Unliebsame Überraschungen - Ardagh, Philip

Philip Ardagh 

Unliebsame Überraschungen

Übertr. v. Harry Rowohlt

Illustrator: Roberts, David / Übersetzer: Rowohlt, Harry
Broschiertes Buch
 
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Unliebsame Überraschungen

Schwere Zeiten für Eddie Dickens: Er soll den schottischen Familiensitz der Noch Wahnsinnigeren Tante Maud veräußern. Doch das herrschaftliche Anwesen wird inzwischen von einem bislang unbekannten, antibritischen Zweig der Familie besetzt gehalten. Und die denken gar nicht daran, es wieder rauszurücken.

- Band 4 der Eddie-Dickens-Trilogie erstmals im Taschenbuch

- Genial übersetzt von Harry Rowohlt


Produktinformation

  • Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 140 S. m. Illustr. v. David Roberts.
  • Seitenzahl: 140
  • Omnibus Taschenbücher Bd.21794
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 126mm x 17mm
  • Gewicht: 155g
  • ISBN-13: 9783570217948
  • ISBN-10: 3570217949
  • Best.Nr.: 22505172
»Das ist Wahnsinn.« Süddeutsche Zeitung

»Ein Götterfunke skurrilen Humors.«

Das ist Wahnsinn. Süddeutsche Zeitung<br/><br/>Ein irrwitzig komisches, anarchisches Kinderbuch, auch für Erwachsene. Focus-Schule, Amelie Fried<br/><br/>Ein Götterfunke skurrilen Humors. Deutschlandfunk<br/><br/>

"Rowohlt liest nicht, er lebt diese Geschichte."
Über zwei Meter lang, ein buschiger Bart - Philip Ardagh ist nicht nur sehr groß und sehr haarig, sondern er hat auch mehr als 50 Bücher geschrieben für Kinder jeden Alters. Allerdings keines, das nur annähernd so wäre wie "Schlimmes Ende". Ardagh, der mit seiner Frau und zwei Katzen in einem kleinen Küstenort in England lebt, arbeitete u. a. als Werbetexter, als Reinigungskraft in einer Klinik, als (höchst untauglicher) Bibliothekar und als Vorleser für Blinde. Derzeit ist er Vollzeit-Schriftsteller. Seine Bücher, die er unter verschiedenen Namen veröffentlicht, wurden bislang in neun Sprachen übersetzt. "Schlimmes Ende" wurde mit dem "Deutschen Jugendliteraturpreis" und mit dem "LUCHS" ausgezeichnet, der von einer Jury der "Zeit" und Radio Bremen verliehen wird.

Harry Rowohlt, geboren am 27. März 1945 in Hamburg 13, lebt heute als Autor, Übersetzer und begnadeter Vortragskünstler in Hamburg Eppendorf. Nebenbei brilliert er unregelmäßig als Penner Harry in der Fernsehserie "Lindenstrasse". 1999 erhielt er den Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Im Herbst 2000 wurde Harry Rowohlt mit dem "Goldenen Hörbuch" für 250 000 verkaufte Tonträger von "Pu der Bär" ausgezeichnet. Im Januar 2001 erhielt er den Satirepreis "Göttinger Elch".

Harry Rowohlt, geboren am 27. März 1945 in Hamburg 13, lebt heute als Autor, Übersetzer und begnadeter Vortragskünstler in Hamburg Eppendorf. Nebenbei brilliert er unregelmäßig als Penner Harry in der Fernsehserie "Lindenstrasse". 1999 erhielt er den Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Im Herbst 2000 wurde Harry Rowohlt mit dem "Goldenen Hörbuch" für 250 000 verkaufte Tonträger von "Pu der Bär" ausgezeichnet. Im Januar 2001 erhielt er den Satirepreis "Göttinger Elch".

Leseprobe zu "Unliebsame Überraschungen" von Philip Ardagh

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Leseprobe zu "Unliebsame Überraschungen" von Philip Ardagh

FOLGE 1

Der Tiger mit dem Schottenkaro

In welcher Eddie ein fremdes Land besucht und in warmen Pferdemist tritt

Schottland war überhaupt nicht so, wie Eddie Dickens es sich vorgestellt hatte, weil sich Eddie Dickens Schottland noch nie vorgestellt hatte. Alles Schottische war der letzte Schrei, als Eddie im heidekrautüberwucherten schottischen Hochland ankam, aber niemand konnte der Familie Dickens vorwerfen, dass sie sich irgendwelchen Modediktaten beugte. Eddie hatte geschäftlich in Schottland zu tun. Einer der größten Schottland-Fans war zu jener Zeit Königin Victoria, die damals auf dem Thron saß, außer wenn sie mal schnell aufs Klo sauste oder einen öffentlichen Auftritt hatte, damit ihre Untertanen die Möglichkeit für einen Mordversuch bekamen (was damals ein beliebter Zeitvertreib war). Victoria (die mit Vornamen in Wirklichkeit Alexandrina hieß) hatte ein Schloss in Schottland und ein schottischer ghillie war ihr großer Favorit. Wenn ihr euch fragt, ob ein ghillie Fisch, Geflügel oder Gesteinsformation ist, muss ich euch leider sagen, dass die Antwort "weder noch" sowie "nein" lautet. Ein ghillie ist ein schottischer Diener, und Königin Victorias schottischer Diener war ein ziemlich großer, haariger Typ namens John Brown, und der ist einer der wenigen Menschen in diesem Buch, dessen Name nicht mit "Mac" oder "Mc" anfängt.

Der Schotte, der Eddie auf dem winzigen Bahnhof begrüßte, war auch sehr behaart, dafür aber sehr, sehr klein.

"Ich bin McFeeeeeeee", sagte er und holte Eddies Reisetasche aus dem Abteil, welches man, auch "Coupé" nennen könnte; der Unterschied ist der gleiche. Auf jeden Fall befand sich das Abteil in einem Eisenbahnwaggon, der von der berühmten Von-London-nach-Schottland-Lokomotive gezogen wurde, dem Tartan Tiger, dem Tiger mit dem Schottenkaro.

So wie der kleine rothaarige Mann "McFeeeeeeee" sagte, hatte Eddie den Eindruck, der Name würde mit sieben "e" geschrieben, aber da hatte er Unrecht. Es waren acht, und wenn ihr mir nicht glaubt, könnt ihr gern nachzählen. Sehr ihr?

Früher war Eddie mit einem großen Koffer gereist, aber seit einem garstigen Zwischenfall, als die Noch Wahnsinnigere Tante Maud (die in Wirklichkeit seine Großtante war) sich in dem Koffer als blinde Passagierin auf ein Schiff geschmuggelt hatte, reiste er gern mit Gepäck, welches kleiner war als seine kleinste Verwandte, um so sicherzustellen, dass sich keiner in dem Gepäckstück verbarg.

"Es ist mir ein Vergnügen, sie kennen zu lernen, Mr. McFeeeeeee", sagte Eddie.

"Das schreibt man aber mit acht 'e'", sagte McFeeeeeeee.

"Ich bitte vielmals um Entschuldigung?", fragte Eddie, stieg aus und auf den Bahnsteig und schloss die Tür des Eisenbahnabteils hinter sich.

"Sie haben meinen Namen ausgesprochen, als schriebe er sich nur mit sieben 'e', junger Herr Edmund, es sind aber acht", erläuterte Angus McFeeeeeeee. Er sprach mit einem sehr breiten schottischen Akzent. In Wirklichkeit sprach er mit dem Mund, aber die Wörter, die aus ihm herauskamen, waren in breitem Schottisch.

"Ich bitte vielmals um Entschuldigung", wiederholte Eddie, aber diesmal eher um Verzeihung bittend als im Sinne von "Was meinen Sie überhaupt?"... falls ihr versteht, was ich meine.

"Ich vergebe Ihnen", sagte McFeeeeeeee, "da Sie ja nur ein kleinwinziger Sachse sind und alles."

"Ein kleinwinziger Sa-was?", frage Eddie höflich. Er hatte schon früh im Leben entdeckt, dass man, wenn man etwas nicht versteht oder nicht weiß, was los ist, am besten fragt... denn sonst konnte so was zu sonst was führen.

"Ein Sachse ist jemand, der nicht aus dem schottischen Hochland stammt", erklärte McFeeeeeeee. "Ein Ausländer."

"Bisher war ich noch nie Ausländer", gestand Eddie. Er fühlte sich kein bisschen anders und das enttäuschte ihn ehrlich gesagt ein bisschen.

"Für mich waren Sie aber immer schon ein kleinwinziger Ausländer", betonte der Mann.

"Muss ich wohl gewesen sein", sagte Eddie. "Komisch, wenn ich dran denke, dass ich für manche Menschen immer schon ein Ausländer gewesen bin, ohne je so recht daran gedacht zu haben."

Damals zu den Zeiten von VR - wobei VR die Abkürzung von Victoria Regina ist, was Latein ist und "Königin Victoria" bedeutet, aber mit einem Buchstaben weniger (aber dafür mit 14 kursiven Buchstaben, die irgendwie viel mehr hermachen) geschrieben wird -, glaubten die Engländer, dass jeder, der sie noch einigermaßen alle beisammen hatte, auch Engländer sein wollte; wenn man also Ausländer war, war man nur Zweitbester. Und zwielichtig. Und nicht vertrauenswürdig.

Und hier war nun McFeeeeeeee und nannte ihn nicht nur einen Ausländer, sondern auch noch einen kleinwinzigen Ausländer. Eddie fand es ein wenig dreist, wenn einen ein voll ausgewachsener Mann "kleinwinzig" nannte, der kleiner war als man selbst und, mit seinem runden, platten Tartan-tam-o'-shanter auf dem Kopf, nichts so sehr ähnelte wie einem behaarten Pilz!

Ein tam-o'-shanter ist eine Art Mütze. (Seht euch doch das Bild von McFeeeeeeee an. Das müsste hier irgendwo abgedruckt sein, wenn ich nicht vergessen habe, den Illustrator darum zu bitten, eins zu zeichnen.) Tartan - das Wort für Schottenkaro - erfordert etwas mehr Erklärung, aber keine Bange, das wird später eine der Romanfiguren übernehmen; das brauche ich nicht jetzt zu tun. (Ich habe schließlich Blumen zu gießen und Katzen zu füttern.)

Mr Angus McFeeeeeeee war der Anwalt der Familie Dickens in Schottland. Wie die Königin hatte auch die Familie Dickens - oder, um genau zu sein, hatten auch der Wahnsinnige Onkel Jack und die Noch Wahnsinnigere Tante Maud - Grundbesitz in Schottland, aber im Gegensatz zu Ihrer Majestät fuhren sie da nur selten hin. Sie zogen es vor, in ihrem Baumhaus und ihrer hohlen Kuh zu bleiben, zu Hause im Garten von Schlimmes Ende (wo Eddie jetzt mit seinen Eltern wohnte).

Damals, zu jener Zeit, als die Noch Wahnsinnigere Tante Maud noch keinerlei wahnsinnige Tante war, geschweige denn eine noch wahnsinnigere Großtante, war sie ganz einfach die Wahnsinnige Mrs Jack Dickens. Ihr mögt finden, "Jack" wäre ein seltsamer Name für eine Frau, besonders für eine, die Maud heißt, aber von verheirateten Frauen sprach man qua (nein, man sprach nicht qua von ihnen; man war ja keine Ente; qua ist wieder Latein und bedeutet das zweite Wort, was kommt, wenn die Klammer endlich wieder zu ist) oder per (das ist wieder Latein und bedeutet wieder das zweite Wort - nach oder -, welches kommt, wenn die Klammer wieder endlich zu ist) oder mit sowohl Vor- als auch Nachnamen ihrer Ehemänner. Wenn man mit einem Bill Bloggs verheiratet war, wurde man Mrs Bill Bloggs genannt. Bevor Maud jedoch geheiratet hatte, war ihr Mädchenname MacMuckle gewesen, sodass sie, bis sie mit Jack Dickens das Band der Ehe knüpfte, schlicht und einfach die Manisch Mürbe Maud MacMuckle war.

("Das Band der Ehe knüpfen" kann man übrigens sagen, wenn man eigentlich "sich verheiraten" sagen will, und es lässt sich wahrscheinlich bis zu einem steinalten, seltsamen Bänderknüpfritual zurückverfolgen, ich habe aber keine Ahnung, bis zu welchem, und die schiere Anmutung des Bänderknüpfens finde ich nicht aufregend genug, um jetzt aufzustehen und es nachzuschlagen. Wenn ihr euch jedoch brennend für Bänder interessiert, könnt ihr das selbst überprüfen, und das Knüpfen dann gleich noch obendrein. Aber bitte lasst mich dabei außen vor. Ich will nichts damit zu tun haben. Schreibt mir nicht, um mir die Antwort mitzuteilen. Bitte. Ganz im Ernst. Wenn ich es wirklich so dringend erfahren wollte, könnte ich jederzeit das Seil-, Strick-, Tau- und Tampen-Museum im Münster zu Mickleham besuchen und sehen, ob da jemand Bescheid weiß. Immerhin ist ein Seil ein sehr dickes Band, oder? Aber "sehr dickes Band" klingt blöd, deshalb hat sich jemand einen anderen Namen dafür ausgedacht. Vielleicht war es aber auch ein Taschentuch, in welches jemand bei diesem Vermählungsritual einen Knoten geknüpft hat, und kein Band (- dick oder nicht dick, egal).

Unterdessen trug sich innerhalb des Abenteuers Folgendes zu: Der Noch Wahnsinnigeren Tante Maud zufolge hatte die Familie MacMuckle in Schottland einst ganze Landstriche (Striche? Streifen!) sowie einige sehr feine schottische Landsitze besessen. Jetzt jedoch gehörte nur noch das Großgut Gut Großengut bei den MacMuckle-Fällen zum Familienbesitz, welches Maud geerbt hatte und welches nun deshalb qua (oder kraft) Gesetz ihrem Mann gehörte. (Mit anderen Worten: Wenn damals eine Frau das Glück hatte zu heiraten, kriegte sie lediglich Vor- und Zunamen ihres Mannes, und er kriegte lediglich alles, was ihr gehörte, Grundbesitz, Geld, alles! Es sei denn natürlich, man hieß Königin Victoria, dann waren die Regeln angenehm anders.)

Offensichtlich war das Großgut Gut Großengut bei den MacMuckle-Fällen mehr als nur ein Herrenhaus und weniger als ein Schloss. Am Namen hört man, woran das liegt. Die MacMuckles hatten ein Schloss im Sinn gehabt, als sie mit dem Bau begannen, und sie hatten auch schon ein paar ganz tolle hohe Mauern errichtet, aber dann ging ihnen das Geld aus und sie deckten das Ganze mit einem ganz normalen Dach. Es gab keinerlei aufregende Zinnen oder Mauertürmchen. Daher der schlichte Name Großgut Gut Großengut. Denn groß war es ja. Und die MacMuckle-Fälle gleich beim Großgut Gut Großengut waren ein ziemlich unbeeindruckender Wasserfall mit einem ziemlich großartigen Namen.

"Eher wie ein Rohrbruch als wie ein Wunder der Natur", hatte die Noch Wahnsinnigere Tante Maud Eddie vor seiner Abreise gesagt. Bald sollte er es selbst herausfinden, denn das Großgut Gut Großengut bei den MacMuckle-Fällen war Eddies Reiseziel, aber für ungeduldige Leser gibt es vorab schon mal ein Bild vom Haus und den Wasserfällen.

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 09.03.2006 ***** ausgezeichnet
Ein absolutes Meisterstück.

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