Das erste Licht des neuen Tages - Fährmann, Willi
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Willi Fährmann 

Das erste Licht des neuen Tages

Das große Willi Fährmann-Lesebuch

Illustrator: Chudzinski, Daniela
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Das erste Licht des neuen Tages

Der Jubiläumsband zum 80. Geburtstag von Willi Fährmann

Willi Fährmann gehört zu den großen deutschen Erzählern unserer Zeit. Seine phantasievollen, poetischen Texte erzählen von alten Märchen und Legenden, von Heiligen und Abenteurern und vermitteln Kindern anschaulich sein wichtigstes Anliegen: Den Respekt vor der Schöpfung und den toleranten Umgang der Menschen untereinander. In diesem wunderschön ausgestatteten Hausbuch finden sich viele verborgene Schätze seines Schaffens in neuer Zusammenstellung. Die bezaubernden Illustrationen von Daniela Chudzinski unterstreichen wunderbar den stimmungsvollen Charakter seiner Geschichten.

. Zum Entdecken und Immer-Wieder-Lesen - verborgene Perlen aus Willi Fährmanns Schatzkästchen

. Geschichten, Legenden und Märchen für alle Jahreszeiten

. Ein Hausbuch für die ganze Familie



Willi Fährmann gehört zu den großen deutschen Erzählern unserer Zeit. Seine phantasievollen, poetischen Texte erzählen von alten Märchen und Legenden, von Heiligen und Abenteurern und vermitteln Kindern anschaulich sein wichtigstes Anliegen: Den Respekt vor der Schöpfung und den toleranten Umgang der Menschen untereinander. In diesem wunderschön ausgestatteten Hausbuch finden sich viele verborgene Schätze seines Schaffens in neuer Zusammenstellung. Die bezaubernden Illustrationen von Daniela Chudzinski unterstreichen wunderbar den stimmungsvollen Charakter seiner Geschichten.


Produktinformation

  • Verlag: Cbj
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 143 S. m. farb. Illustr. v. Daniela Chudzinski
  • Seitenzahl: 144
  • Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 245mm x 201mm x 18mm
  • Gewicht: 680g
  • ISBN-13: 9783570137116
  • ISBN-10: 3570137112
  • Best.Nr.: 26246482
Willi Fährmann bestätigt immer wieder, wofür er weltweite Anerkennung genießt: Hohe Erzählkunst und eindeutige Werte. Rheinischer Merkur

"Willi Fährmann bestätigt immer wieder, wofür er weltweite Anerkennung genießt: Hohe Erzählkunst und eindeutige Werte."
Willi Fährmann, geb. 1929 in Duisburg, lebt heute in Xanten am Niederrhein. Er ist nach seinen Auszeichnungen für sein Gesamtwerk mit dem 'Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugenliteratur' und dem 'Deutschen Jugendbuchpreis' sowie zahlreichen Einzelauszeichnungen einer der profilierten Autoren der Kinder- und Jugenbuchliteratur.

Leseprobe zu "Das erste Licht des neuen Tages" von Willi Fährmann

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Leseprobe zu "Das erste Licht des neuen Tages" von Willi Fährmann

In Italien gibt es wohl mehr schöne und alte Städte als in jedem anderen Land der Welt. Florenz ist stolz auf die zahlreichen Kunstschätze. Wenn die Frauen Florenz hören, dann glänzen ihr Augen. Es fallen ihnen die prächtigen Hüte ein, die "Florentiner" heißen. Auch die Stadt Venedig trägt einen großen Namen. Die Kanäle, die Brücken, die Gondeln und die tausend Tauben auf dem Markusplatz! Und Rom erst! Auf sieben Hügeln ist die Stadt erbaut. Selbst eine wilde Wölfin fand diese Gegend so schön, dass sie ganz zahm wurde und zwei Menschenkinder annahm wie ihre eigenen Wolfsjungen. Romulus und Remus hießen die Kinder. Sie saugten die Wolfsmilch, wuchsen heran und begannen, die ersten Häuser der Stadt Rom zu bauen.

Doch so wunderbar Italiens Städte auch sein mögen, von keinem Ort sonst werden so merkwürdige Geschichten erzählt wie von Bologna. Wie im Bilde jeder Stadt ein Bauwerk, eine Kirche, ein Turm unter allen anderen am höchsten emporragt, so ist es auch mit den vielen Geschichten von Bologna. Eine von ihnen dringt durch das Ohr geradewegs ins Herz. Diese Geschichte hat der ganzen Stadt Zank und Streit gebracht. Dabei fing alles friedlich an.

Die reiche Familie Garisenda und die ebenso wohlhabende Familie Asinelli wohnten nur einen Katzensprung weit auseinander. Lediglich eine Straßenbreite trennte ihre Häuser. Sicher, das Haus der Garisenda zählte siebzehn Zimmer mehr, aber dafür gehörte zu dem Palast der Asinelli ein Saal, dessen Decke mit kostbaren Gemälden geschmückt war.

Die Garisenda verdienten ihr Geld mit dem Gewürzhandel. Vom fernen Indien und von China gar ließen sie die Gewürze in Ballen und Gefäßen herbeischaffen. In winzige Päckchen verpackt, brachten Pfeffer und Zimt, Safran und Muskat großen Gewinn.

Die Asinelli hingegen handelten mit Pelzen. Die schönsten kauften sie auf dem Pelzmarkt von Nischnij-Nowgorod. Zu dieser Stadt in Russland kamen die Pelztierjäger aus Sibirien und verkauften Fuchsfelle, Marderhäute, Wolfsdecken, die weißen Fellchen vom Hermelin und manchmal sogar den kostbaren Zobel.

Wenn nach wochenlanger Fahrt die Pferdegespanne wohlbehalten Bologna erreichten, dann prüfte Herr Asinelli das Pelzwerk zwischen den Fingern, lachte zufrieden und rief aus: "Es geht nichts über Gott und Pelze aus Nischnij-Nowgorod."

Oft, wenn sie auf ihre Waren warteten, schauten die Garisenda nach Nordosten links an der aufgehenden Sonne vorbei, und die Asinelli blickten rechts von der Morgensonne nach Südosten. So kamen sie sich nicht in die Quere. Keiner jagte dem anderen die Kunden ab. Denn Gewürze und Pelze wünschten viele Menschen in Bologna und im ganzen Land zu besitzen.

Die Asinelli hatten eine Tochter. Die hieß Isabella. Das Mädchen hatte für den einzigen Sohn der Garisenda einen Namen erfunden. Eigentlich hieß der Junge Carlos. Aber Isabella nannte ihn Capuccino. Weil dieser Name gut zu der braunen Haut und dem hellen Haarschopf des Jungen passte, riefen selbst seine Eltern ihn meist so. Die beiden Kinder spielten oft miteinander, und die Eltern sahen das gern.

Jahre vergingen. Der Reichtum der beiden Familien wurde größer und größer.

Doch wenn es den Eseln zu wohl wird, gehen sie aufs Eis. Die Familie Garisenda begann damit, seitlich neben ihrem Haus einen Turm zu bauen.

"Unser Turm soll höher als alle Bäume in den Himmel ragen", prahlte Herr Garisenda. "Alle Welt soll sehen, wie reich wir sind."

Das nun ließ die Familie Asinelli nicht mehr ruhig schlafen.

"Sind wir nicht reicher als die Pfeffersäcke dort drüben?", maulte Frau Asinelli. "Das sind wir gewiss, liebe Frau", bestätigte ihr Mann. Da redete seine Frau auf ihn ein und sagte: "Dann zeig es denen und der ganzen Stadt. Lass uns auch einen Turm bauen, einen Turm, der noch höher wird als der auf der anderen Straßenseite."

Ihr Mann schwieg zunächst.

Sie aber bedrängte ihn und rief: "Oder, Alonso Asinelli, oder traust du dir das nicht zu?"

Da plusterte Herr Asinelli sich auf wie ein Gockel und sagte: "Wenn Alonso Asinelli es will. Dann baut er einen Turm, so hoch, dass er sogar die Wolken kitzelt."

"Willst du das denn, lieber Mann?", fragte Frau Asinelli ihn.

"Und ob ich das will!", antwortete Herr Asinelli.

Es begann ein Bauen um die Wette.

"Höher hinaus, höher hinaus", stachelte Frau Asinelli ihren Mann an.

Herr Garisenda aber schrie so laut, dass es durch die Mauern drang und in der ganzen Straße zu verstehen war: "Unser Turm wird alles überragen. Im Abendlicht wird er seinen Schatten bis nach Ravenna werfen."

Den ganzen Sommer über ließen sie an den Türmen bauen. Die Maurer arbeiteten Tag für Tag vom ersten Hahnenschrei bis in das Abenddunkel hinein. Schon wuchsen die Türme über die Dächer hinaus und wuchsen und wuchsen. Die Garisenda und die Asinelli aber gingen sich mehr und mehr aus dem Weg. Mancher finstere Blick flog hinüber und herüber.

Isabella und Capuccino hörten zu Hause nur noch Schlechtes über ihre Nachbarn. Schließlich grüßten sie sich nicht einmal mehr. Wenn sich die jungen Leute auf der Straße begegneten, dann rief Isabella spöttisch: "Du Pfeffersack!"

Capuccino zahlte mit gleicher Münze heim und antwortete: "Pelzlaus, du!"

Wenn es eben möglich war, vermieden sie jedes Zusammentreffen. Sahen sie sich von fern, dann gingen sie andere Straßen.

Es lebte in Bologna in jenen Jahren auch ein Bettelmönch. "Paolo mit dem Esel" nannten ihn die Leute, weil er mit einem alten Esel durch die Straßen zog. Er klopfte an die Türen und sammelte Brot und Geld für die Armen. Nie ging er mit leeren Händen aus den Häusern der Garisenda und Asinelli hinaus.

"Wer viel hat, der soll auch viel geben", sagte Paolo immer.

Als der Bettelmönch hörte, was die Familien vorhatten, warnte er sie und sagte: "Schon einmal hat ein Turmbau die Menschen entzweit und viel Kummer und Sorgen in die Welt gebracht. Denkt an den Turmbau zu Babel."

Doch die Familien lachten nur über den einfältigen Mönch.

Inzwischen hatte es sich in Bologna herumgesprochen, welch seltsamer Streit mitten in der Stadt entbrannt war. Viele Bewohner schlossen Wetten ab, wer wohl am Ende Sieger bleiben würde. Oft starrten sie so lange zu den Türmen empor, dass ihr Nacken sie schmerzte.

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