Quelle/Copyright: Game-Captain-Besprechung
Nach fast 14 Jahren Spieletesterei und noch viel mehr Jahren Zockerei im Allgemeinen, gibt es nicht mehr viele Spiele, deren Release mich in freudiger Erwartung die Hände reiben lässt. Doch nachdem mich Arkham Asylum vor zwei Jahren gefesselt hat, war ich sehr gespannt auf den Nachfolger. Kann <strong>Batman: Arkham City</strong> den grandiosen Vorgänger wirklich noch einmal toppen?<br/><br/><strong>Wer zieht hier die Fäden?</strong><br/><br/>Das Spiel beginnt mit einem Paukenschlag. Hugo Strange, Leiter von Arkham City, einem zu einem Gefängnis umgestalteten Teil von Gotham City, eröffnet Bruce Wayne, dass er um sein Geheimnis weiß - und schickt den Milliardär gleich auch noch in Zivil als Gefangenen in den Knast.<br/><br/>Zwar dauert es nicht allzu lang, bis man seinen Batsuit bekommt, doch im Folgenden muss Batman klären, wer in der Stadt eigentlich das Sagen hat. Die Banden von Two-Face, Pinguin und dem schwer kranken Joker tragen einen Krieg gegeneinander aus, während sich Strange in aller Ruhe ansieht, wie sich die Verbrecher die Köpfe einschlagen. Dazu verkündet der Leiter, dass ein geheimnisvolles Protokoll 10 bald in Kraft treten wird. Worum handelt es sich dabei?<br/><br/>Im Laufe der Geschichte läuft Batman beinahe jedem namhaften Bösewicht aus den Comics über den Weg. Neben den genannten Bandenbossen halten ihn auch u.a. (wir wollen nicht zu viel verraten) Mr. Freeze, Harley Quinn, Solomon Grundy, Bane, Deadshot und natürlich wieder der Riddler in Atem. Kritisieren muss man hierbei, das einige Bosse doch arg kurz kommen. Einer wird sogar mit einem lapidaren 'Ich habe keine Zeit, auch noch gegen dich zu kämpfen' im Schnelldurchgang abgefertigt.<br/><br/>Der Riddler hat nicht nur wieder jede Menge Trophäen und Geheimnisse in der ganzen Stadt versteckt, sondern auch noch Geiseln genommen, die es in speziellen Missionen zu befreien gilt - dazu muss man allerdings erst genug Geheimnisse finden, was wohl nicht jedermanns Geschmack treffen wird, denn insgesamt warten satte 400 allein auf Batman.<br/><br/>Und wer sich sorgt, dass Scarecrow nicht dabei ist: Es gibt auch diesmal wieder psychedelische Level, die den normalen Spielablauf unterbrechen, aber nicht ganz so spannend ausgefallen sind, wie die grandiosen Scarecrow-Abschnitte des Vorgängers.<br/><br/><strong>Hier fühle ich mich (un)wohl</strong><br/><br/>Nach dem gelungenen Einstieg werden sich Arkham Asylum-Fans schnell heimisch fühlen. Nicht nur, dass viele Gadgets, die im Asylum nach und nach freigespielt wurden, von Anfang an an Batmans Gürtel sind, Steuerung, Artdesign und auch die Gegner sind wohl bekannt. Das ganze Gameplay wurde im Grunde 1:1 aus dem Vorgänger übernommen.<br/><br/>Ein Unterschied ist, dass die riesige Gefängnisstadt von Anfang an frei begeh- bzw. beschwingbar ist, denn zu Fuß ist man eher selten unterwegs, sondern fliegt mit dem Umhang oder schwingt sich mit dem Greifhaken von Haus zu Haus. Und die Stadt ist einfach grandios inszeniert. Die unterschiedlichen Bereiche bieten Abwechslung und doch passt alles zusammen, vom Museum über die U-Bahnstation, das Gericht oder das Stahlwerk, alles wirkt wie aus einem Guss - düster, verfallen, aber doch mit dem Hauch alten Glanzes.<br/><br/>Von Open World würde ich aber nicht sprechen wollen. Zwar gibt es ein Dutzend Nebenmissionen, die man annehmen kann oder auch nicht, doch echtes 'Leben' gibt es in Arkham City nicht. Die Gegner stehen an festen Plätzen herum oder patrouillieren allenfalls, abgesehen von ein paar Überwachungshubschraubern bewegt sich niemand durch die Gegend.<br/><br/><strong>Alte Bekannte und neue Gadgets</strong><br/><br/>Die Gegner sind zunächst altbekannt. Die meiste Zeit prügelt man sich mit den Schergen der drei Bosse, die entweder unbewaffnet oder mit Baseballschlägern, Messern oder auch Schusswaffen auf uns losgehen. Richtig fies sind dabei einmal mehr die Scharfschützen. Interessant: Unter den Gegnern sind manchmal besonders markierte Informanten des Riddlers, die man sich für den Schluss aufheben muss, um von ihnen die Standorte von Trophäen zu erfahren.<br/><br/>Um mit der Masse der Gegner, die vor allem mit Schusswaffen durchaus gefährlich werden können, fertig zu werden, hat Batman ein paar neue Gadgets spendiert bekommen. So kann er nun z.B die Schusswaffen von Gegnern aus der Entfernung deaktivieren, ihnen Stromschläge verpassen oder sich mit einer Rauchbombe kurzfristig Deckung verschaffen usw. Die Gadgets werden wie gehabt über das Steuerkreuz ausgewählt, es gibt aber auch für einige eine Schnell-Funktion (L1+Taste), sodass man sie nun auch im Kampf einsetzen kann.<br/><br/>Die Gadgets werden außerdem für einige neue Rätsel eingesetzt. Mit dem Distanz-Stromschlag kann man Türen öffnen, Maschinen bewegen oder auch die eine oder andere Riddler-Trophäe erreichbar machen. Mit dem fernsteuerbaren Batarang kann man unerreichbare Schalter aktivieren usw. Das Spiel gibt dabei ständig Hinweise, sonst würde man vor lauter Gadgets wohl auch manchmal selber gar nicht mehr drauf kommen, was für Möglichkeiten man hat.<br/><br/>Welche Gadgets man wann zur Verfügung hat, ist zum Teil auch wieder vom Spieler abhängig, der Erfahrungspunkte sammelt und die bei Stufenaufstieg in Verbesserungen investieren kann. Einige der Gadgets erlangt man nur so - muss dann aber vielleicht andere, wie z.B. eine bessere Kampfpanzerung oder bestimmte Combos zurückstellen. Andere bekommt man für absolvierte Nebenmissionen, die man sich deshalb auch nicht für den Schluss aufheben sollte.<br/><br/>Auch im Flug hat sich ein wenig geändert. Batman kann nun in einen Sturzflug übergehen und so Tempo aufnehmen, dann aber auch wieder Höhe gewinnen, sodass man - von einem hohen Punkt startend, eine lange Strecke ohne Zwischenstopp hinter sich bringen kann.<br/><br/><strong>Beispielhafte Atmosphäre</strong><br/><br/>Das größte Pfund, mit dem das Spiel wuchern kann, ist die Atmosphäre. Die Lokalitäten sind nicht nur wunderbar gestaltet, sondern auch voller Details. Batman bewegt sich sehr flüssig und vor allem ist es den Machern gelungen, den Kern von Batman perfekt ins Spiel zu bringen. Einerseits verbreitet der Fledermausmann Angst und Schrecken unter den Gegnern, andererseits kann er aber eben nicht mal eben offen einer Schar Schwerbewaffneter gegenübertreten, sondern muss seine Fähigkeiten klug einsetzen, um sie einen nach dem anderen zu erledigen.<br/><br/>Während die Schergen (je nach Bande) alle gleich aussehen und auch immer wieder dieselben Sprüche von sich geben, sind die Hauptcharaktere hervorragend inszeniert und von sehr gut aufgelegten deutschen Sprechern vertont. Einzig mit der Lippensynchronität hapert es hier zuweilen ziemlich. Batman hat dabei wieder die dt. Stimme von Christian Bale. Der grandiose Soundtrack trägt ebenfalls seinen Teil zur Atmosphäre bei.<br/><br/><strong>Kein Multiplayer, aber genug Umfang</strong><br/><br/>Nicht nur der Umfang der Stadt ist gewaltig. Allein für die Hauptgeschichte kann man mehr als 10 Stunden veranschlagen, wer sich um alle Nebenmissionen kümmert, kann nochmal einige Stunden draufpacken - und wer sich vornimmt, alle 400 Riddler-Herausforderungen zu meistern, hat wohl noch ne ganze Weile länger zu tun. Positiv: Anders als im Vorgänger ist das Gefängnis auch nach Ende der Hauptgeschichte noch mit Gegnern besetzt.<br/><br/>Doch selbst damit ist es noch nicht getan. Im Menü gibt es wieder auswählbare Jäger- und Kampf-Herausforderungen, nach deren Absolvierung man sein Ergebnis online mit anderen vergleichen kann. Multiplayer gibt es allerdings nicht, was man angesichts des Umfangs jedoch verschmerzen kann, auch wenn CoOp-Level oder z.B. Wettrennen a la 'Wer kommt schneller von Punkt A nach Punkt B' durchaus denkbar gewesen wären.<br/><br/><strong>Catwoman enttäuscht</strong><br/><br/>Der einzig wirklich dicke Kritikpunkt ist die Einbindung von Catwoman (Download-Code beim Kauf dabei), die leider ziemlich enttäuschend geraten ist. Gleich zu Anfang befreit man sie aus den Händen von Two-Face, doch wer nun glaubt, dass die Katzenfrau im weiteren Verlauf der Geschichte eine große Rolle spielen und man gar Missionen erleben könnte, in denen Batman und Catwoman Seite an Seite kämpfen, ist auf dem Holzweg.<br/><br/>Ihre vier kleinen Missiönchen, die allenfalls durch die extra für sie in der ganzen Stadt versteckten Riddler-Geheimnisse etwas in die Länge gezogen werden, sind mit sehr großen Abständen in die Haupthandlung eingestreut und haben mit Batmans Story nur einmal einen Berührungspunkt. Je nachdem, um wie viele Nebenmissionen man sich mit Batman kümmert, können zig Spielstunden zwischen den einzelnen Catwoman-Episoden liegen.<br/><br/>Dazu bringt Catwoman abgesehen von ihrem (recht übertriebenen) Hüftschwung auch kaum Abwechslung ins Gameplay. Im Grunde spielt sie sich ganz genauso wie Batman, hat zwar ein paar andere Gadgets, schwingt sich aber mit ihrer Peitsche ähnlich durch die Stadt und vermöbelt die Gegner auf ganz ähnliche Weise. Der größte Unterschied ist, dass sie an bestimmte Stellen an der Decke krabbeln kann.<br/><br/><strong>Fazit</strong>: Seien wir ehrlich, im Grunde haben wir hier alten Wein in einem neuen Schlauch. Das Gameplay blieb weitgehend unangetastet, viele Gegner kennen wir schon, die Kämpfe laufen nahezu genauso ab wie im Vorgänger.<br/><br/>Nur haben wir eben einen sehr guten alten Wein und einen sehr schicken neuen Schlauch. Das Design der zum Teil atemberaubenden Level erzeugt zusammen mit dem Soundtrack eine beispiellose Atmosphäre, die Story ist gelungen, die Steuerung eingängig. Daher hat sich auch der Nachfolger den Award redlich verdient.<br/><br/>Aber es ist noch etwas Luft nach oben, vor allem was die Einbindung weiterer Helden angeht, die im Falle von Catwoman eher enttäuschend ausfällt.<br/><br/>Trotzdem: Hier spielen wir nicht Batman, hier <em>sind</em> wir Batman. Beide Arkham-Spiele sind die besten Superhelden-Titel weit und breit, Arkham City verbessert den Vorgänger sinnvoll, hat eine spannende Story zu erzählen und ist damit für Batman-Fans ein Must-Have.<br/><br/><strong>Wertung</strong>: 92 von 100 Punkten (Jörg Benne/GameCaptain.de)
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Bei der Spielmechanik hat sich gegenüber dem Vorgänger nicht viel geändert: Ein paar neue Bewegungsmöglichkeiten und aufgepeppte Gadgets, eine größere Zahl freischaltbarer Fähigkeiten und ein Detektivmodus, in dem nicht nur Gegner entdeckt, sondern auch Spuren analysiert werden, erweitern das Spielprinzip dezent und sinnvoll. Präsentation und Inszenierung sind erneut großartig: Kameraarbeit, Mimik und Gestik der Figuren, Soundtrack und deutsche Sprachausgabe befinden sich auf höchstem Niveau und sorgen für ein atmosphärisches Action-Adventure, das den Spieler von der ersten Sekunde an mitreißt. Selbst wer eigentlich nichts mit Superhelden anfangen kann, wird einige der besten Spielstunden des Jahres verbringen.Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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