Der geheime Garten / cbj Klassiker Bd.18 - Burnett, Frances Hodgson

Frances Hodgson Burnett 

Der geheime Garten / cbj Klassiker Bd.18

Illustrator: Matthies, Don-Oliver
Broschiertes Buch
 
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Der geheime Garten / cbj Klassiker Bd.18

Ein Abenteuer kommt selten allein ...

Kinder brauchen Klassiker. Geschichten, die die Fantasie beflügeln, den Entdeckergeist wecken und neugierig machen auf die großen Abenteuer dieser Welt. Die cbj Taschenbuch-Klassiker versammeln die beliebtesten und aufregendsten Kinderromane der Weltliteratur - zum Schmökern, Träumen und Immer-Wieder-Lesen.

Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die verwöhnte Mary auf das Gut ihres sonderbaren Onkels in England. Hier findet sie eines Tages den geheimen Zugang zu dem verborgenen Lieblingsgarten ihrer verstorbenen Tante. Heimlich beginnt sie, den Garten zu pflegen. Manchmal hört sie des Nachts seltsame Schreie und glaubt zunächst an Spuk. Doch bei einem Streifzug durch das Anwesen findet sie ihren Cousin Colin, der den ganzen Tag als eingebildeter Kranker im Bett liegt und die Dienerschaft tyrannisiert. Bald wandelt sich auch Colin durch Marys Freundschaft und durch den wundersamen Einfluss des geheimen Gartens - bis er eines Tages zum ersten Mal seinen Rollstuhl verlässt ...

- In wunderschöner moderner Ausstattung mit traumhaften Coverillustrationen von Dieter Wiesmüller- Behutsam überarbeitet und gekürzt für Kinder


Produktinformation

  • Verlag: Cbj
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 183 S. m. Illustr. v. Don-Oliver Matthies.
  • Seitenzahl: 192
  • cbj Taschenbücher Bd.22101
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 181mm x 126mm x 20mm
  • Gewicht: 215g
  • ISBN-13: 9783570221013
  • ISBN-10: 3570221016
  • Best.Nr.: 26263929
Frances Hodgson Burnett, geb. am 24.11.1849 in Manchester, gestorben am 29.10.1924 in Plandome Park/Long Island. Burnett wuchs in den Slums von Manchester auf und wanderte 1865 nach Amerika aus. Sie schrieb knapp 40 sentimental-romantische Kinderromane.

Leseprobe zu "Der geheime Garten / cbj Klassiker Bd.18"

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Als Mary Lennox zu ihrem Onkel nach Schloss Misselthwaite gebracht wurde, fand ein jeder, sie sei ein besonders unangenehmes, abweisendes Kind, und sie hatte auch wirklich nichts Anziehendes an sich. Gesicht und Gestalt waren klein und mager, das dünne Haar farblos, und sie schaute mürrisch drein. Ihre Haut hatte einen gelben Stich, denn sie war in Indien geboren und seit der Geburt immer kränklich. Ihr Vater nahm eine hohe Stellung in der englischen Kolonialregierung ein, war immer sehr beschäftigt und selbst leidend, die Mutter eine bekannte Schönheit, die nichts im Kopf hatte als Gesellschaften und amüsante Leute, die sie bewunderten. Sie hatte nie ein Kind haben wollen, und als sie ein Töchterchen bekam, übergab sie die Kleine sofort der Obhut einer Ayah, einer Kinderfrau, und machte ihr klar, das Kind dürfe ihr, der Memsahib, so wenig wie möglich vor Augen kommen. Die indische Kinderfrau hielt sich daran, und so merkte die Mutter kaum, wie aus dem kränklichen, hässlichen, winzigen Schreihals ein kränkliches, hässliches, mürrisches Kleinkind wurde.

Kein anderes Gesicht als das dunkle der Ayah wurde Mary vertraut, sie sah fast nur sie und die anderen eingeborenen Dienstboten, und die gehorchten der kleinen Herrentochter immer und gaben ihr in allem nach, damit sie nur ja nicht schrie und die Mutter aufbrachte. Ganz selbstverständlich war sie mit sechs Jahren ein so tyrannisches und eigensüchtiges Balg wie nur möglich. Die junge englische Gouvernante, die ihr Lesen und Schreiben beibringen sollte, fand das Kind so unerträglich, dass sie die Stellung schon nach drei Monaten aufgab, und alle ihre Nachfolgerinnen räumten das Feld sogar noch schneller. Mary hätte so wahrscheinlich nie Lesen und Schreiben gelernt, doch sie wollte es selbst lernen und brachte sich allein das Alphabet bei.

An einem schrecklich heißen Morgen - Mary war damals neun Jahre alt - erwachte sie in besonders übler Laune, und die wurde noch schlimmer, als sie erkannte, dass die Dienerin neben ihrem Bett nicht die Ayah war.

"Was hast du hier zu suchen?", fuhr sie die dunkle Frau an. "Ich will dich nicht hier. Schick mir sofort meine Ayah!"

Die Frau verzog erschrocken das Gesicht und stammelte, die Ayah könne nicht kommen. Mary bekam einen Wutanfall, schlug sie und trat sie mit Füßen, worauf die Frau nur noch ängstlicher dreinschaute und wiederholte, der Ayah sei es nicht möglich, zu Missie Sahib zu kommen.

Etwas lag an diesem seltsamen Morgen in der Luft. Nichts war wie sonst. Man sah kaum Boys - die eingeborenen Diener - und die wenigen schlichen oder eilten aschgrau und verschreckt an Mary vorbei. Von niemandem erfuhr sie etwas und die Ayah kam und kam nicht. Mary blieb den ganzen Vormittag allein. Schließlich ging sie in den Garten und spielte für sich allein unter einem Baum neben der Veranda. Sie tat, als legte sie ein Blumenbeet an, machte kleine Erdhäufchen und steckte feuerrote Hibiskusblüten hinein.

Dann hörte sie die Mutter mit jemandem auf die Veranda kommen. Dieser Jemand war ein blonder junger Mann, und die beiden sprachen gedämpft und bedrückt miteinander.

"Ist es so schlimm? Wirklich so schlimm?", fragte die Mutter leise.

"Es ist entsetzlich", erwiderte der Mann mit zitternder Stimme. "Ganz entsetzlich, Mrs Lennox. Sie hätten schon vor vierzehn Tagen in die Berge fahren sollen."

Die schöne junge Frau rang die Hände. "Ja, es ist meine Schuld", rief sie gepresst. "Ich war eine Närrin. Und nur wegen dieser dummen Dinnergesellschaft!"

Da erhob sich in den Dienerunterkünften ein lautes Jammern und Wehklagen. Die Memsahib umklammerte den Arm des jungen Mannes, und Mary begann, am ganzen Körper zu zittern. Das schrille Wehklagen wurde lauter und lauter.

"Was ist das? Was bedeutet das?", keuchte Mrs Lennox.

"Jemand ist gestorben. Mrs Lennox, Sie haben mir nicht gesagt, dass die Krankheit schon unter Ihren Dienern wütet!"

"Ich wusste es nicht! Kommen Sie mit mir." Sie wandte sich um und lief ins Haus.

Nun spielte sich Entsetzliches ab, und Mary verstand plötzlich, warum der Vormittag so seltsam und anders gewesen war. Die Cholera war ausgebrochen, sie wütete in ihrer schlimmsten Form und die Menschen starben wie die Fliegen. In der Nacht war die Ayah erkrankt, und nun wehklagten die Dienstleute, weil sie gestorben war. Drei weitere Diener starben am selben Tag und die anderen liefen in Panik davon.

Der Tag verging in Wirrwarr und Durcheinander. Mary hielt sich im Kinderzimmer versteckt und niemand kümmerte sich um sie. Niemand dachte an sie, niemand wollte etwas von ihr, und sie erfuhr nichts von den schrecklichen Dingen, die sich ereigneten. Einmal schlich sie ins Speisezimmer und fand es leer. Auf dem Tisch standen Reste einer Mahlzeit, und Tisch und Sessel und Teller sahen aus, als wären die Essenden plötzlich aufgesprungen und hätten alles liegen und stehen lassen. Das Kind aß Obst und ein paar Kekse, und weil es durstig war, trank es ein fast volles Glas Wein aus. Der Wein war süß und schmeckte gut, und die Kleine merkte nicht, wie stark er war. Er machte sie sehr schläfrig, sie ging zurück ins Kinderzimmer, legte sich aufs Bett und wusste lange Zeit nichts von sich.

Als sie erwachte, blieb sie ruhig liegen und starrte zur Wand. Das Haus lag völlig still da. So still war es noch nie gewesen. Weder Schritte noch Stimmen waren zu hören, und Mary dachte, nun seien alle wieder gesund und das Leben im Lot. Nur, wer würde sich jetzt, da ihre Ayah tot war, um sie selbst kümmern? Wahrscheinlich bekam sie eine neue Ayah, und die würde neue Geschichten wissen, und das war gut, denn die alten waren Mary schon langweilig geworden. Sie weinte nicht um ihre tote Ayah. Sie hatte ja nicht gelernt, für jemanden Liebe zu empfinden.

Niemand kam, und je länger Mary so dalag, umso stiller schien ihr das Haus zu werden. Nun raschelte etwas auf dem Fußboden, und sie sah eine kleine Schlange, die sie mit juwelenfunkelnden Augen anstarrte. Mary erschrak nicht, sie wusste, diese Schlange war harmlos, sie würde ihr nichts zuleide tun. Die Schlange kroch zur Tür und war auch schon durch die Ritze verschwunden.

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Bewertung von Leseratte am 18.12.2009 ***** ausgezeichnet
Gleich auf den ersten Seiten erfährt man vom schrecklichen Schicksal der 9jährigen Mary Lennox. Sie ist bei ihren britischen Eltern in Indien aufgewachsen. Doch eines Tages verstarben sowohl die Eltern als auch einige Diener des Haushalts, darunter auch Marys Amme, an der Cholera. Natürlich tut Mary einem sehr leid, doch Frances H. Burnett gelingt es, ebenfalls gleich auf den ersten Seiten ein deutliches Bild von der Verzogenheit und Unduldsamkeit des Kindes zu zeichnen. Aufgewachsen in Reichtum und von nachgiebigen Dienern erzogen, ist Mary selbstverliebt und kaum fähig, Mitgefühl für die verstorbenen Eltern zu empfinden. Sie ist eher erbost darüber, dass niemand da ist, der sie anzieht.

Mary wird auf den Landsitz ihres ebenfalls reichen Onkels nach England gebracht und muss feststellen, dass dieser Verwandte sich nicht allzu viel aus ihr macht. Die Haushälterin erbarmt sich ihrer und versucht, Mary grundlegende Regeln beizubringen, z.B. dass sich ein neunjähriges Mädchen durchaus selbst anziehen kann. Doch auch die Haushälterin kann dem Mädchen nicht die Familie ersetzen. Und Mary fängt an, das Schloss und die Gegend zu erkunden. Sie entdeckt, dass ihr Cousin Colin mit im Schloss lebt, aber niemand sehen will. Und sie entdeckt einen Garten, dessen Tor verschlossen ist und niemand kann oder will ihr sagen, wo der Schlüssel ist…

Mary gelangt irgendwann aber doch hinein und entdeckt einen wunderschön angelegten, aber verwilderten Garten. Diesen Ort beginnt sie zu lieben. Zu Anfang ist sie nur da, um da zu sein, doch nach und nach entfernt sie das Unkraut, gießt die Pflanzen und fängt an, sich an der Schönheit des Gartens zu freuen. Im Verlauf dieser Zeit erlebt der Leser, wie sich Marys Persönlichkeit verändert. In dem Maß, in dem sie anfängt, für die Pflanzen eine Art Verantwortung zu übernehmen, wächst auch Marys Verständnis für die Menschen um sie herum. Aus dem ichbezogenen Kind wird nach und nach eine liebenswürdige Person, die sich Sorgen um ihren im Rollstuhl sitzenden Cousin macht und Freundschaft mit einem Jungen aus dem Dorf schließt.

Der Garten ist der Dreh- und Angelpunkt dieser zauberhaften Geschichte. Er ist der Schlüssel zur Klärung vieler Fragen: Warum ist der Onkel so mürrisch? Warum sitzt Colin im Rollstuhl? Warum durfte ihn zehn Jahre lang niemand betreten? Am Ende des Buches werden alle diese Fragen beantwortet sein. Da ich großes Vergnügen daran hatte, beim Lesen die Antworten nicht zu kennen, lasse ich sie an dieser Stelle ebenfalls offen.

Ich denke man hört schon heraus, dass dies nicht nur ein Buch für Kinder ist. Natürlich ist der Schreibstil kindgerecht, aber man findet sich schnell in die einfache Erzählweise hinein und ist von der Geschichte gefesselt, dass dies nicht weiter stört.

Die Art, in der Frances H. Burnett den Charakter von Mary herausarbeitet, finde ich sehr bemerkenswert. Und darin liegt meines Erachtens nach auch der Zauber dieser Geschichte: Man erlebt eine großartige Verwandlung eines jungen Menschen mit, vergleichbar mit der Metamorphose einer Raupe zu einem wunderschönen Schmetterling.

Fazit: Ein wunderschönes Buch, nicht nur für Kinder.

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