Ararat - Westerman, Frank

Frank Westerman 

Ararat

Pilgerreise eines Ungläubigen

Übersetzer: Häring, Stefan; Kiefer, Verena
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Ararat

Der Ararat, mit über 5000 Metern höchster Berg in der Türkei, ist Ort eines in vielen Religionen verbreiteten Glaubens: Hier setzte nach dem Ende der gottgewollten Sintflut die Arche Noah auf. Auch Frank Westerman, Autor mehrerer preisgekrönter Bücher, hat dieser Mythos seit seiner Kindheit nicht mehr losgelassen. Ihn interessiert vor allem die Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Schöpfungsglaube. Welche Motive treiben eine wachsende Zahl von Arche-Suchern auf die Gletscherkappe des Ararat? Warum setzt ein Astronaut nach seiner Rückkehr aus dem All alles daran, dort einen Gottesbeweis zu finden? Die Erkundungen und Beobachtungen Westermans verwandeln den Mythos überraschend zu einer perfekten Projektionsfläche für existenzielle gegenwärtige Themen vom Klimawandel bis zum religiösen Fanatismus. Westermans Report seiner Reise zum Ararat ist nicht nur der spannende Bericht einer Selbsterforschung. Seine Recherchen an den Rändern zweier Kontinente, zweier Religionen und zweier politischer Systeme vermitteln zugleich Einblicke in die historischen und heutigen Konflikte zwischen Türken, Kurden und Armeniern und zeichnen ein sensibles Bild dieser umkämpften Region.


Produktinformation

  • Verlag: Links
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 285 S.
  • Seitenzahl: 288
  • Zeitgeschichte
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 29mm
  • Gewicht: 425g
  • ISBN-13: 9783861534877
  • ISBN-10: 3861534878
  • Best.Nr.: 23846551

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Um den Text genremäßig einzuordnen, verweist Hans Christoph Buch auf Bruce Chatwin und J.M.G. Le Clezio. Frank Westermann denkt er sich als souverän zwischen Fiction und Non-Fiction nomadisierenden Autor. Das Thema der Sintflut und des Ursprungs und der Überlieferungsgeschichte der Religion erscheint Buch zwar ziemlich hoch gegriffen. Die Umsetzung jedoch, die die Glaubensfrage mit der Biografie des Autors, mit Kindheitserlebnissen und einer Besteigung des Ararat verknüpft, überzeugt ihn. Gründe dafür sind für Buch: Der Verzicht auf effekthascherische Pseudoreligiosität, eine sorgfältige Recherche, größtmögliche Exaktheit und eine unprätentiöse, gleichwohl subjektive Erzählhaltung.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.01.2009

Wie hältst du's mit dem Glauben?

Randnotizen zur Schöpfungsgeschichte: Frank Westerman begibt sich auf die Suche nach dem historischen Ursprung der alttestamentlichen Überlieferung.

Der Name Frank Westerman steht für eine neue Art von Literatur, für die es im Deutschen noch keine passende Bezeichnung gibt - anders als in der angelsächsischen oder romanischen Welt, wo die Grenze zwischen Fiction und Non-Fiction seit jeher durchlässiger war als bei uns. Westermans in Holland preisgekrönte, in mehrere Sprachen übersetzte Bücher pendeln zwischen Journalismus und Literatur, Sachbuch und Roman, ohne in einer dieser Kategorien ganz aufzugehen: Auch der aus der russischen Avantgarde stammende Begriff Faktenliteratur oder das deutsche Wort Tatsachenroman bezeichnet die spezifische Eigenart seines Schreibens nur ungenau. Aufschlussreicher als derlei Zuordnungen ist der Hinweis auf literarische Vorbilder: Es genügt, an dieser Stelle die Namen Bruce Chatwin und Ryszard Kapuscinski zu nennen oder den diesjährigen Nobelpreisträger Jean-Marie Le Clézio: Nomadisierende Schriftsteller, deren Werk Gattungsgrenzen wie geographische Horizonte überschreitet und …

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Dass er fleißig und akribisch ist, erklärt nicht Westermans Erfolg. Was ihn so speziell macht, ist sein rein assoziatives Buch-Konzept, absolut persönlich, absolut autobiografisch. (...) Das sind Wissenschaft und Literatur zum Anfassen - spannend, witzig und sehr poetisch: Figuren im Schneegestöber einer Spielzeugkugel, die gerade geschüttelt worden ist. Wissenschaftsthriller und Unterhaltung pur. Westerman ist genial, eine echte Entdeckung für Laien wie für Insider. Lutz Bunk, Deutschlandradio Kultur Westerman begibt sich auf einen Weg, der zum Glück kein weiterer abenteuerlicher Gipfelsturm ist. Auf leisen Sohlen und mit bedächtigen Schritten kreist er den Berg 250 Seiten lang ein, sammelt Andenken und Anekdoten christlicher und islamischer Kultur- und Religionsgeschichte. Obwohl hier und da fast wissenschaftlich-dokumentarisch gehalten, wird der studierte Hydrotechnologe am Berg kaum Leser verlieren. Das liegt an seinem subtilen, wortspielerischen Humor und an der Art und Weise, wie er den Ararat zur Hauptfigur der Geschichte macht. (...) Wenn er am Ende tatsächlich oben ankommt, ist man dankbar, dass Westerman dem Leser nicht im letzten Moment noch ein Gotteserlebnis andienen will wie Hape Kerkeling. Helen Sibum, Neue Ruhr Zeitung Das Besondere an Frank Westerman: Er reichert Fakten und Mythen mit seinen eigenen Erlebnissen an, er beschreibt nicht einfach nur seinen Aufstieg, sondern nähert sich dem Ararat wirklich an, verwebt Religionsgeschichte, politische Auseinandersetzungen um und an dem Berg mit seinen persönlichen Fragen - und Antworten. Kurzum: Das Buch fasziniert, ist wunderbar geschrieben und dazu noch akribisch recherchiert. Und schließlich: Frank Westerman gelingt es tatsächlich, die Magie des Berges zu entschlüsseln - und auch dessen Gefahren. Andreas Debski, Dresdner Neueste Nachrichten Auf dreihundert Seiten hat Westerman ein dickes Knäuel aus religiösen, kulturgeschichtlichen und politischen Fäden entwirrt, um am Ende nur lose Enden liegen zu lassen. Das ist ein großes Glück, denn der Autor macht es anders als die meisten seiner Protagonisten: Er gibt auf viele intelligente Fragen keine einzige dumme Antwort. Ronald Düker, LITERATUREN Ein Text wächst bei Frank Westerman wie die Perle in einer Auster: um einen Einschluss, einen wie zufälligen Kern herum legt der Niederländer Schicht um Schicht schimmernden Materials. Kleinodien entstehen. (...) Der Niederländer nimmt den Leser mit auf eine unvergessliche Reise. Er umkreist den »Schmerzensberg«. Auf Um- und Abwegen, mit einem Schutzschild aus gespielter Naivität, nähert sich der Schreibende vermintem Terrain. Doch offenbar mühelos überwindet der Wanderer alle Grenzen - zwischen ferner Vergangenheit und bedrängender Gegenwart, zwischen verfeindeten Völkern und Kulturen, Literatur und Wissenschaft, Wissen und Glauben. Uwe Stolzmann, Neue Zürcher Zeitung Westerman liegt es fern, den Mythos zu zerstören. Er erklärt, ordnet ein, wägt ab; mit der Behutsamkeit und dem Respekt, den der Gegenstand verdient. Und trotzdem bleibt sein Buch unterhaltsam und spannend, weil er weder doziert noch in den Tiefen der Geschichte verharrt. Es ist erfrischend irdisch. Frank Grubitzsch, Sächsische Zeitung Frank Westermans »Ararat« ist mehr als ein auf der neuen Welle modischer Pseudoreligiosität reitendes Sachbuch, das sorgfältig recherchiert und gut geschrieben ist. Der Text hat mich mehr fasziniert als viele hochgelobte Romane, weil er auf jede Effekthascherei verzichtet; seine Eleganz liegt darin, dass und wie der Autor hinter der Sache zurücktritt und mit größtmöglicher Exaktheit ganz und gar unprätentiös erzählt, ohne seine Subjektivität zu verleugnen oder sich zur allwissenden Instanz aufzuwerfen. Hans Christoph Buch, F.A.Z.
Frank Westerman, geb. 1964, studierte Hydrotechnologie an der Landwirtschaftlichen Universität Wageningen. Er beschäftigte sich mit russischer Literatur und den Thesen Wittfogels über die Ursprünge des orientalischen Despotismus und arbeitete als Entwicklungshelfer bzw. freier Journalist u.a. in Kamerun, Kuba, Mexiko, Sierra Leone und im ehemaligen Jugoslawien. Von 1997 bis 2000 war er als Korrespondent in Moskau für die große niederländische Abendzeitung NRC Handelsblad tätig.

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