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Bewertung von Eva L. aus Osnabrück am 06.11.2011 |
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Nicht nur äußerlich gleicht „Memory – Stadt der Träume“ seinem Vorgänger beim Arena- Verlag, auch das Grundgerüst der Geschichte erinnert sehr an „Heaven – Stadt der Feen“. Ein Junge findet ein Mädchen, das ein übersinnliches Problem hat, eine wilde Jagd durch London beginnt und endet in einem Showdown. Das war es dann aber auch schon mit den Ähnlichkeiten. In „Memory“ wagt sich Christoph Marzi in die Zwischenwelt zwischen Leben und Tod, die Welt der Geister, die an ihrem sterblichen Leben festhalten. Hauptschauplatz des Buches ist daher der Highgate Cemetery, der wohl bekannteste von sieben viktorianischen Friedhöfen rund um den Londoner Stadtkern, auch die Glorreichen Sieben (Magnificent Seven) genannt. Dorthin zieht es Jude Finney, den Jungen, der Geister sehen kann, immer wieder, und er erlebt allerlei Abenteuer mit den Geistern berühmter und weniger berühmter Verstorbener. Man erfährt viel Interessantes über Highgate und die anderen Friedhöfe, aber auch über Geister. Damit hält sich die Geschichte phasenweise über Wasser, denn die eigentliche Handlung um Jude und Story, das Mädchen ohne Erinnerungen, hat durchaus ihre Längen. Auch sind die beiden keine Charaktere, mit denen man ohne Probleme warm wird. Lediglich Miss Rathbone ist eine Figur, die man vom ersten Augenblick ins Herz schließt. Neben den spannenden Informationen über die Friedhöfe Londons kann „Memory“ vor Allem durch den wundervollen, beinahe schon poetischen Schreibstil des Autors überzeugen. Er verpackt das, was er sagen will, in schöne Worte, ohne dabei ins Lächerliche oder Übertriebene abzugleiten. „Story und Jude lauschten gebannt den Worten, die ihnen geschenkt wurden. Denn das gehörte sich so, wenn jemand auf dem Friedhof eine alte verstaubte Geschichte mit jemandem teilte. Geschichten, das wusste Jude, waren wertvoll, denn sie halfen einem, die Welt zu verstehen.“ (S. 93) Mit „Memory“ erfindet Christoph Marzi das Rad sicherlich nicht neu, aber es gelingt ihm, den Leser permanent bei der Stange zu halten – wenn nicht mit der Geschichte, dann mit interessanten Informationen oder schönen Worten. Wer „Heaven“ mochte und ein wenig Interesse für die Geschichte der Londoner Friedhöfe aufbringen kann, wird an diesem Buch sicherlich Gefallen finden, ebenso wie alle anderen Leser, die sich für Urban Fantasy begeistern können. |
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Bewertung von http://gottagivethembooks.wordpress.com am 26.09.2011 |
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Als der mausgraue Junge begann Geister zu sehen, veränderte sich sein Leben und als er auf dem Highgate Cemetery, einem der ältesten Friedhöfe Londons, eines Nachts ein geheimnisvolles Mädchen findet, das zwar ein Geist ist, aber dennoch ganz anders, beginnt ein Abenteuer, das er sich in seinen wildesten Träumen nicht hätte ausmalen können. Das Mädchen, das nichts besitzt, nicht einmal mehr einen eigenen Namen, nennt er Story und die beiden machen sich auf die Suche nach ihrer Geschichte, die nicht erst am Anfang des Buches beginnt und auf der letzten Seite noch längst nicht zu Ende ist. “Die Stunde, als das Mädchen ohne Namen seine Geschichte verlor, war die letzte des Tages. Die Nacht aber, in deren gläsernem Gewand diese Stunde schlug, schien der Anfang von allem zu sein.”… So beginnt der Prolog dieses Buches und gleich nach diesen beiden ersten Sätzen war ich zurück in Christoph Marzis Welt. Sogleich war ich gefangen in seinem fast märchenhaften Erzählstil und einmal mehr hat er mich für die Zeit der Lektüre aus meiner eigenen Welt entführt in sein London, das mir seit Lycidas eine literarisch zweite Heimat geworden ist. Die Atmosphäre ist so wundervoll und was ihm bereits in Heaven – Stadt der Feen gelungen ist, nämlich die Wiedergeburt des Lycidas-Londons, ist ihm auch hier wieder wahrlich meisterhaft geglückt. Man sieht in Gedanken Emily Laing und Wittgenstein immer zwei Straßen weiter in die Uralte Metropole hinabsteigen und wartet nahezu darauf, dass eine Trafalgar-Taube, natürlich eine halberfrorene, vor dem Fenster sitzt. Marzis Schreibstil und seine Art, selbst in einer Geschichte wie dieser, die im Hier und Jetzt spielt, ein fast viktorianisches London zu beschreiben, ist wie eine Hommage an Charles Dickens, den er auch als eines seiner größten Vorbilder benennt. Wie bereits in seinen vorherigen Romanen gelingt es dem Autor auch in Memory seinen Protagonisten mit wenigen Sätzen einen unverwechselbaren Charakter zu schenken, der dem Leser sofort ein Gefühl für den fiktiven Menschen hinter dem Namen gibt. Seine Antagonisten umgibt eine Düsternis, die Gänsehaut verursacht und im Zusammenspiel mit den großartigen Schauplätzen, die nicht passender gewählt sein könnten, eine so beklemmende Düsternis, dass einem die Haare zu Berge stehen. Einmal mehr bin ich von Christoph Marzi hingerissen. Einmal mehr will ich es gar nicht verlassen – sein London. Einmal mehr bleibe ich zurück mit dem Gefühl eines Verlustes. Ich wünsche mir von Herzen, dass Marzi sie noch alle erzählen wird, die Geschichten, die ihm diese unglaubliche Stadt zuflüstert, die schönen und die traurigen, die romantischen und die unglaublichen. Hoffentlich ist es bald wieder soweit. Hoffentlich ist bald wieder Storytime. Denn dann werde ich wieder verreisen – in die Stadt von Dickens und Marzi. Zitate: “Eine Geschichte, wovon immer sie handeln mag, ist nur so gut, wie sie erzählt wird”, gab Gaskell zu bedenken. “Das haben gute Geschichten mit guten Rocksongs gemeinsam.” (Seite 80) Story und Jude lauschten gebannt den Worten, die ihnen geschenkt wurden. Denn das gehörte sich so, wenn jemand auf dem Friedhof eine alte verstaubte Geschichte mit einem teilte. Geschichten, das wusste Jude, waren wertvoll, denn sie halfen einem, die Welt zu verstehen. Sie lenkten von den wirklich schlimmen Dingen ab und manchmal, in den besten Fällen, ließen sie Hoffnung aufkeimen. (Seite 93) Dann überließ er sich der Melodie, die gerade zu ihm kam, und half ihr, sich zu entfalten. Er spürte das Lied, das in ihm geschlummert hatte, nannte es in Gedanken, die kaum mehr als eine Ahnung waren, Storytime. Die Melodie war schlicht und gleichzeitig elegant, sie begann langsam wie ein Lächeln und steigerte sich zu einem Tanz, zu dem man ein junges Mädchen auffordert, das nicht wie die anderen ist. Judes Finger streiften die Saiten und das Lied, das er nie zuvor gehört hatte, floss ins Licht des Zimmers und verharrte dort, auch noch als es längst verklungen war. (Seite 200) |
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