Unland - Wagner, Antje
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Antje Wagner 

Unland

Ausgezeichnet mit dem ver.di Literaturpreis, Kategorie Kinder- u. Jugendbuch 2010

Broschiertes Buch
 
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Unland

Das Jugendbuchdebüt der mehrfach ausgezeichneten Autorin Antje Wagner.

Die vierzehnjährige Franka muss von Berlin nach Waldburgen ziehen, in ein Elbdorf mitten in Sachsen- Anhalt. Sie ist der "Neuzugang" im Haus Eulenruh, einem Wohnprojekt für sieben Kinder und Jugendliche. Doch irgendetwas stimmt nicht in dem Ort. Wieso schweigen die Erwachsenen so beharrlich, wenn man sie auf das verlassene Dorf Unland, diese Ruinenlandschaft am Waldrand, anspricht? Als plötzlich ein Junge aus dem Haus Eulenruh verdächtigt wird, einen Diebstahl begangen zu haben, gründet Franka eine Bande. Während die "Eulen" versuchen herauszufinden, wer hinter der Verleumdung steckt, stoßen sie auf ein viel größeres und unheimlicheres Geheimnis.


Produktinformation

  • Verlag: Bloomsbury
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 379 S.
  • Seitenzahl: 379
  • Bloomsbury Kinder- & Jugendbücher, Taschenbuch Bd.5052
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 115mm x 30mm
  • Gewicht: 305g
  • ISBN-13: 9783833350528
  • ISBN-10: 3833350520
  • Best.Nr.: 29909908
"Antje Wagner lässt die Handlung kippen wie weiland nur Quentin Tarantino in seinem radikalen Film "From Dusk till Dawn"... Ein ungewöhnliches Buch." (Bulletin Jugend und Literatur)

"Antje Wagner lässt die Handlung kippen wie weiland nur Quentin Tarantino in seinem radikalen Film "From Dusk till Dawn"... Ein ungewöhnliches Buch." Bulletin Jugend und Literatur "Ein Thriller der Extraklasse." Deutschlandfunk

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.10.2009

Hinterhalt
Antje Wagners ungewöhnlicher Jugendroman „Unland”
Ein Mädchen, vierzehn Jahre alt, in einem Bus auf einer staubigen Straße Ostdeutschlands – der Roman Unland beginnt ganz klassisch. Franka aus Berlin ist auf dem Weg in eine betreute Wohngemeinschaft für Heimkinder: Haus Eulenruh liegt im tiefsten Sachsen-Anhalt, eine Busreise von Wittenberg entfernt, am Rande des Dorfes Waldburgen. Man mag sie sofort, diese Franka, kurzhaarig, flachbrüstig und unerschrocken, kein typisches Mädchen. Weshalb ihr Wohngenosse Ricardo, der sie von der Bushaltestelle abholen soll, sie kurzerhand stehen lässt. Franka fragt sich durch bis Haus Eulenruh, trifft dort auf eine bunte Clique. Auf Ricardo eben, den dauerfluchenden 18-Jährigen, auf den bleichen Matthias, der den ganzen Tag in seinem Kellerraum mit dem Computerspiel Future World verbringt, auf die 15-jährigen eineiigen Zwillinge Ann und Lizzie, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und auf die scheuen Geschwister Axel und Denise, die nie lachen. Die liebevoll-lockere Aufsicht – so stellt man sich Heimeltern gerne vor – führen der sanftmütige, verständnisvolle Andreas und die exzentrische Vera.

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"Ein Thriller der Extraklasse."
Antje Wagner, geboren 1974 in Lutherstadt Wittenberg, studierte Deutsche und Amerikanische Literaturund Kultur wissenschaften in Potsdam und Manchester. Sie schreibt Romane und Erzählungen und übersetzt auch aus dem Englischen. Zuletzt erschien von ihr der Roman "Hinter dem Schlaf" (KiWi 2005). 2009 erhielt sie den Mannheimer Feuergriffel für Kinder- und Jugendliteratur.

Leseprobe zu "Unland" von Antje Wagner

Inhalt
1. Kapitel Haus Eulenruh 9
2. Kapitel Lizzie und Ann 30
3. Kapitel Die Harleys von Waldburgen 40
4. Kapitel Schenken oder Klauen 50
5. Kapitel Am Mooschkolk 67
6. Kapitel Der Zaun 94
7. Kapitel Erster Schultag 114
8. Kapitel Bosen 159
9. Kapitel Das Eulenhaus fliegt aus 178

10. Kapitel Stromausfall 219

11. Kapitel Der Verdacht 239

12. Kapitel Wir sind die Eulen! 268

13. Kapitel Alles steht kopf 290

14. Kapitel Der Countdown läuft 317

15. Kapitel Ich bin schon da 328

Drei Monate später ... 349

Der inoffizielle Soundtrack zum Buch 378

Dank 380
1. KAPITEL

Haus Eulenruh

Mir war schlecht.

Der Bus raste eine Obstbaumallee entlang, und vor jeder Kurve drehte der Fahrer den Motor voll auf, dann legte er sich mit dem ganzen Bus in die Kurve. Äste knallten gegen die Fenster. Geistesgegenwärtig ließ ich meine Hand nach vorn schnellen, um meine Reisetasche, die im Gang stand, davon abzuhalten, schon wieder wegzurollen, da warf der Schwung mich schmerzhaft gegen das Busfenster.

Leise fluchend rappelte ich mich auf. Ich rieb mir den Arm, der garantiert schon voller blauer Flecken war. Die Tasche war natürlich weg.

Sie lag am Ende des Gangs. Verkehrt herum. Die anderen Leute im Bus schauten ausdruckslos vor sich hin. Gesichter, die aussahen, als hätte kein Lächeln je Lust gehabt, sich für ein Weilchen dort niederzulassen. Als ich aufstand, um die Tasche zurückzuholen, hangelte ich mich an den Sitzen entlang. Jetzt glotzten mich alle an. Sie wirkten, als ob sie gerade von der Nachtschicht kämen und nur eines wollten: ihre Ruhe.

Als ich schon fast am Ende des Gangs war, schnitt der Fahrer, den offenbar der heftige Wunsch trieb, mal mit seinem Bus bei der Formel 1 mitzumachen, eine neue Kurve. Ich verlor das Gleichgewicht, ruderte wild mit den Armen und rief dabei: "Eieieiah ... aaahhh ... naaaiih ..." Peinlich.

Hätte ich mich nicht gerade noch an einer Stange festhalten und abfangen können, wäre ich einem dieser griesgrämigen Menschen mitten auf den Schoß gestürzt. Ich hievte meine Tasche hoch, schleppte sie zurück zu meinem Platz und wünschte dem Busfahrer die Pest an den Hals.

Dagegen war die Zugfahrt ja himmlisch gewesen. Jedenfalls erschien mir das langsame Gezuckel, das mich noch vor einer halben Stunde genervt hatte, jetzt richtig angenehm.

Nachdem wir Berlin hinter uns gelassen hatten, hatte der Zug an jedem, wirklich jedem Nest auf der Strecke gehalten. Schon die Namen sprachen Bände: Klebitz. Zahna. Bülzig. Zörnigall ...

Als wir endlich in Wittenberg eingerollt waren, war ich erleichtert ausgestiegen und hatte mich bis zur richtigen Bushaltestelle durchgefragt.

Der Bus heulte auf. Ich schaute auf die Uhr. Zwei Stunden waren vergangen, seit ich in Berlin losgefahren war. Zwei Stunden, seit das Jugendamt bei Andreas und Vera Kämpf angerufen hatte, dass ich unterwegs sei. Wenn wir nicht vorher noch gegen einen dieser knorrigen Apfelbäume rasten, wofür die Chancen allerdings recht gut standen, müssten wir bald in Waldburgen ankommen.

Waldburgen. Mein neues Zuhause.

Ich nahm den Blick von der Uhr und sah aus dem staubigen Busfenster. Die Apfelallee war zu Ende.

Wir bretterten jetzt eine Kopfsteinpflasterstraße entlang, und bei jedem Ruck flog ich in die Höhe, um dann voller Wucht wieder runterzuknallen, wobei meine Knie gegen die Plastikverschalung des Vordersitzes schlugen. Ich versuchte mich im Polster meines Sitzes festzukrallen und fragte mich zum werweißwievielten Mal, warum eigentlich keiner der Fahrgäste protestierte. Dieser Fahrer gehörte eingesperrt!

Vor meinem inneren Auge sah ich schon die Zeitungsmeldungen: Killerbus reißt zwanzig Unschuldige in den Tod. Oder: Testosteron auf Rädern - keiner konnte die Mörderfahrt stoppen. Oder: Man nannte ihn den Henker der Landstraße. Rund um die Meldung rankt sich ein rabenschwarzer Lilienkranz

. Gerade als ich den Beschluss fasste, nach vorn zum Fahrer zu gehen und ihn zu fragen, ob er noch ganz dicht sei, passierten wir ein gelbes Ortseingangsschild. Der Name zischte vorbei. W-------EN. Mehr konnte ich bei der Geschwindigkeit nicht lesen.

W------EN?

Wie vom Blitz getroffen sprang ich auf, griff nach meiner Reisetasche und schleifte sie zur Tür. Der Gang war so eng, dass ich ständig irgendwo stecken blieb. Als ich endlich an der Tür war, drückte ich wild auf den Halteknopf.

Ich überlegte noch, einen der Fahrgäste zu fragen, ob es auch wirklich Waldburgen war und nicht irgendein Nachbarort, der mit W begann und auf EN endete: Wildenbrunnen vielleicht oder Weinbergen oder Wollhagen, als die Frau, die auf dem Sitz neben der Tür saß, sich zu mir vorreckte und meine Hand vom Halteknopf schlug.

"Einmal drücken!" Sie hatte eine unangenehm schrille Stimme. Wie eine Comicfigur. Auf solche Stimmen reagiere ich grundsätzlich nicht.

"He!", schrie sie mich von der Seite an und piekte mit ihrem Finger in meine Schulter. "Hey, bist du taub?" Nicht wie eine gewöhnliche Comicfigur, dachte ich noch, sondern wie eine, die nur aus einem Mund bestand. Da packte sie schon meinen Ärmel und zerrte daran herum. Ich hämmerte auf den Halteknopf. Der Scheißbus hielt nicht an!

"Der Bengel macht das mit Absicht", schrie die Frau und riss an meinem Arm. "Der macht mit Absicht den Knopf kaputt!"

Ich fuhr herum. "Blöde Zicke!"

Gleich gibt's Ärger, dachte ich und duckte mich schon, da hielt der Bus so abrupt, dass ich unwillkürlich stolperte und einen kleinen Schrei ausstieß. Die Tür ging auf. Ich zerrte die Tasche hoch. Die Frau gab mir einen kleinen, gemeinen Stoß. Dann war ich draußen.

Niemand außer mir war ausgestiegen.

Bevor ich es mir doch noch anders überlegen konnte, hatte sich die Tür wieder geschlossen, und der Bus fegte davon. Er hinterließ eine große Staubwolke. Plötzlich war es sehr still.

Vor mir lag eine Landstraße, Katzenbuckelpflaster. Die Sonne flimmerte. An den Straßenrändern wuchsen kränklich aussehende gelbe Büsche. Die Blüten waren matt, von der Hitze ausgebleicht. Überhaupt war alles viel zu trocken und von Staub überzogen. Ich nahm meine Trinkflasche aus der Reisetasche und stellte dabei fest, dass auch die Tasche schon ganz staubig aussah. Ich trank, steckte die Flasche wieder weg und wartete weiter.

Ich sollte hier abgeholt werden. Von Andreas und Vera Kämpf. Meinen neuen Betreuern.

Dort wo der Bus um eine Kurve verschwunden war, sah ich ein Huhn auftauchen, über die Straße laufen und dann durch eine Lücke in einem Zaun verschwinden.

Kein Geräusch von einem sich nähernden Auto. Nichts. Totenstille.

Mein Puls beschleunigte sich. Scheiße, verdammte! Ich blöder Idiot. Ich hatte einen Fehler gemacht!

Andreas und Vera Kämpf warteten garantiert zehn Orte weiter, in Waldburgen nämlich. Während ich in Wichtelshausen herumstand. Oder wie auch immer diese Kuhbläke hier hieß.

Gegenüber, halb auf dem Bürgersteig, stand ein VW. Ein ziemlich heruntergekommenes Exemplar, das ehemals blau gewesen sein musste. Jetzt war die Farbe teilweise abgeplatzt, teilweise von der Sonne zu einem milchigen Grau gebleicht. Der Wagen sah aus, als sei er vor Jahren hier vergessen worden, doch plötzlich bemerkte ich eine Bewegung. Ein Typ, etwa achtzehn, der offenbar dahinter im Gras gesessen hatte, kam um den Wagen herum. Er hatte eine Kippe in der Hand.

Irgendwie war er mir nicht geheuer. Er rauchte, als wäre er wütend, mit solchen hastigen, tiefen Zügen, dass mir schon vom Hingucken schlecht wurde. Außerdem starrte er mich die ganze Zeit unter seinen Lidern hindurch an. Seine Brauen waren schwarz und in der Mitte zusammengewachsen.

Ich versuchte abzuschätzen, ob ich ihn fragen könnte, wo genau ich hier war. Aber vielleicht tickt er dann aus, dachte ich. Dass er schlechte Laune hatte, sah jedenfalls ein Blinder.

Bevor ich eine Entscheidung treffen konnte, schleuderte er die Kippe auf die Straße und trat auf den Filter. Nicht so, als wollte er die Glut löschen, sondern als hätte er vor, den Filter zu töten. Dann lief er zur Fahrertür und riss sie auf. Er fing an, laut zu schimpfen, und ließ sich auf den Sitz fallen, wo er eine neue Zigarette drehte. Ich verstand nicht, worum es ging, bekam aber einzelne Satzfetzen mit: "... beschissener Tag ... als ob ich Zeit hab wie Heu ... am Arsch lecken ..."

Wieder sah er zu mir rüber, und eine Falte erschien auf seiner Stirn. Er brüllte: "Haste kein Zuhause, oder was?"

Halleluja. Wirklich 'ne nette Gegend hier, dachte ich, zog automatisch mein Basecap tiefer in die Stirn und trat einen Schritt zurück, weiter ins schattige Innere des Bushäus chens hinein. Dort stank es. Irgendwer musste in die Ecke gepinkelt haben. Ich hielt die Luft an. Bloß nichts Falsches sagen. Am besten gar nichts. Einfach so tun, als ob man taub, blind oder unsichtbar wäre, damit fährt man in solchen Situationen am besten. Er warf mir noch einen finsteren Blick zu und drehte seine Anlage auf.

Guten Morgen, Berlin, du kannst so hässlich sein ... Peter Fox' Stimme brach durch die Nachmittagsstille ... Es wird für mich wohl das Beste sein, ich geh nach Haus und schlaf mich aus ...

Dann knallte er die Wagentür zu, der Motor heulte auf, und fort war er.

Erst als das Motorengeräusch ganz und gar verstummt war, kam ich wieder aus dem Bushäuschen heraus. Ich suchte nach irgendeinem Hinweis auf meinen Standort. Doch es stand kein Ortsname außen dran, und innen klebte kein Fahrplan. Überhaupt sah das ganze Häuschen so verwittert aus, als käme nur alle halbe Jahre irrtümlich mal ein Bus vorbei.

Ein Hahn krähte. Es klang heiser und irgendwie unvollständig. Doch als wäre dies ein Signal, tauchte das Huhn wieder aus dem Loch im Zaun auf und rannte schnell über die Straße zurück.

Ich griff in die Reisetasche und zog einen zerknitterten Umschlag heraus. Er war an Peter adressiert, Absender: Jugendamt Berlin-Pankow. Ich nahm den Zettel aus dem Umschlag und überflog das Schreiben, bis ich gefunden hatte, was ich suchte:

Haus Eulenruh / Wohnen & Schutz

Vera & Andreas Kämpf

Dreieulenweg 20

06901 Waldburgen

Haus Eulenruh. Ich sah im Geist schon die Anzeige in der Zeitung, die zu diesem Namen passte. Ich steckte den Brief wieder weg, hievte meine Tasche hoch und ging los.

Hinter der Biegung stand das erste Haus des Ortes. Ein flachgedrücktes Gebäude mit Blechwänden. Maren's Minimarkt. Rechts und links neben dem Eingang standen zwei steinerne Papierkörbe, in die jemand Erde eingefüllt und je drei Studentenblumen gepflanzt hatte. An die Blechwand war das Straßenschild montiert: Lange Maßen. Komischer Name für eine Straße.

Ich schob die Tür auf.

Kein Kunde war im Laden. Eine Verkäuferin sortierte Saftpackungen aus dem untersten Regal ins oberste.

"Guten Tag", sagte ich, wartete, bis sie sich umdrehte, und lächelte sie an. "Können Sie mir bitte sagen, wie ich zum Haus Eulenruh komme?"

Sie lehnte sich gegen das Regal. In den Händen hielt sie je einen Tetrapak Schwarze Johannisbeere. Sie sah mich von oben bis unten an. Keine Ahnung, was sie suchte, aber offenbar gefiel ihr, was sie sah.

"Ach je", sagte sie. "Hat dich keiner abgeholt? - Nimm's bloß nicht persönlich, wahrscheinlich hat Vera da was verwechselt ... Bist du ein Neuer?"

Ich zuckte ein bisschen zusammen, als sie Neuer sagte, aber ich beschloss, es ihr nicht krummzunehmen. Ich war froh, dass sie Haus Eulenruh kannte. Das bedeutete nämlich, dass ich hier richtig war!

"Ja, ich bin neu", sagte ich. "Ist das Haus weit von hier?"

"Na ja, es ist nicht gerade um die Ecke. Und die ist bestimmt schwer ..." Ihr Blick lag besorgt auf meiner Reisetasche. Es war ganz klar: Sie mochte mich. Aber ich wusste, wie schnell sich das ändern konnte. Sie stellte die beiden Tetrapaks ins obere Regal und drehte sich gleich wieder zu mir um. "Ich würd' dich ja bringen, aber ich bin heut allein. Ich kann hier nicht weg."

"Klar", sagte ich. "Sagen Sie mir nur den Weg."

"Also gut: Du gehst die Lange Maßen runter, nimmst die nächste links, dann kommt die Kreuzung. Rechts geht's zum Marktplatz, du musst aber weiter geradeaus. Das ist der Große Streng. Auf dem bleibst du, bis ein Feldweg abgeht. Das ist der Dreieulenweg, und den läufst du immer geradeaus. Haus Eulenruh ist das allerletzte Haus. Danach kommen nur noch die Felder und der Wald. - Du Armer", sagte sie. "Es ist echt weit. Bestimmt mehr als ein Kilometer ..."

Ich strahlte sie an. "Ist doch nicht viel", sagte ich. Dann zeigte ich auf den Schriftzug Maren's Minimarkt auf der Scheibe und fragte: "Sind Sie Maren?"

Sie lachte. "Ja. Maren Rothenburg."

Ich schulterte meine Tasche und sagte: "Danke, Frau Maren."

"Wart mal kurz" rief sie mir hinterher. "Wie heißt du eigentlich? Und wie alt bist du? Vielleicht kommst du ja in die Klasse von meinem Sohn. Tommy. Er kommt in die neunte."

Ich war schon draußen, hielt noch die Tür in der Hand. Ich drehte mich um. Sie tat mir fast leid.

"Ich bin vierzehn", sagte ich. "Und ich bin ... ich bin die Franka. - Franka Reinhold."

Dann ließ ich die Tür langsam zufallen, um ihren Gesichtsausdruck nicht sehen zu müssen.

Ich ging den Weg, den Maren Rothenburg mir beschrieben hatte. Hinter jedem Gartentor schlugen die Hunde an. Keine Menschenseele war zu sehen. Entweder waren alle ausgeflogen, dachte ich, oder sie hockten drinnen vor den Fernsehern.

Irgendwie gefielen mir die Gärten nicht. Manche wirkten, als hätte man sie straffgezogen. Alle Runzeln und Unebenheiten entfernt. Bis sie glatt und perfekt dalagen. Mit diesen artig gestutzten Grasflächen und den kleinen Wegen, die wie mit Lineal und Bleistift durch die Erde gezogen waren. Etwas fehlte.

Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, bog ich aber schon in den Dreieulenweg ein, und der erforderte meine ganze Konzentration. Es war ein festgetrampelter, rissiger Lehmweg mit Hunderten von Schlaglöchern. Jemand, der es wahrscheinlich gut gemeint hatte, hatte große Steine und Kies in diese Löcher geschüttet, damit man nicht stolperte und sich alle Gräten brach. Leider stolperte man jetzt über die Kies- und Steinberge.

Beim letzten Haus, das Haus Eulenruh sein musste, stellte ich meine Reisetasche auf den Weg und trat näher an den Zaun heran. Ich staunte. Und zwar nicht über das Haus, sondern über den Zaun.

Der Zaun war knallbunt angemalt, und er bestand aus riesigen schmiedeeisernen Eistüten, die sich aneinanderreihten. Vielleicht war hier früher mal ein Eisladen drin gewesen? Das Eingangstor war jedenfalls ein zwei Meter hoher geschmiedeter Eisbecher, aus dem ein überdimensionaler Löffel in die Luft ragte wie ein Speer. Auf dem Becher stand in eisernen Schnörkeln: Eis von Klabunde? Schmeckt zu jeder Stunde!

Ich schaute durch eine der Eistüten auf das Grundstück

. Ein Mädchen im Latzkleid und ein Junge, der nichts als ein Handtuch trug, das er sich um den Hals geknotet hatte und das hinter ihm herwehte, tobten über den Rasen. Beide waren vielleicht vier oder fünf Jahre alt. Das Mädchen rannte dem Jungen hinterher und schrie dabei: "Gleich hab ich dich, Axel, ich krieg dich, du, pass auf!" Und der Junge rannte vor ihr weg und keuchte dabei abgehackt: "De- Denise, du sollst doch nicht A-Axel sagen! - Ich bin doch der - der der B-Batman! Du - musst - A-A-Angst - vor - mir - haben!" Doch Denise hatte keine Angst, sie hatte einen Schlauch in der Hand, und immer wenn der Wasserstrahl ihn traf, fingen beide wie auf Kommando an zu kreischen. Ein Dackel rannte ihnen die ganze Zeit hinterher, haselnussbraun und mit Schlappohren, und er japste und bellte und versuchte, in den Wasserstrahl zu beißen.

Auf einer Decke im Gras, nur ein paar Meter von mir entfernt, saßen zwei Mädchen, vielleicht fünfzehn. Sie waren konzentriert mit ihren Aufgaben beschäftigt: Eine saß im Yogasitz und übte Jonglieren mit Eiern, von denen ich hoffte, dass sie gekocht und nicht roh waren, die andere schrieb etwas in ein Buch. Eine trug ein Kleid, die andere kurze Hosen. Sie hatten exakt die gleichen Gesichter: denselben herzförmigen Mund, dieselben hohen Wangenknochen. Sie hatten auch dasselbe hellblonde Haar, aber obwohl jede wie das Spiegelbild der anderen aussah, wirkten sie trotzdem sehr verschieden. Ich hätte nur nicht genau sagen können, warum.

Auf einem Liegestuhl am Haus lag ein zu lang geratener, ungesund bleich aussehender Junge mitten in der prallen Sonne. Etwa sechzehn, schätzte ich. Neben sich hatte er einen CD-Player mit zwei Boxen, aus denen unablässig Technorhythmen hackten, und er schien tief und fest zu schlafen. Das hoffte ich zumindest für ihn, denn er sah eher so aus, als wäre er tot.

Am Grill stand ein Mann, ganz versunken in seine Arbeit. Er pfiff vor sich hin, während er verträumt die Steaks und die Gemüsespieße wendete. Weder das Kreischen von Denise und Axel noch die Technomucke schienen ihn irgendwie zu erreichen. Auf dem Kopf trug er einen Strohhut, und er hatte eine Schürze um, auf der Hier kocht Andreas stand.

Das sollte Andreas Kämpf sein?

Jemand, der so hieß, sollte eigentlich groß und stark oder wenigstens dick sein und schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben. Dieser Andreas Kämpf hier war so dünn wie eine Stehlampe und Anfang dreißig.

Da kam eine Erscheinung aus dem Grünzeug herausgeschwebt, hinter dem ich das Haus vermutete. Sie schwebte buchstäblich, denn sie bestand aus einer orangefarbenen Wolke Stoff. Ich wendete ihr sofort meine ganze Aufmerksamkeit zu. Ein Gewand, dachte ich ehrfürchtig, obwohl ich eigentlich gar nicht genau wusste, was ein Gewand war, aber das musste einfach eins sein. Sie hielt ein Tablett mit Tellern und Gläsern in den Händen, und sie klingelte beim Gehen, weil sie bestimmt zehn Armreifen um jedes Handgelenk trug.

"Vera, bringst du mir nachher ein Bier mit raus?", rief Andreas Kämpf ihr zu.

Vera!

Wenn man so aussah, sollte man Scheherezade heißen oder zumindest Fatima, aber doch nicht Vera! Vor allem nicht Vera Kämpf!

Nachdem sie die Limonadengläser abgestellt hatte, drehte sie sich zu dem schlafenden oder toten Jungen um und rief streng: "Matthias, Musikwechsel! Deine halbe Stunde ist längst rum. Jetzt sind die Zwerge dran." Da schlug er die Augen auf und nölte: "Ooooch nee! Das is jetzt echt nicht wahr, oder? Das waren doch höchstens zehn Minuten! Wie soll man sich denn hier entspannen, wenn immerzu diese Kinderkacke läuft!"

Vera Fatima Kämpf sagte nichts. Sie wartete. Beide sahen sich an. Kampfblick. So lange, bis er die Augen senkte und neben sich griff, wo ein Stapel CDs lag. Er drückte auf Stopp und legte eine neue ein. Helle, quäkige Stimmen durchdrangen den Nachmittag, die Alle haben Eis gern sangen. Sesamstraße.

Vera Kämpf schirmte sich mit einer Hand die Augen ab, sah sich im Garten um und rief: "Denise? Axel? Tischdienst!

" Denise und Axel waren nicht zu sehen. Der Schlauch lag im Gras, und eine große Pfütze begann sich unter ihm zu bilden. "Denise? Axel!"

Die ganze Situation kam mir unwirklich vor. So als wäre alles nur gespielt, oder als wären diese Menschen aus einem Hochglanzjournal, das "Pures Familienglück" heißen könnte, fein säuberlich ausgeschnitten und hier im Dreieulenweg 20 wieder eingeklebt worden. Ich kam gar nicht auf die Idee, die Klinke am Tor hinunterzudrücken und einzutreten in diese Journalwelt.

"Treffer! - Na super ...", rief es plötzlich von der Decke im Gras. Die Zwillinge. "Kannst du sie das nächste Mal einfach in die andere Richtung werfen, Lizzie?" Das Mädchen, das gesprochen hatte, war das mit der Hose. Sie wischte an ihrem Notizbuch herum. "Noch besser wäre allerdings, sie vorher zu kochen", fuhr sie fort. Das Mädchen, das Lizzie hieß, antwortete nicht. Sie sah nur betrübt auf drei Flecken vor sich auf der Decke. Drei gelbe, glitschige Flecken.

"Ey, du Spanner, was glotzt'n hier rein?!"

Ich zuckte zusammen.

"Ja, ich mein dich, Mann!"

Es war der Junge mit der ungesunden Hautfarbe. Er hatte mich entdeckt und richtete sich jetzt in seiner ganzen Höhe auf. Auch die Mädchen guckten kurz her, widmeten sich dann aber wieder ganz dem Eierunfall auf ihrer Decke.

"Mach schon", brüllte er. "Verzieh dich, das ist privat, oder sollen wir vielleicht noch 'n Schild hinhängen, Füttern verboten?"

"Matthias", sagte Vera Kämpf und schüttelte den Kopf. "Is doch wahr ...", maulte Matthias. "... glotzen dauernd hier rein, als wären wir Tiere im Zoo ..."

Als ich gerade etwas sagen wollte, quietschten Bremsen hinter mir auf dem Weg. Gleichzeitig hörte ich Hip-Hop. Dann schlug eine Autotür zu. Ich drehte mich um.

"Guten Tag", sagte ich.

Der Typ schnippte eine Zigarette auf den Boden. Er sah kurz an mir hoch und runter, als versuchte er, mich einzuordnen, gab aber schnell auf und öffnete den Kofferraum des VWs. Er hievte einen Kasten Wasser, einen Kasten Punica und einen Kasten Limonade heraus.

"Ricardo ist da!", schrie der blasse Matthias, und als wäre dies ein wichtiges Codewort, hoben alle die Köpfe und starrten auf das Auto. "Na los, jetzt mach's nicht so spannend. Wo is'n die Neue? - Traut die sich nich aus'm Auto, oder was?", rief Matthias.

"Die ist gar nich im Bus gewesen", brummte Ricardo, "hilf mal mit ausladen."

"Was?", fragte Andreas Kämpf alarmiert und kam zum Tor. "Was heißt denn nicht im Bus?"

"Guten Tag", sagte ich zu Andreas Kämpf. Der nickte mir abwesend zu.

"Nich im Bus heißt nich im Bus, Mann."

"Ich weiß, dass ich ein Mann bin, Ricardo! Bist du sicher, dass du lange genug gewartet hast, bis alle ausgestiegen waren?", fragte Andreas Kämpf. Seine Stimme klang jetzt wie eine Sturmglocke, die dabei war, sich warm zu machen.

"Ja", sagte Ricardo gereizt und hob eine Klappkis te aus dem Kofferraum, in der Joghurt und etliche Tetrapaks Milch gestapelt waren. "Da is bloß so 'n Typ ausgestiegen. - Und jetzt lass mich in Ruhe. Es reicht mir heute eh schon."

Matthias kam zum Tor.

"Hallo", sagte ich zu Matthias.

"Dampf ab, du Pfeife!", sagte der nur, und dann zu Ricardo: "Aber sie ist doch in Berlin eingestiegen. Soll sie sich in der Zwischenzeit in Luft aufgelöst haben, oder was?"

Jetzt kamen auch die Zwillinge. Ich sagte: "Hi!" Die mit der Hose sah aufmerksam an mir hoch und runter, dann grinste sie plötzlich, hielt ihre Hand durch eine gusseiserne Eistüte und sagte: "Auch hi! - Ich bin Ann." Mit der würde ich mich verstehen, das wusste ich sofort.

Vera Kämpf kam angerannt und rief: "Aber wo ist sie nur, wo ist sie denn bloß hin?"

"Ey, du bist doch der Typ, der ausgestiegen ist", sagte Ricardo plötzlich zu mir. Ich schüttelte immer noch Anns Hand.

"Nein, kein Typ", sagte ich. "Ich bin Franka. Franka Reinhold. - Die Neue."

Der vermuffelte Gesichtsausdruck verschwand so plötzlich aus Ricardos Gesicht, als hätte ihm jemand einen Eimer Quallen über den Kopf geschüttet. Er starrte. Er starrte mich an wie etwas, von dem man angenommen hatte, es nie in seinem Leben zu Gesicht zu bekommen: die Niagarafälle zum Beispiel. Ich kannte diesen Blick. Die beiden Zwerge hielten sich an den Händen und staunten mich von unten an. Batman lief die Nase.

Ann war die Einzige, die sich nicht wunderte. Sie beugte sich zu mir und flüsterte: "Ich hab gleich gewusst, dass du es bist, Franka."

Der lange, bleiche Matthias jedoch war völlig entgeistert und rief: "Ey, Mann, das ist ja Beschiss! Zurückschicken und umtauschen!" Er streckte einen Finger in meine Richtung aus: "Da hat ja 'n Baumstamm mehr von einem Mädchen! "

Ich wollte was sagen, aber ich konnte nicht, weil mein Blick an Matthias' T-Shirt hängen blieb. Oder sollte ich besser sagen, kleben blieb? Es war voller Flecken. Richtig eklig. Als hätte er irgendwas Fettiges, Gelbliches gegessen und sich dann die Hände auf Brusthöhe abgewischt.

"Reiß dich zusammen", fuhr Vera Kämpf ihn scharf an, öffnete das Tor und sagte: "Herzlich willkommen, Franka. "

Doch bevor ich auch nur einen Fuß aufs Grundstück setzen konnte, schoss der Dackel um die Ecke. Er hielt einen orangefarbenen Gummiknochen im Maul. Als er am Tor angekommen war, ließ er den Knochen fallen, sah mich aus zwanzig Zentimeter Höhe an und knurrte mit hochgezogenen Lefzen.

"Fussel!", ermahnte ihn Vera Kämpf. "Aus! - Ignorier ihn einfach, Franka, komm rein."

Aber als ich das versuchte, sprang er nach vorn und schnappte nach meinem Schuh. Ich machte einen Satz nach hinten.

"Böser Fussel!", rief Vera Kämpf sofort, griff nach unten, schnappte sich den Kläffer und drückte ihn an ihren großen Busen. Dann sagte sie zu mir: "Wir dachten, wir machen ein kleines Grillfest zu deiner Begrüßung."

"Hast du denn Hunger?", fragte der Zwilling, der Ann hieß.

Ich war überrumpelt und nickte. Wusste aber, dass ich gleich die ganze Stimmung zerstören würde.

"Ein Würstchen oder gleich ein Steak?", fragte Vera Kämpf.

"Ich bin Vegetarier."

Die Zwillinge fingen an zu lachen. Vera Kämpf schaute auf, und ich machte mich schon auf die üblichen Sprüche gefasst: Eijeijei, das wird aber schwierig. Oder: Aber HEUTE kannst du doch mal eine Ausnahme machen. Oder noch schlimmer: Warum das denn?

Weil es echte Muskelfasern sind. Weil es kein Klumpen Irgendwas ist, sondern mal auf der Wiese stand, neugierig die Nase in die Sommerluft gesteckt und sich dann gemütlich an einem Baum geschubbert hat.

Weil es mal gelebt hat und jetzt tot ist.

Vera Kämpf lächelte und fragte: "Vegan, Ovo- oder Lak tovegetarier?"

"Was?" "Isst du tierische Produkte?"

"Milch und Eier schon." "Ovolaktovegetarisch", sagte sie und hielt Andreas Kämpf einen Teller hin. Der schaufelte mir eine Backkartoffel und eine gegrillte Tomate auf.

"Da wird Ricardo sich freuen", sagte Vera Kämpf. "Jetzt seid ihr schon zwei." Dann drehte sie sich um und verschwand hinter dem Grünzeug. "Ich hol noch Ketchup", rief sie.

Ich schob mich auf meinen Platz und sah aus den Augenwinkeln zu Ricardo hin. Der saß griesgrämig da. Er schien immer noch genervt zu sein. Er hatte seine Kapuze über den Kopf gestülpt und aß, ohne jemanden anzuschauen. Er sah nicht so aus, als würde er sich jemals über irgendwas freuen. Geschweige denn über mich.

Und - er sah auch nicht wie ein Vegetarier aus.

Alle schwiegen. Nur Fussel nicht. Der kommentierte jede meiner Bewegungen mit einem Knurren.

Tolles Grillfest, dachte ich und kaute auf der Kartoffel herum. Würde vielleicht mal jemand was fragen? Wie die Fahrt war zum Beispiel? Ob Berlin cool ist? Wie ich mir mein neues Leben hier in Waldburgen vorstellte?

Nichts.

Da war ja die Besichtigung eines Bestattungsinstituts unterhaltsamer. Garantiert lag das an mir. Ich griff nach meinem Glas und trank es in einem Zug leer. Immer noch schwiegen alle, aber ich merkte, dass sie mich beobachteten. Vor allem Matthias. Der saß in seinem schmierigen T-Shirt da und hatte den Teller mit einem Arm abgeschirmt, als hätte er Schiss, dass jemand ihm was wegnehmen könnte. Während er kaute, glotzte er mich ungeniert an.

Die hatten einfach was anderes erwartet. Keine Ahnung, was, jedenfalls nicht so was wie mich. Plötzlich wollte ich nur noch in mein Zimmer. Ich sehnte mich danach, die Tür hinter mir zuzumachen. Ich wollte keinen mehr sehen und von keinem mehr beglotzt werden.

"Kann ich Franka das Haus zeigen?", fragte Ann, als Vera Kämpf an den Tisch kam.

"Sicher", sagte sie. "Wenn ihr aufgegessen habt."

Und dann zu mir: "Du willst bestimmt duschen und aus den dicken Klamotten raus ..." "Lizzie borgt dir bestimmt ein Kleid ... huaahhh, huaaaah!", schrie Matthias und brach in ein wieherndes Gelächter aus.

Ich schob meinen Stuhl zur Seite, zerrte meine Tasche vom Rasen hoch und sagte zu ihm: "Kümmer dich einfach um deinen eigenen Scheiß, okay?"

"Du gehörst jetzt zu meinem Scheiß", sagte er.

Da hieb Ann Matthias ihren Ellenbogen in die Seite und sagte:

"Jetzt halt die Luft an, Mann. Wenn dir Franka nicht passt, dann zieh doch aus hier, geh nach Hollywood und mach dort 'ne steile Karriere als Leiche. Bei deinem Teint hast du echt super Chancen."

Matthias klappte den Mund auf und wieder zu und sagte lahm: "Was'n mit dir los? In 'n Gifttopf gefallen, oder was?"

Inhaltsangabe

Inhalt
1. Kapitel Haus Eulenruh 9
2. Kapitel Lizzie und Ann 30
3. Kapitel Die Harleys von Waldburgen 40
4. Kapitel Schenken oder Klauen 50
5. Kapitel Am Mooschkolk 67
6. Kapitel Der Zaun 94
7. Kapitel Erster Schultag 114
8. Kapitel Bosen 159
9. Kapitel Das Eulenhaus fliegt aus 178
10. Kapitel Stromausfall 219
11. Kapitel Der Verdacht 239
12. Kapitel Wir sind die Eulen! 268
13. Kapitel Alles steht kopf 290
14. Kapitel Der Countdown läuft 317
15. Kapitel Ich bin schon da 328
Drei Monate später ... 349
Der inoffizielle Soundtrack zum Buch 378
Dank 380

Videoclip zu "Unland"

Kundenbewertungen zu "Unland" von "Antje Wagner"

8 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.9 von 5 Sterne bei 8 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(7)
***** sehr gut
 
(1)
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
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Bewertung von Falballa aus Düsseldorf am 15.01.2012 ***** ausgezeichnet
Das beste ist immer, wenn man ein Buch aufschlägt, weil man es zugeschickt bekommen hat, und einem der Klappentext nicht soooooo zusagt, und man am Ende das Buch zuschlägt und komplett begeistert ist! Das Jahr fängt gut an, mit einem tollen Buch!
Es gibt unerklärliche Stromausfälle, eine Person- die bei diesen Stromausfällen böse Dinge tut, ein Nachbar der Essen für Obdachlose sammelt und es dann zu dem Elektro-Zaun fährt, verschwundene Dinge, die auf einmal wieder auftauchen, und Zettel mit Botschaften, die sagen: "Hört auf weiter nachzuforschen!"
Die Autorin schafft es, die Geschichte am Laufen zu halten. Erst war ich überfordert mit sovielen Personen, aber sie schafft es sehr gut, die Handlungsstränge miteinander zu verbinden und verliert den Leser an keiner Stelle. Sie baut eine Spannung auf, die nicht zu Enden scheint und dann endet sie in einer Situation, die nicht von dieser Welt ist. Das Geheimnis ist unvorstellbar und auch bis jetzt, wo das Buch zu Ende ist, noch sehr verwirrend. Wie sie auf diese Idee gekommen ist - ich hab keine Ahnung. Entweder eine blühende Fantasy, oder die Autorin ist einfach verrückt. Ich hoffe, es ist ersteres.
Die Wut, die Verzweiflung, die Hoffnung, die Spannung, der Ehrgeiz - das ganze springt förmlich aus dem Buch und von Seite zu Seite entwickelt sich eine Geschichte, die gleichzeitig wie ein Film for Augen abläuft. Ich konnte mir das alles sehr gut vorstellen und alle Personen hat ein bestimmtes Aussehen und wurden mit immer sympatischer. Die Umgebung wurde genauestens beschrieben, so dass man, wenn man wollte, selbst dort in der Geschichte war. Und das alle führt zu einem Punkt: Franke landet in Unland.Die Autorin spielt mit dem Leser und seiner Psyche. Sie lässt ihn zwischen den Gefühlen hin und her springen, schickt ihn auf die Suche nach der Lösung und lässt ihn das Rätsel mit lösen. Wir fühlen mit den Kindern und versuchen an ihrer Seite zu kämpfen. Der Leser muss herausfinden, was echt ist und was Fantasy. Was ist wirklich passiert, was wird inszeniert, und wer hat was wirklich gemacht.

Das Buch hat mich wirklich gefesselt und begeistert. Ich kann es jedem ans Herz legen, der eine spannende Geschichte ohne Blut und ekliges Zeug lesen will. Das Buch bietet Gefühl, jugendliche Neugier und eine Menge Spannung! Absolut gutes Buch und ich bin gespannt, auf mehr von der Autorin!

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Bewertung von diejai.blog.de aus Köln am 22.12.2011 ***** ausgezeichnet
Als ich begonnen habe Unland zu lesen, konnte ich das Buch erst mal nicht einordnen. Ist es ein Krimi? Ist es ein Horrorbuch? Ist es Mystery? Oder ist es ein Drama? Beantworten kann ich diese Frage immer noch nicht ganz. Da das Buch jedoch wirklich toll ist, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen sondern sich vielmehr überraschen lassen, was einen erwartet.

Erwartet wird man zum Beispiel von unheimlich sympathischen Protagonisten. Antje Wagner hat sie sehr detailliert gezeichnet, so dass von jedem einzelnen ein gutes Bild entstanden ist. Die Protagonisten sind facettenreich, menschlich, völlig unterschiedlich und dennoch jeder auf seine eigene Art liebenswürdig. Besonders die Unterschiede zwischen den Protagonisten hat die Autorin gut dargestellt. Und dennoch zeigt sie auch viele Gemeinsamkeiten, welche die „Eulen“ zusammenwachsen lassen.

Im Vordergrund steht natürlich die Frage was mit Unland ist und was es mit diesen Ruinen auf sich hat. Dabei baut die Autorin einen Spannungsbogen auf, welcher sich bis zur letzten Seite hält. Die Frage nach Unland lässt einen nicht mehr los. Dies liegt sicherlich auch daran, dass Unland immer wie eine dunkle, bedrohliche Wolke über allem schwebt. Während des Lesens hatte ich so einige Vermutungen und Theorien, welche sich alle als falsch heraus gestellt haben, da der Verlauf der Geschichte unvorhersehbar ist. Das Ende und somit auch die Auflösung, was es denn mit Unland auf sich hat, hat mich überrascht, irritiert und auch schockiert. Dieses Ende musste ich wirklich lange sacken lassen und es hat auch eine Weile gebraucht, bis ich es völlig begriffen habe. Nun bin ich jedoch völlig begeistert von dem Ende und von der Wendung, welche die Geschichte damit genommen hat. Das ist absolut genial und hat mich sehr beeindruckt!

Neben dem Rätsel um Unland behandelt das Buch jedoch auch andere Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und das ankommen und einfinden in einer neuen Situation. Hier beweist die Autorin großes Fingerspitzengefühl. Die beschriebenen Situationen sind psychologisch tiefgründig und geben der Geschichte von Unland somit einen perfekten Rahmen. Gut gefallen hat mir auch besonders Frankas Humor, so dass ich trotz allem häufig schmunzeln musste.

Fazit:

Unland ist ein absolut lesenswertes Buch. Es besticht durch hervorragend herausgearbeitete Protagonisten, eine spannende und unvorhersehbare Geschichte und ein grandioses Ende. Lesen! Lesen! Lesen!

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Bewertung von Eva L. aus Osnabrück am 17.11.2011 ***** ausgezeichnet
Antje Wagner war mir bis zu meinem Besuch des „Fest des Lesens“, der Abschlussveranstaltung der Jungen Literaturtage Westmünsterland, völlig unbekannt. Wie viel ich deshalb bisher verpasst habe, hat mir die Lektüre ihres ersten All- Age- Romans „Unland“ vor Augen geführt.

Das Buch handelt von der vierzehnjährigen Franka, die aus einer Pflegefamilie in Berlin in eine Wohngruppe auf dem Land kommt. Diesbezüglich muss ich der Autorin direkt ein dickes, dickes Lob für ihre Recherche aussprechen! Sie hat den Alltag in dieser Erziehungsstelle und besonders die Probleme mit dem Umfeld, mit denen diese Kinder und Jugendlichen zu kämpfen haben, sehr nahe an der Realität beschrieben. (Ich glaube, das Problem mit den gut gemeinten „Spenden“ oder der Stigmatisierung der Kinder kennt jede Jugendhilfeeinrichtung.) Antje Wagner zeigt in ihrem Buch mal die andere Seite der Medaille auf.

„Sie geben uns nichts, sondern klauen uns etwas, wenn sie solche Kartons mit Klamotten durch den Zaun schieben, so als ob wir sonst nur in Fetzen rumlaufen würden! Sie klauen uns nämlich die Würde!“ (S. 51)

Von der ersten Seite an wird man in den Bann der Geschichte gezogen – zuerst durch Frankas Ankunft im Haus Eulenruh und wenig später dann durch die unheimlichen Vorkommnisse in Waldburgen. Sehr schnell wird klar, dass irgendetwas Merkwürdiges in dem kleinen Ort vorgeht, doch man bekommt nie auch nur eine ungefähre Ahnung davon, was das sein könnte. Kaum glaubt man, das Geheimnis entschlüsselt zu haben, passiert etwas völlig Unerwartetes, und man steht wieder am Anfang seiner „Ermittlungen“.

Mit Franka hat Antje Wagner eine Protagonistin geschaffen, die starke Ecken und Kanten hat, die man aber genau deswegen von Beginn an mag, denn sie wirkt sehr authentisch und sympathisch. Figuren, denen es an Tiefe fehlt, sucht man vergebens. Es gibt Charaktere, die man von der ersten Begegnung an liebt (die Zwillinge, Valerie), aber auch absolute Reizfiguren (Vera, den Nachbarn, Thommy).

Der Schluss des Buches übertrag all meine Erwartungen – sowohl die positiven als auch die negativen. Ich war wie erschlagen von dem, was passiert, entsetzt von Eventualitäten und Plänen, gleichzeitig aber auch fasziniert von der Fantasie und Kreativität, die sich plötzlich hinter der ganzen Geschichte offenbarte. Und mit etwas Abstand kann ich nun sagen, dass da Ende passt. Es ist anders, deutlich anders, als ich es erwartet habe, aber es passt, und diese Geschichte hätte auch wohl kein anderes Ende haben können.

Fazit:
„Unland“ ist ein fesselndes, spannendes und etwas ungewöhnliches Buch, welches sowohl Fantasy- als auch Thriller- und Krimifreunde gleichermaßen begeistern dürfte. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf Antje Wagners nächsten All- Age- Roman, der im Herbst 2012 erscheinen soll.

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Bewertung von Kerry aus Berlin am 31.08.2011 ***** ausgezeichnet
Franka, eine Berliner Großstadt-Göre wie sie im Buche steht, wird nach dem plötzlichen Tod ihrer Pflegemutter zu einer Erziehungseinrichtung in Waldenburgen in Sachsen-Anhalt geschickt. Doch Franka entspricht nicht den Erwartungen und so landet sie zwar in Waldenburgen, wird aber versehentlich nicht von der Bushaltestelle zum Haus Eulenruh mitgenommen, denn dort wurde ein Mädchen erwartet und Franka sieht aus wie ein Junge. Kurze Haare, starker Knochenbau und Hosen, so fühlt sich Franka wohl. Im Dorfladen erklärt ihr die Besitzerin den Weg, sodass sie, wenn auch reichlich spät, doch noch am Haus Eulenruh landet. Dort ist die Aufregung schon groß, denn das erwartete Mädchen war ja nicht im Bus.

Nach kurzer Zeit kann Franka das Missverständnis aufklären und wird sofort von den neuen Pflegeeltern, dem Pädagogenehepaar Andreas und Vera Kämpf, herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen. Auch die Zwillinge Lizzie und Ann freuen sich sehr über das Erscheinen von Franka und nehmen sie vorbehaltlos auf. Anfangs ist Franka sehr distanziert, sowohl in der Pflegefamilie, wie auch in der Schule. Doch nach und nach taut sie auf und wird ein richtiger Bestandteil dieser Familie, die neben ihr noch 6 weitere Pflegekinder umfasst.

Vom Fenster ihres Zimmers aus kann sie ein abgesperrtes Gelände sehen, Unland. Doch wo immer sie Fragen zu Unland stellt, wird sie mit Ausflüchten abgespeist, niemand kann oder will ihr sagen, was es damit auf sich hat. Warum ist das gesamte Gelände abgesperrt? Was war dort? Frankas Neugierde wächst von Tag zu Tag.

Doch nicht nur Unland beunruhigt sie. Auch geschehen zwar nur kleine, jedoch äußerst merkwürdige Dinge. Gegenstände verschwinden, ein Waldarbeiter hat in der Nähe von Unland einen tragischen Unfall und als auch noch 2 Jungen aus der Pflegefamilie, Ricardo und Matthias, des Diebstahls beschuldigt werden, beschließt Franka, zusammen mit ihren Freunden, dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Sie gründen einen Club, "die Eulen" und machen sich daran, herauszufinden, was genau ihnen verschwiegen wird, denn instinktiv weiß Franka, alles hat mit Unland zu tun ...


Ich hatte in diesem Jahr bereits das Buch "Schattengesicht" von Antje Wagner gelesen und das hat mir so gut gefallen, dass ich beschlossen habe, mir auch die anderen Werke der Autorin näher anzusehen. Unland stand schon lange auf meiner Wunschliste und jetzt hatte ich endlich die Gelegenheit es zu lesen und es hat mich nicht enttäuscht.

Wunderbar und einzigartig ist jede Figur des Buches gestaltet, die Entwicklung von Franka in der Gemeinschaft glaubwürdig und real dargestellt und auch der Schreibstil an sich wies keinerlei Tiefen auf, ja schlimmer noch, auch hier hatte ich, wie seinerzeit schon bei "Schattengeschicht", ernsthafte Probleme, dass Buch überhaupt aus der Hand zu legen, da ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht.

Auch das Ende der Geschichte, wie bereits in "Schattengesicht" unerwartet, aber genial. Ich hatte wirklich mit allem gerechnet, aber damit nicht, aber mehr verrate ich nicht. Wer also einen spannenden und unerwarteten Jugendbuch-Thriller lesen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

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Bewertung von Le aus Fulda am 09.07.2011 ***** sehr gut
Das Buch hat den Titel „UNLAND“. Erschienen ist es im August 2009 im Berlin Verlag und wurde geschrieben von Antje Wagner. Antje Wagner wurde 1974 in der Lutherstadt Wittenberg geboren und studierte in Potsdam und Manchester deutsche und amerikanische Literatur und Kulturwissenschaften. Neben UNLAND schrieb sie schon andere Romane für Erwachsene. UNLAND war ihr erster Kinderthriller.
Das Taschenbuch kostet 9,95 € (379 Seiten), die gebundene Ausgabe 16,90 € (384 Seiten).
Die wichtigsten Personen, um die es in dem Buch geht, sind: Franka, Ann, Lizzie und die anderen aus dem Haus Eulenruh.
Das Thema des Buches:
Die vierzehnjährige Franka kommt neu in das Haus Eulenruh in dem Dorf Waldburgen, ein Wohnprojekt für Kinder und Jugendliche, die eine schlimme Vergangenheit hinter sich haben. Doch etwas Verdächtiges geht in Waldburgen vor sich: immer sonntags fällt dort in der Nacht der Strom aus und eines Nachts beobachtet Franka, wie Herr Siemann, ein Nachbar des Hauses Eulenruh, mit Essen für arme Kinder nach Unland, den Ruinen eines alten Dorfes, fährt. Unland ist für alle verboten, da die Erwachsenen behaupten, die alten Gemäuer könnten beim herum Klettern einstürzen. Deswegen umgibt ein elektrischer Zaun die Ruinenlandschaft. Während eines Stromausfalls verschwinden alle Hasen und Kaninchen der Dorfbewohner spurlos. Am nächsten Tag findet sich ein Bild im Briefkasten des Hauses Eulenruh, auf dem Ricardo und Matthias, zwei Mitbewohner, gerade Hasen aus einem Stall nehmen. Das erfahren auch die anderen Bewohner Waldburgens und glauben natürlich, dass die Kinder des Hauses Eulenruh die Hasen gestohlen haben. Doch Ricardo und Matthias können es nicht gewesen sein, beide haben ein Alibi. Nun gründen Franka und die anderen einen Club, um die Geheimnisse um die Stromausfälle, Unland und Herrn Siemann zu lüften. Deshalb versteckt sich Franka eines Nachts unte
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da es sehr aufregend ist und ich mich manchmal richtig in Franka reinversetzten konnte. Das Einzige, was mir nicht gefallen hat ist das halb offene Ende, wobei man sich denken kann wie es endet. Ich empfehle das Buch an alle Jugendlichen weiter, die es ein bisschen spannender mögen, aber keine Romane.

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Bewertung von kleinbrina aus Hamm am 28.05.2011 ***** ausgezeichnet
Das Schicksal hat es mit der 14-jährigen Franka nicht gut gemeint. Ihre Pflegemutter stirbt völlig unerwartet an einem Hirnschlag und das Mädchen ist auf sich allein gestellt.
Zum Glück gibt es das Haus "Eulenruh", dass von Andreas und Vera Kämpf geleitet wird. Diese haben es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche bei sich aufzunehmen, die nicht wissen, wo sie sonst hinsollen.
Franka lebt sich schnell ein und fühlt sich langsam wie zuhause, doch schnell bemerkt sie, dass etwas nicht stimmt. Wieso erklärt ihr niemand, was es mit dem sogenannten Unland auf sich hat? Und dann wird auch noch ein Jugendlicher verdächtigt, etwas gestohlen zu haben. Auf der Suche nach Antworten bemerkt Franka, dass noch viel mehr hinter der Sache steckt, als sie jemals ahnen konnte...


Nach "Schattengesicht" ist "Unland" das zweite Buch, dass ich von Antje Wagner gelesen habe. Während Schattengesicht ein Krimi ist, ist "Unland" ein gelungener Jugendroman, der von seiner Spannung und den tollen Charakteren lebt.

Der Schreibstil ist der Autorin mehr als gelungen. Charaktere und Orte werden wunderbar und detailliert beschrieben, sodass ich mir alles sehr gut bildlich vorstellen konnte und selbst schnell ein Teil der Geschichte wurde.

Vor allem mit der Protagonistin Franka hat sich Antje Wagner große Mühe gegeben. Ihre Gedanken und Eindrücke von der neuen Umgebung und ihren Mitbwohnern sind glaubwürdig und schnell konnte ich sie in mein Herz schließen. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, den Geheimnissen auf die Schliche zu kommen, sind toll umgesetzt.

Doch das ist nicht alles, was mir an diesem Buch gut gefallen hat. Die Entwicklung des Buches ist unvorhersehbar und die Geschichte entwickelt sich immer mehr zu einem mitreissenden Thriller. Das Ende hat mich ein kleines bißchen überrascht und ich wusste zunächst nicht, was ich mit diesem anfangen soll. Allerdings bin ich nach längerer Überlegung zu dem Ergebnis gekommen, dass ein anderes Ende gar nicht den gewünschten Effekt gehabt hätte. Aber hier möchte ich natürlich nicht zu viel verraten. ;)

Das Cover ist wunderschön. Die Mischung aus Schwarz, Weiß und Pink hat mir sehr gut gefallen und ist ein absoluter Eyecatcher. Doch das viele Schwarz passt auch sehr gut zum Buch, denn vieles liegt noch im Dunkeln und ist nicht auf dem ersten Blick sichtbar.

"Unland" ist ein spannender Jugendroman mit Thriller-Elementen, das jedes Leserherz höher schlagen lässt. Antje Wagner kann nicht nur Erwachsene von sich überzeugen. Unbedingt lesen!

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Bewertung von anette1809 - katzemitbuch.blogspot.com aus Sulzheim am 23.01.2011 ***** ausgezeichnet
Nachdem ich bereits "Schattengesicht" von Antje Wagner gelesen hatte, wusste ich diesesmal, worauf ich bei ihren Büchern vorbereitet sein muss: ein dramaturgischer Kniff wenige Kapitel vor Schluss gaben auch "Unland" ein Ende, mit dem ich trotz "Hab-Acht-Haltung" so nicht gerechnet hatte.

Nachdem ihre Pflegemutter aus dem Leben geschieden ist, kommt die vierzehnjährige Franka im Wohnprojekt "Haus Eulenruh", das in dem kleinen Elbdorf Waldburgen gelegen ist, unter. Neben den schrecklichen Kindheitserlebnissen von Franka und ihren Mitbewohnern, die im Laufe der Geschichte nach und nach ans Licht kommen, ist es vor allem die düstere Atmosphäre, die Antje Wagner heraufbeschwört, und das mysteriöse "Unland", eine düstere Ruinenlandschaft am Waldrand, die dem Leser Gänsehaut bereiten. Eine verlassene Ruinenlandschaft umgeben von einem stromgesicherten Zaun, Stromausfälle im ganzen Ort und ein Nachbar, der seit Jahren Lebensmittel sammelt, die angeblich für Bedürftige bestimmt sind. Irgendwas ist an der Geschichte faul!

Antje Wagner gelingen beachtenswert realistische Charakterstudien von Kindern, die durch schwere Schicksalsschläge an den Rande der Gesellschaft gedrängt wurden. Neben Franka zeichnet Antje Wagner auch von den anderen Einwohnern des "Haus Eulenruh" detaillierte Skizzen. Auch wenn die schweren Schicksale der Jugendlichen viel Raum einnehmen, so blitzt am Rande doch immer wieder ein trockener, jugendlicher Humor auf, der perfekt zu den agierenden Personen passt. In diesem Buch lebt alles, ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, das irgendwelche Person oder Beschreibungen nur als "Füllmaterial" dienten. Etwas ganz Besonderes ist Antje Wagners Idee, die Handlung eines jeden Kapitels mit einem passenden Song zu untermalen, die am Ende des Buches als "Inoffizieller Soundtrack zum Buch" aufgeführt sind. Eine Geschichte, die nicht nur vor dem geistigen Auge abläuft, sondern dazu noch hörbar wird, zieht den Leser mit einem doppelt so starken Sog mitten ins Geschehen.
Der Leser wird zum Mitdenken aufgerufen. Noch bevor Antje Wagner mit dem überraschenden Ende auftrumpft, bringt sie eine beeindruckende Parabel über die menschliche Gesellschaft und die Mischkultur in einem Wald. Um von diesem Buch erschüttert und aufgewühlt zu sein, hätte ich noch nicht einmal das außergewöhnliche Ende gebraucht. Wobei ich sagen muss, dass es trotz allem das Ende ist, das mich noch Tage, nachdem ich das Buch beendet habe, beschäftigt. In gewissem Sinne fantastisch, und doch irgendwie seltsam realistisch, wird das Dunkle im Inneren der Protagonisten nach Außen gekehrt, die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit sind gefallen. Ob die Jugendlichen aus "Haus Eulenruh" ihre Schatten frei lassen? Das liegt nun in der Interpretation des Lesers.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Bewertung von BlueNa aus Remchingen am 21.11.2010 ***** ausgezeichnet
Steck die Nase nicht in Dinge, die dich nichts angehen!

Für die 14-jährige Franka beginnt ein neues Leben im Haus Eulenruh, einem Erziehungsprojekt für Kinder und Jugendliche im beschaulichen Dörfchen Waldburgen. Franka hat schon viel erlebt, musste viel durchmachen in ihrem kurzen Leben und das Alles hat sie hart gemacht, wie einen Jungen. Auch äußerlich gleicht sie eher einem Vertreter des anderen Geschlechts, als einem jungen Mädchen, was ihr öfter mal Schwierigkeiten einbringt. Sie lebt sich schnell ein in ihrem neuen zu Hause bei Vera und Andreas Kämpf und ihren neuen „Geschwistern“ dem 18-jährigen Ricardo, dem 16-jährigen Computerfreak Michael, den Zwillingen Lizzy und Ann, sowie den kleinen aber traumatisierten Axel und Denise. In der Schule und im Dorf sind die Kinder aus dem Haus Eulenruh allerdings nicht gerade gut angesehen. Bald beginnen die ersten Probleme und Provokationen. Schnell steigern sich die Vorkommnisse und werden immer merkwürdiger. Hat dies alles mit den geheimnisvollen Ruinen von „Unland“ hinter dem Elektrozaun zu tun? Welches Geheimnis verbirgt sich in der Dorfchronik?

Mit „Unland“ hat Antje Wagner einen Jugendroman geschaffen, der sich nicht so einfach kategorisieren lässt. Mit einfühlsamen Worten schildert sie das Leben von Franka und den anderen, zum Großteil Waisenkindern, im Haus Eulenruh, die in der Vergangenheit so viel erlebt haben und erdulden mussten. Ihre Vergangenheit wirft lange Schatten in ihr neues, besseres Leben und sie können nicht so einfach abgeschüttelt werden. Was über dreiviertel der Geschichte wie ein normales, sozialkritisches Buch erscheint, lässt im letzten Viertel die Grenzen zwischen Realität und Fiction verschwimmen und überschreitet die Schwelle zum Schattenland, in dem die tiefsten Ängste der Menschheit verborgen liegen.

Diese Wendung macht für mich den Charme der Story aus. Die ganze Zeit lauerte eine unterschwellige Bedrohung hinter jeder Ecke und hinter jedem Baum, die aber durch die Idylle wieder überdeckt wird. Menschen benehmen sich plötzlich merkwürdig, Tiere verschwinden, bis alles durch den Gerechtigkeitssinn und der Neugier der Kinder auf den Gipfel der Spannung getrieben wird.

Antje Wagner schreibt in einer leichten Sprache. Ihre Erzählweise ist locker und fließend und weist viele Wörter der Jugendsprache auf, die jungen Lesern sehr entgegenkommen dürften. So kommt aber gerade Franka, als Berlinerin, sehr authentisch rüber.

Die Darstellung und Ausgestaltung der, vom Schicksal gezeichneten, Charaktere ist der Autorin wunderbar gelungen. Franka ist nach außen hin oft hart, sie versteckt sich hinter ihrem jungenhaften Äußeren, dennoch verbirgt sich in ihr ein verletzliches Mädchen, das einfach nur geliebt werden will. Die 15-jährigen Zwillinge Ann und Lizzy haben ihre eigenen Strategien entwickelt, wie sie mit der Ablehnung des Dorfes Waldburgen umgehen. Sie werden Frankas beste Freundinnen. Ricardo ist ein sehr tougher junger Mann, der aber seine „Geschwister“ über alles liebt und sie gegen alles und jeden verteidigen würde. Michael neigt zu Wutausbrüchen und verschanzt sich in seiner virtuellen Computerwelt.

„Unland“ ist ein Taschenbuch, dessen Covergestaltung eher schlicht ist. Dennoch vermittelt es gerade durch seine Schlichtheit eine bedrückende und geheimnisvolle Atmosphäre. Es ist ganz in schwarz gehalten. Nur weißes, hohes Gras ist im Vordergrund zu sehen. Blickfang ist der pinke Titel in der Mitte des Covers.

„Unland“ ist „Morbus Dei“ für Jugendliche! Es hat mich mit seiner geheimnisvollen Atmosphäre sofort in seinen Bann gezogen und bis zu seinem fantastischen Schluss nicht mehr losgelassen!

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