Im Vorhof der Kunst - Günter, Manuela

Manuela Günter 

Im Vorhof der Kunst

Mediengeschichten der Literatur im 19. Jahrhundert

Broschiertes Buch
 
Führen wir nicht mehr
Nicht lieferbar
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Im Vorhof der Kunst

Dieses Buch leistet die Rekonstruktion eines für die Literaturgeschichte folgenreichen Prozesses: die Überlagerung des Literatursystems durch die Massenmedien im Laufe des 19. Jahrhunderts und das damit verbundene Gendering des gesamten literarischen Lebens. Ausgehend vom Boom der periodischen Printmedien und der extensiven Praxis des Romanvorabdrucks werden - entgegen der üblichen Verfallsperspektive - einerseits die Funktionsänderungen beschrieben und die Spielräume ausgelotet, die die Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch ihr Aufgehen in den Familien- und Rundschauzeitschriften hinzugewinnt. Zum anderen erweisen sich in dieser medienhistorischen Perspektive die zentralen Kategorien der Literaturwissenschaft - Autor, Werk, Gattung - als dringend revisionsbedürftig.


Produktinformation

  • Verlag: Transcript
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 378 S.
  • Seitenzahl: 378
  • Lettre
  • Deutsch
  • Abmessung: 22, 5 cm
  • Gewicht: 540g
  • ISBN-13: 9783899428247
  • ISBN-10: 3899428242
  • Best.Nr.: 23329262
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.09.2008

Vorabdrucke sind was für Weiber

Wahre Kunst hat in der Zeitung nichts verloren, der ganze Betrieb verweichlicht die Literatur nur: Manuela Günter ist den Affären zwischen Schriftstellern und Medien auf der Spur.

Pustkuchen hieß der Mann, der den alten Goethe schier zur Verzweiflung brachte. Dieser ebenso talentierte wie ambitionierte Lehrer aus Lemgo hatte es tatsächlich gewagt, ein Werk des Olympiers schon vor dessen Publikation zu parodieren. Als die von Goethe mehrmals und über Jahre hinweg angekündigte Fortsetzung des Romans "Wilhelm Meisters Lehrjahre" einfach nicht kommen wollte, nahm Pustkuchen die Sache selbst in die Hand. Im Februar 1821 erschien anonym "Wilhelm Meisters Wanderjahre", drei Monate vor dem Erscheinen eines Romans desselben Titels aus der Feder Goethes. Pustkuchen war allerdings kein bloßer Plagiator und schon gar kein Scherzbold; er arbeitete vielmehr in ernster, ja, man muss geradezu sagen: in heiliger Absicht. Mit seinem Werk wollte er zeigen, wie Goethe zu übertreffen wäre, vor allem, wie man dessen von den Zeitgenossen oft als unmoralisch beanstandetes Personal durch wahrhaft edel handelnde Figuren ersetzen …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Der Studie von Manuela Günter zur Differenz männlich/weiblich in der Literatur des 19. Jahrhunderts kann Christian Schärf einiges abgewinnen. Sowohl die Rückzüge ins Autistische von Autoren wie Flaubert und Nietzsche, als auch die stilbildende Durchmischung von "männlichem Kunstanspruch" und "weiblicher Medialisierung" im literarischen Realismus, in Novelle und Feuilletonroman, kann Schärf mit Hilfe dieses Buches besser verstehen. Dass Günter "ausnahmslos schlüssig" argumentiert, weckt beim Rezensenten allerdings die Vorstellung von allzu emsig geglätteten Falten. Dem ihm zu Beginn der Lektüre heftig ins Gesicht schlagenden "systemtheoretischen Jargon" dagegen hätte Schärf gerne mehr "weibliche", medial geprägte Affären gewünscht.

© Perlentaucher Medien GmbH

.
Manuela Günter (PD Dr. phil.) lehrt Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Köln. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Literatur und Medien, Autobiographie des 18.-20. Jahrhunderts, Gender/Cultural Studies sowie Shoah-Literatur
Mehr von