Über die Alpen - Prinz, Martin
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Martin Prinz 

Über die Alpen

Von Triest nach Monaco - zu Fuß durch eine verschwindende Landschaft

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Über die Alpen

"Prinz' raffinierte und gelungene Talentprobe ... erinnert in ihren besten Passagen an den frühen Handke." -- Hans Christian Kosler, Neue Zürcher Zeitung über "Der Räuber"

Der packende Erfahrungsbericht einer AlpenüberquerungZu Fuß auf dem Roten Weg durch die Alpen - das ist immer noch eines der großen Abenteuer im Herzen Europas. Martin Prinz machte sich im Juni 2008 in Triest auf, um in 161 Tagesetappen 2500 Kilometer bis nach Monaco zu wandern. Allein überquerte er mehrmals den Alpenhauptkamm, passierte 44-mal nationale Grenzen, stieg bis ins hochalpine Stockwerk - Witterung und Unwägbarkeiten ausgesetzt. Im persönlichen Erleben öffnet sich eine Welt, die vom Menschen als Kulturlandschaft einst zugänglich gemacht wurde, doch heute weit schneller verschwindet, als es unser Blick auf das größte Fremdenverkehrsgebiet der Erde wahrhaben will. So führt diese Reise in eine Wirklichkeit, deren Erzählung den Leser ebenso wie den Wanderer nicht loslässt.


Produktinformation

  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 461 S., 37 Farbfotos auf Taf.
  • Seitenzahl: 464
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 146mm x 43mm
  • Gewicht: 686g
  • ISBN-13: 9783570010532
  • ISBN-10: 3570010538
  • Best.Nr.: 27947582

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Christian Jostmann hat zwei Alpen-Reisebücher gelesen, die ihm beide nicht wirklich gefallen haben, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Martin Prinz, ehemaliger Skilangläufer des österreichischen Nationalteams, ist als Berufsschriftsteller von Triest nach Monaco unterwegs und lässt keinen Augenblick vergessen, dass seine Alpenwanderung "Arbeit" ist, konstatiert der Rezensent. Dabei zeigt sich Prinz nicht als einsamer Wanderer auf Selbstfindung, sondern ist rundum vernetzt, kommuniziert per E-Mail mit der Exfreundin und schreibt für Zeitung und Weblog, so Jostmann, auf den das Ganze einen ziemlich "gehetzten" Eindruck macht. Die darunter gemischten Reflexionen über die Zerstörung der Alpen durch Industrialisierung und Tourismus sind dann ihrerseits so mühsam zu lesen, dass das Ganze auch für die Leser in Arbeit ausartet, meckert der Kritiker, der sich außerdem fragt, ob der "Aufwand" vom Ergebnis gerechtfertigt wird.

© Perlentaucher Medien GmbH

"'Über die Alpen'ist eine empfindsame Bestandsaufnahme der Alpen als Kulturlandschaft, auf leichte und genaue Weise erzählt, Erlebnisse, Geschichten und Fakten zu einem großen Reisebuch verschnürt."

"'Über die Alpen'ist eine empfindsame Bestandsaufnahme der Alpen als Kulturlandschaft, auf leichte und genaue Weise erzählt, Erlebnisse, Geschichten und Fakten zu einem großen Reisebuch verschnürt."
Martin Prinz, Jahrgang 1973, in Lilienfeld (Niederösterreich) aufgewachsen und aus einer Bergsteigerfamilie stammend, lebt als Schriftsteller in Wien. Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik. Neben seinen Romanen schreibt Martin Prinz regelmäßig Reiseberichte und Reportagen für die Tageszeitung.

Leseprobe zu "Über die Alpen" von Martin Prinz

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Leseprobe zu "Über die Alpen" von Martin Prinz

Dahinter der weiße Berg (S. 317-318)

Ich weiß nicht, wie ich weiterging. Doch, ich weiß es genau. Indem es nicht mehr weiterging, indem ich in Leukerbad ankam und nicht bleiben konnte. Rundum ragten Berge in einen blauen Himmel. An jedem zweiten Haus flatterten Fahnen mit dem Schweizerkreuz. Und ich sah in all den Leuten nur die jungen Väter mit ihren Kindern an der Hand, sollte jedoch am nächsten Tag eine Zeitungsgeschichte darüber schreiben, was nicht nur in Alpentälern fehlte, sondern im Heute, wollte nur mit dem Heute nichts mehr zu tun haben und fand immer weniger aus ihm heraus. So geht es nicht weiter, schrieb ich ins Notizbuch.

Ich sitze da, rundum ragen Berge in einen blauen Himmel. An jedem zweiten Haus flattern Fahnen mit dem Schweizerkreuz. Und ich sehe in all den Leuten nur die jungen Väter mit ihren Kindern an der Hand… Irgendwie entdeckte ich, dass vom Olympiazentrum Leukerbad eine Zeitmessstrecke auf den Gemmi-Pass führte. Neunhundertsechzig Höhenmeter auf 3,6 Kilometer. Über den Gries-Pass war es ein Drittel der Höhenmeter gewesen, ich hatte eine halbe Stunde gebraucht. Wer aber den Gemmi-Pass schneller als in eineinviertel Stunden schaffte, bekam nicht nur ein kostenloses Ticket mit der Gondelbahn zurück ins Tal, sondern auch freien Eintritt ins Bürgerbad. Ich wollte und brauchte beides nicht.

Ich wollte nur weg und nahm die Strecke in horrendem Tempo in Angriff. Vielleicht schaffte ich sie in einer Stunde und zehn Minuten. Nach zwanzig Minuten, und bereits im Steilen, wurde ich von einer Frau überholt. Trotzdem lag ich noch im Zeitrahmen und hörte unter mir in der Wand Männerstimmen, tiefe, tierische Männerstimmen. Kaum fünf Minuten später keuchte der erste der Männer an mir vorbei. Und angesichts seiner Statur zählte auch das stille Argument, wie schwer mein Rucksack war, nichts mehr. Denn diese russischen Eishockeyspieler, die offenbar im Olympiazentrum trainierten, wogen mindestens so viel wie ich mit zwei Rucksäcken.

Wie ging es weiter? Ich blieb stehen. Neben mir ließ sich einer der russischen Männer nieder. Unter uns und über uns tiefe Stimmen, Anfeuerungen. So ging es nicht weiter. Auf den Gemmi-Pass. Eineinhalb Stunden. Berghotel Schwarenbach, eine Dreiviertelstunde. Abend. Morgen, und ein nächster Tag, an dem ich eine Geschichte über das Glück schrieb. Über ein Glück, von dem ich einmal meinem Kind erzählen wollte. Ganz gleich, wie lange es bis dahin dauerte. So ging es weiter. Vom Berghotel Schwarenbach nach Adelboden. Ich wusste nicht, wie. Doch ich musste es nicht wissen, es ging.

Von Adelboden nach Lenk. Über mir schwebten die Gondeln einer auch im Sommer betriebenen Seilbahn ins Gilbachtal hinein. Die Leute schauten zu mir herunter, ich schaute zu ihnen hinauf. Und wenn es in einem Zitat Teresa von Ávilas hieß, der böse Feind flöße uns manchmal das Verlangen nach großen Dingen ein, damit man sich nicht mehr nach dem Möglichen bemühe, sondern sich zufriedengebe, mit dem Verlangen nach dem Unmöglichen, so war ich nicht in Gefahr.

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