnen. Für Neulinge wird das Trio gewöhnungsbedürftig, aber nicht minder spaßig, wenn man in der Lage ist, sich darauf einzulassen.<br/><br/><strong>Wertung</strong>: 81 von 100 Punkten (Armin Sengbusch/GameCaptain.de)
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