Bundesrepublik Deutschland und DDR 1949-1990 - Wehler, Hans-Ulrich

Hans-Ulrich Wehler 

Bundesrepublik Deutschland und DDR 1949-1990

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Bundesrepublik Deutschland und DDR 1949-1990

Hans-Ulrich Wehlers Deutsche Gesellschaftsgeschichte gehört zu den herausragenden historischen Werken unserer Zeit. Vor rund zwanzig Jahren erschien der erste Band über Deutschland von 1700 bis 1815 und wurde sofort ein großer Erfolg. Mit diesem eindrucksvollen fünften Band gelangt ein epochales Werk zum Abschluß, das mehr als dreihundert Jahre deutscher Geschichte umspannt und eine ganze Generation von Historikern geprägt hat. Es wird auf lange Sicht kaum ein anderes Werk geben, das in vergleichbarem Umfang die deutsche Geschichte zur Darstellung bringt.

Wehlers tragendes Konzept ist gleich geblieben - und es trägt auch für die Zeit nach 1945: Politische Herrschaft und Kultur, Wirtschaft, soziale Ungleichheit stehen im Zentrum der Darstellung, die immer wieder die Frage umkreist, wie Herrschaft organisiert wird und welche soziale Realität sie hervorbringt. Daß dabei das Urteil über die DDR höchst kritisch ausfällt, mag nicht weiter überraschen. Doch auch die Bundesrepublik, so zeigt sich, weist bei aller demokratischen Verfasstheit überraschende Kontinuitäten sozialer Schichtung und Ungleichheit auf. Das gern gepflegte Bild von der offenen Gesellschaft mit Aufstiegsmöglichkeiten für jedermann erweist sich bei genauerer Betrachtung als empirisch wenig stichhaltig - vor allem die Kontinuität der Eliten und der Besitzverhältnisse ist, wie Wehler herausarbeitet, ein Kennzeichen auch der westlichen Demokratie der Nachkriegszeit.


Produktinformation

  • Deutsche Gesellschaftsgeschichte
  • Bd.5
  • Verlag: Beck
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. XVII, 529 S.
  • Seitenzahl: 560
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 149mm x 38mm
  • Gewicht: 815g
  • ISBN-13: 9783406521713
  • ISBN-10: 3406521711
  • Best.Nr.: 21384195
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.08.2008

Angst vor der Geschichte
Hans-Ulrich Wehler, Großhistoriker seiner Generation, legt den letzten Band seiner "Gesellschaftsgeschichte" vor. Und da liegt er dann

VON FRANZ WALTER

Ein gigantisches Projekt ist abgeschlossen. Jetzt kann man auch den fünften Band der deutschen "Gesellschaftsgehichte" von Hans-Ulrich Wehler kaufen. 21 Jahre mussten seine Fans darauf warten; nun endlich hat ihnen der Schulmeister der "Historischen Sozialwissenschaft" die deutsche Geschichte der letzten drei Jahrhunderte komplett durchgedeutet.

"Historische Sozialwissenschaft" - das war vor rund 40 Jahren der Fanfarenstoß einer Gruppe von jüngeren Historikern der Bundesrepublik. Ihr Programm: Geschichte sollte nicht mehr erzählt werden, hatte sich nicht mehr auf die großen Taten großer Männer zu fixieren. Die neue Generation, die sich früh schon um ihren unumstrittenen Anführer in Bielefeld - eben Wehler - scharte, wollte Geschichte analysieren, Strukturen auffinden, die Sphären der sozialen Ungleichheit ausleuchten.

Mittlerweile ist Wehler längst emeritiert. Und doch arbeitet er unermüdlich an der Bildung des Bürgertums. Hart ist die …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Das Bild, das Hans-Ulrich Wehler von der deutschen Nachkriegsgeschichte zeichnet: "in hohem Maße statisch". Viele Kriterien seiner "apodiktischen" Urteile: "unklar". Seine Thesen zum "fortwirkenden Leistungsfanatismus" der Nazis: spekulativ und wenig "solide" . Wie er seine Kategorien konstruiert: nach Gutdünken. Wehlers massiver Einfluss auf die deutsche Geschichtswissenschaft der letzten Jahrzehnte: von "vergiftender" Wirkung. Sein Begriff von Sozialkultur: kaum vorhanden. Das Bild der DDR als "sowjetische Satrapie": "verkürzt". An kritischen Anmerkungen zu diesem abschließenden Band von Wehlers Gesellschaftsgeschichte lässt es der Rezensent Andreas Rödder wahrlich nicht fehlen. Eher sparsam dosiertes Lob gibt es allerdings auch. Die Betonung der nach wie vor vorhandenen sozialen Ungleichheit hält er für wichtig. Die Darstellung der Wiedervereinigung "im Inneren" scheint ihm richtig. Aber so vieles übersieht Wehler, so Rödder, und zwar aus systematischen Gründen. Am wichtigsten vielleicht die Bedeutung, die das Erfahren von Geschichte als irreduzible Kategorie hat. Im Ton ist diese Rezension nicht scharf, ihr Resümee aber, dass Wehler mit seiner "Totalgeschichte" trotz der Bedeutsamkeit der Unternehmung mehr oder weniger gescheitert sein dürfte, scheint recht eindeutig.

© Perlentaucher Medien GmbH
Hans-Ulrich Wehler, geboren 1931, studierte Geschichte, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Köln, Bonn und Athens/Ohio. Promotion 1960 bei Theodor Schieder in Köln. Nach seiner Habilitation 1968 lehrte er zunächst als Privatdozent in Köln und wurde 1970 Professor für amerikanische Geschichte an der FU Berlin. Von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1996 war er Professor für Allgemeine Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts in Bielefeld. Gastprofessuren: Harvard (1972, 1989), Princeton (1976), Stanford (1983/1984), Yale (1997).

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