Reportage Mexiko - Burghardt, Peter

Peter Burghardt 

Reportage Mexiko

Der Heiland und die Drogenbarone

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Reportage Mexiko

Mexiko, weltweit das Land mit der größten spanischsprachigen Bevölkerung, faszinierte Peter Burghardt seit seinem ersten Besuch. Die Fülle an Themen, die das Land bereit hält, erklärt sich schon aus der mexikanischen Geschichte, der alten bis zurück zu den Azteken, und der neueren mit dem Ende des PRI-Regimes. Und aus der Lage zwischen den USA im Norden und Guatemala im Süden, Industrienation und Schwellenland. Mehr als die kunsthistorischen Betrachtungen aus Reiseführern interessieren den Korrespondenten dabei politische Umwälzungen und soziale Gegensätze. Burghardt beschreibt hier Carlos Slim, einen der reichsten Menschen der Welt, und dort einen Gottesdienst für Müllsammler. Er schildert den Krieg ums Rauschgift, der selbst Kolonialstädte erreicht hat. Den Drogenheiligen von Culiacán und die bizarre Macht der Kartelle. Die rätselhaften Frauenmorde von Ciudad Juárez. Die gespielte und echte Flucht über die Grenze in die Vereinigten Staaten von Amerika. Den geheimnisvollen Subcomandante Marcos und religiöse Riten der Indios im armen Chiapas. Er besucht Trotzkis Enkel und steigt hinab in die Höhlen der Hutmacher im feucht-heißen Yucatán.


Produktinformation

  • Verlag: Picus Verlag
  • 2009
  • 1. Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 154 S.
  • Seitenzahl: 154
  • Picus Reportagen
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 116mm x 22mm
  • Gewicht: 245g
  • ISBN-13: 9783854529620
  • ISBN-10: 3854529627
  • Best.Nr.: 26371652
Peter Burghardt, geboren 1966 in München, berichtet nach dem Studium der Politischen Wissenschaften und einem Abstecher in die »SZ«-Sportredaktion seit den neunziger Jahren für die »Süddeutsche Zeitung« aus Lateinamerika, seit 1999 als Korrespondent. Zunächst mit Schwerpunkt Spanien und Sitz in Madrid, nun in Buenos Aires über die Länder zwischen Rio Grande und Feuerland. In Mexiko war er seit 1994 nahezu jedes Jahr.

Leseprobe zu "Reportage Mexiko"

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Leseprobe zu "Reportage Mexiko" von Peter Burghardt

Der Tiger sitzt in jedem Wohnzimmer (S. 107-108)

Wie der Konzern Televisa die Medienlandschaft beherrscht

Das zeitgenössische Mexiko hat Attraktionen, die man nicht verpassen darf. Sie heißen »Atrévete a soñar« (Trau dich zu träumen), »En nombre del amor« (Im Namen der Liebe), »Verano de amor« (Liebessommer), »Un gancho en el corazón« (Ein Haken im Herzen), »Mañana es para siempre« (Morgen ist für immer) und »Alma de hierro« (Seele aus Stahl). Die Geschichten laufen in Kapitel 18, 133 oder 59 auf Canal 2, der inzwischen den himmlischen Titel Canal de las Estrellas trägt, Sender der Sterne. Es sind Werke von hintergründiger Dramatik.

Bei »En nombre del amor« geht es grob umrissen um zwei schon reifere Schwestern namens Macarena und Carlota, die sich tragischerweise in denselben Mann verliebt haben, sowie um die Eifersuchtsdramen der Teenager Paloma und Romina. Bei den vierzigminütigen Folgen sitzen allein in der Zwanzig-Millionen-Hauptstadt von jeweils hundert Fernsehbesitzern teilweise vierzig und mehr vor der Glotze. Solche Quoten werden die Erfinder von Televisa beruhigen. Der größte Medienkonzern des spanischen Sprachraums ist stets auf der Hut, weil die Konkurrenz von TV Azteca immer wieder mit ähnlich anspruchsvollen Seifenopern wie »Secretos del alma« (Geheimnisse der Seele) dagegenhält. Außerdem gilt es, eine Tradition zu wahren.

Seit Jahrzehnten versorgt Televisa sein Publikum mit möglichst anspruchsloser Unterhaltung – mittlerweile lösen sich die Telenovelas im Stundentakt ab, und auf den übrigen Frequenzen werden bevorzugt Klatsch, Klamauk und Comics in die Wohnzimmer gefunkt. So sorgt der Sender mit einem Marktanteil von teilweise mehr als achtzig Prozent dafür, dass das Fernsehgerät das mit Abstand beliebteste Freizeitobjekt der Republik bleibt. Intellektuelle Kreise halten das für Volksverblödung, eine besonders beliebte Telenovela trug den passenden Titel »Las tontas no van al cielo« (Die Dummchen kommen nicht in den Himmel). Unerträglich sei das mexikanische Fernsehen, schimpften Träger der nationalen Wissenschafts- und Kunstpreise.

Doch Kritiker haben keine Chance. Das Programm gelte dem einfachen Volk, verkündete der 1997 verstorbene Televisa »El tigre«, der Tiger. Es sei »eine Verpflichtung, die Leute aus ihrer tristen Wirklichkeit zu befreien«. Vor allem deshalb, weil es ein fantastisches Geschäft ist. Don Emilio drang auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt zwischenzeitlich bis auf Platz neununddreißig vor. Sein Sohn und Nachfolger Emilio Fernando Azcárraga Jean, Jahrgang 1968, wird mit einer Milliarde Dollar immerhin noch auf Rang siebenhunderteins geführt. Er übernahm Televisa im Alter von neunundzwanzig, die Familienschöpfung wuchs derweil zum internationalen Giganten mit mehr als zweihundert Tochterfirmen, zwanzigtausend Angestellten und einem Marktwert von mindestens elf Milliarden Dollar.

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