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| Bewertung von rumble-bee aus Velbert am 20.03.2012 | |
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Schon seine ersten Bücher zeichnete ein klarer Handlungsverlauf ohne viel "Klimbim" und ohne Übertreibungen aus. Stetig, stringent, und spannend, so waren sie. Die handelnden Hauptpersonen waren ebenso klar gezeichnet, und im Gegensatz zu modernen skandinavischen Werken eben nicht mit allzu viel Privatem "überladen". Ein Dorn-Protagonist hat genau einen hervorstechenden Charakterzug, und ein akutes Problem, zu haben. Er hat ein wenig starrsinnig und verbissen zu sein, sonst käme er nicht ans Ziel. Ferner gibt es meist noch genau eine weitere Person, die zum "Helden" hält, und ihn am Rande begleitet. Alles das finden wir auch in diesem Buch. Der "typische Dorn-Protagonist" ist hier ein 16jähriges Mädchen, Doro. Bei ihr ist das hervorstechende Charakteristikum nun wirklich auf die Spitze getrieben: sie ist eine "Synnie", eine Synästhetikerin, was bedeutet, dass sie Eigenschaften und Emotionen als "Farben" sehen (!) kann. Das macht sie leider auch umso anfälliger für übersteigerte Wahrnehmungen, und genau darauf beruht der "Thrill" in diesem Buch. Vor einem Jahr starb der kleine Bruder von Doro, doch sie kann sich nicht mehr bewusst an jene Nacht erinnern. Sie hat eine ausgedehnte psychiatrische Behandlung und einen Umzug hinter sich, als wir Leser sie kennen lernen. Sie scheint geheilt, oder zumindest gebessert. Doch kurz nach dem Einzug in das Kaff Ulfingen häufen sich seltsame Vorgänge, von denen man eben nur halb weiß, ob sie real oder Einbildung sind. Da gibt es Visionen von Doros totem Bruder, und von einem "Insektenmädchen". Es gibt seltsame Geräusche, und Personen und Dinge, die scheinbar willkürlich auftauchen und verschwinden. Doro beginnt langsam zu verzweifeln. Doch erst als es ganz hart kommt, rafft sie ihren ganzen Mut zusammen, um aller Welt zu beweisen, dass sie nicht verrückt ist. Dabei wird sie unterstützt von David, dem Sohn des Freibad-Inhabers. Ich fand Doro als Titelheldin sehr gut gewählt. Sie ist genau in dem Alter, in dem sich sowieso Probleme und Konflikte mit der Umwelt häufen - noch dazu ihre Vergangenheit, und ihre besonderen Fähigkeiten, und fertig ist eine wahrlich "geladene" Ausgangssituation! Noch dazu ist es Hochsommer in Ulfingen. Immerzu gibt es dräuende Gewitter, und prasselnde Regenschauer. Das hat für mich nicht unwesentlich zur Atmosphäre beigetragen. Beinahe wie in einem viktorianischen Schauerroman. Die Handlung wurde in 5 Abschnitte aufgeteilt, die sich von der Spannung her stetig nach oben schraubten. Hier hat der Autor die Ereignisse wirklich geschickt gestreut, so dass ein Sog nach vorne entstand. Von Abschnitt zu Abschnitt wird Doro desorientierter, was sich im fünften und letzten Abschnitt dann in einem furiosen Showdown entlädt. Wirklich sehr gut gemacht. Doro erzählt aus der Ich-Perspektive, und auch dies ist gekonnt angelegt. Viele Dialoge, und ansonsten recht schnörkellose, Dorn-typische Beschreibungen, das zaubert den Leser mitten in Doros Kopf hinein. Dabei beging er weder den Fehler, sich zu sehr an irgendeinen Jugendslang anzubiedern, noch den, abgebrüht wie ein Erwachsener zu klingen. Mein persönliches Problem ist nun, dass ich nunmal erwachsen bin, und somit nicht umhin kann, auch kleine Macken zu bemerken. Inwieweit die dann allerdings das Lesevergnügen eines Jugendlichen negativ beeinflussen würden, steht auf einem anderen Blatt. So finde ich zum Beispiel, dass Doro sehr wenig äußerlich beschrieben wird. Ich habe fast kein physisches Bild von ihr vor Augen, und das ist, gerade bei einem Mädchen in der Pubertät, d |
2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich. War diese Bewertung für Sie hilfreich? |
Bewertung von allegra am 27.02.2012 |
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In diesem Jugendbuch macht sich der Leser aus der Sicht der 16 jährigen Doro auf die Suche nach ihren Erinnerungen, die sie schwer belasten und erlebt mit, wie sie damit fertig wird. Mit dem Tod ihres Bruders ist für Doro das Leben aus den Fugen geraten. Sie musste ihren kleinen Babybruder babysitten, während ihre Eltern ausgegangen sind. Am Morgen ist ihr Bruder tot und Doro kann sich überhaupt nicht mehr an die Nacht erinnern. Sie wird von Schuldgefühlen geplagt und leidet unter Halluzinationen, was dazu führt, dass Doro in einer Jugendpsychiatrischen Klinik behandelt werden muss. Da in der Folge des tragischen Todesfalls auch die Ehe ihrer Eltern in die Brüche geht, wagt die Mutter mit Doro einen Neustart. Sie ziehen in ein kleines Haus im ländlichen Ulfingen. Das bildet die Ausgangslage dieses Buches. Wir erleben wir, wie Doro Stück für Stück ihre Erinnerung an die schreckliche Nacht wieder findet und verarbeitet. Da sie noch immer unter Halluzinationen leidet, traut sich oft ihrer Wahrnehmung nicht, beziehungsweise sie hat Probleme damit, von ihrer Umgebung ernst genommen zu werden. Das Vorurteil, ein Freak zu sein, verfolgt sie Tag für Tag. Als sie in einer Nacht in ihrer Gartenlaube einen Jungen trifft, von dem sie später erfährt, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits hätte tot sein sollen, begibt sie sich auf die Suche nach dem Jungen, um sich und ihrer Umwelt zu beweisen, dass sie nicht verrückt ist. Der Leser wird sehr lange im Unklaren gelassen, ob sich Doro nicht doch einiges „einbildet“, aber spätestens als ihr Freund und Begleiter niedergeschlagen wird, ist klar, dass mehr hinter der Geschichte steckt, als die Flausen eines Freaks. Dieser Thriller ist sehr angenehm geschrieben und lässt sich von Jugendlichen sicher leicht lesen. Allerdings ist es inhaltlich nicht gerade leichte Kost. Es ist an keiner Stelle so richtig gruselig, dass man es weglegen muss. Aber die Bilder und Geräusche, die Doro in ihrem Kopf sieht und hört, sind nicht immer ganz leicht verdaulich. Durch den Ich-Erzählstil wird dieses Gefühl noch verstärkt. Das Buch zeigt in meinen Augen gut, wie man sich Halluzinationen vorstellen kann und bewegt sich geschickt an der Grenze, wo man unsicher ist, ob das Erlebte in der Realität geschieht oder ob diese Grenze überschritten ist und es sich um innere Bilder handelt oder gar tatsächlich um Magie oder Geister? Eine sensible, leise Geschichte mit angenehmem Spannungsfaktor. |
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