Der erste Teil war der Wahnsinn, wurde aber schneller indiziert, als ich damals testen konnte. Der zweite Teil war der Hammer, endete aber mit einem brutalen Cliffhanger und war ohnehin schon indiziert, bevor ich es hatte. Der dritte Teil von Gears of War ist offiziell erhältlich, er ist großartig und er beinhaltet das Finale einer Trilogie, die würdig ihren Abschluss findet. Dabei ist es ja auch nicht einfach, nach zwei brillanten Vorgängern auch im dritten Teil noch einen draufzusetzen, aber das ist Epic vollends gelungen. Die wenigen Haare in der Locust-Suppe von Marcus Fenix habe ich aber auch noch gefunden.
Auf geht's mit der Kettensäge und viel Blei
Auf den ersten Blick hat sich nicht viel geändert, gerade im ersten der fünf Akte sehen wir Bekanntes. Zum einen geht es natürlich immer noch darum, dass Marcus und seine Jungs die Welt vor der außerirdischen Bedrohung retten, zum anderen ist der Einstieg gerade für Fans und Kenner der Serie ziemlich mittelprächtig. Das liegt vor allem daran, dass wir wie schon im ersten Teil erst einmal von Deckung zu Deckung huschen und Feinde ausknipsen. Dass es da auch nur wenige neue Typen gibt, liegt am grundsätzlichen Thema des Titels: Die Gegner sind und bleiben die alten - allerdings gesellen sich jetzt massiv sogenannte 'Leuchtende' hinzu, die im Verlauf der Geschichte ausführlich erklärt werden und auch mehr Bedeutung bekommen. Jedoch - und das muss man den Machern zugutehalten - war GOW schon immer ein Titel, der auf einen bedächtigen Einstieg setzt, um Neueinsteiger nicht gleich zu überfordern. Mit dabei sind dann auch die alten Waffen, wodurch auch das Kettensägen-Bayonett im Nahkampf wieder zum Einsatz kommt, aber auch der allseits geliebte 'Hammer der Morgenröte' darf unter freiem Himmel wieder eingesetzt werden. Zum Glück waren die Außerirdischen dumm genug, alle Satelliten im All zu lassen, damit wir Menschen auch bis zum Finale noch ein Ass im Ärmel haben.
Könnten Sie mir mal zur Hand gehen, jungen Mann
In Sachen Schwierigkeitsgrad ist der dritte Teil gerade für Einsteiger sehr entgegenkommend, was an der hervorragenden Koop-KI liegt. Die Mitstreiter nutzen nicht nur umgehend freie Geschütztürme, sondern sind auch beim Einsatz der herkömmlichen Waffen erfreulich treffsicher und eilen schnell zu Hilfe, wenn wir mal getroffen am Boden liegen und verarztet werden müssen. Ob man beim Gegner, den eher tumben Außerirdischen, von Aussetzern sprechen kann, wenn sie mitunter etwas zu spät merken, dass sie in eine Falle getappt sind, lasse ich mal dahingestellt. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad spielt sich GOW demnach sehr eingängig, fast schon zu leicht, beim 'wahnsinnig' sind dann wieder echte Spezialisten gefragt, die vor nichts zurückschrecken.
Apropos zurückschrecken und Schwierigkeitsgrad: Der Koop-Modus wurde noch einmal aufgepeppt. Im Klartext heißt das, dass offline wieder zu zweit in der Kampagne geballert werden darf, aber online sogar vier Spieler die Kampagne bestreiten können. Und, alter Locust, das rockt aber mal so was von total. Der Schwierigkeitsgrad wird dabei noch einmal angepasst, sodass die Koop-Kampagne auch noch mal eine echte Herausforderung darstellt.
Du Biest oder du Horde?
Und wenn wir gerade bei den Online-Modi sind, so hat sich auch hier noch mal einiges getan. Im Horde-Modus gilt es 50 Wellen zu überstehen, wobei ein Währungs- und Belohnungssystem dafür sorgt, dass wir unsere kleine Truppe noch ein wenig aufrüsten können, zumal alle zehn Wellen ein Bosskampf wartet, der es wirklich in sich hat. Auch hier ist das so prächtig inszeniert, dass es eine Freude ist, teilzunehmen und Spaß zu haben. Aber wechseln wir doch einfach mal die Seiten und begeben uns in den Biest-Modus, schlüpfen in die schrumpelige Haut der Außerirdischen und machen das, was wir schon immer tun wollten: Wir mischen die Menschen mal so richtig auf. Für beide Modi gibt es dabei jeweils zehn Karten, an Abwechslung mangelt es somit online auf keinen Fall, zumal die Kampagne im Solo-Modus nach acht bis zehn Stunden vorbei ist und der Suchtfaktor schnell zuschlägt.
Was schön aussieht, darf auch schön klingen
Grafisch war GOW schon immer eine Bombe, das lässt sich auch vom dritten Teil sagen. Allerdings - und das ist Jammern auf hohem Niveau - gibt es kaum eine Steigerung in der Optik, obwohl eine überarbeitete Engine zum Einsatz kommt, die hier und da das alles etwas schicker und schöner wirken lässt. An einigen Stellen gibt es auch Schwachpunkte, weil es bei den Umgebungsgrafiken mitunter als Tiefe oder Plastizität fehlt. Aber, bitte: GOW3 macht dennoch grafisch eine gute Figur. Das gilt im Übrigen auch für den Klang, der da aus den Boxen dröhnt: Effekte und Soundtrack sind ganz fein geworden, die Sprecher machen ihren Job ebenfalls gut wie gewohnt, wobei die Synchronisation in den Zwischenseqeuenzen nicht immer perfekt ist.
Fazit: Ja, wirklich, das ist der Abschluss einer Trilogie, den ich mir auch gewünscht habe. Und auch wenn der GoW-Suchtfaktor etwas braucht, um sich zu entfalten, so ist er dann aber auch wirklich massiv vorhanden. Gibt es noch Kritikpunkte?
Es sind kleine Dinge, die in der Endabrechung Zähler kosten, aber insgesamt kann ich allen Shooter-Freunden nur den Kauf wärmstens Herz legen: Mehr Spaß und Spannung und Spiel gibt es selten. Zumal wirklich auf allen Ebenen großes Kino aufgefahren wird. Vielleicht ist die Solo-Kampagne etwas kurz ausgefallen, dafür bietet aber der umfangreiche und vielschichtige Multiplayer-Modus eine Menge Freunde.
Und für diejenigen, die immer nur den letzten Satz einer Rezension lesen: Der Testbericht ist fast so gut wie das Spiel, das sich den Award redlich verdient hat.
Wertung: 90 von 100 Punkten (Armin Sengbusch/GameCaptain.de)
Quelle/Copyright: Captain-Fantastic-Besprechung