Kill - Wahl, Mats

Mats Wahl 

Kill

Ein Fall für Kommissar Fors. Roman

Aus d. Schwed. v. Angelika Kutsch
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Kill

""Kill" ist ein mitreißender Krimi nicht nur für Kinder, ein aufwühlendes Buch." Berliner Zeitung

So verzwickt war die Lage für Kommissar Fors noch nie: An einer Schule fallen Schüsse - aus seiner eigenen Dienstwaffe. Konkrete Hinweise auf die Täter, Fingerabdrücke oder Patronenhülsen gibt es nicht, die jungen Zeugen stehen unter Schock. Die Ermittlungen verlaufen mühsam, bis klar ist, wer die Waffe gestohlen hat. Aber hat die Polizei damit auch den Amokschützen aus der Schule? Ein psychologisches Puzzle der Extraklasse.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2012
  • 7. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 318 S.
  • Seitenzahl: 318
  • dtv Taschenbücher Bd.62277
  • Altersempfehlung: ab 13 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 195mm x 124mm x 22mm
  • Gewicht: 302g
  • ISBN-13: 9783423622776
  • ISBN-10: 3423622776
  • Best.Nr.: 20774252
"Das Buch bleibt bis zum Ende spannend und lässt den Leser Gänsehaut-Feeling erleben. Außerdem darf er über den Täter miträtseln. Jeder Charakter ist detailliert ausgearbeitet und gibt dem Leser eine bildliche Vorstellung der Personen. Beim Lesen wird es einem nie langweilig und die Geschichte ist rund."<br />Fee Müller und Kira Fahlbusch, Kl. 8c, Marie-Curie-Oberschule, Wilmersdorf auf morgenpost.de 10.11.2008 <br />

»Die Krimis des schwedischen Jugendbuchautors Mats Wahl stehen denen seines berühmten Landsmannes Henning Mankell in nichts nach.« Mannheimer Morgen

"Wahls Bücher sind im Jugendkrimi eine Klasse für sich." Hans ten Doornkaat, NZZ am Sonntag, 17.04.05 "Die inzwischen dreibändige Krimi-Serie mit Kommissar Fors gehört zum Besten, was es auf dem Jugendbuchmarkt gibt." Udo Bartsch, Westdeutsche Zeitung, 29.05.05 "Wie Wahl das entwickelt, wie er dem Täter wieder ein menschliches Gesicht gibt, ohne dabei die Opfer zu verraten, das ist große Jugendliteratur, die auch erwachsene Leser nachhaltig beeindruckt." Frankfurter Neue Presse, 16.07.05 "Mats Wahls Krimiserie gehört zum Besten, was es auf dem Jugendbuchmarkt gibt." Udo Bartsch, Mannheimer Morgen, 11.06.05 "Mats Wahl kann blenden und außerordentlich spannend erzählen." Anne Overlack, Stuttgarter Zeitung, 18.10.05 "Wie Wahl das entwickelt, dass er dem Täter wieder ein menschliches Gesicht gibt, ohne dabei die Opfer zu verraten,das ist große Jugendliteratur, die auch erwachsene Lesernachhaltig beeindruckt." Frankfurter Neue Presse, Hedwig Kaster-Bieker, 16.7.05
Mats Wahl, geboren 1945 auf der Insel Gotland, lebt als Dozent für Pädagogik und Psychologie in Stockholm. Neben zahlreichen Auszeichnungen in seinem Heimatland Schweden erhielt er den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Leseprobe zu "Kill" von Mats Wahl

Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch

Als die Schüsse fielen, befanden sich vierundfünfzig Kinder und sechs Erwachsene im Speisesaal der Schule. Dem ersten Schuss folgten unmittelbar vier weitere, alle Schüsse wurden innerhalb von vier, fünf Sekunden abgegeben.

Die Kinder im Speisesaal fingen schon beim ersten Knall an zu schreien, obwohl noch keine Folgen der Schüsse zu sehen waren. Die vierte Kugel traf Birgitta Winblad in den linken Mundwinkel, sie streifte den Unterkiefer und trat durch die Wange unterhalb des linken Ohrläppchens wieder aus.

Birgitta Winblad, die seit zweiundzwanzig Jahren in der Essensausgabe arbeitete, hob eine Hand zur linken Wange und sah, wie Blut von der Hand zum Ellenbogen rann. Gleichzeitig sah sie den Jungen auf der anderen Seite des Tresens vornüber zu Boden fallen.

Eine Lehrerin mit einem weißen Pu-der-Bär-T-Shirt hatte einige Achtjährige zu Boden gerissen. Sie schob die Kinder unter den Tisch, an den sie sich gerade setzen wollten.

Die Lehrerin hieß Filippa Ernblad. Sie war frisch verheiratet und in der zehnten Woche schwanger. Vier Jahre lang war sie bei der Luftwaffe gewesen und wusste, wie es klingt, wenn geschossen wird. Sie war mit Schusswaffen vertraut. Als Jugendliche hatte sie beschlossen, sich bei der Luftwaffe zu bewerben, um Truppenausbilderin zu werden. Stattdessen war sie Lehrerin geworden. Sie war achtundzwanzig Jahre alt, als sie an diesem Augusttag Birgitta Winblad zu einem Stuhl wanken und darauf niedersinken sah, die linke Hand gegen die Wange gepresst. Blut spritzte hervor und bildete vor ihren Füßen auf dem Boden eine Lache.

Die Kinder um Filippa herum schrien und klammerten sich an sie. Die Augen der Kinder waren schwarz von einem Entsetzen, das sie noch nie in den Augen schwedischer Kinder gesehen hatte. Filippa tastete nach ihrem Handy und wählte den Notruf.

Sie kam nicht durch. Die Nummer war besetzt.

Unter einem anderen Tisch sah sie ihre Kollegin, die gleichaltrige und hochschwangere Lina Hult, an ihrem Telefon fingern. Filippa rief Lina zu:

»Besetzt! Ruf zu Hause an!«

Nach dem fünften Schuss schien Stille einzutreten, obwohl es keineswegs still war. Kinder weinten und schrien, Lehrer riefen ihren Schülern zu, sie sollten ruhig liegen bleiben, nach einer Weile verstummten die Schreie und nur noch Schluchzen und Rufe nach den Lehrern waren zu hören.

Filippa rief ihre Freundin in der Bank an.

Die Freundin, Karin Landmark, nahm das Gespräch entgegen, während sie für eine runzlige Frau mit dicken Brillengläsern und wackelndem Kopf ein Formular ausfüllte.

»Landmark«, meldete sich Karin Landmark. »Einen Augen...«

»Karin!«, rief Filippa. »In der Schule wird geschossen!«

Karin Landmark drehte sich mit ihrem Bürostuhl, sodass sie der alten Frau mit den dicken Brillengläsern und dem wackelnden Kopf den Rücken zukehrte.

»Was!?«

»In der Schule wird geschossen. Jemand ist ins Gesicht getroffen worden und auf dem Fußboden liegt ein Junge.«

»Wo bist du?«

»Unter einem Tisch im Speisesaal. Ich komm nicht durch beim Notruf. Kannst du es bitte versuchen!«

Filippa beendete das Gespräch und setzte sich kriechend in Bewegung, und sechs ihrer achtjährigen Schüler folgten ihr, alle kriechend, genau wie die Lehrerin.

Filippa drehte sich um.

»Bleibt unter dem Tisch!«, rief sie. Und das Mädchen, das Ebba hieß, blieb unter dem Tisch, als ginge es um ein Spiel, in dem man sich ganz still verhalten musste, sobald die Lehrerin einen ansah. Filippa fiel ein, dass Ebbas Mutter Polizistin war. Filippa streckte Ebba das Telefon hin, doch ehe das Mädchen es ergreifen konnte, zog sie es zurück.

»Welche Telefonnummer hat deine Mama?«

Ebba, mit einer Gesichtshaut wie Zeitungspapier und dünnen, farblosen Lippen, ratterte die Nummer herunter. Filippa wählte.

»Polizeiassistentin Högberg«, meldete sich eine Frauenstimme auf der schlechten Handyverbindung.

»Hallo, hier ist Filippa Ernblad, Ebbas Lehrerin. Jemand schießt in der Schule, ich komme beim Notruf nicht durch. Hier gibt es einen Idioten, der auf Kinder schießt!«

Und Filippa merkte, dass sie ihren Blick starr auf den Jungen gerichtet hatte, der am Tresen gestanden hatte. Der Junge lag auf dem Rücken und bewegte eine Hand, langsam, als wäre er unendlich müde.

»Wo ist Ebba?«, fragte die Stimme aus dem Telefon.

Da begann Filippa zu weinen.

»Sie ist hier, neben mir. Ihr fehlt nichts.«

»Mama«, flüsterte Ebba.

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