Lesereise Israel - Yaron, Gil

Gil Yaron 

Lesereise Israel

Party, Zwist und Klagemauer

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Lesereise Israel

Israel, die Wiege der drei monotheistischen Religionen, ist nicht bloß einer der unruhigsten Orte der Welt, sondern auch ein lebendiger, jugendlicher Mikrokosmos, in dem Moderne und Tradition, Abendland und Morgenland mit- und nebeneinander bestehen.Ein arabischer Siedler, humorvolle ultraorthodoxe Juden und ein israelischer Elitesoldat, der für einen Palästinenserstaat demonstriert, sind einige der Beispiele dafür, wie Gil Yaron mit verbreiteten Stereotypen über Israel aufräumt. Stein für Stein zeichnet der Autor ein facettenreiches, farbenfrohes Mosaik dieser vielschichtigen Gesellschaft. Die Reise führt von den idyllischen Bergen Judäas bis in die stickigen Bars von Tel Aviv, von Krisenherden zu puderweißen Mittelmeerstränden, von sinnenfreudigen Restaurants ins puritanische Land der Bibel. Mit satirischen Anekdoten, Porträts und historischen Rückblicken meißelt Yaron das Tiefenrelief eines Landes, in dem steter Wandel und heftige Debatten die einzigen Konstanten bilden. Kuriose Einblicke in den Ausnahmezustand, den die Bewohner Israels ihren Alltag nennen, wecken Neugier und Verständnis für einen Staat, der auch dreiundsechzig Jahre nach seiner Gründung noch immer um seine Identität und sein Überleben ringt.


Produktinformation

  • Verlag: Picus Verlag
  • 2011
  • 1., Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 132 S. 205 mm
  • Seitenzahl: 132
  • Picus Lesereisen
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 113mm x 20mm
  • Gewicht: 218g
  • ISBN-13: 9783854529897
  • ISBN-10: 3854529899
  • Best.Nr.: 32653414
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.02.2012

Lauter Mosaiksteinchen

Es haben schon viele versucht, das Phänomen Israel zu erklären: große Dichter und kleine Schriftsteller, solche, die nur einmal kurz vorbeischauten, Philosophen und sogar Humoristen vom Kaliber eines Ephraim Kishon. Vollständig gelungen ist es niemandem, und wahrscheinlich ist es auch nicht möglich, das Land in all seinen bunten und verwirrenden Facetten zu umschreiben, denn es ist zu heterogen, zu sehr den politischen Spannungen ausgeliefert und von innen wie von außen zu kontroversen Positionen ausgesetzt. Deswegen ist es von Gil Yaron - in Haifa geboren und in Düsseldorf aufgewachsen - sicher ein geschickter Schachzug, gar nicht erst eine Gesamtschau zu versuchen, sondern Israel gewissermaßen in Kleinteile zu zerlegen - durch zwanzig Geschichten, aus denen sich der Leser sein eigenes Mosaik zusammenbasteln kann. Dass so ein annähernd komplexes Bild entsteht, darf man allerdings bezweifeln. Vieles bleibt an der Oberfläche, vor allem deshalb, weil der Autor zu oft seine eigene Meinung durch Statements anderer ersetzt - etwa durch den Politologen Wadie Abunassar, die arabische Israelin Naifa T., den radikalen Siedler Jigal Brand. …

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Dr. Gil Yaron, Arzt und Journalist, wurde in Haifa (Israel) geboren, verbrachte seine Jugend in Deutschland, studierte in Israel und in den USA und ist heute Nahost-Korrespondent für zahlreiche deutschsprachige Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsender.

Leseprobe zu "Lesereise Israel" von Gil Yaron

Toskana im Wilden Westen (S. 73-74)

Jenseits der Grenzanlagen im Westjordanland leben Hunderttausende israelische Siedler. Manche sehen sie als das größte Hindernis auf dem Weg zum Frieden


Friedlich rascheln die Zweige der grünen Olivenhaine auf den sanft rollenden Hügeln, die seit Menschengedenken bebaut werden. Ortsnamen wie Schilo – einst das religiöse Zentrum der Israeliten – inspirieren Bibelromantik. Das Mittelmeer, das im Hintergrund unter der heißen Mittagssonne schimmert, ließe Ferienstimmung aufkommen, wären da nicht die Wachtürme, der Stacheldraht und die Armeepatrouillen, die den Besucher in die politische Gegenwart des Nahen Ostens katapultieren. Willkommen in einem der wichtigsten Brandherde des Nahostkonflikts: Palästinenser nennen das 1967 von Israel eroberte Gebiet, das doppelt so groß ist wie das Saarland, das Westjordanland. Sie wollen hier ihren eigenen Staat errichten und fordern deswegen den Abzug der rund dreihunderttausend Israelis, die sich hier in rund hundertfünfzig staatlich anerkannten Siedlungen und siebenundachtzig Außenposten niedergelassen haben.

Die internationale Staatengemeinschaft fordert, den Ausbau dieser als illegal betrachteten Siedlungen sofort zu stoppen. Wenn es nach Jigal Brand, einem Siedler aus Havat Jair, geht, wird es nie dazu kommen: »Das [95]Gebiet heißt nicht Westjordanland, sondern Judäa und Samaria. Es ist Teil des Landes Israel, das Gott dem jüdischen Volk in der Bibel versprochen hat«, sagt der achtundzwanzigjährige Schulleiter. Wie rund achtzig Prozent der Siedler in den isolierten Außenposten und Siedlungen ist Brand national-religiös, was man an dem bunten gehäkelten, kleinen Käppchen erkennen kann, dass der sportliche Mann auf seinem Kopf trägt.

Der ehemalige Offizier glaubt daran, das der jüdische Staat eine göttliche Aufgabe erfüllt. In diesem Auftrag schießen in Havat Jair, einem illegalen Außenposten tief im Herzen des Westjordanlands, Einfamilienhäuser in die Höhe. Selbst Israels Regierung bezeichnet Havat Jair als illegal und droht damit, die Häuser der vierundzwanzig Familien und ihrer sechzig Kinder abzureißen. Doch die wollen diese Mischung aus Toskana, Wildem Westen und Freiluftbibelmuseum nie verlassen. »Die Idee von einem palästinensischen Volk ist ein Hirngespinst, das den Arabern eingeflößt wurde«, sagt Brand.

Er glaubt nicht, dass sein isolierter Außenposten ein Hindernis auf dem Weg zum Frieden ist: »Wen stören wir? Hier hat doch vorher niemand gewohnt.« Sein Wohnhaus überblickt ein menschenleeres grünes Wadi arabische Dorf liegt zwei Kilometer Luftlinie von Havat Jair entfernt. Die weißen niedrigen Häuser, die sich am Abhang um ein Minarett scharen, kann man im Sommerdunst in der Ferne kaum ausmachen. »Die Siedlungen sind nicht das Problem«, meint Brand. »Aus der Sicht der Palästinenser gibt es keinen Unterschied [96]zwischen Tel Aviv und Havat Jair. Die Ursache für den Nahostkonflikt ist, dass die Araber grundsätzlich keine andere Religion tolerieren.«

Bisherige Räumungen von Siedlungen, wie die Evakuierung von achttausend Siedlern aus dem Gazastreifen im Jahr 2005, hätten Israel schließlich keinen Frieden gebracht. »Auf den geräumten Gebieten entsteht kein Palästinenserstaat, sondern Basen des Terrors. Zuerst greifen sie uns an, dann zerfleischen sie sich selbst, wie man heute im Gazastreifen sehen kann.« Palästinenser sehen das anders. In ihren Augen ist die Forderung nach dem gesamten Westjordanland bereits ein Kompromiss, mit dem sie achtundsiebzig Prozent des historischen Palästina aufgeben. Im kläglichen Rest könne unmöglich ein Staat entstehen, solange die Siedler bleiben, weil die sich weigern, Bürger eines Palästinenserstaats zu werden. »Israel ist ein jüdischer Staat. Ein Araber darf nie Premier werden«, sagt Brand.

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