Leseprobe zu "Das haben wir uns verdient / Gossip Girl Bd.10"
Ihr Lieben!
denkt ihr manchmal, dass ihr das glücklichste Mädchen der Welt seid? Tja, falsch gedacht! Das bin nämlich schon ich. Beweis gefällig? Aktuell sonne ich mich am traumschönen Edelbeach von East Hampton und beobachte die Söhne reicher Väter um mich herum, die sich aus ihren pastellfarbenen Lacoste-Polos pellen und ihre sonnengeküssten durchtrainierten Breitschultern einölen. Oh ja, kluge New Yorker, die sich im Sommer nicht allzu weit von ihrer geliebten Stadt entfernen wollen, wissen schon, warum sie in den Hamptons Urlaub machen. Aus dem gleichen Grund, aus dem Menschen mit Geschmack Schuhe von Christian Louboutin tragen und nur erster Klasse reisen. Und dieser Grund lautet: das Beste ist eben einfach... besser.
Die besten Bikinis sind jedenfalls eindeutig von Eres. Ich bin ja nun wahrlich nicht eingebildet, aber selbst mir stockt vor Entzücken der Atem, wenn ich mich in meinem neuen mangofarbenen Triangletop mit den dazu passenden hot pants im Spiegel betrachte. Nun gut, vielleicht bin ich doch ein klitzekleines bisschen eingebildet, aber ja wohl auch berechtigterweise. Wenn ihr im weißen Muschelsand dahingestreckt so hinreißend aussehen würdet wie ich, würdet ihr auch darüber reden wollen. Außerdem hab ich schon in meiner exklusiven Mädchengrundschule auf der Upper East Side gelernt, dass es keine Angeberei ist, die Wahrheit zu sagen.
Endlich ist Sommer und wir können uns mit ganzer Kraft der tagesfüllenden Tätigkeit des Nichtstuns hingeben. Nach einem doch noch recht anstrengenden Juni in der Stadt ist es mittlerweile Juli geworden. Eine laue Brise streicht über die Wellenkämme der Bucht und droht die "Reserviert"-Schildchen auf den Terrassentischen der Edelrestaurants wegzuwehen. Der feucht-schwüle Großstadtdschungel Manhattans ist nur einen Katzensprung entfernt, aber wir schlendern lieber barfuß in unseren wild gemusterten Bikinis von Eres bzw. Missoni und unseren Batiksarongs von Calypso durch den Sand oder fahren am Steuer unserer platingrauen Mercedes clk 500 Cabrios die Hauptstraße in East Hampton auf und ab - immer auf der Jagd nach Parkplätzen und schnieken Jungs in Surfershorts von Billabong.
Sie sind die Typen mit den sonnenvergoldeten Strähnchen, die in ihren Cherokees gerade vom surfen in Montauk zurückkommen. Wir sind die Mädchen, die sich kichernd auf limettengrünen und himbeerrosanen Badetüchern räkeln oder sich im Aveda Salon in Bridgehampton eine kleine After-Sun-Ganzkörperbehandlung gönnen. Zusammen sind wir die Prinzen und Prinzessinnen der Upper East Side und derzeit die unumstrittenen Herrscher der Strände der Hamptons. Aber wenn du zu uns gehörst und Mitglied im Club der auserwählten bist, werden wir uns sowieso früher oder später hier auf Long Island über den weg laufen. Die Sommersaison hat endgültig begonnen, was unschwer daran zu erkennen ist, dass sich einige unserer Lieblinge die Ehre geben. Wie zum Beispiel... ... das dynamische Duo
ich gestehe es. Ich komme bei den Beiden auch nicht mehr mit. Es ist unmöglich, verlässliche Aussagen über den aktuellen Stand ihrer stürmischen Beziehung zu treffen. Was sind sie eigentlich? Freundinnen? Feindinnen? In Hassliebe verschmolzene Freindinnen oder gar... Bettgefährtinnen? Die Rede ist natürlich von B und S. mit Sicherheit lässt sich nur eines über sie sagen: Seit neuestem sind sie offizielle Modeikonen. Wir haben es natürlich längst gewusst, aber anscheinend ist jetzt auch die Modeprominenz dahintergekommen. Ein bekannter, Samtpantoffeln tragender und mit perlweißen Kunstzähnen lächelnder Geschmacksvorreiter, sprich: Modeschöpfer, mit permanent-Palm-Beach-Bräune lernte die beiden im Rahmen der Dreharbeiten zu "Frühstück bei Fred" näher kennen und beschloss kurzerhand, sie als persönliche Inspirationsquellen in sein Sommerhaus nach Georgica Pond einzuladen. Bleibt zu hoffen, dass sein kleiner Privatzoo (die Menagerie besteht aus mehreren mopsigen Schoßhunden, dutzenden exotischer Vögel in allen Regenbogenfarben und zwei beängstigend mageren Models, die er aus Estland importiert hat, um sie für seine neueste Kollektion zu Stars zu machen) auf die Ankunft der beiden nicht mit Eifersucht reagiert. Aber das bleibt wohl ein frommer Wunsch. S und B schaffen es doch immer, alle in ihrer Umgebung neidisch zu machen. Es gibt nun mal gute Gründe, auf sie neidisch zu sein.
It's summertime and the living ain't easy...
Jedenfalls für diejenigen, die nicht zu den oben genannten gehören, die das Glück anscheinend für sich gepachtet haben. Alle anderen schauen nämlich in die Röhre. So wie... der arme N, der weiterhin jeden Tag für seinen ehemaligen Lacrosse-Trainer den Rücken krumm machen muss und allabendlich mutterseelenallein am Pool des elterlichen Sommerhauses in Georgica Pond sitzt, wo er vor sich hin schmollt. Was bekümmert ihn denn so sehr? Etwa die Trennung von seiner Kaugummi kauenden Prollschlampenfreundin? Glaubt mir, die Frau würde einen Eres-Bikini nicht mal erkennen, wenn man ihn ihr an den wasserstoffblondierten Kunsthaarschopf werfen würde. Hey, N-Baby, soll ich dich trösten...?
Die arme V, die ihren ganz persönlichen Albtraum durchlebt: sie wohnt mit ihrem Langzeitfreund D zusammen, darf ihn aber nicht küssen und muss sich außerdem ständig getrocknete Kinderrotze von ihrer schwarzen Carhartt-Cargohose kratzen, während die beiden hyperaktiven Knöchelbeißer, die sie für zu wenig Geld beaufsichtigt, im Chor das Alphabet rülpsen.
Nicht zu vergessen, der arme D. Wobei... der Kerl hat eigentlich kein Mitleid verdient. V ist schließlich nur deshalb dazu gezwungen, im altrosa gestrichenen Jugendzimmer seiner kleiner Schwester J zu nächtigen statt in seinem Kuschelbett, weil er sie mit dieser sportiven yoga-ische betrogen hat. Außerdem hat er einen tollen "Job" und einen anscheinend unerschöpflichen Vorrat an Pulverkaffee. Hm, man bekommt im Moment fast den Eindruck, ihm würde mehr an schlechtem Kaffee und schlechten Gedichten liegen als am schönen Geschlecht. Ts, was da wohl dahintersteckt?
Eure Mails
Liebes Gossipgirl, ich weiß nicht mehr weiter, bitte hilf mir. Ich hatte einen kleinen Flirt mit meiner wunderschönen Nachbarin aus dem Dachgeschoss, aus dem leider nichts wurde. Zum Glück hab ich dann ihre supersüße Freundin und Mitbewohnerin kennengelernt, bei der ich erfolgreich landen konnte... jedenfalls sah es so aus. Es war eine klassische New Yorker Sommerromanze, alles schien perfekt, sie war ein echter Schatz. Aber dann hab ich eines Zages an ihrer Tür geklopft und sie war weg. Die Wohnung war verwaist, der Kleiderschrank leer, kein Abschiedsbrief - gar nichts. Was soll ich jetzt machen? Darf ich sie auf dem Handy anrufen oder wäre das zu aufdringlich? Lg von tief-B-troffen
Hallo, tief-B-troffener,
Tja, so ist das mit den Schätzen - sie gehen leicht verloren. Aber wenn ihr zwei füreinander bestimmt seid, wird sie zurückkehren und dich mit Blüten
blattsanften Küssen bedecken. Andernfalls solltest du die Erinnerung an sie in deinem Herzen bewahren und dich damit trösten, dass Sommerromanzen per se von flüchtiger Natur sind.
GG
Hey GG,
Krass! Merkwürdigste Sichtung aller Zeiten: allem Anschein nach außerirdische Imitatorinnen von zwei weiblichen Szeneberühmtheiten aus Nyc. Eine blond, die andere brünett, kichernd am Hamptons-Strand. Die beiden haben mich an gefälschte Louis-Vuitton Taschen vom Straßenhändler erinnert. Von weitem sahen sie fast aus wie die Originale, aber aus der Nähe... na ja, es gibt Dinge, die kann man eben
nicht fälschen. Was steckt dahinter?
Doppelt- bzw. Vierfachseher
Hallo, Seher 2 bzw. 4,
Nachdem die beiden jetzt die Musen eines berühmten Modedesigners sind, müssen wir uns wahrscheinlich daran gewöhnen, dass immer mehr Doppelgängerinnen von ihnen auftauchen. das wird die Männerwelt in den Wahnsinn treiben.
Die Frage ist bloß: wer schnappt sich die Originale?
GG
Gesichtet B bei Barneys, Bally und Tod's auf der Suche nach dem ultimativen Reisegepäck. Die Frau hat eine schier unerschöpfliche Einkaufsenergie! So unerschöpflich wie der Kreditrahmen ihrer schwarzen Amex-card, die ihre Mutter ihr nach ihrem internationalen dreißigtausend Dollar teuren Shoppingrausch gerade erst wieder ausgehändigt hat! S am Kiosk Ecke 84. Straße und Madison Avenue, wo sie alle vorrätigen Promi-Gazetten kaufte und verstohlen nach Fotos von sich selbst durchblätterte. Das Mädchen braucht ja schließlich Strandlektüre. Ein niedergeschlagen aussehender N, der in einem siffigen Spirituosenladen in Hampton Bays einen lauwarmen Sechserträger Corona kaufte. Plant er ein romantisches Strandpicknick bei Sonnenuntergang oder will er seine Sorgen ertränken? Hm. Den Ereignissen auf der Drehschlussparty von "Frühstück bei Fred" nach zu urteilen, wohl eher letzteres. V und D im Supermarkt an der Ecke 92. Straße und Amsterdam Avenue, wo sie sich mit Notwendigkeiten für ihren gemeinsamen Haushalt eindeckten. Die beiden sind wie ein altes Ehepaar: statt zusammen im Bett zu liegen, kaufen sie zusammen Klopapier. Gähn. K und I bei Whole Foods am Union Square, wo sie in aller Hektik anderen Runden den Einkaufswagen in die Hacken rammten, während vor dem Biosupermarkt ihre schwarze Limousine mit laufendem Motor wartete. Kleiner Tipp, Mädels: ihr könnt so viel Brunnenkressesuppe, Reiswaffeln und geschmacksneutrales Mineralwasser in die Hamptons mitnehmen, wie ihr wollt - wenn ihr während des Einkaufs gleich fünf (oder waren es sechs oder sieben?) der zum probieren ausliegenden Schokotrüffel in euch reinstopft, könnt ihr eure Bikinipo-Diät getrost vergessen. Hach, die kleinen Schweinereien sind aber auch zu köstlich. Überraschung! Nach einwöchiger gesellschaftlicher Abstinenz tauchte C plötzlich wieder in der Szene auf. Wie man hört, hatte er sich in der Penthousesuite des neuen Boatdeck Hotels auf der Gansevoort Street eingemietet... und er war nicht allein. Eine tubengebräunte Blondine mit zentimeterweit herausgewachsenen dunklen Haarwurzeln wich ihm nicht von der Seite. Erinnert sich noch irgendwer an sie? Ich weiß, dass N sie bestimmt nicht vergessen hat.
Der Juli wird heißer als alles, was ihr je erlebt habt, meine Liebsten, aber auf eines könnt ihr euch verlassen: eure treue Berichterstatterin ruht niemals. Ihr werdet auch weiterhin bestens darüber informiert sein, wer an- und wer abreist, wer in den plüschigen Nobelnachtclubs auf der Gin Lane, der Further Lane oder sonstwo in den Hamptons die wüstesten Orgien feiert und wer im Schutze der Nacht mit wem um die Häuser schleicht. Ich bin überall. Jedenfalls überall, wo man sein muss.
Ihr wisst genau, dass ihr mich liebt.
S und B werfen einen blick in den Zerrspiegel
"Hallo?" Blair Waldorf und Serena van der Woodsen traten zögernd in die nüchtern-minimalistisch eingerichtete Eingangshalle des um 1950 erbauten Sommerhauses, in dem der Modedesigner Bailey Winter in East Hampton residierte. Draußen blühten die Hortensien, die Pollen flogen, und in den Thermometern kletterte das Quecksilber, aber im Haus war es herrlich kühl. Blair ließ ihre neue lachsrosa Reisetasche von Tod's mit einem dumpfen Knall auf das dunkel gemaserte Zebrano-Parkett fallen und versuchte es noch einmal. "Hallooooo?"
"Hallo? Ist jemand zu Hause?" Serena schob sich ihre hölzerne Vintage-Sonnenbrille von Chanel in die Haare. Sie war umgeben von Antiquitäten aufgewachsen, aber in diesem Moment fasste sie spontan einen Beschluss. Wenn sie sich später ein Sommerhaus einrichten würde, sollte es aussehen wie dieses - elegant und puristisch und ohne ein einziges antikes Möbelstück.
"Da seid ihr ja endlich!" Der Jetset-Couturier stürmte aufgeregt wie ein Sechsjähriger kurz vor der Weihnachtsbescherung die glänzend gebohnerte Ebenholztreppe hinab. Er klatschte in die Hände, um die fünf kläffenden Möpse zur Ruhe zu bringen, die wie wild um ihn herumsprangen.
Als Blair drei Luftküsse mit dem Modedesigner austauschte, bemerkte sie wieder einmal, wie unglaublich winzig er war. Er reichte ihr gerade mal bis zum Kinn. Bailey Winter hatte die Kostüme für das Teeny-Remake des Audrey-Hepburn-Klassikers "Frühstück bei Tiffany" entworfen, das unter dem Titel "Frühstück bei Fred" ausgerechnet mit Blairs ältester und bester Freundin Serena van der Woodsen in der Hauptrolle verfilmt worden war. Blair hatte sofort all ihre Beziehungen spielen lassen, um seine Assistentin am Set zu werden, und so hatte sie ihn kennengelernt. Bailey war von ihr und Serena so begeistert gewesen, dass er sie eingeladen hatte, den Juli als seine persönlichen Musen in seinem Sommerhaus in Georgica Pond zu verbringen, wo er sich von ihnen für seine neue Kollektion "Summer/Winter by Bailey Winter" inspirieren lassen wollte.
"Wir freuen uns so, hier sein zu dürfen!", schnurrte Blair, während die Möpse neugierig ihre mit perlmuttrosa Nagellack von South of the Highway lackierten Zehen beschnüffelten, die in weißen, vorne offenen Espandrilles von - na klar - Bailey Winter steckten.
"Nicht so schüchtern!" Der Designer stellte sich auf die Zehenspitzen, äugte über Blairs Schulter hinweg und winkte Serena zu sich, die in der Tür stehen geblieben war und sich bewundernd umsah. "Komm sofort her und gib dem lieben Bailey ein Kussi-Bussi!"
Serena stellte ihre dunkelgrüne Leinentasche von Hermès auf den Boden, umarmte Bailey Winter und tauschte ebenfalls Luftküsse mit ihm aus. Die Möpse umtänzelten sie und rieben ihre faltigen, feuchten Lefzen an ihren gebräunten und sagenhaft langen Beinen.
"Benehmt euch, Kinder!", schimpfte Bailey seine Hunde, die ihn jedoch ignorierten und in Ermangelung eines Schwanzes begeistert die ockerbraunen Hinterteile schwenkten. "Blair? Serena? Darf ich euch meine kleinen Freunde vorstellen?" Er zeigte nacheinander auf die glubschäugigen Kreaturen. "Azzedine, Coco, Cristóbal, Gianni und Madame Grès." Dann bückte er sich zu den Hunden herab. "Kinder, das sind die beiden Mädchen, von denen ich euch schon so viel erzählt habe. Blair Waldorf und Serena van der Woodsen, meine neuen Musen. Seid ja nett zu ihnen!"
"Soll ich die Taschen schon aufs Zimmer bringen?", erkundigte sich eine tiefe Stimme mit fast unmerklichem französischen Akzent. Aus dem Gang, der in den rückwärtigen Teil des Hauses führte, war ein schlanker junger Mann mit kinnlangen Haaren in die lichtdurchflutete Eingangshalle getreten. Er stand vor den bodentiefen Fenstern, hinter denen ein türkisblauer, scheinbar endlos langer Pool in der Sonne glitzerte. Der frankophone Adonis trug ein verwaschenes orangefarbenes T-Shirt, das sich um seine karamellbraunen Oberarme spannte, und zerrissene olivgrüne Cargoshorts. Blair musterte ihn interessiert. Irgendwo hatte sie ihn schon mal gesehen... nur wo? In einem Katalog von Abercrombie & Fitch? In Calvin-Klein-Unterhosen auf einem Riesenposter am Times Square?
In ihren feuchten Träumen?
"Das wäre ganz reizend, Stéphane", sagte Bailey. "Die Mädchen wohnen im Poolhaus."
"Alles klar." Stéphane griff lächelnd nach den Taschen, die Blair und Serena fallen gelassen hatten.
"Im Wagen ist noch mehr", sagte Blair und bewunderte hingerissen das Spiel seiner Muskeln, als er ihre schwere Reisetasche hob.
"Na, na, friss ihn nicht gleich auf!", raunte Bailey ihr überlaut zu, als er ihren Blick bemerkte. Er legte ihr einen gebräunten, wenn auch farblich eher ins Orange tendierenden Arm um die Schulter und drückte sie liebevoll an sich. "Ein wahrer Augenschmaus, nicht wahr?"
Blair nickte zustimmend, obwohl der Anblick von Stéphanes gestählten Armen und honigbraunen Haaren sie vor allem an die einstmalige und vielleicht auch zukünftige große Liebe ihres Lebens erinnert hatte - Nate Archibald. Im Sommer ging mit Nates Körper immer eine magische Verwandlung vor. Sobald er auch nur ein bisschen braun war, sah er selbst in einem ausgeleierten langweiligen Poloshirt und den biederen beigen Bermudashorts mit Bügelfalten, die seine Mutter ihm immer bei Brooks Brothers kaufte, geradezu absurd sexy aus.
Vor ein paar Minuten, als sie in die Straße eingebogen waren, in der Baileys Palast aus Stahlbeton und Glas stand, hatte Blair verstohlen in jede Einfahrt geschaut und nach Nates Wagen Ausschau gehalten. Sie hatte gehört, dass seine Eltern ihren Sommerurlaub wie üblich auf Mt.-Desert in Maine verbrachten, er selbst aber, solange er noch für seinen Lacrosse-Trainer Sklavendienste verrichten musste, im Sommerhaus der Familie in Georgica Pond wohnte. Sie war nie mit ihm dort gewesen und kannte die genaue Adresse nicht, wusste aber, dass es irgendwo in unmittelbarer Nachbarschaft von Bailey Winters Haus stehen musste. Nicht dass sie sonderlich viel an Nate dachte.
Neeeeein. Wieso auch?
Es waren die letzten Sommerferien ihres Lebens - okay, an der Uni gab es natürlich auch Semesterferien, aber da würde sie bestimmt Praktika bei wichtigen Modemagazinen absolvieren, an archäologischen Ausgrabungen in der Wüste Mumbai teilnehmen oder anthropologische Studien in Südfrankreich betreiben - und in knapp acht Wochen würde sie ihre Habseligkeiten in ihren neuen zartrosa BMW laden (ein Schulabschlussgeschenk ihres stockschwulen süßen Vaters, der seinen Hauptwohnsitz leider in Frankreich hatte) und nach New Haven fahren, um ihr Studium in Yale aufzunehmen. Insofern waren es die letzten richtigen Sommerferien ihres Lebens, und sie war fest entschlossen, aus ihrer Zeit als Muse das Beste zu machen. Sie würde sich den ganzen Tag am Pool räkeln und geeisten Wodka mit Limoncello schlürfen, und nachts würde sie Stéphanes Armmuskeln kneten oder nach Nate suchen. Oder aber nicht nach Nate suchen. Je nachdem.
"Das Haus ist ein Traum!"
Serenas Stimme weckte Blair aus ihren Gedanken. Sie riss ihren Blick von Stéphanes Oberarmen los und betrachtete stattdessen ihre beste Freundin, die strahlend inmitten von Baileys Mopsmeute auf dem Boden saß. Sie trug ein langes weißes Baumwollsommerkleid von Marni mit Spaghetti-Trägern und violett umhäkeltem Saum, in dem jedes andere Mädchen wie die letzte Hippietusse ausgesehen hätte. Serena sah darin natürlich entzückend aus.
"Ich fühle mich geschmeichelt, dass mein bescheidenes Heim den hohen Ansprüchen einer Serena van der Woodsen genügt", sagte Bailey.Sechs Schlafzimmer, sieben Bäder, eine begehbare Voliere mit Papageien, ein geräumiges Poolhaus, ein eigener Hubschrauberlandeplatz, mehrere Tennisplätze = bescheidenes Heim. Mhm, alles klar.
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Ihr Lieben! / denkt ihr manchmal, dass ihr das glücklichste Mädchen der Welt seid? Tja, falsch gedacht! Das bin nämlich schon ich. Beweis gefällig? Aktuell sonne ich mich am traumschönen Edelbeach von East Hampton und beobachte die Söhne reicher Väter um mich herum, die sich aus ihren pastellfarbenen Lacoste-Polos pellen und ihre sonnengeküssten durchtrainierten Breitschultern einölen. Oh ja, kluge New Yorker, die sich im Sommer nicht allzu weit von ihrer geliebten Stadt entfernen wollen, wissen schon, warum sie in den Hamptons Urlaub machen. Aus dem gleichen Grund, aus dem Menschen mit Geschmack Schuhe von Christian Louboutin tragen und nur erster Klasse reisen. Und dieser Grund lautet: das Beste ist eben einfach besser. / Die besten Bikinis sind jedenfalls eindeutig von Eres. Ich bin ja nun wahrlich nicht eingebildet, aber selbst mir stockt vor Entzücken der Atem, wenn ich mich in meinem neuen mangofarbenen Triangletop mit den dazu passenden hot pants im Spiegel betrachte. Nun gut, vielleicht bin ich doch ein klitzekleines bisschen eingebildet, aber ja wohl auch berechtigterweise. Wenn ihr im weißen Muschelsand dahingestreckt so hinreißend aussehen würdet wie ich, würdet ihr auch darüber reden wollen. Außerdem hab ich schon in meiner exklusiven Mädchengrundschule auf der Upper East Side gelernt, dass es keine Angeberei ist, die Wahrheit zu sagen. / Endlich ist Sommer und wir können uns mit ganzer Kraft der tagesfüllenden Tätigkeit des Nichtstuns hingeben. Nach einem doch noch recht anstrengenden Juni in der Stadt ist es mittlerweile Juli geworden. Eine laue Brise streicht über die Wellenkämme der Bucht und droht die »Reserviert«-Schildchen auf den Terrassentischen der Edelrestaurants wegzuwehen. Der feucht-schwüle Großstadtdschungel Manhattans ist nur einen Katzensprung entfernt, aber wir schlendern lieber barfuß in unseren wild gemusterten Bikinis von Eres bzw. Missoni und unseren Batiksarongs von Calypso durch den Sand oder fahren am Steuer unserer platingrauen Mercedes clk 500 Cabrios die Hauptstraße in East Hampton auf und ab immer auf der Jagd nach Parkplätzen und schnieken Jungs in Surfershorts von Billabong. / Sie sind die Typen mit den sonnenvergoldeten Strähnchen, die in ihren Cherokees gerade vom surfen in Montauk zurückkommen. Wir sind die Mädchen, die sich kichernd auf limettengrünen und himbeerrosanen Badetüchern räkeln oder sich im Aveda Salon in Bridgehampton eine kleine After-Sun-Ganzkörperbehandlung gönnen. Zusammen sind wir die Prinzen und Prinzessinnen der Upper East Side und derzeit die unumstrittenen Herrscher der Strände der Hamptons. Aber wenn du zu uns gehörst und Mitglied im Club der auserwählten bist, werden wir uns sowieso früher oder später hier auf Long Island über den weg laufen. Die Sommersaison hat endgültig begonnen, was unschwer daran zu erkennen ist, dass sich einige unserer Lieblinge die Ehre geben. Wie zum Beispiel das dynamische Duo / ich gestehe es. Ich komme bei den Beiden auch nicht mehr mit. Es ist unmöglich, verlässliche Aussagen über den aktuellen Stand ihrer stürmischen Beziehung zu treffen. Was sind sie eigentlich? Freundinnen? Feindinnen? In Hassliebe verschmolzene Freindinnen oder gar Bettgefährtinnen? Die Rede ist natürlich von B und S. mit Sicherheit lässt sich nur eines über sie sagen: Seit neuestem sind sie offizielle Modeikonen. Wir haben es natürlich längst gewusst, aber anscheinend ist jetzt auch die Modeprominenz dahintergekommen. Ein bekannter, Samtpantoffeln tragender und mit perlweißen Kunstzähnen lächelnder Geschmacksvorreiter, sprich: Modeschöpfer, mit permanent-Palm-Beach-Bräune lernte die beiden im Rahmen der Dreharbeiten zu »Frühstück bei Fred« näher kennen und beschloss kurzerhand, sie als persönliche Inspirationsquellen in sein Sommerhaus nach Georgica Pond einzuladen.
Leseprobe zu "Das haben wir uns verdient / Gossip Girl Bd.10"
Ihr Lieben!
denkt ihr manchmal, dass ihr das glücklichste Mädchen der Welt seid? Tja, falsch gedacht! Das bin nämlich schon ich. Beweis gefällig? Aktuell sonne ich mich am traumschönen Edelbeach von East Hampton und beobachte die Söhne reicher Väter um mich herum, die sich aus ihren pastellfarbenen Lacoste-Polos pellen und ihre sonnengeküssten durchtrainierten Breitschultern einölen. Oh ja, kluge New Yorker, die sich im Sommer nicht allzu weit von ihrer geliebten Stadt entfernen wollen, wissen schon, warum sie in den Hamptons Urlaub machen. Aus dem gleichen Grund, aus dem Menschen mit Geschmack Schuhe von Christian Louboutin tragen und nur erster Klasse reisen. Und dieser Grund lautet: das Beste ist eben einfach... besser.
Die besten Bikinis sind jedenfalls eindeutig von Eres. Ich bin ja nun wahrlich nicht eingebildet, aber selbst mir stockt vor Entzücken der Atem, wenn ich mich in meinem neuen mangofarbenen Triangletop mit den dazu passenden hot pants im Spiegel betrachte. Nun gut, vielleicht bin ich doch ein klitzekleines bisschen eingebildet, aber ja wohl auch berechtigterweise. Wenn ihr im weißen Muschelsand dahingestreckt so hinreißend aussehen würdet wie ich, würdet ihr auch darüber reden wollen. Außerdem hab ich schon in meiner exklusiven Mädchengrundschule auf der Upper East Side gelernt, dass es keine Angeberei ist, die Wahrheit zu sagen.
Endlich ist Sommer und wir können uns mit ganzer Kraft der tagesfüllenden Tätigkeit des Nichtstuns hingeben. Nach einem doch noch recht anstrengenden Juni in der Stadt ist es mittlerweile Juli geworden. Eine laue Brise streicht über die Wellenkämme der Bucht und droht die "Reserviert"-Schildchen auf den Terrassentischen der Edelrestaurants wegzuwehen. Der feucht-schwüle Großstadtdschungel Manhattans ist nur einen Katzensprung entfernt, aber wir schlendern lieber barfuß in unseren wild gemusterten Bikinis von Eres bzw. Missoni und unseren Batiksarongs von Calypso durch den Sand oder fahren am Steuer unserer platingrauen Mercedes clk 500 Cabrios die Hauptstraße in East Hampton auf und ab - immer auf der Jagd nach Parkplätzen und schnieken Jungs in Surfershorts von Billabong.
Sie sind die Typen mit den sonnenvergoldeten Strähnchen, die in ihren Cherokees gerade vom surfen in Montauk zurückkommen. Wir sind die Mädchen, die sich kichernd auf limettengrünen und himbeerrosanen Badetüchern räkeln oder sich im Aveda Salon in Bridgehampton eine kleine After-Sun-Ganzkörperbehandlung gönnen. Zusammen sind wir die Prinzen und Prinzessinnen der Upper East Side und derzeit die unumstrittenen Herrscher der Strände der Hamptons. Aber wenn du zu uns gehörst und Mitglied im Club der auserwählten bist, werden wir uns sowieso früher oder später hier auf Long Island über den weg laufen. Die Sommersaison hat endgültig begonnen, was unschwer daran zu erkennen ist, dass sich einige unserer Lieblinge die Ehre geben. Wie zum Beispiel... ... das dynamische Duo
ich gestehe es. Ich komme bei den Beiden auch nicht mehr mit. Es ist unmöglich, verlässliche Aussagen über den aktuellen Stand ihrer stürmischen Beziehung zu treffen. Was sind sie eigentlich? Freundinnen? Feindinnen? In Hassliebe verschmolzene Freindinnen oder gar... Bettgefährtinnen? Die Rede ist natürlich von B und S. mit Sicherheit lässt sich nur eines über sie sagen: Seit neuestem sind sie offizielle Modeikonen. Wir haben es natürlich längst gewusst, aber anscheinend ist jetzt auch die Modeprominenz dahintergekommen. Ein bekannter, Samtpantoffeln tragender und mit perlweißen Kunstzähnen lächelnder Geschmacksvorreiter, sprich: Modeschöpfer, mit permanent-Palm-Beach-Bräune lernte die beiden im Rahmen der Dreharbeiten zu "Frühstück bei Fred" näher kennen und beschloss kurzerhand, sie als persönliche Inspirationsquellen in sein Sommerhaus nach Georgica Pond einzuladen. Bleibt zu hoffen, dass sein kleiner Privatzoo (die Menagerie besteht aus mehreren mopsigen Schoßhunden, dutzenden exotischer Vögel in allen Regenbogenfarben und zwei beängstigend mageren Models, die er aus Estland importiert hat, um sie für seine neueste Kollektion zu Stars zu machen) auf die Ankunft der beiden nicht mit Eifersucht reagiert. Aber das bleibt wohl ein frommer Wunsch. S und B schaffen es doch immer, alle in ihrer Umgebung neidisch zu machen. Es gibt nun mal gute Gründe, auf sie neidisch zu sein.
It's summertime and the living ain't easy...
Jedenfalls für diejenigen, die nicht zu den oben genannten gehören, die das Glück anscheinend für sich gepachtet haben. Alle anderen schauen nämlich in die Röhre. So wie... der arme N, der weiterhin jeden Tag für seinen ehemaligen Lacrosse-Trainer den Rücken krumm machen muss und allabendlich mutterseelenallein am Pool des elterlichen Sommerhauses in Georgica Pond sitzt, wo er vor sich hin schmollt. Was bekümmert ihn denn so sehr? Etwa die Trennung von seiner Kaugummi kauenden Prollschlampenfreundin? Glaubt mir, die Frau würde einen Eres-Bikini nicht mal erkennen, wenn man ihn ihr an den wasserstoffblondierten Kunsthaarschopf werfen würde. Hey, N-Baby, soll ich dich trösten...?
Die arme V, die ihren ganz persönlichen Albtraum durchlebt: sie wohnt mit ihrem Langzeitfreund D zusammen, darf ihn aber nicht küssen und muss sich außerdem ständig getrocknete Kinderrotze von ihrer schwarzen Carhartt-Cargohose kratzen, während die beiden hyperaktiven Knöchelbeißer, die sie für zu wenig Geld beaufsichtigt, im Chor das Alphabet rülpsen.
Nicht zu vergessen, der arme D. Wobei... der Kerl hat eigentlich kein Mitleid verdient. V ist schließlich nur deshalb dazu gezwungen, im altrosa gestrichenen Jugendzimmer seiner kleiner Schwester J zu nächtigen statt in seinem Kuschelbett, weil er sie mit dieser sportiven yoga-ische betrogen hat. Außerdem hat er einen tollen "Job" und einen anscheinend unerschöpflichen Vorrat an Pulverkaffee. Hm, man bekommt im Moment fast den Eindruck, ihm würde mehr an schlechtem Kaffee und schlechten Gedichten liegen als am schönen Geschlecht. Ts, was da wohl dahintersteckt?
Eure Mails
Liebes Gossipgirl, ich weiß nicht mehr weiter, bitte hilf mir. Ich hatte einen kleinen Flirt mit meiner wunderschönen Nachbarin aus dem Dachgeschoss, aus dem leider nichts wurde. Zum Glück hab ich dann ihre supersüße Freundin und Mitbewohnerin kennengelernt, bei der ich erfolgreich landen konnte... jedenfalls sah es so aus. Es war eine klassische New Yorker Sommerromanze, alles schien perfekt, sie war ein echter Schatz. Aber dann hab ich eines Zages an ihrer Tür geklopft und sie war weg. Die Wohnung war verwaist, der Kleiderschrank leer, kein Abschiedsbrief - gar nichts. Was soll ich jetzt machen? Darf ich sie auf dem Handy anrufen oder wäre das zu aufdringlich? Lg von tief-B-troffen
Hallo, tief-B-troffener,
Tja, so ist das mit den Schätzen - sie gehen leicht verloren. Aber wenn ihr zwei füreinander bestimmt seid, wird sie zurückkehren und dich mit Blüten
blattsanften Küssen bedecken. Andernfalls solltest du die Erinnerung an sie in deinem Herzen bewahren und dich damit trösten, dass Sommerromanzen per se von flüchtiger Natur sind.
GG
Hey GG,
Krass! Merkwürdigste Sichtung aller Zeiten: allem Anschein nach außerirdische Imitatorinnen von zwei weiblichen Szeneberühmtheiten aus Nyc. Eine blond, die andere brünett, kichernd am Hamptons-Strand. Die beiden haben mich an gefälschte Louis-Vuitton Taschen vom Straßenhändler erinnert. Von weitem sahen sie fast aus wie die Originale, aber aus der Nähe... na ja, es gibt Dinge, die kann man eben
nicht fälschen. Was steckt dahinter?
Doppelt- bzw. Vierfachseher
Hallo, Seher 2 bzw. 4,
Nachdem die beiden jetzt die Musen eines berühmten Modedesigners sind, müssen wir uns wahrscheinlich daran gewöhnen, dass immer mehr Doppelgängerinnen von ihnen auftauchen. das wird die Männerwelt in den Wahnsinn treiben.
Die Frage ist bloß: wer schnappt sich die Originale?
GG
Gesichtet B bei Barneys, Bally und Tod's auf der Suche nach dem ultimativen Reisegepäck. Die Frau hat eine schier unerschöpfliche Einkaufsenergie! So unerschöpflich wie der Kreditrahmen ihrer schwarzen Amex-card, die ihre Mutter ihr nach ihrem internationalen dreißigtausend Dollar teuren Shoppingrausch gerade erst wieder ausgehändigt hat! S am Kiosk Ecke 84. Straße und Madison Avenue, wo sie alle vorrätigen Promi-Gazetten kaufte und verstohlen nach Fotos von sich selbst durchblätterte. Das Mädchen braucht ja schließlich Strandlektüre. Ein niedergeschlagen aussehender N, der in einem siffigen Spirituosenladen in Hampton Bays einen lauwarmen Sechserträger Corona kaufte. Plant er ein romantisches Strandpicknick bei Sonnenuntergang oder will er seine Sorgen ertränken? Hm. Den Ereignissen auf der Drehschlussparty von "Frühstück bei Fred" nach zu urteilen, wohl eher letzteres. V und D im Supermarkt an der Ecke 92. Straße und Amsterdam Avenue, wo sie sich mit Notwendigkeiten für ihren gemeinsamen Haushalt eindeckten. Die beiden sind wie ein altes Ehepaar: statt zusammen im Bett zu liegen, kaufen sie zusammen Klopapier. Gähn. K und I bei Whole Foods am Union Square, wo sie in aller Hektik anderen Runden den Einkaufswagen in die Hacken rammten, während vor dem Biosupermarkt ihre schwarze Limousine mit laufendem Motor wartete. Kleiner Tipp, Mädels: ihr könnt so viel Brunnenkressesuppe, Reiswaffeln und geschmacksneutrales Mineralwasser in die Hamptons mitnehmen, wie ihr wollt - wenn ihr während des Einkaufs gleich fünf (oder waren es sechs oder sieben?) der zum probieren ausliegenden Schokotrüffel in euch reinstopft, könnt ihr eure Bikinipo-Diät getrost vergessen. Hach, die kleinen Schweinereien sind aber auch zu köstlich. Überraschung! Nach einwöchiger gesellschaftlicher Abstinenz tauchte C plötzlich wieder in der Szene auf. Wie man hört, hatte er sich in der Penthousesuite des neuen Boatdeck Hotels auf der Gansevoort Street eingemietet... und er war nicht allein. Eine tubengebräunte Blondine mit zentimeterweit herausgewachsenen dunklen Haarwurzeln wich ihm nicht von der Seite. Erinnert sich noch irgendwer an sie? Ich weiß, dass N sie bestimmt nicht vergessen hat.
Der Juli wird heißer als alles, was ihr je erlebt habt, meine Liebsten, aber auf eines könnt ihr euch verlassen: eure treue Berichterstatterin ruht niemals. Ihr werdet auch weiterhin bestens darüber informiert sein, wer an- und wer abreist, wer in den plüschigen Nobelnachtclubs auf der Gin Lane, der Further Lane oder sonstwo in den Hamptons die wüstesten Orgien feiert und wer im Schutze der Nacht mit wem um die Häuser schleicht. Ich bin überall. Jedenfalls überall, wo man sein muss.
Ihr wisst genau, dass ihr mich liebt.
S und B werfen einen blick in den Zerrspiegel
"Hallo?" Blair Waldorf und Serena van der Woodsen traten zögernd in die nüchtern-minimalistisch eingerichtete Eingangshalle des um 1950 erbauten Sommerhauses, in dem der Modedesigner Bailey Winter in East Hampton residierte. Draußen blühten die Hortensien, die Pollen flogen, und in den Thermometern kletterte das Quecksilber, aber im Haus war es herrlich kühl. Blair ließ ihre neue lachsrosa Reisetasche von Tod's mit einem dumpfen Knall auf das dunkel gemaserte Zebrano-Parkett fallen und versuchte es noch einmal. "Hallooooo?"
"Hallo? Ist jemand zu Hause?" Serena schob sich ihre hölzerne Vintage-Sonnenbrille von Chanel in die Haare. Sie war umgeben von Antiquitäten aufgewachsen, aber in diesem Moment fasste sie spontan einen Beschluss. Wenn sie sich später ein Sommerhaus einrichten würde, sollte es aussehen wie dieses - elegant und puristisch und ohne ein einziges antikes Möbelstück.
"Da seid ihr ja endlich!" Der Jetset-Couturier stürmte aufgeregt wie ein Sechsjähriger kurz vor der Weihnachtsbescherung die glänzend gebohnerte Ebenholztreppe hinab. Er klatschte in die Hände, um die fünf kläffenden Möpse zur Ruhe zu bringen, die wie wild um ihn herumsprangen.
Als Blair drei Luftküsse mit dem Modedesigner austauschte, bemerkte sie wieder einmal, wie unglaublich winzig er war. Er reichte ihr gerade mal bis zum Kinn. Bailey Winter hatte die Kostüme für das Teeny-Remake des Audrey-Hepburn-Klassikers "Frühstück bei Tiffany" entworfen, das unter dem Titel "Frühstück bei Fred" ausgerechnet mit Blairs ältester und bester Freundin Serena van der Woodsen in der Hauptrolle verfilmt worden war. Blair hatte sofort all ihre Beziehungen spielen lassen, um seine Assistentin am Set zu werden, und so hatte sie ihn kennengelernt. Bailey war von ihr und Serena so begeistert gewesen, dass er sie eingeladen hatte, den Juli als seine persönlichen Musen in seinem Sommerhaus in Georgica Pond zu verbringen, wo er sich von ihnen für seine neue Kollektion "Summer/Winter by Bailey Winter" inspirieren lassen wollte.
"Wir freuen uns so, hier sein zu dürfen!", schnurrte Blair, während die Möpse neugierig ihre mit perlmuttrosa Nagellack von South of the Highway lackierten Zehen beschnüffelten, die in weißen, vorne offenen Espandrilles von - na klar - Bailey Winter steckten.
"Nicht so schüchtern!" Der Designer stellte sich auf die Zehenspitzen, äugte über Blairs Schulter hinweg und winkte Serena zu sich, die in der Tür stehen geblieben war und sich bewundernd umsah. "Komm sofort her und gib dem lieben Bailey ein Kussi-Bussi!"
Serena stellte ihre dunkelgrüne Leinentasche von Hermès auf den Boden, umarmte Bailey Winter und tauschte ebenfalls Luftküsse mit ihm aus. Die Möpse umtänzelten sie und rieben ihre faltigen, feuchten Lefzen an ihren gebräunten und sagenhaft langen Beinen.
"Benehmt euch, Kinder!", schimpfte Bailey seine Hunde, die ihn jedoch ignorierten und in Ermangelung eines Schwanzes begeistert die ockerbraunen Hinterteile schwenkten. "Blair? Serena? Darf ich euch meine kleinen Freunde vorstellen?" Er zeigte nacheinander auf die glubschäugigen Kreaturen. "Azzedine, Coco, Cristóbal, Gianni und Madame Grès." Dann bückte er sich zu den Hunden herab. "Kinder, das sind die beiden Mädchen, von denen ich euch schon so viel erzählt habe. Blair Waldorf und Serena van der Woodsen, meine neuen Musen. Seid ja nett zu ihnen!"
"Soll ich die Taschen schon aufs Zimmer bringen?", erkundigte sich eine tiefe Stimme mit fast unmerklichem französischen Akzent. Aus dem Gang, der in den rückwärtigen Teil des Hauses führte, war ein schlanker junger Mann mit kinnlangen Haaren in die lichtdurchflutete Eingangshalle getreten. Er stand vor den bodentiefen Fenstern, hinter denen ein türkisblauer, scheinbar endlos langer Pool in der Sonne glitzerte. Der frankophone Adonis trug ein verwaschenes orangefarbenes T-Shirt, das sich um seine karamellbraunen Oberarme spannte, und zerrissene olivgrüne Cargoshorts. Blair musterte ihn interessiert. Irgendwo hatte sie ihn schon mal gesehen... nur wo? In einem Katalog von Abercrombie & Fitch? In Calvin-Klein-Unterhosen auf einem Riesenposter am Times Square?
In ihren feuchten Träumen?
"Das wäre ganz reizend, Stéphane", sagte Bailey. "Die Mädchen wohnen im Poolhaus."
"Alles klar." Stéphane griff lächelnd nach den Taschen, die Blair und Serena fallen gelassen hatten.
"Im Wagen ist noch mehr", sagte Blair und bewunderte hingerissen das Spiel seiner Muskeln, als er ihre schwere Reisetasche hob.
"Na, na, friss ihn nicht gleich auf!", raunte Bailey ihr überlaut zu, als er ihren Blick bemerkte. Er legte ihr einen gebräunten, wenn auch farblich eher ins Orange tendierenden Arm um die Schulter und drückte sie liebevoll an sich. "Ein wahrer Augenschmaus, nicht wahr?"
Blair nickte zustimmend, obwohl der Anblick von Stéphanes gestählten Armen und honigbraunen Haaren sie vor allem an die einstmalige und vielleicht auch zukünftige große Liebe ihres Lebens erinnert hatte - Nate Archibald. Im Sommer ging mit Nates Körper immer eine magische Verwandlung vor. Sobald er auch nur ein bisschen braun war, sah er selbst in einem ausgeleierten langweiligen Poloshirt und den biederen beigen Bermudashorts mit Bügelfalten, die seine Mutter ihm immer bei Brooks Brothers kaufte, geradezu absurd sexy aus.
Vor ein paar Minuten, als sie in die Straße eingebogen waren, in der Baileys Palast aus Stahlbeton und Glas stand, hatte Blair verstohlen in jede Einfahrt geschaut und nach Nates Wagen Ausschau gehalten. Sie hatte gehört, dass seine Eltern ihren Sommerurlaub wie üblich auf Mt.-Desert in Maine verbrachten, er selbst aber, solange er noch für seinen Lacrosse-Trainer Sklavendienste verrichten musste, im Sommerhaus der Familie in Georgica Pond wohnte. Sie war nie mit ihm dort gewesen und kannte die genaue Adresse nicht, wusste aber, dass es irgendwo in unmittelbarer Nachbarschaft von Bailey Winters Haus stehen musste. Nicht dass sie sonderlich viel an Nate dachte.
Neeeeein. Wieso auch?
Es waren die letzten Sommerferien ihres Lebens - okay, an der Uni gab es natürlich auch Semesterferien, aber da würde sie bestimmt Praktika bei wichtigen Modemagazinen absolvieren, an archäologischen Ausgrabungen in der Wüste Mumbai teilnehmen oder anthropologische Studien in Südfrankreich betreiben - und in knapp acht Wochen würde sie ihre Habseligkeiten in ihren neuen zartrosa BMW laden (ein Schulabschlussgeschenk ihres stockschwulen süßen Vaters, der seinen Hauptwohnsitz leider in Frankreich hatte) und nach New Haven fahren, um ihr Studium in Yale aufzunehmen. Insofern waren es die letzten richtigen Sommerferien ihres Lebens, und sie war fest entschlossen, aus ihrer Zeit als Muse das Beste zu machen. Sie würde sich den ganzen Tag am Pool räkeln und geeisten Wodka mit Limoncello schlürfen, und nachts würde sie Stéphanes Armmuskeln kneten oder nach Nate suchen. Oder aber nicht nach Nate suchen. Je nachdem.
"Das Haus ist ein Traum!"
Serenas Stimme weckte Blair aus ihren Gedanken. Sie riss ihren Blick von Stéphanes Oberarmen los und betrachtete stattdessen ihre beste Freundin, die strahlend inmitten von Baileys Mopsmeute auf dem Boden saß. Sie trug ein langes weißes Baumwollsommerkleid von Marni mit Spaghetti-Trägern und violett umhäkeltem Saum, in dem jedes andere Mädchen wie die letzte Hippietusse ausgesehen hätte. Serena sah darin natürlich entzückend aus.
"Ich fühle mich geschmeichelt, dass mein bescheidenes Heim den hohen Ansprüchen einer Serena van der Woodsen genügt", sagte Bailey.Sechs Schlafzimmer, sieben Bäder, eine begehbare Voliere mit Papageien, ein geräumiges Poolhaus, ein eigener Hubschrauberlandeplatz, mehrere Tennisplätze = bescheidenes Heim. Mhm, alles klar.