Quelle/Copyright: Game-Captain-Besprechung
'Was'n <strong>Binary Domain</strong>?' Das fragt so ein verpickelter Jüngling im Elektro-Großmarkt, während ich nach Schnäppchen suche. Sein Kumpel antwortet mit 'Irgendso'n Shooter', worauf die Pickelhaube entgegnet: 'Das Cover sieht scheiße aus.' Und er hat recht, das Cover wirkt wirklich etwas seltsam, es gibt definitiv besser gestaltete Titel. Wobei der Junge mit den Pickeln im Gesicht ganz sicher auch mehr zu bieten hat als seine unreine Haut, da sollte er auch Binary Domain mal eine Chance geben. Aber bevor ich dem Kerl, von dem ich noch nicht mal weiß, ob er überhaupt die Altersfreigabe von 16 Jahren erfüllt, einen Ratschlag gebe, schreibe ich jetzt mal schnell den Testbericht zu Ende. Der sollte nämlich schon lange fertig sein, aber irgendwie habe ich mich verzettelt.<br/><br/><strong>Verdammt, wo ist denn Will Smith hin?</strong><br/><br/>Wir sind ein Team. Wir, das sind mein Kumpel 'Big Bo' und ich, Dan Marshall. Wir sollen im Jahr 2080 mal gucken, was in Tokyo so abläuft und stellen dann fest, dass es dort von Robotern nur so wimmelt. 'I, Robot' winkt fast schon hämisch mit dem Zaunpfahl, Big Bo erfüllt als Quoten-Schwarzer auch gleich das Soll, wobei später auch noch Charlie und Rachel vom MI6 aus England, die Chinesin Faye und ein französischer Roboter mit von der Partie sind. Dabei sind die illegalen Roboter, die Seelenlosen (engl. Hollow Children), am Ende das, was scheinbar mächtig gefährlich ist: Roboter, die wie Menschen aussehen und auch noch so handeln. Gut, hier scheidet der gute Will Smith dann aus, auch wenn das Ziel der Geschichte ein ähnliches ist, wie im erwähnten Film. Wir sollen die Roboter daran hindern, die menschliche Gesellschaft weiter zu unterwandern und die Menschheit vor der Auslöschung bewahren.<br/><br/>'Irgendso'n Shooter' eben, in 3rd-Person-Manier und mit jeder Menge Blech zum drauf Ballern und Zerlegen. Menschlichkeitsfanatiker haben es hier leicht, weswegen trotz zahlreicher Kopftreffer eine 16er-Freigabe von der USK ausgesprochen wurde, weil Blech eben nichts empfindet. Mal von den Einbildungen der Seelenlosen abgesehen. Die Geschichte, so banal sie auf den ersten Blick klingt, ist dabei gar nicht so schlecht und kann durchaus begeistern, wenngleich der Humor der Protagonisten eher für Teenager und Informatikstudenten gedacht zu sein scheint - mitunter ist es arg flach und fast schon peinlich. Aber es ist genau die Geschichte, die Binary Domain aus dem Shooter-Einerlei abhebt: Endlich mal kein Weltkriegsszenario, die Russen sind auch nicht Schuld und irgendwelche Außerirdischen rücken uns ebenfalls nicht auf die Pelle. Klar, neu ist das alles nicht, aber eben mal etwas Abwechslung und die Blechkumpanen sind nettes Kanonenfutter - aber dazu gleich mehr.<br/><br/>Was die Modi anbelangt, so geht es bei BD klassisch zu: Einmal Kampagne und einmal Multiplayer, der mit sieben Varianten daher kommt, aber dennoch etwas unausgegoren wirkt, weil der Netzcode so schlecht war, dass es ein stetes Kommen und Gehen gab. Wenn die Entwickler das noch in den Griff bekommen, dann könnte auch der Multiplayer-Modus etwas Reiz versprühen. Einen Koop-Modus gibt es leider nicht, wenngleich es sich aufgrund der verschiedenen Charaktere auf jeden Fall angeboten hätte.<br/><br/><strong>Ziele ich auf den Kopf oder auf die Beine?</strong><br/><br/>Was bei anderen Shootern schnell für eine Indizierung oder eine 18er-Freigabe sorgt, ist bei BD wie gesagt kein Problem. Im Feuergefecht stelle ich mir also die Frage: auf die Beine oder auf den Kopf? Treffe ich den Kopf, ballert der Bolide wild um sich und kann dadurch auch seine Kollegen ausklicken, sense ich ihm mit einer Salve die Stelzen weg, dann robbt der Kollege nur noch und ich habe etwas mehr Ruhe, um einen finalen Schuss anzusetzen.<br/><br/>Überhaupt gibt es einiges im Gameplay, was ganz nett gelöst ist - wenn es auch durchaus noch Luft nach oben gibt. So kann per Spracherkennung mit dem Xbox-Headset kommuniziert und dem Team Befehle erteilt werden. Das funktioniert wirklich gut, kann bei Bedarf aber auch über die Buttons abgewickelt werden. Taktischer Tiefgang fehlt jedoch, sodass zum Beispiel ein Flankieren nicht möglich ist, es bleibt bei einfachen Kommandos. Dafür haben alle Handlungen auch Konsequenzen: Frei nach dem Motto 'Big Brother is watching you' registriert die KI alles, was wir machen und das hat eben auch Auswirkungen auf die Moral der Truppe. Gehe ich mit meinen Mitstreitern zu rabiat um oder setze sie nicht ihren Fähigkeiten entsprechend ein, dann kämpfen sie auch schlechter. Deshalb ist die Kommunikation mit den Jungs - und dem Roboter - eben auch wichtig. Es sei denn, man ist ein Rambo und gibt lieber den Einzelkämpfer.<br/><br/><strong>Bisschen hakelig, aber es sieht gut aus</strong><br/><br/>Dabei sind die Gefechte gegen die Roboter nicht immer wirklich spannend, weil die Blechheinis sich oft nicht intelligent bewegen, sondern gern mal stumpf hinter einer Deckung verkriechen. Gut, es sind eben nur Roboter, aber ein wenig KI sollte im Jahr 2080 auch schon vorhanden sein, um sich etwas cleverer zu verhalten. Und wenn die Gegner mir dann ebenso stumpf in die Flinte laufen, dann hat das sicher auch etwas damit zu tun, dass sie sich für unverwundbar halten. Ach, diese Roboter sind schon ein lustiges Völkchen.<br/><br/>Wir können uns auf der anderen Seite entscheiden, mit wem wir gemeinsam losziehen und die Charaktere und Waffen aufwerten, weil es für jeden zerlegten Roboter Geld gibt (wer zahlt das eigentlich?) und das können wir dann geschickt wieder investieren. Dabei legt man sich schnell auf eine Truppe (maximal drei Begleiter) fest - warum? Weil man sich da dann bereits beliebt gemacht hat und alles schon aufgelevelt wurde. Never change a winning Team - oder so ähnlich.<br/><br/>Dennoch haben die Gefechte trotz der schwächelnden Gegner ihren Reiz, der vor allen Dingen im Zerlegen der Metallfeinde liegt: Platten fallen herunter, Kugeln prallen ab, das ist einfach ein Heidenspaß, vor allem dann, wenn es gegen die großen Gegner geht. Dabei ist die Steuerung dicht an <strong>Gears of War</strong> angelehnt, geht aber nicht ganz so flüssig von der Hand und ist hier und da sogar etwas hakelig. Nicht, dass das den Spielfluss sonderlich hemmen würde, aber an einigen Stellen ist das Umschauen und Laufen etwas verwirrend. Wobei die Optik sich nicht zu verstecken braucht, denn nicht nur die Zwischensequenzen wissen zu überzeugen, auch die Ingame-Grafik lässt wenig Wünsche offen.<br/><br/>Das gilt auch im Übrigen auch für die komplette Lokalisierung, die ganz gut gelungen ist, aufgrund des flachen Humors wohl aber auch etwas an Charme verloren hat.<br/><br/><strong>Fazit</strong>: In Binary Domain steckt mehr als 'irgendso'n Shooter', was in erster Linie an der Geschichte liegt. Klar, es gibt auch andere gute Storys, aber diese hier ist noch recht unverbraucht und nicht so ausgelutscht wie die diversen Kriegsszenarien. Dabei haben die Entwickler vieles gut gemacht, wenn auch nicht bis ins kleinste Detail durchdacht.<br/><br/>Die Spracherkennung ist gut, könnte aber mehr Befehle und mehr Tiefgang zulassen. Die Grafik ist ordentlich, aber auch weit vom Genre-Thron entfernt, der Multiplayer-Modus ambitioniert, aber schlecht programmiert und die Sache mit der Team-Moral ist teilweise etwas zu eindimensional und platt.<br/><br/>Wer mal etwas anders ausprobieren möchte, der ist mit Binary Domain gut beraten, denn die Gefechte machen trotz der KI-Aussetzer wirklich Spaß. Für insgesamt 12 Stunden Spielzeit und einem Wiederspielwert, der sich auf das Ausprobieren neuer Team-Mitglieder fokussiert, bietet der Titel dann auch genug Spaß für das Geld.<br/><br/><strong>Wertung</strong>: 80 von 100 Punkten (Armin Sengbusch/GameCaptain.de)
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