Nichts ist endlich - Miller, Kirsten

Kirsten Miller 

Nichts ist endlich

Aus d. amerikan. Engl. v. Sandra Knuffinke u. Jessika Komina
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Nichts ist endlich

Stell dir vor, du glaubst, dass du schon mal gelebt hast. Stell dir vor, du hast Visionen von einem Jungen, der in einem früheren Leben deine große Liebe war. Stell dir vor, du denkst, dass dieser Junge jetzt wieder lebt. Was würdest du
tun? Für die 17-jährige Haven ist die Antwort klar: Sie muss diesen Jungen unbedingt finden! Hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und Zweifeln lässt Haven sich auf eine schicksalhafte und sehr gefährliche Affäre ein -


Produktinformation

  • Verlag: Baumhaus Medien
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 459 S.
  • Seitenzahl: 459
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 225mm x 159mm x 43mm
  • Gewicht: 765g
  • ISBN-13: 9783833900402
  • ISBN-10: 3833900407
  • Best.Nr.: 33359635
Kirsten Miller lebt in New York, wo sie ihre Zeit hauptsächlich damit verbringt, Kaffee zu trinken, die Stadt zu erforschen und - zu schreiben.

Leseprobe zu "Nichts ist endlich" von Kirsten Miller

KAPITEL 41 (S. 224-225)

Haven saß geduckt auf dem Rücksitz des Taxis und beobachtete die rote Tür. Es war zehn nach acht. Iain war spät dran, und das Taxameter lief und lief. Am Ende der kopfsteingepflasterten Gasse stand der schwarze Mercedes und spuckte dicke Abgaswolken aus, während er auf seinen Passagier wartete. Haven begann sich gerade zu fragen, ob sie ihn vielleicht verpasst hatte – vielleicht war er doch zu Fuß gegangen oder hatte ein Taxi genommen –, als sich die rote Tür öffnete und Iain, in Jeans und schwarzem Jackett, heraustrat. Ohne auch nur einen Blick in Richtung des Taxis zu werfen, stieg er in seinen Mercedes. Als dieser in die Fifth Avenue einbog, nahm Havens Taxi unauffällig die Verfolgung auf.

Während die Sonne im Westen versank, und in der Stadt immer mehr Lichter angingen, spielten sich hinter den Fenstern New Yorks zahllose Szenen ab. Menschen weinten und stritten und tanzten in Unterwäsche herum, vollkommen ahnungslos, dass die ganze Welt ihnen dabei zusehen konnte. Haven, die eine längere Fahrt in die oberen Gegenden Manhattans erwartete, lehnte sich in ihrem Sitz zurück und beobachtete, wie die Stadt an ihr vorbeizog. Doch die Fahrt endete überraschend schnell. Der Mercedes bog nach Westen auf die Einundzwanzigste Straße ab und hielt schließlich vor einer umgebauten Autowerkstatt, deren Straßenfront nur aus einer einzigen Glasfläche bestand. In Havens Herz klaffte ein Riss auf. Hunderte von Menschen hatten sich in dem Gebäude zu einer Party versammelt. Sie stolzierten hinter dem Fenster auf und ab wie Tiere in einem bizarren Zoo.

Und kein Einziger von ihnen sah aus wie ein neunhundert Jahre alter Anwalt. Haven bezahlte das Taxi und beobachtete aus dem Schatten auf der anderen Straßenseite, wie Iain sich durch die Menge schlängelte. Alle, an denen er vorbeikam, drückten ihm einen Kuss auf die Wange, klopften ihm auf die Schulter oder flüsterten ihm etwas ins Ohr. Havens Herz brach entzwei, als sie begriff, dass es seine ihrer Wut gesellte sich Haven unauffällig zu einer Gruppe von Mädchen, die mit den beiden Türstehern flirteten, und folgte ihnen auf die Party. Das Gebäude beherbergte eine Kunstgalerie, und an den strahlend weißen Wänden hingen Gemälde. Haven blieb vor einem der Bilder stehen. Die Pinselstriche waren breit und wild und die Farben so leuchtend, dass sie fast lebendig schienen.

Das Werk zeigte das alte Rom, das in Flammen stand. Im Hintergrund sah man Tempel in sich zusammenstürzen, während winzige Bürger um ihr Leben rannten. Im Vordergrund, weit weg vom Geschehen auf der anderen Seite der Leinwand, saß eine schattenhafte Gestalt ganz in Schwarz auf einem der Hügel über der Stadt und betrachtete entspannt das Chaos in der Ferne. Die Figur war kaum größer als vier, fünf Zentimeter – leicht zu übersehen inmitten all der Farbstrudel. Erschüttert ging Haven weiter zum nächsten Bild.

Dort sah derselbe Mann von einem Rettungsboot aus zu, wie ein Passagierschiff in den dunklen Wogen des Meeres versank. Ein drittes zeigte eine entsetzte Blondine, die ihren Ehemann mit einer anderen Frau belauschte. Auch sie wurde beobachtet. Es gab noch Dutzende Gemälde mehr. Katastrophen und Tragödien. Szenen von Anarchie und Aufruhr. Und in jedem von ihnen, irgendwo verborgen im Vordergrund, lenkte die dunkle Gestalt das Geschehen wie der Dirigent einer düsteren Sinfonie.

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