Paloma - Mayröcker, Friederike

Paloma

Friederike Mayröcker 

 
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Paloma

Paloma: Das Buch trägt den Namen der Tauben im Flieder, der geflügelten Boten im Azur. 99 Briefe auf der Kreisbahn eines Jahres, von Mai 2006 bis April 2007: "lieber Freund, die weiszen Lilien, die du mir zur Tür gelegt hast, sind eine grosze Lust mein Schreibzimmer voll Glanz und Duft : das wird mich anfeuern zu schreiben", hebt der erste von ihnen an, in den Frühling geschrieben, den dichtenden Vögeln nach. "Fern Schreiben" sind es, an den Freund, den Leser und an ihn, den abwesenden Verbündeten, der dahin ist und doch nie gegangen. Während draußen die Gegenstände wie Bühnenkulissen wechseln und das Leben sich im Fenster vis-à-vis spiegelt, hält Friederike Mayröcker Zwiesprache mit sich selbst: "bin den ganzen Tag am Lauschen : Worte, Wortbilder, Sätze, ( ) fliege immer wieder auf und nieder, hierhin und dahin."
Paloma ist ein kühnes, poetisches, wildes Buch über den Umgang mit sich und die "Menschen Verhältnisse", die Generalinventur einer großen Dichterin. Über das Schreckgespenst des Alters, die Geisteszerrüttung, den Schwindel siegt eine tiefe Lebenslust, die Glut des Schreibenwollens und die rücksichtslose Hingabe an die alles verwandelnde, tragende, die zum Himmel auffahrende Sprache: "Möchte saphirene Texte schreiben tatsächliches Blau."


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Originalausgabe.
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 198 S.
  • Seitenzahl: 198
  • Best.Nr. des Verlages: 41956
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 131mm x 23mm
  • Gewicht: 318g
  • ISBN-13: 9783518419564
  • ISBN-10: 3518419560
  • Best.Nr.: 23312803
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.05.2008

Mir schwebt etwas Zartes vor
Inneres Gemurmel: Friederike Mayröckers Briefbuch „Paloma”
Jeder dieser „Briefe” an einen „lieben Freund” – es sind insgesamt 99 – ist ein so intensives wie unspezifisches Kommunikationsangebot, schnöde und mit compassion gesagt. Die Anrede an den „lieben Freund” schlägt einen vertrauten Ton an, aber alle wir Leser sind die „lieben Freunde”, denen dies Ich seine „Zustände” anvertraut. Und wenn auch die Brief-Form eine literarische Form ist, so ist doch das Mitgeteilte gewissermaßen unliterarisch, das Leben, das Befinden Friederike Mayröckers nämlich, beleuchtet, ausgeplaudert, beklagt, besungen in höchstens zwei Seiten langen Texten, „Briefen” eben, von Mai 2006 bis April 2007 datiert.
Solche Aufzeichnungen könnten trockenste, härteste Prosa sein, könnten in die Selbstreflexion, gar ein begriffliches Rechenschaftsgeben hinübergehen im höchsten Alter; die Autorin sagt ganz unkokett, dass sie 84 Jahre alt ist. Aber Friederike Mayröcker schreibt in ihrer „pneumatischen Fetzensprache”, haucht alles in einer melancholischen Hast hin, im Ton einer entzückenden Leier, klagend und zugleich …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.03.2008

Ich hatte immer Zweifel
Auf der Suche nach dem knallroten Freud und dem Geheimnis ihrer Poetik: Ein Treffen mit der Schriftstellerin Friederike Mayröcker im "Café Imperial" in Wien

Ich lebe ich schreibe", heißt es in Friederike Mayröckers Erzählung "mein Herz mein Zimmer mein Name". Ohne Punkt oder Komma voneinander getrennt, sind Leben und Schreiben bei ihr eins geworden, und es hat sich längst ein ganzer Mythos gebildet um diese mayröckersche Schreibexistenz im undurchdringlichen Wohnungswirrwarr zwischen Büchern und Zetteln. Lange Jahre war es ein Leben zu zweit: Sie arbeitete als Englischlehrerin, als sie 1954, da war sie dreißig und noch verheiratet mit einem sehr viel älteren Mann, den Dichter und Lehrer Ernst Jandl kennenlernte. Er wurde die Liebe ihres Lebens. Beide empfanden das Korrigieren der Schulhefte als lästig, wollten leben, um zu schreiben - und umgekehrt, brauchten einige Jahre, um die Ehe zu vermeiden, zogen nie zusammen, verzichteten auf Kinder, kochten nie irgendetwas, sondern telefonierten von der einen Wohnung zur anderen und trafen sich abends bei ihm. Friederike Mayröcker ließ sich 1969 frühpensionieren, nach …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

In ihrem neuen Buch hat Friederike Mayröcker dem Eindruck von Rezensent Paul Jandl zufolge ihre immer noch tiefe "erdschwere Trauer" um ihren verstorbenen Gefährten Ernst Jandl in "flügelschlagende Poesie" verwandelt. Es handelt sich, wie der Rezensent schreibt, um neunundneunzig im Verlauf von elf Monaten verfasste Briefe, die die Dichterin an einen nicht näher bezeichneten "lieben Freund" adressiert habe. Zwar wird dem Rezensenten beim Lesen schnell klar, dass dieser Adressat lediglich eine "Hilfskonstruktion des Herzens" für die Autorin ist. Doch die radikale Intimität des Tons, den diese Form ermöglicht, empfindet er als großen Vorteil dieser Komposition. Das jeweilige Datum ordne die Notate chronologisch und lasse den gleichmachenden Strom der Zeit durch sie hindurch fließen, in dem Jandl Erhabenes und Banales, Gegenwart und Erinnerung, Traum und Alltag zu einer Sprache der Poesie verschwimmen sieht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Friederike Mayröcker, Jahrgang 1924, ist eine besessene Vielschreiberin und Sprach-Experimentiererin, die mit den Methoden der freien Assoziation und der surrealistischen Collage arbeitet und deren dichterisches Werk über 80 Bände umfasst. 2009 wurde sie mit dem Hermann-Lenz-Preis geehrt, im Jahr 2010 wird ihr der Horst-Bienek-Preis für Lyrik der Bayerischen Akademie der Schönen Künste verliehen.

7 Marktplatz-Angebote für "Paloma" ab EUR 2,98

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