Die Kinder von Michelsberg - Gündisch, Karin

Karin Gündisch 

Die Kinder von Michelsberg

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Die Kinder von Michelsberg

Das Dorf, in dem die drei Mädchen aus dieser Geschichte leben, heißt Michelsberg und liegt in Siebenbürgen, das auch noch Transsylvanien heißt und zu Rumänien gehört. Die Mädchen wohnen auf der Post. Man kann es auch anders ausdrücken: Die Post ist bei ihnen im Haus.
Das Dorf ist klein, und darum ist natürlich auch die Post klein. Sie besteht nur aus einem Stübchen, in dem die Mutter oder der Vater abwechselnd hinter dem Schalter stehen und die wenigen Kunden bedienen. Es gibt da auch noch eine Bank, auf der sich wartende Postkunden ausruhen können.
Früher ist das Dorf größer gewesen. Das heißt, dass mehr Leute da gewohnt haben. Im Laufe der Zeit sind aber viele in die Stadt oder sogar in andere Länder gezogen. Darum stehen viele Häuser leer, oder sie sind nur im Sommer bewohnt. Im Juli und im August verdoppelt sich die Dorfbevölkerung beinahe, aber die Kinderschar bleibt trotzdem klein, denn die meisten Sommergäste sind ältere Leute.
Die Post, die Kirche, das Wirtshaus, die Schule mit dem Kindergarten, der Friedhof und ein paar Häuser, die bewohnten und die unbewohnten das ist das ganze Dorf.


Produktinformation

  • Verlag: Schiller Verlag
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 118 S. m. 33 Fotos v. Roth, Anselm; Egyed, Claudia; Philippi, Friedrich.
  • Seitenzahl: 118
  • Altersempfehlung: ab 9 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 150mm
  • Gewicht: 256g
  • ISBN-13: 9783941271623
  • ISBN-10: 3941271628
  • Best.Nr.: 34572039
Karin Gündisch, geb. 1948 in Heltau/Cisnadie in Rumänien, hat Deutsch und Rumänisch in Klausenburg/Cluj und Bukarest studiert. Sie arbeitete als Deutschlehrerin in Bukarest, nebenbei war sie Freie Mitarbeiterin bei der rumäniendeutschen Presse, bei Rundfunk und Fernsehen. Die Autorin veröffentlichte Kindergeschichten und arbeitete an Deutschlehrbüchern mit. Seit 1984 lebt sie als freie Schriftstellerin in Deutschland.

Leseprobe zu "Die Kinder von Michelsberg" von Karin Gündisch

Anna
Eigentlich hatte Anna einen Doppelnamen: Anna-Lena. Erst hatten alle sie nur Lena genannt, aber im letzten Sommer änderte sich das. Alle nennen sie seither nur noch Anna. Das kam so:
Neben der Post steht ein Haus, dessen Besitzer ins Ausland gezogen waren. Die Eltern von Lena, Astrid und Emma verwalteten und vermieteten es. Die neuen Mieter, Herr und Frau Marcu, besaßen einen Hund. Genauer gesagt: ein Hündchen. Das hieß Lena, war ein schwarzes Knäuel mit braunen Flecken auf den Pfoten und am Hinterteil.
Den ganzen Tag lang, wenn Frau Marcu zu Hause war, dirigierte sie das Hündchen hin und her: Lena, komm her! Lena sitz! Lena, bei Fuß! Lena, friss!
Auf der Post hörte man alle Befehle mit. Am schlimmsten aber war es, wenn Frau Marcu mit dem Hündchen in ihrer Laube saß. Die Gartenhäuschen in den beiden Höfen befanden sich nämlich nebeneinander, nur durch den Bretterzaun getrennt. Lena, sitz! Lena, nein! Was hab ich doch die kleine Lena lieb! Lena-Schnucki-Putzi, hopp-hopp-hopp!
Am allerschlimmsten war es am Sonntag, weil dann auch Herr Marcu zu Hause war. Das Hündchen wurde dann von morgens bis abends dressiert.
Jedes Mal, wenn Lena den Hundenamen hörte, der auch ihr eigener war, zuckte sie zusammen, und ihre Schwestern lachten. Astrid und Emma fanden es nämlich sehr komisch, dass Frau Marcu den Namen ihrer Schwester benützte, aber den Hund damit meinte.
Eines Abends, als die Postfamilie bei Tisch saß, sagte die Mutter nachdenklich: Warum muss dieser Hund ausgerechnet Lena heißen? Es gibt doch eine Menge anderer sehr schöner Hundenamen. Was haben wir aber auch für ein Pech mit diesen Nachbarn! .
Astrid überlegte scharf: Man könnte dem Hündchen einen anderen Namen geben, einen ausländischen vielleicht , schlug sie vor. Die klingen besonders vornehm. Annabelle zum Beispiel, weil so ein Hündchen immer wieder mal bellt. Vielleicht kürzen sie dann Annabelle ab , sagte Emma. Dann heißt es: Anna, sitz! Anna, friss! Anna, bei Fuß! Und vielleicht sogar: Anna, bell! Du kommst dann aus dem Regen in die Traufe. Emma verwendete gern seltene Redewendungen, und darum musste sie ihren Schwestern manchmal erklären, was sie damit meinte. Aus dem Regen in die Traufe kommen hieß, dass es Lena dann noch schlechter erging als zuvor . Die Mutter konnte die Nachbarn nämlich kein zweites Mal bitten, den Namen des Hündchens zu ändern, nur weil sie zufällig Lena und Anna hieß. Emma erklärte den Schwestern auch noch, dass man im Regen allmählich nass wurde. Wenn man sich aber unter die Dachtraufe stellte, stürzte soviel Wasser herab, dass man sofort klatschnass war. Es erging einem dann also noch schlimmer als im Regen.
Kurz gesagt: Der Name Annabelle passte überhaupt nicht. Dann Bello , schlug Astrid vor. Sie hatte in der Postfamilie immer die meisten Ideen. Bella , korrigierte sie Emma. Es ist doch ein Hundemädchen .
Sie probierten noch mehrere Hundenamen aus. Milda, Diana, Lara. Sie fanden schöne und passende Namen. Sie mussten aber nicht ihnen, sondern den Hundebesitzern gefallen.
Bald darauf gingen die Mutter und Lena die Nachbarn besuchen. Die Mutter hatte einen Apfelkuchen gebacken, und sie nahmen zwei große Stücke mit. Die Marcus freuten sich über den Besuch und vor allem über den frischen Apfelkuchen. Als sie ihn fast ganz aufgegessen hatten, kam die Mutter auf den eigentlichen Grund des Besuches zu sprechen: Sie bat die Nachbarn, dem Hund einen anderen Namen zu geben.
Herr Marcu reagierte heftig: Kommt nicht infrage! Das würde Lena nur verwirren. Es war gar nicht einfach mit ihr, bis sie sich an diesen Namen gewöhnt hat. Aber unser Kind zuckt immer zusammen, wenn Sie ihr Hündchen rufen , sagte die Mutter. Vielleicht bekommt Lena noch einen nervösen Tick. Sie ist zu empfindlich , sagte Herr Marcu und Frau Marcu fragte, ob das Kind denn außer Lena nicht noch einen zweiten Vornamen hätte. Doch, Anna , sagte Lena. Das ist ja ein wunderschöner Name , sagte Frau Marcu. Findest du

Inhaltsangabe

Vorwort
Anna
Astrid
Emma
Als Anna einen kleinen, traurigen Pinguin fand
Ein ganz gewöhnlicher Tag mit Touristen
Ein gourmand-musikalisches Ereignis
Als Anna ein Versprechen halten musste
Ein Sturz aus einer Höhe von mindestens drei Metern
Die verlorenen Zähne
Als Anna die Schwalben hütete
Wie der Flickschuster den Postboten reparierte
Der Tanz mit dem Akkordeon-Lorenz
Frau Bibabutz empfängt Herrn Rirarutz und die Folgen
Als Anna und Emil Agamemnon begruben und Pfannkuchen aßen.
Gedankenspaziergänge beim Abwaschen
Ein Geschenk für den Vater
Der neue Gast
Als Anna ihren Namen wieder fand
Nachwort

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