Leseprobe zu "Ellen, Schutzengel" von Anna Palm
"Als ich endlich am Theater bin, stürze ich die hohen Stufen hinauf. Schon wieder komme ich erst, wenn alle schon da sind. Und diesmal bin ich auch noch ungekämmt und ungeschminkt. Ich drücke die Türklinke hinunter. Unsicher tapse ich ins Foyer, lasse meinen Blick über Plakate schweifen. Am Empfang steht eine Frau mit Dauerwelle. Ich stammele etwas von Wilhelm Tell, wedele mit der Eintrittskarte und grinse blöde. Die Frau mustert mich und hebt eine Braue. Ich mag es nicht, wenn Leute so gucken.
Schließlich zeigt sie mir, wo ich langgehen muss. Ich stemme mich mit meinem ganzen Gewicht gegen die Tür - ist ... die ... schwer - und stolpere in den Saal. Alle schauen mich an. Ich suche den Saal nach meinen Klassenkameraden ab. Wo sind die denn?
'Hey, Mami, die find ich noch besser als den, der die Äpfel erschießt!', höre ich ein Kind neben mir sagen. Ich kämpfe mich durch die Reihen und die Menschen raunen. Da drüben ist Frau Finn. Und ja, Neele, Katja, Mick, Bo sind auch da - zum Glück.
(...)
Neben Neele ist ein freier Platz, ich setze mich. Die Schauspieler werden nervös, das Publikum konzentriert sich nicht mehr. Mir wird unerträglich heiß und ich beiße mir auf die Unterlippe. Katja flüstert ihrer Freundin etwas ins Ohr, Bo und Mick grinsen mich breit an. Das können doch nicht nur meine Haare sein! Ich habe sie notdürftig mit den Fingern durchgekämmt, und nur weil ich mal keine Bürste und kein Spray benutzt habe ... Allmählich überrollt mich eine Panikwelle. Vorn stehen zwei Frauen auf und recken die Hälse. Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Neele bearbeitet meine Hüfte mit ihrem Ellbogen. 'Ellen, was hast du an?', murmelt sie. Ich sehe an mir herunter - und erstarre: Chucks, graue Jeans und ... mein Pyjamaoberteil." Anna
Leseprobe zu "Ellen, Schutzengel" von Anna Palm
"Als ich endlich am Theater bin, stürze ich die hohen Stufen hinauf. Schon wieder komme ich erst, wenn alle schon da sind. Und diesmal bin ich auch noch ungekämmt und ungeschminkt. Ich drücke die Türklinke hinunter. Unsicher tapse ich ins Foyer, lasse meinen Blick über Plakate schweifen. Am Empfang steht eine Frau mit Dauerwelle. Ich stammele etwas von Wilhelm Tell, wedele mit der Eintrittskarte und grinse blöde. Die Frau mustert mich und hebt eine Braue. Ich mag es nicht, wenn Leute so gucken.
Schließlich zeigt sie mir, wo ich langgehen muss. Ich stemme mich mit meinem ganzen Gewicht gegen die Tür - ist ... die ... schwer - und stolpere in den Saal. Alle schauen mich an. Ich suche den Saal nach meinen Klassenkameraden ab. Wo sind die denn?
'Hey, Mami, die find ich noch besser als den, der die Äpfel erschießt!', höre ich ein Kind neben mir sagen. Ich kämpfe mich durch die Reihen und die Menschen raunen. Da drüben ist Frau Finn. Und ja, Neele, Katja, Mick, Bo sind auch da - zum Glück.
(...)
Neben Neele ist ein freier Platz, ich setze mich. Die Schauspieler werden nervös, das Publikum konzentriert sich nicht mehr. Mir wird unerträglich heiß und ich beiße mir auf die Unterlippe. Katja flüstert ihrer Freundin etwas ins Ohr, Bo und Mick grinsen mich breit an. Das können doch nicht nur meine Haare sein! Ich habe sie notdürftig mit den Fingern durchgekämmt, und nur weil ich mal keine Bürste und kein Spray benutzt habe ... Allmählich überrollt mich eine Panikwelle. Vorn stehen zwei Frauen auf und recken die Hälse. Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Neele bearbeitet meine Hüfte mit ihrem Ellbogen. 'Ellen, was hast du an?', murmelt sie. Ich sehe an mir herunter - und erstarre: Chucks, graue Jeans und ... mein Pyjamaoberteil." Anna