Quelle/Copyright: Game-Captain-Besprechung
Gespaltene Persönlichkeiten, Erinnerungslücken, gierige Schattenwesen, aber auch bunte Zeichentrickszenerien und herzerwärmende Freundschaften - das sind Themen, mit denen man es im neusten Teil der erfolgreichen <strong>Kingdom Hearts</strong>-Reihe zu tun bekommt. <strong>358/2 Days</strong> ist zwischen den beiden PS2-Episoden und nach dem GBA-Ableger <strong>Chain of Memories</strong> angesiedelt, zu der Zeit als Sora sich für einen Heilschlaf entschieden hatte, um seine beim Marsch durch Castle Oblivion verloren gegangenen Erinnerungen wiederzuerlangen.<br/><br/>Währenddessen erlebt sein 'Niemand' Roxas, der entstand weil Sora sein Herz für Kairi gab, Abenteuer im Dienst der geheimnisvollen Organisation XIII.<br/><br/><strong>Nur Insider blicken durch</strong><br/><br/>Castle Oblivion, Niemand, Organisation XIII... Das kommt euch spanisch vor? Dann will ich gar nicht groß versuchen, euch die für Außenstehende recht verwirrende Vorgeschichte näher zu bringen - und schließe mich damit den Entwicklern an. Das heißt: 358/2 Days ist kaum für euch geeignet und ihr solltet vorher am besten erst mal die anderen Games angehen. Es lohnt sich.<br/><br/>Selbst Kenner müssen sich zu Beginn ein wenig zurück besinnen, eine Zusammenfassung der vorangegangenen Ereignisse gibt es diesmal nämlich nicht. Stattdessen wird man als Roxas storymäßig ein wenig ins kalte Wasser geworfen und lernt in diversen Tutorials die Arbeitsweise der Organisation XIII kennen. In Gegenden wie Twilight Town, dem Basar von Agrabah (bekannt aus <em>Aladdin</em>), dem Schloss des Biests, der Herkules-Arena oder Halloween Town (<em>Nightmare Before Christmas</em>) jagen die Kapuzenmänner grob gesagt Herzen hinterher, um das sagenumwobene Kingdom Hearts zu erschaffen. Nur dumm, dass Feinde diese Herzen nicht bereitwillig rausrücken.<br/><br/>Um den Monstern ihre Beute sowie Goldtaler, Lebenskraft und Items abzuluchsen, greift Roxas in den zahlreichen Echtzeitgefechten standardmäßig zum formschönen Schlüsselschwert, das mit etwas Geschick und dank Zielerfassung in effektiven Kombos und Luftangriffen geschwungen werden kann. Auch gesprungen wird wieder ein bisschen, Hüpf-Passagen spielen die meiste Zeit über aber eher eine untergeordnete Rolle. Die Kamera dreht sich dabei entweder automatisch oder kann über Druck auf die Schultertasten kontrolliert werden. Dezente Übersichtsprobleme sind trotzdem an der Tagesordnung - der Bildschirmplatz ist einfach ein wenig zu knapp bemessen.<br/><br/>Für Distanzangriffe oder gegen bestimmte Gegner muss sich der junge Held seiner wachsenden Zauberfähigkeiten bedienen und auch die übliche Auswahl an Heilgegenständen darf nicht fehlen. Für höheren Komfort können diese auf Schnelltasten gelegt werden.<br/><br/><strong>Ausrüstung mal anders</strong><br/><br/>Häufig wird Roxas von anderen Organisationsmitgliedern begleitet. Die Gefährten sind erneut nicht direkt steuerbar, man kann ihnen aber ein paar Verhaltensweisen vorgeben. Veteranen sehen es schon - das Kampfsystem ist dem bekannten Ablauf aus Kingdom Hearts 1 und 2 sehr ähnlich. Neu hingegen ist die Struktur des Abenteuers, das hier nämlich in Dutzende von Missionen aufgeteilt ist. Statt sich frei durch die Disney-Welten zu bewegen, erhält man im Hauptquartier neue Story-Aufträge oder legt zwischendurch Abstecher in optionale Missionen ein, um noch mehr Erfahrung und Belohnungen abzustauben. Mal soll man einfach genug Herzen sammeln, mal riesige Bosse erledigen, mal für bestimmte Zeit in gefährlichen Umgebungen überleben.<br/><br/>Neu ist auch das Tafelsystem: In einem Inventar mit steigender Anzahl von Kästchenfeldern platziert man die in Missionen gewonnenen, aus Schatztruhen gekramten oder beim Aufleveln erhaltenen Symboltafeln. Diese können etwa für Zaubersprüche samt Upgrades, Heiltränke, neue Waffenfertigkeiten, Abwehrmaßnahmen oder erhöhte Statuswerte stehen. Auch Ringe aus dem beliebten Mogry-Shop, wo man außerdem ungenutzte Tafeln umwandeln kann, wandern auf die Felder. Je nach Mission und vorhandenen Optionen sollte man verschiedene Kombinationen ausprobieren - ein recht gelungenes frisches Feature.<br/><br/>Mehrere Schwierigkeitsgrade, Holo-Training, Zusatzaufgaben sowie Herausforderungen mit Zeitlimits und diversen Vorgaben erhöhen die ohnehin ordentliche Spieldauer zusätzlich. Erstmals ist sogar eine unterhaltsame Mehrspielerunterstützung mit an Bord: In freigeschalteten Levels darf man, genug Exemplare des Spiels vorausgesetzt, mit bis zu vier Leuten um die Wette kämpfen. Neben Roxas sind dort auch die anderen Mitglieder mit individuellen Waffen und Fähigkeiten verfügbar.<br/><br/><strong>Ich will Goofy!</strong><br/><br/>Roxas und Kollegen arbeiten ja meist eher im Verborgenen - deshalb sieht man die lieb gewonnenen Bewohner der Disney-Welten teilweise nur aus der Ferne und vermisst ein wenig die Interaktion bzw. die ausführlichen Gespräche mit ihnen. Davon abgesehen sind Kumpel Axel und die süße Xion, aller Sympathie zum Trotz, in meinen Augen einfach kein vollwertiger Ersatz für meine treuen Gefährten Donald und Goofy mit ihren lustigen Eigenheiten.<br/><br/>Gesprochen wird trotzdem wieder eine ganze Menge, leider aber - bis auf die wenigen aufwendigeren Zwischensequenzen - ohne Sprachausgabe (die englischen Stimmen in besagten Cutscenes sind dafür sehr gut). Der Soundtrack wird Kingdom Hearts-Fans bekannt vorkommen und weiß zu gefallen, hätte aber gern etwas abwechslungsreicher sein dürfen. Auch in den Umgebungen wurde einiges recycelt, und das für DS-Verhältnisse erstaunlich schick, komplett in 3D, mit detaillierten Charaktermodellen und hübschen Effekten. Schwache Texturen und steril wirkende Stellen in den häufig etwas zu eng bemessenen Levels zeigen dann aber doch recht deutlich, dass Nintendos Kleiner eben keine PS2 ist.<br/><br/><strong>Fazit</strong>: <strong>Kingdom Hearts 358/2 Days</strong> ist das fast perfekte Spiel für alle Fans, die das unterhaltsame (wenn auch gewohnt hektische) Kampfsystem, die liebenswerten Disney-Welten und den besonderen Charme der Reihe auch auf dem Nintendo DS erleben wollen. Neulinge dürften dagegen eher wenig Freude daran haben - es werden storytechnisch einfach zu viele Vorkenntnisse benötigt.<br/><br/>Der neue missionsbasierte Aufbau sagt mir persönlich nicht ganz so zu wie die offeneren Schauplätze der PS2-Geschwister, eignet sich aber andererseits - passend zur tragbaren Plattform - gut für schnelle Runden zwischendurch. Etwas weniger Recycling im Level- und Monsterdesign wäre dann vielleicht auch noch ganz nett gewesen. Das Tafelsystem und die Multiplayer-Unterstützung sind dafür sinnvolle Neuerungen.<br/><br/><strong>Wertung</strong>: 81 von 100 Punkten (Christina Schmitt/GameCaptain.de)
Videoclip zu "Kingdom Hearts: 358/2 Days"
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