Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension
Eine Frau, die sagt was sie denkt und schreibt was sieht, das fasziniert Klaus Bittermann an der großen Kriegsreporterin Martha Gellhorn. Von Spanien bis Vietnam hat sie fast alle Kriegsschauplätze des 20. Jahrhunderts bereist. Die anderen Sitten in den fremden Ländern zu akzeptieren, war für die großbürgerlich aufgewachsene Gellhorn nicht immer einfach, und diese Gegensätze kommen bei ihr auch unverblümt zur Sprache. Gegensätze verbanden sie auch mit ihrem Reisebegleiter Ernest Hemingway, mit dem sie einige Jahre verheiratet war. "Martha liebt die Menschheit, aber sie kann Menschen nicht ertragen" , zitiert Bittermann Hemingway. Die Berichte von ihren "Höllenfahrten" sind für Bittermann keine trockenen Schlachtfeldberichte, sondern gute Literatur - so rücksichtslos wie unterhaltsam.
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"Martha Gellhorn zögert niemals - ob es nun um eine Safari geht oder um ein ausgedehntes Inselhüpfen durch die Karibik in einem ramponierten Segelschiff -, sich Einheimischen anzuvertrauen; die schwülen Ängste, die man mit dunkler getönter Haut verbinden mochte, waren ihr fremd." (Neue Zürcher Zeitung)
 | Besprechung von 15.03.2011 |
Das Beste
vom Schlimmen
Die fünf Schreckenstouren
der Martha Gellhorn
„An der großen Pyramide hat dich das Kamel abgeworfen, und du hast
dir ein Bein gebrochen? – Das hört man gern.“ Was die amerikanische
Autorin und Journalistin Martha Gellhorn am Reisen noch mehr
verabscheute als Strapazen und Notsituationen, war die Langeweile.
Und als noch ärger empfand sie die Langeweile aus zweiter Hand:
Weniges sei ermüdender, als den Schilderungen eines Reisenden
zuzuhören. Da rede man besser noch übers Wetter. Es sei denn, der
Reisende könne von einem Unglück berichten; in diesem Fall sei ihm
die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer gewiss.
Martha Gellhorn ist die meiste Zeit ihres Lebens gereist, mal als
Kriegsreporterin, mal als bloße Abenteurerin. So ist sie als knapp
Dreißigjährige Ernest Hemingway, dessen dritte Ehefrau sie in den
Jahren des Zweiten Weltkriegs war, 1937 in den Spanischen
Bürgerkrieg gefolgt. Sie hat aus dem japanisch besetzten China
berichtet, von den Weltkriegsausläufern in der Karibik und – als
75-Jährige – über den Bürgerkrieg in El Salvador. Über vieles hat
sie geschrieben von unterwegs, aber kaum übers Reisen an …
"Eins der besten Reisebücher der Welt ... Immer geht schief, was schiefgehen kann, und Martha Gellhorn gibt alles zu. Scharfzüngig, witzig, selbstironisch, kein bisschen bemüht um Ausgewogenheit oder politische Korrektheit, sondern streng subjektiv und rücksichtslos ehrlich - auch und vor allem gegen sich selbst. Eine bewundernswerte und, in diesem Fall, hoch amüsante Eigenschaft. Wahrscheinlich ist egal, worüber diese Heldin schreibt, man möchte es schon wegen ihres Stils lesen: Präzise, absolut auf den Punkt, klar, uneitel." Antje Deistler, WDR 2 "Martha Gellhorn war eine so schöne und kluge wie verwegene Frau. ... Sie berichtet von fünf Fahrten, die sie nach China und Afrika, in die Karibik, nach Russland und Israel führen. Es sind ¿Höllenfahrten¿, wie es im Untertitel heißt, und doch erzählt sie mit dem ihr eigenen trockenen Witz: politisch erfrischend, zuweilen verwerflich unkorrekt, stets unbekümmert und in jeder Hinsicht tollkühn. ... Martha Gellhorn liebt den saloppen Ton. In ihren Reiseerzählungen pflegt sie ihre Naivität, ihre brüsken Urteile. Und sie tut es gekonnt. Zu unserem Vergnügen." Gabriele von Armin, Deutschlandradio Kultur "Madame Hemingway III. - Martha Gellhorn war Hemingways dritte Frau. Sie folgte ihm in den Spanischen Bürgerkrieg, war Reporterin und süchtig nach fremden Ländern. In Reisen mit mir und einem Anderen erzählt sie von ihren ¿Fünf Höllenfahren¿ - zum Beispiel nach China, 1941: ¿Zu dieser Superschreckensreise beschwatzte ich einen Unwilligen Begleiter, nachstehend bezeichnet als UB, der keineswegs dahin wollte.¿ UB ist Hemingway, und es macht mächtig Spaß, das alte Raubein mal ganz anders zu sehen." Angela Wittmann, Brigitte "Martha Gellhorn erzählt aus einer Welt in Zeiten des postkolonialen Umbruchs - unterhaltsam, amüsant und mit verblüffender Detailkenntnis." Die Zeit "Sie reist und reist und kommt nicht zur Ruhe. Martha Gellhorn, die smarte Kriegsreporterin, erweist sich auf den Reisen mit mir und einem Anderen (der ist ihr kurzzeitiger Gatte Ernest Hemingway) als passioniert Unzufriedene. Wie eine verwöhnte frühe Pop-Prinzessin begeht sie ihr Festival des Missvergnügens von 1941, mitten im japanisch-chinesischen Krieg, bis zu einem kuriosen Besuch in Moskau 1972. Das ist hingebungsvolles Gemaule, gespickt mit absurden Irrtümern, ein maliziös-elegantes Schimpfen auf Gott, die Welt und auch sich selbst." Helge Hopp, stern "Reisen mit mir und einem Anderen ... ist nun allerdings nicht nur ein Atlas der Misshelligkeiten, sondern auch ein manchmal brüskierend ehrliches Selbstporträt. ... Das Unbehagen an den Menschen ist nachgerade eine Konstante in diesem Buch; Gegenentwurf dazu ist die imaginierte afrikanische Ideallandschaft, die Gellhorn 1962 zu einer großen Reise quer durch den Kontinent verlockt. ... Die Unbekümmertheit, mit der sich Gellhorn dieses Debakel einbrockte, steht für eine Eigenschaft, die ihre manchmal schwer erträgliche Überheblichkeit gegenüber Nichtweißen etwas relativieren kann. Sie zögert niemals - ob es nun um eine Safari geht oder um ein ausgedehntes Inselhüpfen durch die Karibik in einem ramponierten Segelschiff -, sich Einheimischen anzuvertrauen; die schwülen Ängste, die man mit dunkler getönter Haut verbinden mochte, waren ihr fremd." Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung
Martha Gellhorn, 1908 geboren in St. Louis/Missouri begnete Hemingway 1936 in Key West; ab 1937 waren sie in Spanien, 1940 folgte die Heirat (Martha war seine dritte Ehefrau). Robert Capa hat die Hochzeit für das "Life"-Magazin verewigt. Martha Gellhorn war Kriegsreporterin: Spanien im Bürgerkrieg, Prag vor dem Einzug der Deutschen, Finnland beim Einmarsch der Roten Armee, das KZ Dachau kurz nach der Befreiung. Später erlebte sie die Gewaltorgien in Vietnam, im Nahen Osten, in Mittelamerika.
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